Frankreich, die Maitresse des Terrors

(CHRISTIAN ORTNER) Für rund 30 Millionen Euro hat der französische Staat dieser Tage das elegante Wiener Palais Clam Gallas, lange Zeit Sitz des französischen Kulturinstitutes, an das Erdgas-Emirat Katar verkauft. Der Grund dafür ist einfach: Frankreich ist de facto pleite, der Staat verscherbelt an Immobilienbesitz, was er nicht unbedingt braucht.

Dass ausgerechnet Katar das Palais erwirbt, hat Methode. Denn wann immer die Pariser Regierung klamm ist, ein französisches Unternehmen in Existenznot gerät oder ein Luxushotel gerettet werden muß – Katar springt verläßlich mit den notwendigen Millionen oder Milliarden ein. Kataris kauften den Fußballclub Paris Saint-Germain, halten Anteile am Energiekonzern Total, dem Luxuslabel “Luis Vuitton” und beteiligten sich an der Mediengruppe Lagardère, die am deutsch-französischen Luftfahrtunternehmen EADS (“Airbus”) beteiligt ist. Und natürlich ist Katar einer der wichtigsten Märkte für Frankreichs riesige Rüstungsindustrie.

Entsprechend stark ist der politische Einfluss des Emirates auf die Pariser Regierung: Frankreich, wird an der Seine gespottet, sei die Maîtresse des Emirs. Das ist insofern delikat, als Katar nach Einschätzung fast aller Geheimdienste zumindest vor nicht allzu langer Zeit noch zu den Hauptsponsoren jenes “Islamischen Staates” gehörte, dessen Gesandte jüngst in Paris ein formidables Blutbad anrichteten. Dass Katar bis heute äußerst radikale Islamisten finanziert, ist ein offenes Geheimnis. Salopp gesagt: Den Terror von Paris haben zumindest indirekt jene Freunde Frankreichs am Golf finanziert, von denen die Pariser Regierung dank ihrer traditionell ruinösen Wirtschaftspolitik abhängig ist wie ein Junkie vom Dealer.

Ein eher unschöner Anblick, das. Dass Frankreich nicht nur wie jetzt Opfer des Terrors ist, sondern mit diesem durchaus auch kollaborierte, wird in diesen Tagen in Paris nicht so gern erörtert, ist aber Faktum. Unter Präsident Giscard d’Estaing eröffnete die terroristische PLO ganz offiziell ein Büro in Paris, Ajatollah Khomeini konnte völlig ungeniert von Paris aus die Machtübernahme im Iran vorbereiten. Wenn Präsident Hollande heute zum “Krieg gegen den Terror” rüstet, ist das insofern recht originell, als sich Frankreich lange und erfolgreich dagegen gewehrt hatte, die mörderische schiitische Terrororganisation Hisbollah in die offizielle UNO-Liste der Terrorgruppen aufzunehmen. Nicht Krieg gegen den Terror, sondern eine Politik des Appeasement diesem Terror gegenüber charakterisierte Frankreichs Haltung über viele Jahrzehnte.

Natürlich spielten auch wirtschaftliche, geostrategische und persönliche (Korruption) Interessen eine Rolle – im Kern aber meinten die französischen Eliten, sich Ärger mit dem Terror vom Hals halten zu können, indem man sich mit ihm unter der Bettdecke diskret arrangiert.

Dass dieses Konzept nicht nur extrem unanständig, sondern wie jede Form des Appeasement dem Bösen gegenüber völlig wirkungslos ist, musste Frankreich am Freitag, dem 13. November, blutgetränkt zur Kenntnis nehmen. “Der radikale Islam braucht keinen Grund, um zuzuschlagen”, diagnostiziert der Schweizer Psychotherapeut und Autor Eugen Sorg, “der Zerstörungswille ist immer schon vorher da. Der Westen kann sich verdrehen und verbiegen, wie er will, nichts wird den Hass der Radikalen beeinflussen. Er wird gehasst, weil er der Feind ist, und nicht weil er sich falsch verhalten hat.” (WZ)

22 comments

  1. cmh

    Das ist doch nichts neues!

    1453 richteten die Osmanen französische Stücke gegen die Mauern von Konstantinopel, während beim Entsatz von Wien 1683 lediglich einzelne Franzosen, jedoch keine französischen Truppen mitwirkten.

    Dafür musste sich Eugen dann mit seiner französischen ehemaligen Verwandtschaft prügeln.

    Also in Summe ist der französische Beitrag zum Abendland eher zersetzender Natur gewesen.

  2. Fragolin

    Die Durchdringung Deutschlands und Österreichs mit Petrodollars sieht nicht anders aus. Auch Porsche und Mercedes haben Qataris und Saudis unter ihren Aktionären, und wieviele Staatsanleihen und Währungsbunker diese Staaten mit ihren Petromilliarden halten ist nicht einmal ansatzweise bekannt.
    Wir haben sie jahrzehntelanf mit unserem Geld gefüttert; jetzt geben sie es in ihrem Interesse aus.
    Europa wurde schon lange ausverkauft; was jetzt hereinströmt sind die Kunden für den Ausverkauf, der Run auf die Grabbeltische hat begonnen.

  3. Rado

    Da würde ich nicht mit dem Finger auf Frankreich zeigen. Sehen sie nur mal, was sich in Wien für Vereine tummeln und wer dort auf der Subventionsliste des Rathauses steht.

  4. Ehrenmitglied der ÖBB

    Was den Franzosen ihr Katar ist den Österreichern das “Dialogzentrum” mit Saudi Arabien (in Wien ).
    Das Muster ist ähnlich?

  5. Lisa

    Nichts verbindet Menschen, die sich im Grunde nicht mögen, mehr als ein gemeinsamer Feind… und das ist westliche Lebensart. Geld bedeutet eben Macht und Einfluss – und warum sollen sich die Wüstensöhne, die sie noch vor wenigen Jahrzehnten waren, den neuen Luxus – und die neue Einflussnahme nicht gönnen? Zudem: mit Europa lassen sich noch reelle Geschäfte machen, da ein Kaufvertrag noch etwas gilt und die Banken zuverlässig sind. In Afrika oder Südamerika kann ein Kaufvertrage bei politischen Umbrüchen ( Enteignungen, Verfassungs- und Gesetzesänderungen) schnell mal zu einem Wisch werden, der das Papier nicht wert ist, auf dem er steht. Ich warte sehnlichst darauf, dass unsere Ingenieure und Erfinder etwas finden, das Erdöl und die ganzen Raffinerien überflüssig macht. (Naja, man darf ja auch ab und dzu träumen…)

  6. Fragolin

    @Lisa
    Also auf die Rechtssicherheit in der EU würde ich auch keinen Pfifferling geben, wie unsere nördlichen Nachbarn so schön sagen. Unsere Politik ist wetterwendisch wie nur irgendwas und was heute gilt, kann schon morgen sanktioniert und für ungültig oder gar rückwirkend für illegal erklärt werden. Da sind die Unterschiede zu Afrika oder Südamerika marginal.

  7. Lisa

    Nana, so schlimm ists denn doch nicht. Und zumindest ist Europa von Russlands Oligarchen und den Kalifen, Emiren, Pschas usw. nicht so weit entfernt . Und das Klima moderat. 😉

  8. Christian Peter

    Die Parallelen zu Österreich sind unübersehbar : Frankreich wird seit Jahrzehnten von korrupten Sozialisten und Konservativen heruntergewirtschaftet.

  9. Reini

    man kann was verkaufen – sollte sich aber nicht verkaufen! 😉 … aber wie heißt es so schön … alles ist käuflich!!

  10. aneagle

    ….non olet, heisst es ca. seit 70 n. Chr. aus Rom. Frankreich, ein klammes Land mit einer dummen Regierung schafft seine Existenz nur mit Prostitution. Spannend für Hollande wird der Bauchtanz zwischen Zar Putin und Sultan(Kalif?) Erdogan. Nicht umsonst ist Pirouette ein französischer Begriff. Apropos klammes Land – wie geht es Österreich ? 😉

  11. Mona Rieboldt

    Der Bericht ist tendenziös. Genauso kann ich sagen, jeder der ein Auto fährt, unterstützt Saudi-Arabien.
    Und wie hier auch Fragolin schon sagte, angesichts der Beteiligung Saudi-Arabiens etc. an deutschen Firmen, sollten wir nicht auf Frankreich zeigen. Da sagt der deutsche Dieb “Haltet den Dieb” und zeigt auf Frankreich.
    Und der Artikel will wohl auch sagen in letzter Konsequenz, Frankreich ist selbst schuld an den Attentaten, weil sie sich mit Katar einlassen.

  12. astuga

    @Mona Rieboldt
    Frankreich ist sicher nicht selber schuld.
    Aber viele westliche Regierungen tragen Verantwortung und Schuld für ihre Fraternisierung mit dem Islamismus und den dortigen fundamentalistischen Regimen.

    Die Politiker würde ich also nicht aus ihrer Verantwortung entlassen.

  13. mariuslupus

    Es geht nicht um Schuld, es geht um die widerliche Heuchelei. Zuerst werden Terroristen gefördert, unterstützt und ausgerüstet. Nach vollbrachter Tat werden die Opfer bedauert, zwar nicht immer, manche Opfer sind selber schuld, und der Öffentlichkeit vorgegaukelt dass man dem Terror den Krieg erklärt. Langsam haben diese Schmierenkommödianten eine Routine bei ihren Auftritten anlässlich der Trauerfeierlichkeiten für die jeweilligen Opfer, entwickelt.

  14. cmh

    Aber das Geld ist sicher nicht in der Wüste gewachsen. Es war nur massive Dummheit zu meinen, die Scheichs würden all das Geld im Sand verbuddeln.

    Auf diesen Umstand sollte man nicht vergessen. Genauso ist es im übrigen mit der Grundstücksspekulation in Kitzbühel. Die Einheimischen wündern sich jetzt schon sehr, dass sie nach all den guten Geschäften mit russischen Oligarchen in der eigenen Stadt kein Grundstückerle mehr kaufen können.

  15. GS

    @Mona Rieboldt

    Sie haben vollkommen Recht mit Ihrer Kritik an Ortner’s WZ Kommentar.

    Dem hochgeschätzten Herrn Ortner ist wohl entgangen, dass gerade Frankreich im Gegensatz zu Österreich ( und im Übrigen auch im Gegensatz zu anderen EU Staaten) seit Jahren unter Einsatz von viel “blood & treasure” die Islamisten von Westafrika, über den Maghreb bis Irak und Syrien zumindest militärisch härtest bekämpft.

    Aus Österreich, einem Land, das Alles das NICHT macht, einen so einen Kommentar wie den in der WZ nach den Terroranschlägen in Paris zu schreiben, läuft in meinem book-of-rules unter Geschmacklosigkeit.

    Ich hoffe der gute Ortner denkt ein bissel darüber nach

    ich schätz ihn ja doch sehr..

  16. astuga

    Naja, die Franzosen haben auch handfeste Interessen in der Region.
    Und sind natürlich größer als wir.

    Aber es stimmt auch, dass Frankreich – manchmal – mutiger ist, und zB ein öffentliches Verbot muslimischer Totalverschleierung verfügt hat (sog. Burkha-Verbot).
    Ich wüsste auch nicht, dass man Islamkritiker gerichtlich verurteilt.
    Heimische Politiker (allen voran Rotzgrün) plärren hingegen dümmlich “Je suis Charlie”, aber die Zeichner von Charlie Hebdo wären in Österreich vor Gericht gelandet.

  17. Mona Rieboldt

    @Astuga
    Schuld tragen die Politiker schon, vor allem deutsche Politiker. Weil sie hier die Islam-Verbände hätscheln, die einen sehr konservativen Islam lehren, Salafisten dulden, Burka etc. läuft hier unter Religionsfreiheit. Dann wundern sie sich, wenn in deutschen Moscheen junge Muslime so erzogen werden, dass sie zum IS gehen. Integration sieht anders aus. Und nun holen sie hunderttausende orientalische Moslems ins Land und setzen die der Bevölkerung vor die Tür. Die deutsche Bevölkerung wird nicht gefragt, im Gegenteil. Die Integrationsministerin Özuguz, deren Brüder die Muslim-Seite betreiben, und ein arroganter Poliktiker sagten schon, wenn es den Deutschen nicht passt, sollen sie doch auswandern.
    Dann wird ihnen bald das Geld ausgehen, so viele Muslime staatlich finanziell auszuhalten.

  18. astuga

    Wien geht ja gerade aktuell das Geld für die Mindestsicherung aus.

    Aber Hauptsache die Regierung phantasiert von Integrationsmaßnahmen, wird noch lustig werden…

  19. Lisa

    @Mona Rieboldt: Wer hat das gesagt, die Deutschen sollten auswandern, wenn es ihnen nicht passe? (Manche sind ja schon, Spanien, Toscana, Elsass, Ungarn…)

  20. Fragolin

    @Lisa
    Der Regierungspräsident der Stadt Kassel, Dr. Walter Lübcke (CDU), da gibt es auch knackige Videos auf der Tube…

  21. Lisa

    @Fragolin: jetzt muss ich aber aufpassen, dass ich nicht Zeit vor dem Bildschirm verplemperle 😉 – ist ja hochinteressant , in diese Gesichter zu schauen, in ALLE. Ob sich Frau Merkel das auch ansieht? Wenn sie sich schon nicht unteres Volk mischt, ach ja, klar, sie muss doch etzt in Paris ihre ambitionierten Klimaziele festlegen.

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