Frankreichs unheilbare Sucht nach der Planwirtschaft

“…Die Nationalversammlung in Paris stimmte am Montagabend für das Gesetz, das Unternehmen mit mehr als tausend Angestellten dazu verpflichtet, vor der Schliessung eines eigentlich rentablen Standorts drei Monate lang einen Käufer zu suchen. Andernfalls drohen Strafzahlungen, die mehr als 28’000 Euro pro gestrichenem Arbeitsplatz betragen können…” (hier)

14 comments

  1. Thomas Holzer

    Anscheinend entscheidet der Gesetzgeber, was rentabel ist und was nicht; warum nur 3 Monate, warum 3 oder 30 Jahre?!
    Den Unternehmern wird vom Staat Willkür vorgeworfen, wenn diese entscheiden, dieser oder jener Standort sei ökonomisch nicht haltbar; der Staat jedoch darf anscheinend “ex lege” sehr wohl willkürlich agieren.
    Verkehrte Welt.
    Sozialismus pur; und das 25 Jahre nach dem Zusammenbruch des “realen Sozialismus”

  2. Thomas Holzer

    Nachtrag: Nicht nur Frankreichs unheilbare Sucht nach Planwirtschaft!
    man sehe sich nur an, was gestern im Nationalrat beschlossen wurde; Planwirtschaft pur!

  3. Herr Karl jun.

    Man muss den Franzosen für dieses planwirtschaftliche Realexperiement ja fast dankbar sein! Weder kritische Worte, noch kluge Analysen, noch der polit-ökonomische Systemgau 1989 im Osten oder in Simbabwe, Argentinein oder nun auch in Venezuela können Planwirtschafter von ihren Irrtümern wirklich heilen, einzig die bitteren wirtschaftlichen Folgen einer jeden Plawirtschaft können dies tun. Deshalb: Continuez comme ça !

  4. Thomas Holzer

    @Herr Karl jun.
    Das Problem bei all diesen zum Scheitern verurteilten Wiederholungsexperimenten ist “nur”, daß nicht die Nomenklatura durch das Scheitern leidet, sondern der vielzitierte “kleine Mann”; den trifft es mehr als nur voll

  5. DailyMirror

    Eine vernünftige Idee. Wenn rentable Standorte geschlossen werden, dann werden der Gesellschaft unnötig hohe Kosten aufgebürdet – in Form von Produktionsrückgang, Steuerausfällen, Verlust an Arbeitsplätzen, Kosten für Sozialleistungen usw. Mit dem neuen Gesetz werden diese externen Kosten zumindest zum Teil in interne Kosten umgewandelt; heißt: die Unternehmen müssen mehr Eigenverantwortung für ihre Entscheidungen übernehmen. (Mit dieser Idee müssten eigentlich auch Neoliberale gut leben können.)

  6. Rennziege

    25. Februar 2014 – 13:32 DailyMirror
    Wie wahr! Liberale und Neoliberale lieben die Planwirtschaft und deren schamhaft camouflierten Kommunismus über alles! (Denn auch wir stellen unsere Schamteile nicht öffentlich zur Schau.)
    Auch wir sind für die Durchfütterung todkranker Unternehmen — die meisten davon Staats- oder staatsnahe Betriebe mit erfahrenen Schulabbrechern im Management — bis zum sozialverträglichen Exitus. Es bereitet uns auch Freude, diese exorbitanten Kosten dem eh schon bis zum Erstickungstod gewürgten Steuerzahler aufzubürden.
    Mann, haben Sie uns durchschaut! Vielen Dank dafür, zutiefst ergriffen. Sind Sie eigentlich schon für einen Ministerposten vorgesehen? Sie sind ja eindeutig besser als Nasenbär Schindelegger, Dauergrinser Faymann und Frantischek Hollande. Stellen Sie Ihr Licht nicht länger unter den Scheffel Steffl! 🙂

  7. Thomas Holzer

    @Daily Mirror
    Dann frage ich mich aber, warum der ÖGB den Staat zur Rettung seiner(sic!) Bank herangezogen hat, sprich den Steuerzahler. Ihrer Diktion entsprechend hätte er schon vor Jahren mit gutem Beispiel, ganz ohne gesetzlichen Zwang, voranschreiten können.
    Aber, wie halt (fast) überall üblich, das “Hemd ist einem näher als der Rock” 😉
    Soweit ist es dann mit dem gelebten Sozialismus des ÖGB auch wieder nicht

  8. Kapuściński

    Mist! Jetzt sind mir sie nationalen Sozialisten doch glatt auf die Schliche gekommen. Für mich als neoliberaler Abschaum war es nämlich bisher ein Hauptvergnügen rentable Standorte zu schließen. Davon habe ich geradezu gelebt. Das machen übrigens alle Neoliberalen so. Die „Rentabilität” habe ich dabei jeweils von Gewerkschaftlern „beurteilen” lassen. Vorbei das alte Leben. Lebe ich eben in Zukunft von unrentablen Betrieben. Wie etwa Peugeot. Was gut ist für Frankreich ist auch gut für mich mich.

  9. Reinhard

    @DailyMirror
    Was für ein Schwachsinn, wer legt denn fest was ein “rentabler Standort” ist? Und wer schließt Firmen, die Gold abwerfen?
    Nichts anderes als ein neuerliches Instrument, sogar von abgewrackten Firmen, die einen Standort auflassen, über den umweg einer “Expertise” eines gekauften Beamten (ja, der Staat kauft sie alle…) noch Geld einzukassieren. Die Gläubiger sollen ruhig leer ausgehen, Hauptsache der Fiskus sahnt nochmal ab.

    Übrigens haben Unternehmen gegerell die Eigenverantwortung für ihre Unternehmen. Das ändert sich immer nur überall dort, wo die politik meint, sie müsse sich einmischen. Und das tut sie nur zum abcashen…

  10. DailyMirror

    @Reinhard
    “wer schließt Firmen, die Gold abwerfen?”
    Da fallen mir einige ein. Nokia, zum Beispiel, in Bochum. Und noch andere. Einfach mal googeln, bitte.
    “wer legt denn fest was ein “rentabler Standort” ist?”
    Das Rechnungswesen, würde ich doch vorschlagen.

    @Rennziege
    Mit Planwirtschaft hat das, was Frankreich vorhat, nichts zu tun. Es geht um den simplen Gedanken, dass derjenige, der die Kosten verursacht, sie doch auch tragen möge. Eine zutiefst marktwirtschaftliche Idee.

  11. Rennziege

    25. Februar 2014 – 18:23 DailyMirror
    Sehr edel gedacht! Es geht um den simplen Gedanken, dass derjenige, der die Kosten verursacht, sie doch auch tragen möge. Eine zutiefst marktwirtschaftliche Idee, dekretieren Sie.
    Dann müssten auch alle Politiker Europas, alle staatsnahen Firmen, alle NGOs, alle bildungsfernen Eltern und alle Asylanten zur Ader gelassen werden. Ob das Ihrer drigistischen Weltanschauung entspricht?

  12. gms

    Spiegelfechter,

    > “wer legt denn fest was ein “rentabler Standort” ist?”
    > Das Rechnungswesen, würde ich doch vorschlagen.

    Schwachmatiker würden auch vom Kontoauszug ablesen, ob ihre Bankkonditionen noch tragbar sind. Das sind dann insbesondere jene, welche die Rückseite des Auszuges nach einer Definition von rentabel absuchen.

  13. Thomas Holzer

    @Daily Mirror
    “Da fallen mir einige ein. Nokia, zum Beispiel, in Bochum”

    na, dann würde ich Ihnen zumindest 5 Minuten geistige Einkehr empfehlen!
    Wer hat denn den Standort Bochum für Nokia “attraktiv” gemacht?!
    Soweit ich mich entsinne, waren es Politiker, welche wider besseren Wissens den kurzfristigen Aufbau dieses Standortes mit Steuergeld subventioniert hatten.
    Erinnert mich an die politisch gewollte, finanzielle “Unterstützung” der Baufirma Holzmann mittels Steuergeld durch den Herrn Schröder (damals BK in Deutschland); das einzige, was diese Subvention bewirkt hatte war, daß die Baufirma Holzmann 2, 5 Jahre später mit 1,46 Milliarden Euro in Konkurs ging.
    again, for those who will not understand: it’s the politics, stupid!

  14. Rennziege

    Wer hat denn den Standort Bochum für Nokia “attraktiv” gemacht?! – See more at: https://www.ortneronline.at/?p=27353#comments
    Sie haben völlig recht: Meines Wissens hatte Siemens sich von seiner Handy-Sparte mit einem harten Schnitt getrennt, und Nokia übernahm die Betriebsanlagen am Standort Bochum, fast geschenkt und zusätzlich versüßt durch heftige Subventionen des chronisch überschuldeten Bundeslandes Nordrhein-Westfalen.
    Nach etwa zwei Jahren Schamfrist hatten die ursprünglichen Gummistiefel-Fabrikanten aus Finnland (Nokia) ihre steuerbezahlten Schäfchen ins Trockene gebracht, die Subventionen dem Firmenvermögen einverleibt und sperrten Bochum zu. — Der einstige Shooting Star des Neuen Markts hatte tatsächlich für einige Jahre die Handy-Nase weit vorn, suhlte sich aber allzu passiv im flüchtigen Erfolg. Wie Sie wissen, hat Microsoft kürzlich die Handysparte Nokias für ein Butterbrot erstanden. Was nun? Zurück zu den Gummistiefeln?
    Sic transit gloria mundi.

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