Frau Mogherini hat Grund zu heulen

(CHRISTIAN ORTNER) Es gibt so Momente, in denen man auch als jemand, der die EU für eine grundsätzlich vernünftige Sache hält, die Briten und ihre Neigung, diesen Laden wieder zu verlassen, ganz gut verstehen kann. Zum Beispiel, wenn diese EU nun allen Ernstes wieder ernsthaft mit der Türkei über ihren Beitritt zur Union verhandelt; einer Türkei, die sich flott in ein muslimisch-autoritäres Land transformiert, eine Art Minarett-Russland.

Zum Beispiel, wenn in dieser EU ernsthaft darüber diskutiert wird, mithilfe massiver gewerbsmäßiger Geldfälschung durch die Europäische Zentralbank (Stichwort Helikoptergeld) die dank politischer Fehlentscheidungen (Schuldenpolitik) schwächelnde europäische Wirtschaft in Schwung bringen zu wollen, ohne dass Vertreter dieser These auf der Stelle besachwaltert werden.

Oder wenn, wie jüngst geschehen, die Außenbeauftragte der Union, Federica Mogherini, während einer Pressekonferenz im jordanischen Amman zu heulen beginnt, nachdem sie zum jüngsten islamistischen Terroranschlag in der EU-Hauptstadt befragt wird. Dabei ist nicht so sehr der emotionale Ausbruch der Italienerin das Befremdliche, sondern der – höflich formuliert – bemerkenswerte Zynismus, der da für einen Augenblick sichtbar wird. Denn es ist gerade ein Jahr her, dass Frau Mogherini öffentlich erklärt hat: „Gerade in Brüssel kennen wir (religiöse und ethnische, Anm.) Diversität und Komplexität aus eigener Erfahrung. Ich schrecke deshalb auch nicht vor der Behauptung zurück, dass der politische Islam Teil dieses Bildes sein sollte.“

Nicht etwa „der Islam“, sondern der „politische Islam“. Also genau jene Ideologie, die korrekterweise gemeinhin als „Islamismus“ bezeichnet wird, als Teil des bunten, vielfältigen Europa – auf die Idee muss man erst einmal kommen. Und noch mehr auf die Idee, dann coram publico zu heulen, wenn Islamisten, „Teil dieses Bildes“, ein Massaker anrichten.

Leider kann Mogherini auch nicht straferleichternd auf intellektuelle Minderausstattung plädieren. Sie hat immerhin ihr Studium mit einer Arbeit über „Das Verhältnis zwischen Politik und Religion im Islam“ abgeschlossen. Derartig jenseitige Positionen in einer derart vitalen Frage werden es vernunftbegabten Briten nicht gerade erschweren, für den Brexit zu stimmen.

In dieses Bild passt, dass die von Frau Mogherini vertretene Außenpolitik der EU, wenn es um islamistischen Terror gegen Israel geht, gelegentlich erhebliche Schwierigkeiten hat, zwischen Tätern und Opfern zu unterscheiden. Als etwa vor ein paar Monaten erst in Tel Aviv zwei Juden beim Gebet erstochen und danach im Westjordanland ein Israeli, ein Palästinenser und ein US-Tourist aus einem fahrenden Auto heraus erschossen wurden, erklärte der Europäische Auswärtige Dienst: „Die Anschläge erinnern auf furchtbare und schmerzhafte Weise daran, wie unbeständig und gewalttätig die Realität ist.“ Es seien „zu viele unschuldige Menschen während der gegenwärtigen Welle der Gewalt gestorben. Die heutigen Attacken zeigen nur noch einmal die Notwendigkeit für alle Seiten auf, weitere Gewalt mit aller Kraft zu verhindern und alle nötigen Schritte zu unternehmen, um der Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts wieder eine politische Perspektive zu geben.“

Nur, wenn Täter zwei Betende und drei Zufallsopfer ermorden, dann wäre es vielleicht doch einmal angezeigt, die Täter Täter zu nennen und die Opfer Opfer, anstatt sich auf die zweifellos ebenso richtige wie banale Erkenntnis zu beschränken, dass die Realität gelegentlich gewalttätig ist. Nach den jüngsten Brüsseler Anschlägen ist ja auch niemand auf die Idee gekommen, daraus den Schluss zu ziehen, dass endlich der Konflikt zwischen dem Königreich Belgien und dem Islamismus gelöst werden müsse, damit künftig nicht weitere unschuldige Menschen ihr Leben verlieren.

Aber vielleicht soll man Frau Mogherini und ihren Europäischen Auswärtigen Dienst nicht auch noch auf dumme Ideen bringen. (“Presse”)

6 comments

  1. Falke

    Ich war ja ursprünglich froh, als die völlig unfähige Ashton als EU-Außenbeauftragte ersetzt wurde. Inzwischen scheint sich das Sprichwort zu bewahrheiten, dass selten etwas Besseres nachkommt.

  2. Fragolin

    @Falke
    Unser Ferrero-Küsschen war nicht unbedingt die strahlendste Kerze auf Gottes Kandelaber, aber im Vergleich zu diesen beiden Kompetenznagetieren erscheint sie rückblickend wie eine Lichtgestalt.

  3. Selbstdenker

    Die EU ist nicht mehr zu retten. Wir sollten diesen Sauhaufen schleunigst verlassen, bevor auch wir nicht mehr zu retten sind. Die EU-Länder Belgien und Schweden kann man bereits fix abschreiben.

  4. gms

    Falke,

    “Ich war ja ursprünglich froh, als die völlig unfähige Ashton als EU-Außenbeauftragte ersetzt wurde. Inzwischen scheint sich das Sprichwort zu bewahrheiten, dass selten etwas Besseres nachkommt.”

    Ja und nein, zumindest aber verzichtet Mogherini auf das erbärmliche Russlandbashing, das sich omnipräsent wie etwa hier im Blog mit ‘eine Art Minarett-Russland’ manifestiert.

  5. gms

    Fragolin

    “Unser Ferrero-Küsschen war nicht unbedingt die strahlendste Kerze auf Gottes Kandelaber, aber im Vergleich zu diesen beiden Kompetenznagetieren erscheint sie rückblickend wie eine Lichtgestalt.”

    Auch das relativiert sich beträchtlich eingedenk des Islamophobie-Küsschens an die versammelten Presstituierten, das sie 2006 als Kommissarin verteilte [0] zwecks Kochens medialer Schluckhilfen fürs verdummte Volk. Zumindest hat es ihr nicht geschadet [1].
    Daß sie dann auch noch im Epizentrum der Plutokraten als Vorsitzende aufgenommen wurde [2][3], offenbart selbst für Naivste, wessen Geistes Kind Ferrero-Waldner und ihres Zeichens Zentralfigur der Europäischen Nachbarschaftspolitik (ENP) ist.

    [0] europa.eu/rapid/press-release_SPEECH-06-321_en.htm
    Benita Ferrero-Waldner European Commissioner for External Relations and European Neighbourhood Policy Intercultural dialogue: the media’s role
    [1] corporateeurope.org/pt/blog/ex-commissioners-going-through-revolving-door-transparency-promise-delayed
    Among the new cases are ex-Commissioner Benita Ferrero-Waldner’s move to join the board of Alpine Group, a large multinational construction company. The Commission approved this move in the same superficial way as the numerous other board positions she has accepted, without any cooling-off period or ban on lobbying.
    [2] atlasmonitor.wordpress.com/2014/11/15/new-brussels-based-think-tank-to-focus-on-eu-central-asia-relationship/
    Benita Ferrero-Waldner, the former EU Commissioner for External Affairs and Foreign Minister of Austria Dr. was named the chairman of the ECFA Advisory Council.
    [3] eurasiancouncilforeignaffairs.eu/

  6. aneagle

    Daß Mogherini nicht davor zurückschreckt ungelenk den Islamismus hoffähig zu machen, läßt nicht wenige EU- Bürger vor ihr zurückschrecken. Die Frau Außenbeauftragte sollte die vitalen Verhandlungen mit der Türkei alleinverantwortlich von Frau Merkel übernehmen.
    Keine andere kann so rasch und zielstrebig wie sie, diese Verhandlungen zu der erwarteten Eingliederung der ehemals freien Europäischen Union in das osmanische Reich führen, bevor noch vielen Europäern, wie jetzt bald den Briten, die Flucht aus Europa gelingt. 😉

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