Freiheit ist auch die Freiheit, sich zu ruinieren….

Von | 14. Dezember 2013

(C.O.) Es ist ein jährlich wiederkehrendes Ritual wie das Entzünden der Christbaumkerzen am Heiligen Abend: Je bedrohlich näher Weihnachten rückt, umso heftiger werden die Klagen über den damit verbundenen Konsumwahnsinn, die daraus resultierende Gefahr der privaten Überschuldung und ganz überhaupt die Ökonomisierung und Kommerzialisierung des Festes. So verlässlich, wie die Weihnachtsmänner in den Fußgängerzonen, tauchen in den Medien Schuldnerberater, Konsumentenschützer und religiös fundierte Mahner und Warner auf, die vor den Gefahren unmäßigen Konsums warnen, als handelte es sich dabei um bewusstseinsverändernde und darob verbotene Substanzen. Das leicht sauertöpfische Bekritteln des weihnachtlichen Shopping-Rausches gehört zum Advent wie schlechter Punsch und abgenudelte Jingle-Bells-Musik.

Nun kann niemand bestreiten, dass die unselige Neigung mancher Menschen, ihre Ausgaben nicht in Einklang mit ihren Einnahmen halten zu können, in der Weihnachtszeit sozusagen umständehalber kulminiert; finanziellen Kater spätestens im Jänner inkludiert. Angesichts von rund 300.000 Haushalten, die – aus verschiedensten Gründen – in Österreich überschuldet sind, ist das ja gerade kein marginales Problem.

Das regelmäßig vorgetragene Argument der Handelsunternehmer und ihrer Kämmerer, Weihnachten sei eben sehr wichtig für Konjunktur und Wachstum, lindert das menschliche Problem erstens nicht und ist zweitens nur teilweise zutreffend. Denn wer im Advent Flat-Screen-Fernseher nach Hause schleppt, die er sich nicht leisten kann, opfert seine Bonität ja nicht auf dem Altar der österreichischen oder auch bloß europäischen Konjunktur, sondern eher der chinesischen (selbst Christbaumschmuck kommt zu 90 Prozent aus China).

Und trotzdem entbehrt die rituelle vorweihnachtliche Empörung in der Regel eines ganz zentralen Argumentes: dass nämlich jeder Konsument, so er nicht minderjährig, psychisch krank oder besachwaltet ist, letztlich selbst darüber entscheidet, wie verantwortlich oder verantwortungslos er über seine Finanzen verfügt. Dass ruchlose Kaufleute Passanten mit vorgehaltener Waffe in ihre Läden und dort zum Unterschreiben astronomischer Kreditkartenrechnungen zwingen, ist ja nicht einmal zu Weihnachten üblich.

Freiheit ist eben untrennbar und ursächlich mit der Freiheit verbunden, auch unvernünftige und selbstbeschädigende Entscheidungen zu treffen – egal, ob es um Shopping, Zigaretten oder den feiertäglichen Verzehr höchst ungesunder Braten und Torten geht. Wer glaubt, Menschen vor sich selbst beschützen zu müssen, kann das nur um den Preis, deren Freiheiten sukzessive zu beschränken und zu beschneiden; ein Prozess, der ohnehin schon viel zu weit fortgeschritten ist.

Deshalb mag man die vorweihnachtlichen Konsumexzesse der breiten Konsumentenmassen degoutant, entbehrlich oder auch unvernünftig finden – aber sie sind immerhin frei gewählt. Und das ist durchaus ein Wert für sich, nicht zuletzt in einer Zeit, die ohnehin zur gouvernantenhaften Gebotskultur neigt. (WZ)

6 Gedanken zu „Freiheit ist auch die Freiheit, sich zu ruinieren….

  1. Thomas Holzer

    In nicht all zu ferner Zeit wird auch diese “Freiheit” staatlich reglementiert werden.
    In Zeiten von Datenaustausch, dem Wunsch der Regierenden nach Abschaffung des Bargeldes und zumindest 10%iger Zwangsenteignung, wird diese Einschränkung um des Allgemeinwohles und der Gleichheit und sozialen Gerechtigkeit Willen ein Leichtes sein.

  2. aneagle

    Wie so vieles heute unvermeidlich Unentbehrliches, von dem man gar nicht wusste, dass man es braucht, wird auch die Weihnachtskonsumregelung ein unverzichtbarer Meilenstein unserer in Kürze anzugelobenden Bundesregierung sein.

    CO ist lobend zu erwähnen, hat er doch erst auf das Fehlen einer passgenauen Gesetzgebung aufmerksam gemacht und darüberhinaus auf die Dringlichkeit einer energisch vorangetragenen diesbezüglichen Gesetzesreform hingewiesen, quasi den Finger in die schwärende Wunde gelegt!

    Mehrmonatige, mitreißende nächtelange Koalitionsverhandlungen, in denen sich die Regierungspartner nichts, aber auch gar nichts schenken, stehen vor uns, bevor, abgekämpft aber glücklich, in etwa folgendes in Gesetzestext gegossen werden kann:

    Jeder Österreicher wird verpflichtet im 4.Quartal des Fiskaljahres ca. 3-9% seiner Jahreseinkünfte, mindestens jedoch € 333,33, zweckgewidmet zum Weihnachtseinkauf zu verwenden.
    Davon ein Drittel ist umweltnachhaltigem und/oder caritativem Konsum zu widmen.
    Diese Artikel sind gesondert mit einer Weihnachtsnachhaltigkeitsplakette gekennzeichnet und geben, nach Einscannen ihres für dieses Jahr gültigen Kaufcodes die zweite Rate der bewilligten Bankomatabhebung für Weihnachtseinkäufe frei.
    Zum individuellen Schutz des Konsumenten vor sich selbst, werden Bankomatabhebungen im 4.Quartal des Fiskaljahres auf € 250,00 je Abhebung/Tag reduziert (hat sich bei einigen Bankomaten der Bank-Austria bereits im Normalbetrieb bewährt) und Abhebungen an Wochenenden sporadisch aber unangekündigt ausgesetzt.(= das sogenannte “Abschlanken”, in Zypern bereits erprobt, bestens bewährt und europaweit als Richtlinie empfohlen)

    Allen an diesem Gesetz mitwirkenden Politikern wird, nach Erhebung dieses Gesetzes in den Verfassungsrang, ein Bundesverdienstorden, vermehrt um eine Prämie im Ausmaß einer 3 monatigen Gehaltszulage, vermehrt um die diesbezüglichen Urlaubs und Weihnachtsanteile, sowie unter 0,85% Anrechnung auf die zu erwartende Politiker-Pension, steuerreduziert zugestanden.

    Der Stolz der österreichischen Politiker, ein bahnbrechendes epochales Vorreiter-Werk in weniger als 9 Monaten, ohne die üblichen Querelen, solidarisch im Bewusstsein ihrer besonderen Verantwortung für das Land, unter disziplinierter Hintanhaltung einseitiger Parteieninteressen, verabschiedet zu haben, steht jeden Einzelnen verdientermaßen ins Gesicht geschrieben 🙂

  3. Riso

    Aber Herr aneagle, das Volk ist doch zu blöd vorauszuplanen um diese Vorgabe zu erfüllen, daher schlage ich vor statt 14. Gehalt, einfach nur Gutscheine ausgeben.

  4. KClemens

    Also ich lasse mir “meinen” persönlichen Kaufrausch von niemandem nehmen. Weder zur Weihnachtszeit, noch zu einer anderen Zeit.

    Denn das Geld, das ich im kleinen so verbrate, habe ich 1. selbst erarbeitet und ich kaufe davon 2. wertbeständiges, das sollte es mal krachen, ich was habe, das ich zu Geld machen kann.

  5. Rennziege

    Oisdann, auf geht’s! Auf fröhliches Ruinieren! (Hatte bei den ersten zwei Buchstaben immer einen notdürftigen Dreher, hoffe aber, dass das Wörtchen jetzt korrekt rüberkommt, meiner Vorfreude auf die immense Weisheit der fleißigen Entmündiger gerecht werdend.)

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