Friseurbesuche und Covid-19-Tests

Von | 5. Februar 2021

(ANDREAS TÖGEL) Nach zwei Monaten Lockdown, in denen die Regierung u. a. auch die Frisiersalons dazu nötigte, ihre Pforten geschlossen zu halten, sehen nicht wenige männliche Zeitgenossen (wie beispielsweise der Autor dieser Zeilen) inzwischen aus wie die Waldschrate. Ausnahmen bilden jene Herrschaften, die Regierungsämter bekleiden – allen voran der hochlöbliche Polizeiminister, der nach wie vor einen tadellosen Kurzhaarschnitt vorweisen kann. Rätsel über Rätsel. Ob bei ihm – zeitgleich mit der Verhängung des Lockdowns – das Kopfhaar schlagartig das Wachstum eingestellt hat? Verfügt seine Ehefrau über das notwendige Geschick, die Haarpracht ihres Gesponses in Form zu halten?

Wir werden es wohl nie erfahren.
Was das gemeine Volk indes erfährt ist, dass es künftig nur dann „körpernahe Dienstleistungen“ in Anspruch nehmen darf (zu denen auch die von Friseuren erbrachten zählen), wenn es einen negativen, nicht länger als 48 Stunden alten Covid-19-Testbefund vorweisen kann, der vom beauftragten Gewerbebetrieb zu überprüfen ist. Ob geplant ist, den betroffenen Gewerbsleuten (zu denen auch Masseure, Fußpfleger und Betreiber von Nagelstudios zählen) Crashkurse zu verpassen, die sie in die Lage versetzen, echte von getürkten Covid-19-Testzertifikaten zu unterscheiden, ist gegenwärtig nicht bekannt.

Klar ist, dass das Pläsierchen eines Friseurbesuches entweder mit einem massiven zusätzlichen Zeitaufwand verbunden sein wird – dann nämlich, wenn man sich an eine der von der öffentlichen Hand betriebenen Teststraßen wendet, wo man schon einmal eine gute Stunde Wartezeit einplanen darf – oder mit Kosten von knapp 40 Euro, wenn man sich dem Test beim Hausarzt, in einer Apotheke oder bei einem anderen privaten Anbieter unterzieht. Dass die Testprozedur äußerst unangenehm ist und im Grunde den Tatbestand einer Körperverletzung nach §223 des österreichischen StGB verwirklicht, (wo es in Absatz eins heißt: Wer eine andere Person körperlich mißhandelt oder an der Gesundheit schädigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft), sei hier nur am Rande erwähnt.

Jedenfalls gilt in jedem Fall, dass durch den Test die Knochen teurer werden als das Fleisch. Immerhin kostet ein Herrenhaarschnitt im Durchschnitt keine 20 Euro – beim türkischen Coiffeur des Vertrauens sogar noch weniger. Kein günstiges Kostenverhältnis zum Test, wie vielleicht auch die intellektuell herausgeforderten Mitglieder der Bundesregierung einzusehen in der Lage sind. Von der Notwendigkeit der generalstabsmäßigen Terminplanung eines Friseurbesuches (der Test darf, wie gesagt, nicht länger als 48 Stunden zurückliegen) ebenso zu schweigen, wie von der sich aufdrängenden Vermutung, dass damit der Zunahme der Schwarzarbeit ein Turbolader verpasst wird.

Man kann der Regierung zwar alles Mögliche vorwerfen (die Liste mit Dingen, die man ihr nicht vorwerfen kann, ist indes bedeutend kürzer), aber mangelnde Kreativität, was das pausenlose Verarschen der Bürger angeht, aber nicht.

Da gegenwärtig noch nicht klar ist, wann die Gastronomie wieder aufsperren darf – falls es dann überhaupt noch einen Wirt oder Cafetier gibt, der nicht längst in die Pleite getrieben wurde -, ist auch noch fraglich, ob die den Frieseuren oktroyierte Testregelung auch in Restaurants und Cafés gelten wird. Das hätte schon etwas, denn wie an dieser Stelle bereits vor einigen Wochen angemerkt, könnte die Tasse Kaffee dann summa summarum locker mit mehr als 40,- Euro zu Buche schlagen. Das würde die Umsätze der Gastrobranche bestimmt gewaltig beflügeln und damit der befürchteten Insolvenzwelle wirkungsvoll vorbeugen.

Das bereits anderer Stelle zum Himmel gerichtete Stoßgebet sei hiermit einmal mehr wiederholt: O Herr, lass Hirn regnen!

 

16 Gedanken zu „Friseurbesuche und Covid-19-Tests

  1. CE___

    “Man kann der Regierung zwar alles Mögliche vorwerfen……, aber mangelnde Kreativität, was das pausenlose Verarschen der Bürger angeht, aber nicht.”

    Alles richtig, besonders dieser Satz.

    Nur, wenn die Verarsche durch die Regierung nur kolportierten 20.000 Bürgern dermaßen auf den Ar… geht, um sie wie letztes Wochenende auch auf die Strasse oder auf den Platz zu bewegen, ist doch eh’ alles in Butter.

    Oder etwa nicht?

    Wo ist der Plafond erreicht?

    Pardon, Gacken am eigenen stillen Örtchen nur mehr mit einem maximal 48 Stunden alten “Negativ-Test” und strengstens unter zu bezahlender amtsärztlicher Aufsicht, weil, huch, schnell in den Keller verstecken, irgendwo in China auch Wuhan-Viren-Fragmenterln angeblich im Abwasser gefunden wurden?

    Die dümmsten Bauern im 16. Jahrhundert hatten eine kürzere freiheitliche, im Grunde schon bürgerliche, Zündschnur als “wir” dressierten Dumm-Apfel-Phone-Äffchen im angehenden 21sten.

  2. Gerhi09

    Lieber Herr Tögel, wie immer auf den Punkt. Die Corona-Paranoia feiert fröhliche Urständ. Nicht das Virus wird uns vernichten, sondern die Massnahmen der Verantwortlichen zur “Eindämmung”. So geht offensichtlich Planwirtschaft. Angst frisst Hirn.

  3. Wolfgang Niedereder

    Ein guter Morgen beginnt mit Andres Tögel, trotz der intellektuellen Höchstleistungen unserer derzeitigen Regierung schaffen Sie es doch noch ein kurzes Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Ein “Zuckerl” an organisatorischer Herausforderung hätte ich noch parat – Testung von 6 Jährigen 2 x die Woche, habe es selbst durchexerziert. Versuchsannahme: 25 6jährige ein 4-5schrittiges Verfahren präsentieren, die Tests namentlich festhalten, sonst werden möglicherweise die falschen Kinder gemeldet usw…… ad infinitum – was soviel heißt Montag und Mittwoch wird es keinen regulären Unterricht geben.

  4. Kluftinger

    Wo ist da die Wirtschafskammer die solchen Testwahnsinn für Frisöre mitträgt?
    Noch bedrückender sind aber die aggressiven Kommentare in den sozialen Medien, die derartiges BEFÜHWORTEN!
    Dazu kommen egomanisch angehauchte Primare , die nach jeder Mutation liebsten die Republik zusperren möchten.
    Würde Charly Chaplin noch leben, er hätte wahrscheinlich eine große Freude daran, die Typen zu konterkarieren?

  5. Sue

    Lieber Andreas!
    Ich kann gratis jeden Montag und Freitag in meine Gemeinde Testen. Dauert 5 Minuten und tut nicht weh! Es ist auch kein logistisches Problem meine Körpernähedienstleistungen danach zu richten. Also wo liegt wirklich das Problem?

  6. sokrates9

    Kluftinger@Stimme überein! Was ist mit der Wirtschaftskammer los? So idiotisch können Regelungen gar nicht zu Lasten ihrer Mitglieder sein, die Wirtschaftskammer trägt sie kritiklos mit.
    Mal abgesehen von der gesamten rechtlichen Problematik dass Friseure nun Ausweise prüfen müssen, mal die Frage wie groß ist die Wahrscheinichkeit sich beim Friseur anzustecken, wie groß zu erkranken und Spitalsaufenthalt unserer chronisch überlasteten Spitäler zu verursachen?
    Die Wirschaftskammer hat veranlasst dass Wirte / Beherbergungsbetriebe Millionen in Schutzmaßnahmen investieren – bis dass TV Fernstezerungen eine Schutzverpackung wegen Infektionsgefahr benötigen, jetzt ist alles für A und F. Hoffe dass bei den nächsten Wahlen – sollte es so was nochmals geben – zumindest diese Kammermafia gefeuert wird!
    Fragen sie mal einen der Virologen die täglich gefährlichere, tödlichere, infektiösere Mutationen entdecken ob es nach einem Jahr Covid schon eine Studie gibt ob man sich mit Schmierinfektion – zB abschlecken einer Zeitung – infizieren kann!

  7. GeBa

    Die Wirtschaftstreibenden sind schon selbst mitschuld, denn wenn sich die gemeinsam auf die Füße stellen würden, hätte die Politik keinen trockenen Fuß mehr. Als erstens würde ich sofort aus der WKO austreten, Pflichtmitgliedschaft hin oder her.
    Dieses Idiotie kann doch nicht noch ein Jahr dauern?
    Och brauche keinen Friseur, meine Friseurin kommt ins Haus, meine Füße kann ich mir auch selbst pflegen, war mir abgeht sind die Heurigen, aber auch zu denen werde ich nicht gehen, wenn es nur mit Test möglich wäre.
    MIT MIR NICHT

  8. Marianne

    Wie lange wird es dauern (oder gibts eh schon) bis man derartige Bestätigungen um 10-20Eur ohne Wartezeit kaufen kann?

  9. CE___

    @ Sue

    Pardon, san’ Sie die Mutation der Posterin “Susi” die manchmal hier ihr Stelldichein hatte?

    “..Ich kann gratis jeden Montag und Freitag in meine Gemeinde Testen…”

    Ganz genau. Man hängt ja sonst nur mächtig gelangweilt in der Hängematte herum. “Gratis”. Weil zahlen tut’s der Weihnachtsmann mit dem unter dem Jahr herabgefallenen weißen Manna für alle dann jährlich am 24sten, gell?

    Laut Medien wurden wieder 30 Mio Tests angekauft, die Kosten kennen wir ja, also wird das irgendwo in der Größenordnung von € 150 – 300 Mio gekostet haben.

    Mia’ haben’s ja (scheinbar).

    Lassen wir einmal vielleicht beiseite dass nicht jeder “körpernahe Dienstleister” gleich ums Eck vom Amt sein Etablissement unterhält, womit die “eh’ nur 5 Minuten” höchstens für schlechte Zeitrechner “nur” 5 Minuten sind.

    Die viel wichtigere und elementare Frage, wozu diesen ganzen Schwachsinn, stellen sich offenbar viele nicht (mehr).

    Warum nicht auch gleich rollende Dauertests gegen AIDS, Hepatitis A bis C, Herpes, Ebola, alle Varianten und Mutationen von Corona/Influenza/Rhino-Viren, und gleich alle bekannten Bakterienstämme gleich noch dazu.

    Alles potentiell tödlich bei fortgeschrittenem Alter, und sei es auch nur theoretisch.

    Herr, lass Hirn regnen.

  10. Falke

    Meine Vor-Kommentatoren haben es ja schon – so nebenbei – angesprochen, ich tue das hiermit hauptsächlich, in Ergänzung des Artikels von Herrn Tögel: Erstens müssen die Friseure, Kosmetikerinnen, Nagelstudio-Inhaber usw. natürlich auch Polizeiarbeit leisten, nämlich die Ausweise der Kunden kontrollieren; ansonsten könnte ich ja das Testergebnis des Nachbarn vorweisen. Und wehe, das Bild ist zu alt, so dass man die Person nicht eideutig erkennen kann! Dann dürfen auch nicht die Haare geschnitten werden, denn schließlich haftet der Friseur für alles. Und zweitens scheint die Regierung in ihrer unendlichen Weisheit den Einfallsreichtum der körpernahen Pfleger, wenn sie Geld verdienen wollen und müssen, und vor allem, wenn sie aus (nah-)östlichen Ländern stammen, zu unterschätzen: Viele (möglicherweise sogar die meisten) bieten längst schon einen” home service” an, dort dann allerdings ohne Maske und ohne Abstand; und bevor sowohl die Dienstleister als auch die Kunden sich den neuen Ärger antun, werden sie es wohl auch weiterhin so machen.

  11. mike

    ich frage mich schon lange, wo eigentlich dieser Herr Mahrer abgetaucht ist. Es gibt keine Stellungnahmen oder irgendwelche Kommentare zum Irrsinn dieser “Regierung”.

    Unter einem Sallinger hätte es das alles vermutlich nicht gegeben, der hätte dem basti höchstens eine gelangt…

  12. Falke

    @mike
    Der Mahrer ist ja auch ein Haberer vom Basti.

  13. Kluftinger

    @ Sue
    Wo wohnen sie? sicher nicht im Oberpinzgau oder im hinteren Bregenzer Wald? Man sollte in so einer Situation nicht induktive Schlüsse ziehen! (von einer Situation auf alle!)

  14. Allahut

    Sehr geehrter Herr Tögel, in einem Interview hat der Polizeiminister einmal das Rätsel um seinen Friseur verraten, es ist seine “bessere” Hälfte, wobei es hier keine Kunst zu sein scheint, besser zu sein.
    Kommentare zur Regierung erspare ich mir.

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