“Für eine österreichische Stadt sind Kriegsgefangene, Nationalsozialisten und ihre Gegner allesamt Helden”

Die NZZ besichtigt den Friedhof von Knittelfeld und was not amused: “In Knittelfeld liegen Opfer und Täter des 20. Jahrhunderts gemeinsam auf dem «Heldenfriedhof». Das ist bezeichnend für Österreichs Neigung, bei der Vergangenheitsbewältigung nicht allzu genau hinzuschauen.” Reportage hier

12 comments

  1. Selbstdenker

    Die allwissende NZZ hat natürlich gleich ex post eine Gewissensprüfung der Toten durchgeführt. Und wenn eine Platzordnung, die akribisch nach Kriegsjahr und Gegner struktueiert ist, fehlt, ist dies natürlich ein “Beweis” für die “fehlende Vergangenheitsbewältigung” eines ganzen Landes.

    So viel intellektuelle Unredlichkeit, die ergebnisorientiert nach der grösstmöglichen Anzahl logischer Fehlschlüsse greift, auf so wenige Zeilen verdichtet, liest man selten.

    An Beiträgen wie diesen ist erkennbar, dass die “etablierten” Medien den unabhängigen Journalismus schon seit längerer Zeit gemeuchelt haben.

  2. astuga

    Den einen (den meisten) sind Heldenfriedhöfe an und für sich egal, aber eben auch kein Problem.
    Die anderen möchten ohnehin am liebsten alles dekonstruieren (im Sinne von auslöschen) was nur irgendwie mit europäischer Geschichte zu tun hat.
    Und die dritte Gruppe (Nichteuropäer, Nichtdeutsche, Nichtösterreicher) hätte eigentlich genug damit zu tun sich auch nur annähernd vergleichbar kritisch mal mit der Geschichte ihres eigenen Landes oder ihrer Kultur zu befassen wie wir das tun.

  3. Rizzo C.

    Lieber Herr Ivo Mijnssen von der NZZ, wir wissen hinreichend genau, worauf ihre abgedroschene Forderung hinausliefe, “Aufgabe einer kritischen Geschichtsaufarbeitung wäre hingegen gerade, zu differenzieren und Verantwortung zu übernehmen”. Nämlich darauf, unbeschränkt haftbar gemacht zu werden als Rechtsnachfolger von ruchlosen Schurken, ohne jede Möglichkeit einer auch noch so kleinen Einspruchsmöglichkeit. Nein danke, Herr Mijnssen, damit haben wir mittlerweile wahrlich genug Erfahrung. Man muss ja nicht unbedingt von jedem Kakao trinken, durch den man gezogen wird. Da neigen wir doch eher der kritischen, differenzierten und verantwortungsbewussten Geschichtsaufarbeitung der Knittelfelder zu.

  4. astuga

    Wenn man weiß, dass dieser Herr Mijnssen auch für die extrem linkslastige Webseite truthdig.com schreibt, bleiben keine Fragen offen.

  5. Selbstdenker

    @Rizzo C.:
    Exakt auf das läuft es raus. Bereits das Timing (Regierungsbildung, Zeit vor Allerheiligen, etc.) spricht Bände.

    Wer diesen intellektuell hochgradig unredlich zubereiteten Köder schluckt, braucht sich nicht wundern, wenn er damit selbst eine Kampagne lostritt, die erst durch das Ausstellen grosser Schecks wieder beendet wird.

    Bei einigen Themen steigt die NZZ sogar noch unter das Niveau einer österreichischen U-Bahn Zeitung runter – die Österreich-Berichterstattung zählt definitiv dazu.

  6. Mourawetz

    Da hat der NZZ-Autor nicht ganz unrecht: um in dieser Frage zu differenzieren, dafür hätte man die Vergangenheit aufarbeiten müssen. Und dass das nicht geschah, ist hier hinreichend bekannt. Wer weiß, was da für unfreundliche Sachen über sonst recht ordentliche Leute herausgekommen wäre. Also besser ist es, nicht daran zu rühren. Sind doch alle gleich tot jetzt, nicht wahr?

  7. Johannes

    Ich werde ihnen etwas sagen Herr Minjssen, mein Großvater war Soldat im 2. Weltkrieg seine Kinder wurden 1940 und 1942 geboren danach wurde er eingezogen. Seine Einheit kam bis in den Kaukasus, er erzählte nicht viel vom Krieg, eine Begebenheit hat er aber erzählt. Es war in der Gegend von Banja Luka, mein Großvater war Kraftfahrer, sie fuhren in einer Kolonne mit ca. 100 Fahrzeugen in einer engen Schlucht, plötzlich ertönte ein lautes Hornsignal und dann begann ein Feuersturm, es war ein Partisanenüberfall. Mein Großvater sprang aus dem Wagen und fand Schutz bei einer kleinen Mauerbrüstung, überall sterbende getroffene Kameraden von ihm.
    Ein unmittelbar Vorgesetzter schrie ihn an schießen sie, so schießen sie doch. Mein Großvater schoss nicht er lag da und dachte an seine Kinder an seine Frau und er schloss mit dem Leben ab. Nach vielen Stunden Beschuss wurde es ruhig, mein Großvater war unverletzt geblieben, es war dunkel geworden und er stand auf und ging Richtung Tal zum Stützpunkt. Er sagte, nie werde er vergessen wie alle 100 Fahrzeuge brannten, es war komisch aber es erinnerte ihn an Weihnachtsbäume. Nach einer Weile hörte er ein Geräusch aus einem Gebüsch, es war sein Vorgesetzter der ihn zuvor zum schießen aufgefordert hatte. Der Mann war schwer verwundet, überall Splitter und ein Durchschuss in der Schulter. Der Mann fragte meinen Großvater ob er verwundet sei, und mein Großvater verneinte, da meinte der Mann das ist ein Wunder.
    Mein Großvater hackte den Mann unter und brachte ihn nach einen langen Fußmarsch in die Kaserne im Tal.
    Dort wurden sie fast noch erschossen von der deutschen Wache da das Losungswort sich inzwischen geändert hatte und sie es nicht wissen konnten.
    Am nächsten Tag stellte sich heraus das von 115 Kameraden meines Großvaters aus dieser Kolonne nur noch 13 am Leben waren.
    Mein Großvater erhielt einen Kriegsverdienstorden weil er einen Kameraden gerettet hatte.
    Wissen wissen sie was Herr Minjssen, sie tun mir leid in ihrer armseligen selbstgerechten Gerechtigkeit.

  8. cmh

    Wer es ernst mit “Nie wieder Krieg!” meint, dem müssten diese Friedhöfe mehr wert sein, als alle Derserteursdenkmäler wo auch immer. Da werden nicht irgendwelche gesichtslosen Schlaucherln auf dem Podest verklärt, sondern hier wird wirklich der Mutter ihren Buam gedacht, der Mutter die hochbetagt noch in einme kleinen Häusle wohnt.

    Wer hingegen gerade als (pseudo)wehrhafter, vermutlich Neuschweizer hier meint, etwas besseres zu sein – auf den haben wir hier nur gewartet. Entweder hat der das Dienstbüchlein von Max Frisch oder die bahnbrechenden Arbeiten des Pelinkaassistenten Maislinger nicht gelesen.

  9. astuga

    @Mourawetz
    Also ich weiß nicht, der Autor differenziert ja bei seiner Kritik nicht mal zwischem 1. und 2. WK.
    Ihn stört wohl generell das Gedenken an Kriegstoten bzw Soldaten.

    Und bei der Aufarbeitung – wo fängt man an, wo hört man auf?
    Franzosen wie Mongolen verehren und huldigen bis heute zwei der größten Schlächter der Weltgeschichte.
    Und kaum eine Nation hat die dunklen Aspekte ihrer Kolonialgeschichte tatsächlich aufgearbeitet. Man sehe sich Belgien an.
    Oder Japan, oder die Türkei etc. pp.

  10. astuga

    Die jungen Leute lernen doch ohnehin kaum etwas anderes im Geschichtsunterricht als über den 2. Weltkrieg bzw den Nationalsozialismus.
    Bei dem wenigen das in Geschichte überhaupt noch unterrichtet wird.
    Ich kenne (intelligente und interessierte) Maturanten die nicht mal wissen was Vindobona war. Und das war kein Einzelfall!
    Muss man zwar nicht wissen, wirft aber ein Licht auf die Allgemeinbildung in dem Bereich.

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