Für einen Liberalismus ohne Bindestrich

“Alle sind heute liberal. Oder fast alle. Wenigstens ein bisschen. Gesellschaftsliberal zum Beispiel, oder wirtschaftsliberal vielleicht. Oder liberal in Bezug auf einzelne Fragen, etwa wenn es um Drogenliberalisierung geht, um die freie Schulwahl oder um die Frage, ob ein Burkaverbot gerechtfertigt sei oder nicht. Robert Nef kann mit solchen Liberalismen nicht viel anfangen. Für den 75-jährigen Publizisten und Sozialphilosophen ist klar: Liberal ist man nicht von Fall zu Fall. Man ist es, oder man ist es nicht” (NZZ, hier)

3 comments

  1. Rennziege

    D’accord, NZZ. Entweder ist man bleibend liberal, oder man betrachtet Liberalität als bewegliches Fest — um der Erhaltung oder dem Erwerb politischer Versorgungsjobs zu dienen. Aber liberales Denken, Fühlen und Handeln erfordern menschliche und charakterliche Beständigkeit, Rückgrat und Hornhaut. Was etlichen Parteien, die sich liberal geben, schmerzlich fehlt, denn ihren Mandataren (wie auch aller anderen Parteien) ist das Hemd näher als der Rock: eigenes Wohlergehen wichtiger als der Wählerwunsch.
    FDP-Lindner, dessen Aktivitäten ich aus der Ferne beobachte, wird hoffentlich seine ursprüngliche Linie halten; freilich hat auch er Hinterbänkler im Rücken, die Liberalität zugunsten sicherer Sesselkleber-Jobs opfern würden.
    Wenn er diesen Weicheiern nachgibt, um in der deutschen “Jamaica”-Koalition zu punkten, kann er seine mühsam reanimierte FDP gleich wieder begraben.

  2. Rennziege

    9. November 2017 – 18:02 — Thomas Holzer
    Leider könnten Sie Recht behalten. Aber nicht nur ich hoffe, daß Herr Lindner sich seine verkündete Linie (und nur damit gelang der FDP die Auferstehung im Bundestag) nicht für das Linsengericht einer Handvoll Pöstchen abkaufen lässt.
    Übrigens: Wenn’s so weitergeht mit der schweißtreibenden Zusammenstoppelung eines Fleckerlteppichs namens “Jamaica”-Koalition, ist Deutschlands Zukunft noch dürftiger als eh schon.

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