Fundamente „Europäischer Bildung“

Von | 14. Januar 2021

(JOSEF STARGL) In den Bildungsinstitutionen dieses Landes wurde der „abendländische Geist“ weitgehend entsorgt. Humanistische Bildung, eine Reflexion über die Ideen der Denker des antiken Griechenland und des antiken Rom (sowie des Judentums und des Christentums) wird immer mehr durch das Erzählen von Mythen über ein „solidarisches Europa“ ersetzt.

Den Jugendlichen wird in den Schulen eine Teilnahme am großen Gespräch verweigert.
Eine Analyse der Schriften zahlreicher griechischer und römischer Denker (Homer, Hesiod, Herodot, Thukydides, Pindar, Heraklit, Xenophanes, Solon, Theognis, Parmenides, Hippokrates, Sokrates/Platon, Aristoteles, Xenophon, Sophokles, Diogenes, Demosthenes, Polybios, Vergil, Seneca, Marc Aurel, Epiktet, Plutarch, Horaz, Terenz, Cornelius Nepos, Plinius) zeigt folgende (zentrale) Überlegungen der „Europäischen Tradition“:
Vernunftbegabte mündige Menschen streben nach Freiheit. Das erfordert Taten und die Übernahme von Eigenverantwortung.

Selbsterkenntnis ist mit dem Bewusstsein der Begrenztheit des Wissens und mit der Idee der Fehlbarkeit der menschlichen Vernunft verbunden. Die „Nichtwissenden“ sind „Suchende“ nach einem vorläufigen Wissen, nach der Wahrheit von Aussagen, nach Erkenntnisfortschritt und nach Weisheit.

Entsage der Torheit! Habe Mut, zu Wissen! Wage es, weise zu sein! Der selbständig denkende Mensch betrachtet das Leben als mühevolles Abenteuer. Wer sein Leben in Freiheit gestalten will, der muss auch Widerstände überwinden und lebensbegleitend leben lernen. Denken, Zuhören und Können helfen bei der individuellen Persönlichkeitsbildung.

Selbstbefreiung durch Einsicht ist mit persönlicher Begegnung und mit einer Erörterung im argumentativen Dialog verbunden. „Unternehmergeist“ und Eigeninitiative erfordern auch Staunen, Neugier, Fragen, Zweifel, Forschung, Prüfung und Widerlegung.
Bekämpfe die Irrtümer und Fehler, aber nicht die Menschen!

Die Menschen können nach Verbesserungen streben, Irrtümer und Fehler korrigieren sowie Chancen nutzen.
Wissen bringt Einsicht in die Praxis menschlichen Handelns. Fehler werden dann offenbar, wenn sich die Folgen von Handlungen zeigen.
Es ist möglich, aus Misserfolgen (und aus Erfolgen) zu lernen und suchend das Bessere zu finden.
Das Selbstinteresse des Menschen ist sozial nützlich. Es dient dem Gemeinwohl und der „Gemeinsamen Sache“.
Der Mensch sucht den Wettstreit als Lehrmeister. Er wagt es, sich zu messen, sich und andere im Wettstreit zu fordern.

Menschen wollen sich im Wettbewerb bewähren. Sie streben nach Erfolg. Wer sein Leben aktiv gestalten will, der versucht, erfinderisch Wissen in Taten umzusetzen, Aufgaben zu bewältigen, selbstdiszipliniert Eigenleistungen zu erbringen, Tüchtigkeit bei seinen Handlungen zu zeigen und sich durch Taten im Wettbewerb und mit Neuerungen zu bewähren.

Der Wettbewerb ist eine „Quelle der Weisheit“, ein Motor der Entwicklung von Ideen und von Innovationen. Wettbewerb bewirkt Wohlstand. Die individuellen Leistungen im Wettbewerb dienen auch der Gemeinschaft.
All diese Ideen finden wir bereits in den Schriften der Denker der griechischen und der römischen Antike.
Mehr Vermittlung und mehr Chancen für den Erwerb dieser „Traditionen des abendländischen Geistes“ sind erwünscht.

6 Gedanken zu „Fundamente „Europäischer Bildung“

  1. Kluftinger

    Da weist Herr Strargl auf einen schmerzhaften Prozess hin, den Verlust der Geistesgeschichte.
    Aber diese ist das Rüstzeug für den Wettbewerb, wenn auch nicht im täglichen Handeln. Um im Wettbewerb zu bestehen braucht man ein Rüstzeug das aus Zusammenhgangswissen und Handlungswissen besteht. Fehlt einer der beiden Komponenten, ist die betreffende Person im Nachteil.
    Junge Menschen erwecken sehr oft den Eindruck , dass Wikipedia die Lektüre eines grundlegenden Werkes erspart .
    Und – aus eigener Erfahrung – es nicht leicht, die Notwendigkeit einer längerfristigen Sichtweise (siehe Stargl) zu vermitteln.
    (In Österreich hatte der Prozess der geistigen Verdrängung schon unter Firnberg begonnen. Damals schon wurden Professorenstellen die der Ideologie widersprachen, nicht nachbesetzt. )

  2. Rupert Wenger

    Ihre Ausführungen klingen wie ein Sukkus aus all ihren früheren Beiträgen. Ich hoffe, sie sind kein Abschied. Sie hatten zwar wenige Kommentare von Lesern, dafür haben sie viele Leser zum Nachdenken gebracht, was wesentlich wichtiger ist. In diesem Sinne bitte ich um Fortsetzung Ihrer Beiträge!

  3. sokrates9

    Hervorragender Bericht; Doch das ist heute den Jungen nicht mehr vermittelbar.Man hat überall Ratio durch Emotionen ersetzt und agiert nur mehr auf dieser Basis: Früher machte man Werbung mit technischen Details, das Auto hat 4 Zylinder, ABS und sonstigen Firlefanz, dann plötzlich… Nur ein Mercedes ist ein Mercedes..heute sind technische Details völlig out. Mit einer linksorientierten Lehrerschaft – tatkräftig gefördert durch Unzahl von inkompetenten MinisterINNEN wurde die abendländische Basis begonnen vom Lateinunterricht völlig entsorgt. Demokratie, Rechtsstaatlichkeit,Geldtheorien versteht heute niemand mehr.Lässt sich nicht auf einen Bildschirm in 200 Worten darstellen. Sehe kein einziges Indiz dass Europa /USA nicht in erine dramatische Abwärtsspirale gerät.
    In Osteuropa wird akademisches Grundlagenwissen noch teilweise unterrichtet, ob von dort eine Revolution kommt glaube ich aber nicht.

  4. Alahut

    Die Fundamente europäischer Bildung sollten eigentlich schon das Elternhaus und die Volksschulen sein. Aber mittlerweile findet sich dort wenig das an Europa erinnert. Zudem wird das Leistungsprinzip in den Schulen immer mehr untergraben, zwar können Volksschüler schon perfekt mit dem Handy umgehen, aber die Lücken im Allgemeinwissen von Maturanten sind auch eklatant. Und für die Qualität von akademischen Abschlussarbeiten zeugt ein Beispiel das aktuell mediale Thema ist.

  5. Johannes

    Bildung wurde abgelöst durch Haltung.
    Die vorgeschriebene Haltung ist gebückt, kniend, mit gesenktem Haupt, mea culpa predigend, sich selbst zu verleugnen.

  6. Falke

    @Johannes
    Was Sie beschreiben, ist die gewünschte und gelehrte Haltung der Untertanen.
    Was „Haltung“ bei Journalisten bedeutet, wurde von Relotius vorgeführt, und wird von vielen weiteren befolgt, etwa (als pars pro toto) bei uns von Armin Wolf, Armin (sic!) Thurnher, Hans Rauscher, beim Nachbarn Carl Kleber, Georg Restle, Heribert Prantl …..

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