Gehört der Islam wirklich “zu Österreich”?

(C.O.) Es klingt ja irgendwie nett und freundlich, wenn ausgerechnet Österreichs Polizei-Ministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) kurz nach dem islamistischen Terror in Paris erklärt: “Der Islam gehört zu Österreich.” Ganz so, wie der deutschen Bundeskanzlerin zufolge der Islam ja auch zu Deutschland gehört. Bei näherer Betrachtung freilich entpuppen sich derartige Bekenntnisse als wohlfeile Leerformeln, die leider geeignet sind, den Blick auf das eigentliche Problem ganz mächtig zu vernebeln, anstatt diese Probleme endlich einmal ohne falsche Rücksichtnahme auf irgendwelche Gefühlslagen freizulegen.

Dass in einem säkularen Staat eine Politikerin darüber ein Urteil abgibt, welche Religionsgemeinschaften zu diesem Staat “gehören” – was auch immer das sein mag -, stellt die Anmaßung einer Kompetenz dar, die weder von der Bundesverfassung noch dem deutschen Grundgesetz gedeckt ist. In der säkularen Republik steht dem Politiker kein Urteil darüber zu, welche Religionen “dazugehören”. Punkt.

Interessant wäre auch von Frau Mikl-Leitner zu erfahren, welchen Islam und damit verbunden welche Glaubensinhalte sie eigentlich für zu Österreich gehörig hält. Den sunnitischen der Moslembrüder? Den schiitischen der iranischen Fascho-Mullahs? Den wahabitischen der Saudis mit seinen milieubedingten Auspeitschungen und Köpfungen? Oder gar jenen hyperorthodoxen Islam des gleichnamigen Staates? Irgendeinen Islam muss die Innenministerin ja wohl meinen, wenn sie dessen Zugehörigkeit zur Republik behauptet.

Und welche islamischen Glaubensinhalte gehören zu Österreich? Die Überlegenheit des Islam über die anderen Religionen? Die Scharia? Der Vorrang des göttlichen vor dem irdischen Recht? Die Verurteilung der Homosexualität? Gehört all das im Verständnis der ÖVP-Politikerin auch “zu Österreich”? Eine diesbezügliche Aufklärung durch Frau Mikl-Leitner wäre da außerordentlich hilfreich.

“Sie irren sich, Frau Bundeskanzler”, warf in diesem Kontext jüngst auch der deutsch-ägyptische Schriftsteller Hamed Abdel-Samad, selbst Moslem und Autor zahlreicher Bücher über den Islam, der “Islam-gehört-zu-Deutschland”-Bundeskanzlerin auf seiner Facebook-Seite vor. “Entweder wissen Sie nicht, dass all das auch zum Islam gehört, dann sind Sie nicht qualifiziert, dieses Urteil zu fällen. Oder Sie wissen Bescheid und täuschen die Bürger dieses Landes, um weiterhin Saudi-Arabien Panzer zu verkaufen und dem türkischen Handelspartner nicht zu verärgern.”

So lange Politiker wie Merkel oder Mikl-Leitner sich zu einem Islam bekennen, ohne dessen wichtigste, unverhandelbare Charakteristika auch nur zu erwähnen, sind diese Bekenntnisse eher Teil des Problems denn der Lösung. Eines Problems, das auch darin besteht, dass allen ernst zu nehmenden Untersuchungen zufolge etwa der Antisemitismus unter den Muslimen in ganz Europa dramatisch höher ist als unter den Nicht-Muslimen oder dass 65 Prozent der europäischen Muslime religiöse Gesetze für wichtiger erachten als die Landesgesetze. “Es tut mir sehr leid, dass ich mit meinen Texten nun die rührende friedliche Stimmung störe”, schreibt Abdel-Samad. “Aber Frieden entsteht nicht, wenn man die authentischen islamischen Passagen ausblendet, die die Mörder benutzten, um ihre Anschläge zu legitimieren. Sondern indem man sie beleuchtet und ehrlich diskutiert.” (WZ)

18 comments

  1. Rado

    Der Islam gehört genauso zu Österreich wie die ÖVP mit ihrem König Abdullah Zentum samt dazugehörigen Verhetzungsparagraphen.

  2. cmh

    Antisemitismus ist ein Wort, bei dem man ob seiner Schrecken immer zu träntzen beginnt. Man sollte diese Wort daher ausschließlich im historischen Zusammenhang verwenden, aber nie zur Beschreibung einer aktuellen Situation.

    Verwendet man Antisemitismus wird immer klammheimlich unterstellt, die Österreicher oder die Deutschen würden damit sympatisieren, weil sie immer noch Nazis wären. Das ist zurückzuweisen!

    Wenn Moslems etwas gegen Juden haben und diese dabei vielleicht in unseren Schlaraffenländern auch fallweise massakrieren hat das nichts mit dem Schreickgespenst eines wiedererstandenen Antisemitismus früherer Prägung zu tun.

    Es ist schlicht und einfach religionsbedingter Judenhass. Und weil religionsbedingt kann die autochthone diesen mangels Regligion nicht haben.

  3. Syria Forever

    cmh, Shalom.

    Ich stimme Ihnen zu. Dieses, im 19. JH erfundene “Antisemitismus” um Judenhass netter zu beschreiben, von den Naaz gerne übernommen und weitergeführt von den Sozialisten, Kommunisten uvm., entspricht nicht den Fakten. Juden-Hass, um das Kind beim Namen zu nennen.
    Wenn die “Linke” in Berlin mit “Kauft nicht bei Israelis”, oder die Grünen “Israel ist ein Kindermörder.”, oder wieder andere politische Vertreter Israel beschimpfen, wie würde Sie das bezeichnen? Juden freundlich?
    Wenn die Linken oder andere politische Darsteller “Israel” ansprechen meinen sie nicht alle Israelis sondern ausschliesslich Juden.
    Der Juden-Hass in Europa hat sich geändert, wird anders verkauft, und ist mit Sicherheit nicht in selben Ausmass zu finden wie in den 20igern und 30igern, auf jeden Fall nicht unter den Europäern, dafür hat man sich zur Verstärkung Freunde eingeladen.
    Ihr Anspruch, der immer weiter aufkommende Judenhass in Europa ist den Muslimen geschuldet, ist falsch. Die Muslime helfen wo sie können sind aber nur ein weiteres Mitglied im Club der Juden-Hasser.
    Es hat gute Gründe wenn BB betont, dass sich Israel von Europa distanzieren und neue Freunde in Südamerika, Afrika und Asien finden wird, oder besser, gefunden hat und weiter finden wird. Wenn ich nicht irre wird in Südkorea an den Raketen für das “Iron Dome” System gearbeitet. Andere asiatische Staaten produzieren, unter Lizenz Israels, viele Dinge. Und es werden immer mehr.

    Ich hatte den Exodus der Juden aus Europa schon vor einer ganzen Weile angesprochen. Es wird nicht zum Vorteil Europas sein. Mit den Juden verschwinden Jahrhunderte von Netzwerken und Handelsbeziehungen.
    Als die Osmanen den Armenier-Massenmord verübten waren danach nicht nur die Armenier nicht weiter vorhanden sondern auch deren Wissen, Kunst und Handwerk aus Jahrtausenden von Geschichte, Kultur, Zivilisation und Meister Anatoliens.
    Guten Tag.

  4. Der Bockerer

    Es ist die übliche politische Verlogenheit. In Schweden beispielsweise wird die Regierung nicht müde, die Moslems vor Benachteiligungen in Schutz zu nehmen. Gleichzeitig gibt es in diesem Land eine Firma, die ausdrücklich KEINE Moslems anstellt, weil sie sicherheitsrelevante Produkte herstellt. Es ist schwer vorstellbar, dass dies – zumal in Schweden, wo der Staat jedes Bankkonto kontrolliert – ohne Kenntnis der Behörden erfolgt.

  5. cmh

    @SF
    Sie machen es schon wieder. Es fällt ihnen gar nicht auf, dass es eben nicht um uns und die Juden geht, sondern um die Moslems.

  6. cmh

    @Bockerer
    Das ist das Problem, dass Moselms eben nie paktfähig sein können, da sie diesen unvorhersagbaren Schwankungen in ihren Ansichten und Meinungen unterliegen.

    Es braucht nur ein Coursin aus Syrien nachkommen und der bisher wirkliche Islam (der nichts mit dem Islam zutun hat) ist nicht mehr der einzige und wahre Islam, der allerdings nicht mit dem bisherigen Islam zu tun hat.

    Das ist die Hütchenspielerei, der unsere Politiker derzeit so fasziniert zuschauen.

  7. caruso

    Wenn jemand hier recht hat, dann ist es Hamed Abdel-Samad. Die beiden Politikerinnen – Merkel und Miki-Leitner – wollen nur Wählerstimmen sichern. Und einen Scheinfrieden.
    lg
    caruso

  8. aneagle

    @ Bockerer
    Sie haben recht. Schweden sollte die Firma, gemäß ihrer öffentlich gemachten Meinungen, zwingen Moslems anzustellen. Das wäre, angesichts der Sicherheitsbedürfnisse der Kunden von sicherheitsrelevanten Produkten, ihr baldiges Ende. Das wäre wünschenswert, obwohl dann nicht mehr der Islam zu Schweden gehören würde, sondern, wie angestrebt, Schweden zum Islam ! Das ach so modern-tolerante Sozial-Atheisten-Stadl kann dann seine Produkte in den Iran liefern. Wen wundert es, dass die pleite sind?

  9. Ehrenmitglied der ÖBB

    Die “Sager” von Frau M.L. von “her mit dem Zaster, her mit der Marie” bis hin zum zitierten Ausspruch, dass der Islam zu Österreich gehöre, legt den Verdacht nahe, dass diese Frau nicht immer weiss was sie sagt?
    Aber im Phrasendreschen sind unsere Regierungsmitglieder (mit wenigen Ausnahmen) besondre tüchtig.
    Bestenfalls hätte sie sagen können, der Islam als Sammelbegriff für alle Moslems in Österreich ist ein Teil der Realität, dann kann man diskutieren, wie sich diese Personen in der Verfassungsrealität verhalten….
    Aber so differenziert kann diese Frau wohl kaum denken, geschweige reden…

  10. Thomas F.

    Voodoo gehört auch zu Österreich.
    Aber in die Schule gehört es trotzdem nicht.
    Und es gibt keinen Grund, auf jemand Rücksicht zu nehmen, der sich daran klammert.

  11. aneagle

    also scheint die Entscheidung gefallen- die Österreichische VerliererPartei verteidigt “ihr” allseits beliebtes Dialogzentrum mit Händen und Klauen gegen die gierigen Spanier. Als Nachfolgerin für die etwas glücklose Bandion, scheint mit Frau “her mit dem Zaster”-Leitner die Idealbesetzung gefunden. Aber bitte-bitte-bitte, sagt jetzt nicht, daß “nicht jeden Freitag” – Bandion Innenministerin wird !! 🙂

  12. Herbert Manninger

    Die Milei ist eine typische Quotenfrau: inkompetent, aber großmäulig.

  13. docwest

    der islam gehört zu deutschland wie die reeperbahn nach mekka. (Copyright akif pirincci: deutschland von sinnen)

  14. Kassandra

    Diese Politikerin ist dumm. Wer ein richtiger Moslim sein will muss zwangsläufig einen Teil unseres Rechtssystems ablehnen einschließlich der Verfassung.

  15. Fragolin

    Nach einem Anschlag radikaler Moslems gegen Juden beziehen wir großmäulig Stellung – für die Moslems.
    Frau Mickimaus, das Judentum ist auch Teil Österreichs, auch wenn es den Altvorderen fast gelungen wäre, diesen Umstand endzulösen. Ein klares Bekenntnis zur Solidarität mit den Opfern wäre wünschenswert, aber unsere Obertanen verbrüdern sich demütigst mit den Tätern.
    Feigheit? Dummheit? Kriecherei?
    Oder alles dreies?
    Langsam widert mich die Verlogenheit in den oberen Etagen nur noch grenzenlos an. Man kann gar nicht so viel essen…

  16. Ehemaliger ÖVP-Wähler

    Ich habe bei der ÖVP nachgefragt, was Frau Mickl-Leitner damit wirklich gemeint hat. Das war die Antwort (durchaus im Sinne des Buckeln vor dem Islam. Paris ist kein Grund, den Islam kritisch zu beleuchten, Nein, im Gegenteil: gerade jetzt muss man differenzieren!). Also hier die Offizielle Antwort der ÖVP:

    Sehr geehrter Herr X,

    diese E-Mail haben wir erhalten.

    Wir haben selbstverständlich europäische Verwurzelung des Islam, die bis ins Mittelalter zurückreichen.
    In Österreich haben wir einen klaren Rechtsrahmen seit mehr als 100 Jahren. Der Islam ist seit 1912 anerkannte Religionsgemeinschaft in Österreich – und selbstverständlich gehört er daher zu unserem Land dazu. Auf dieser Grundlage haben wir ein funktionierendes und gut gelebtes Miteinander unterschiedlicher Kulturen, das europäische Wertefundament ist dafür auch in Zukunft unsere feste Basis. Viele Länder Europas beneiden Österreich um den klaren Rechtsrahmen, den wir jetzt durch das neue Islam-Gesetz auch an die neuen Herausforderungen unserer Zeit und der Zukunft anpassen. Rund sechs Prozent der österreichischen Bevölkerung sind Muslime.

    Der Islam wird von islamistischen Terroristen benützt und wir ersuchen daher, hier besser zu differenzieren. Denn weder rechte Hetzer noch linke Leugner werden uns weiterbringen, sondern wir brauchen auch in dieser Frage einen seriösen und sachlichen Weg der Mitte und der Vernunft. Gerade und insbesondere nach den furchtbaren Attentaten in Paris, die von islamistischen Terroristen durchgeführt wurden.

    Wir erwarten uns daher auch von der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, dass sie junge Muslime nicht Hasspredigern überlässt. Als anerkannter Religionsteil aller europäischen Staaten hat der Islam, ebenso wie auch alle anderen Religionen, die Verpflichtung, dem Radikalismus den gesellschaftlichen Boden zu entziehen und Jugendlichen klar zu machen, dass Gewalt niemals ein Mittel sein darf.

    Gerade aus den aktuellen Anlässen heraus ist es wichtig, über den Dialog auf ein friedliches Zusammenleben der Religionen hinzuwirken.

    Mit freundlichen Grüßen

    Ursula Kroczek
    ________________________________
    Ursula Kroczek
    Politik & Interne Kommunikation

    ÖVP Bundespartei
    Lichtenfelsgasse 7, 1010 Wien

  17. Franz

    “Der Islam gehört zu Österreich”.

    Der Satz ist ähnlich mit “Die Selbstverstümmelung gehört zu Österreich”.
    Denn: historisch gehört der Islam so wenig zu Österreich wie die Selbsverstümmelung.
    Österreich ist ein freies Land (Frei für Österreichischer, und nicht “frei” im Sinne… Frei für Illegale Einwanderung).

    Der in Österreich rechtens lebende Bürger, geniesst Freiheit. Dies beinhält auch die Freiheit des Österreichischen Bürgers “sich selbst zu verstümmeln”, oder “dem Islam beizutreten”.
    Aber zu behaupten, dass “der Islam zu Österreich gehöre”, ist einfach ein Satz der nicht die richtige Balance hat.
    Was stark zu Österreich gehört ist (unter anderem!) die Christliche Tradition und nicht der Islam.

    Ich schäme mich für Österreich, wenn es den Bürgern in einer unverhältnismäßigen Weise verbreitet, dass der Islam zu Österreich gehöre.
    Nein, in der Weise… gehört er nicht zu Österreich. Statt dessen ist es die Freiheit (der Bürger) die zu Österreich gehört. Das ist das höhere Gut.
    Es ist Blödheit, oder Unverantwortlichkeit, oder geziehlte Manipulation… wenn in einem selektiven Wahn von political correctness… nebensächliche Tatsachen hervorgehoben werden; und den Bürgern untergerieben werden.

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