Geisterfahrer unterwegs

Von | 30. Oktober 2021

(Christian Ortner/WZ) Wenn einem auf der Autobahn auf der eigenen Richtungsfahrbahn ununterbrochen Autos entgegenkommen, kann man sich über die vielen Geisterfahrer wundern, die da unterwegs sind. Es dürfte sich freilich schwierig gestalten, diesen Standpunkt auch der Polizei glaubhaft zu machen. Die deutsche – und in diesem Falle auch die österreichische – Energiepolitik ist derzeit in genau dieser Situation. Während weltweit erkannt wird, dass Atomstrom eine notwendige Bedingung des Ausstiegs aus der Stromerzeugung mit Kohle und Gas ist, beharren die beiden deutschsprachigen Länder darauf, unbeirrt auf der falschen Spur weiterzurasen. Deutschland, so hat es der bekannte deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn dieser Tage formuliert, sei „ein Geisterfahrer“, die im Nachgang zur Fukushima-Katastrophe getroffene Entscheidung, alle deutschen AKW vom Netz zu nehmen, sei „ein Fehler“ gewesen.

Das Problem dabei: Auch 2021 findet sich kein Politiker von Gewicht, der in Berlin oder Wien diesen Fehler klar benennt und sich dafür einsetzt, ihn zu beheben. Vor allem die FDP, der man dergleichen noch am ehesten zutrauen würde, aber auch die früher einmal wirtschaftsfreundliche CDU wagt sich da nicht aus der Deckung, obwohl auch führende Politiker unter der Hand konzedieren, was evident ist: dass Deutschland einen Ausstieg aus dem Ausstieg braucht – und in der Folge zumindest jene sechs Atommeiler, die noch bis Ende 2022 im Betrieb sind und dann vom Netz genommen werden, darüber hinaus weiterlaufen könnten, was eine Reduktion des gesamten deutschen CO2-Ausstoßes um ein Zehntel ermöglichen würde.

In gewisser Weise ist hier ein Politikversagen zu konstatieren, das uns auch in anderen Zusammenhängen immer öfter begegnet: dass Politiker nicht das, was sie für richtig erachten, klar und deutlich vertreten in der Hoffnung, für diese Ziele Mehrheiten organisieren zu können; sondern umgekehrt herauszufinden trachten, welche Ziele denn mehrheitsfähig sein könnten, um sie sich in der Folge zu eigen zu machen. Zur Perfektion entwickelt hat dieses umfragegetriebene Regieren die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, aber auch Österreichs nachmaliger Kanzler Sebastian Kurz bediente sich dessen in hohem Maße (ganz anders übrigens als einst Wolfgang Schüssel).

Diese Methode ist auf der einen Seite zwar hilfreich, um Mehrheiten zu organisieren und damit den Machterhalt zu sichern – sie hat aber den kleinen Nachteil, viele Entscheidungen als Folge einer Gefühlslage und nicht faktenbasiert zu treffen. Die Atomkraft ist ein besonders typisches Beispiel. Denn die Fakten – von der großen Sicherheit moderner Reaktoren über die etwa in Finnland bereits gelöste Endlagerfrage bis hin zur Klimafreundlichkeit dieser Form der Stromerzeugung – sprechen heute weitgehend dafür. Das hilft nur nichts, wenn eine in diesen Dingen unterinformierte, aber überemotionalisierte Öffentlichkeit in Panikattacken verfällt, sobald jemand nur das Wort Atom ausspricht – und weit und breit kein Politiker in Sicht ist, der Klartext spricht.

6 Gedanken zu „Geisterfahrer unterwegs

  1. Susi

    „..die etwa in Finnland bereits gelöste Endlagerfrage….“ Ist sie auch zufriedenstellend gelöst die Endlagerfrage? Was anderes machen die Verantwortlichen als es irgendwo in unberührter Natur zu verstecken? Bis 5-beinige Rehe und Wildschweine mit zwei Köpfe in großer Zahl auftauchen und man sich fragt ob die Endlagerfrage wirklich gelöst ist? Daher glaube ich das genauso wenig wie ich entsprechenden Aussagen: „die Frage der E-Batterieen der Autos ist zufriedenstellend gelöst..“

  2. GeBa

    Jetzt werden hoffentlich bei uns die Grünen auch bald aufwachen mit ihren eAutos, eFahrrädern etc., ich habe gestern die neue Strompreisvorschreibung ab 1.12.2021 erhalten, eine 100%ige !!! Erhöhung.
    von 5,70 Cent auf 11,40 Cent pro kWh.
    Habe aber wieder mitgemacht beim VKI (Verein für Konsumenteninformation) die jedes Jahr eine Energiekosten-Stop Aktion machen und den günstigsten Anbieter für einen suchen und auch gleich einen eventuellen neuen Anbieter, für den man sich entscheidet, über den gewünschten Wechsel informieren, aber mein Anbieter easygreen war die letzten Jahre immer der günstigste.
    Die anderen werden eine mindestens genau so hohe Preiserhöhung haben

  3. Allahut

    Entwickeln sich die Energiepreise so weiter, dann brauchen die Grünen bei der nächsten Wahl gar nicht mehr antreten.

  4. Falke

    In Österreich und (bald auch) in Deutschland sind Grüne in der Regierung, und damit ist keine logische und emotionslose Energiepolitik möglich. Kohlekraftwerke dürfen wegen Emissionen und CO2-Ausstoß nicht sein, Wasserkraftwerke zerstören die Natur und stören die Ruhe von Rotbauchkröten, Kernkraft ist sowieso des Teufels. Wer einmal das schwachsinnige Gestammel einer Annalena Baerbock von Stromspeicherung im Netz und ähnlichen Unsinn gehört hat, muss sich allergrößte Sorgen um die Energieversorgung in Deutschland (und damit auch bei uns) machen.

  5. aneagle

    Das augenscheinlichste Argument für fossile Brennstoffe, ggf. auch in ihrer umweltverträglichen synthetisierten Form, ist die unvermeidliche Tatsache, dass bei den neuen Energieträgern allesamt die Infrastruktur neu erschaffen werden muß.

    Vergleichen Sie einmal unter diesen Vorraussetzungen, die Umweltverträglichkeit eines modernen, sparsamen langlebigen Dieselfahrzeuges mit einem kurzlebigen lithiumbatteriegetriebenen Mickimauselektrofahrzeug, samt seinen serverstromfressenden unnötigen Internet-Gadgets und seinen Endlagerproblemen. Das rechnet aus gutem Grund keiner nach. Und jene, die rechnen können, wollen es nicht wahrhaben. Ebenfalls aus demselben guten Grund.
    Einzige Ausnahme: Oswald Metzger , sein Buch “ demnächst ohne Auto“ ist ein Augenöffner

    Ich bete täglich um einen möglichst hohen Strompreis, vorausgesetzt er schafft mir die Grünen und ihren gefährlichen Schwachsinn vom Hals. Das Geld wäre in einem möglichst teuren, asozial hohen Strompreis allemal besser investiert als in jedem Green Deal, der nur Dutzende profit- und machtgierige NGO_ Schmarotzer mit Steuergeld füttert. Einen raschen, saftig hohen, mainstreamverändernden Strompreis, der auch den Bobos die Hosen auszieht – und der Planet würde es uns danken.

  6. sokrates9

    Möchte einmal wine Rechnung sehern was die Grüne Strominfrastruktur an CO2 kostet.Die Vogelshredder, die Hochspannungsleitungen, Millionen Tonnen an Kabeln treibt den CO2 Investitionsverbrauch sicher Jahre nach oben!

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