Geisterfahrer unterwegs

Von | 26. Juni 2020

(ANDREAS TÖGEL) Kennen Sie diesen alten Kalauer? Ein Autofahrer fährt mit seinem Fahrzeug auf die Autobahn auf. Plötzlich der Beifahrer: Achtung, ein Geisterfahrer! Der Fahrer, nach einer Schrecksekunde: was heißt einer? Hunderte!
Dutzende, Hunderte, ja Tausende, die einem auf der vermeintlich eigenen Richtungsfahrbahn entgegenkommen. Da hat man wohl einen Fehler gemacht. Kann ja nicht sein, dass alle anderen sich irren und ausgerechnet ich recht habe, oder?
Exakt dieses nagende Gefühl, falsch zu liegen, beschleicht mich in jüngster Zeit immer häufiger, sobald ich eine Zeitung aufschlage oder mir Fernsehnachrichten zu Gemüte führe. Da lese oder höre ich etwa von einer „Partyszene“ und mehreren hundert „Event-People“ (was auch immer das sein mag), die zum Spaß eine beschauliche deutsche Innenstadt verwüstet haben. Die zitierten „Party-People“ „solidarisierten“ sich demnach mit einem festzunehmenden Drogenjunkie gegen die ebenso spaßbefreite wie für Drogendelikte augenscheinlich gänzlich unaufgeschlossene Polizei. Die „Bullen“ – dieser Tage gilt bekanntlich all cops are bastards! – wussten sich die fröhlich feiernden Fratzen beherzt mittels gezielter Würfe von Pflastersteinen (wer hat sowas bei einer Party nicht dabei?) vom Leibe zu halten.

Und weil sie halt so unglaublich gut drauf waren, gingen die lieben Kleinen im Zuge ihrer munteren Party alsbald dazu über, Schaufensterscheiben einzuschlagen und Geschäfte zu plündern. Eh ganz normal – welches Straßenfest endet nicht früher oder später auf genau diese Art? Dass im Zuge der Plünderungen unter anderem lautstark Allahu Akbar! skandiert wurde, ist für die Massenmedien im Mitteleuropa des einundzwanzigsten Jahrhunderts schon gar keine Meldung mehr wert.

Man mag es zwar nicht glauben, aber auch ich war – lange, lange ist´s her, zugegeben, einmal jung und habe an Partys teilgenommen – ja sogar selbst welche veranstaltet. Immerhin war der Plattenspieler zu dieser Zeit schon erfunden und auch Bier und Wein waren jungen Menschen nicht gänzlich unbekannt. Wir wussten also zu feiern. Dass die „Partyszene“ anno dazumal in angeheitertem Zustand losgezogen wäre, Geschäfte geplündert und Polizisten mit Pflastersteinen beworfen hätte, ist mir allerdings nicht erinnerlich. Aber was weiß ich schon – bin ja schließlich ein alter weißer Mann.

Zweites Beispiel: seit Wochen werden wir unentwegt mit der Parole „Black Lives Matter“ bombardiert. Als ob jemals einer das Gegenteil behauptet hätte – von einzelnen Mitgliedern des Ku-Klux-Klans vielleicht abgesehen. Ist aber schon in Ordnung, denn Mensch ist schließlich Mensch und selbstverständlich zählen schwarze Leben! Auf die Idee, diese Parole dahingehend zu interpretieren, dass weiße Leben – im Gegensatz zu schwarzen – nichts zählen, ist nach meiner Beobachtung niemals jemand verfallen.
Nun aber folgt das Ungeheure: soeben hat sich jemand im Zuge eines Fußballspiels im der EU abtrünnigen Albion erfrecht, die Parole „WHITE LIVES MATTER“ auszugeben – noch dazu in Form eines weithin sichtbaren, von einem Flugzeug gezogenen Banners. Unerhört! Skandal! Nicht nur die üblichen Verdächtigen, sondern auch ansonsten eher unaufgeregte Redakteure seriöser Gazetten diagnostizieren – ohne jede weitere Erklärung -, „Rassismus“. Der ruchlose „Täter“ ist natürlich auch schon ausfindig gemacht – ein „Rechtsradikaler“, was sonst.

Nur zum Verständnis: Wenn die Behauptung, dass weiße Leben zählen (der ich als notorischer Geisterfahrer vollinhaltlich zustimme), tatsächlich falsch ist, muss demnach das Gegenteil stimmen: „White Lives Don´t Matter!“ Hätte der böse Flieger diese Parole präsentiert, wäre alles in Butter gewesen. Black Lives Matter darf, – ja muss – gesagt werden, will man nicht der ewigen Verdammnis anheimfallen. White Lives Matter zu behaupten, ist aber blanker Rassismus.

Da ich diese Meinung beim besten Willen nicht teilen kann, habe ich augenscheinlich die falsche Auffahrt genommen und fahre auf der verkehrten Fahrbahnseite. Bitte vielmals um Vergebung für mein weißes Fell, das offenbar mit meiner absoluten Unfähigkeit im Zusammenhang steht, für zeitgeistig-politisch korrektes Denken auch nur das geringste Verständnis aufbringen zu können. Sorry. Allerdings weiß ich mich zu meiner großen Genugtuung mit meinem Defizit nicht ganz allein. Viele meiner Freunde und Bekannten denken nämlich ähnlich.
Fazit: Wer sich seines (eigenen!) Verstandes bedient, kann über die rezenten Exzesse der mehrheitlich völlig von der Realität entkoppelten Publizistik nur noch den Kopf schütteln

9 Gedanken zu „Geisterfahrer unterwegs

  1. Gerald Steinbach

    Wäre interessant zu wissen, wenn die Aktion „white lives matter“ unter Rassismus fällt, der Verantwortliche angezeigt wurde

  2. TomM0880

    Der Ausspruch “Black lives matter” ist so nichtssagend und wie “White lives matter” oder “Der Himmel ist blau”.

    Sie bringen mir keine neue Erkenntnis. Aber es geht ja nicht um Fakten, sondern um Haltung (stupid me).

  3. sokrates9

    Die weißen sind ja in Europa (noch) in der Überzahl. was wäre wenn die mal entsprechende weiße Politiker wählen würden, die diese Problematik erkennen?

  4. Manuel Leitgeb

    Die Polizei hat die Ermittlungen eingestellt, da der Banner (leider, leider) keine Straftat war.
    Aber keine Sorge, Jack Hepple (so heißt der Initiator) hat seine “gerechte” Strafe bekommen: Er hat umgehend seine Arbeit verloren. Seine Freundin auch.

    Daran sieht man ganz besonders gut, wie radikal und extrem die Linke geworden ist: Der Arbeitgeber seiner Freundin hat öffentlich gesagt, daß er zufrieden mit ihr war und sie bei der Arbeit nie auch nur eine Bemerkung in eine solche Richtung gemacht hat. Aber jetzt ist sie unhaltbar.

    In früheren Zeiten wären die Gewerkschaften, egal in welchem EU-Land, auf die Barrikaden gegangen und hätten den Arbeitgeber richtig hergenommen, wenn er jemanden entläßt wegen einer privaten Meinung, die rein außerhalb der Arbeit getätigt wurde.

    Aber heute? Alles okay, paßt schon so, sie hat’s nicht anders verdient, bei so einer (falschen) Meinung.
    Aber Meinungsfreiheit wird natürlich nicht beschnitten, nein nein, natürlich nicht.

  5. Erwin Tripes

    Die medizinische Bedeutung von matter ist Eiter!
    Komik?

  6. TomM0880

    @Manuel Leitgeb
    Ich weiß ja nicht ob es dort ein Arbeitsgericht gibt, aber das würde ich den “Rechtsstaat” klären lassen.

  7. Falke

    @TomM0880
    Auf Gerichte würde ich mich nicht verlassen; die sind – da wie dort – derart links durchsetzt und versifft, und zwar bis hinauf zu den Obersten Gerichtshöfen bzw. Verfassungsgerichten, dass jemand mit einer nicht “richtigen p.c. Haltung” auch dort keine Chance hat.

  8. Johannes

    Wenn “White Lives Matter“ rassistisch ist so muss man wohl davon ausgehen das für die Gutmenschen nur das Gegenteil nicht rassistisch ist. Selten hat sich die Meute derart entlarvt.

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