Gekaufter Pass, na und?

(A. Unterberger) Das europäische Parlament ist empört: In Malta kann man sich neuerdings Staatsbürgerschaften kaufen. Damit haben zahlungskräftige Nicht-E­uropäer automatisch auch alle Rechte im gesamten EU-Gebiet. Die Staatsbürgerschaft in einem Land öffnet einem ja auch alle anderen EU-Länder. Wie schlimm ist das eigentlich wirklich?

Aufs Erste sehr. Staatsbürgerschaft hat zumindest in unseren Ohren viel mit emotionaler Bindung an die eigene Heimat zu tun. Diese Bindung geht in Ländern mit Wehrpflicht ja sogar bis hin zur zumindest theoretischen Pflicht, für dieses „Vaterland“ zu sterben.

Das ist zwar derzeit glücklicherweise ein eher theoretischer Aspekt. Das wird auch – etwa in Österreich – von der Politik nie mehr erwähnt. Diese hat im Vorjahr ja die Wehrpflicht fast nur noch mit den Vorteilen des Zivildienstes beworben (sofern sie überhaupt für die Wehrpflicht war). Die letzte Konsequenz von Soldatsein wurde von allen Politikern und Medien verschwiegen. Aber die Durchschnittsbürger selbst verstehen den Einsatz des eigenen Lebens durchaus noch immer als dessen Teil.

Und jetzt kann man sich einfach schon mit Geld in eine solche europäische Staatsbürgerschaft einkaufen! Ganz ohne Wehrdienst. Das ist für viele Europäer unverständlich.

Mittellose Migranten belasten Europa
Dennoch sollte man Malta nicht ganz verdammen. Denn der Nutzen der Menschen mit viel Geld, die solcherart angelockt werden, ist unvergleichlich größer als jener Nutzen, den ungebildete und mittellose Zuwanderer stiften. Zwar werden diese in politisch korrekten Medien gerne als „Flüchtlinge“ bezeichnet. Und zwar keineswegs nur, wenn sie auf – ganz zufällig(?) regelmäßig ins Seenot geratenden – Schiffen auf Arbeitssuche nach Europa kommen. Übrigens ist da gerade Malta ein besonders intensiv angesteuertes Ziel.

Aber trotz dieser Propaganda ist klar: Ungebildete und mittellose Menschen sind in keiner Weise das, was Europa mit seiner riesigen Arbeitslosigkeit braucht. Sie belasten die Sozialsysteme weit mehr, als sie an Beiträgen bringen.

Etwa die österreichischen Statistiken zeigen regelmäßig und eindeutig: Nichteuropäer sind zu einem deutlich geringeren Anteil als die gleichaltrigen Österreicher arbeitstätig und sie zahlen daher auch deutlich weniger Abgaben. Dennoch finden skurrilerweise gerade die lautstarken Kritiker Maltas gleichzeitig diesen Migrationsstrom positiv.

Die Kritik am Sozialtourismus wird heftiger
Auf der anderen Seite wird von Bayern bis Großbritannien die Kritik an der Sozialmigration und an den europäischen Zentralisierungstendenzen immer lauter. Zuerst war die Kritik nur unter den Bürgern zu hören, jetzt ertönt sie auch bei den dortigen Parteien.

Dass diese so deutlich migrationskritisch geworden sind, hängt ganz direkt mit dem massiven Aufblühen neuer Konkurrenzparteien zusammen. Das ist in Deutschland die „Alternative für Deutschland“ und in Großbritannien die Unabhängigkeitspartei UKIP. Diese ist nach einer aktuellen Umfrage sogar schon Englands stärkste Partei. Dort richtet sich die Kritik besonders stark gegen Zuwanderer aus anderen EU-Ländern, wenn diese nicht arbeiten, sondern nur die Sozialsysteme beanspruchen wollen.

Diese Frage hat neuerdings auch eine tiefe Kluft quer durch die EU-Kommission gerissen: Während einige bürgerliche Kommissare intensiv darauf hinweisen, dass Mitgliedsländer in ihrem Sozialsystem ja nur arbeitende EU-Bürger gleich behandeln müssen, wollen die sozialistischen Kommissare das Thema Sozialmigration ignorieren – also das Kassieren von Wohlfahrtsleistungen, ohne jemals in dem zahlenden Land gearbeitet zu haben.

Die neue maltesische Praxis ist da zumindest ein richtiges Signal: Europa braucht primär jene Ausländer, die Geld hereinbringen, die hier investieren, die einen hohen Bildungsstandard haben, die nicht auf Europas volle Sozialtöpfe schielen.

Das Interesse an reichen Zuwanderern ist keineswegs eine Erfindung Maltas. Genauso kann man in vielen anderen Ländern als Investor relativ leicht den Pass bekommen. Auch außereuropäische Länder wie etwa Kanada haben solche Regelungen. Dort gibt es sogar längst genaue Tarife, wie viel Geld oder welche Ausbildung Ausländer mitbringen müssen. Kanada hat sehr profitiert davon.

Die Nostalgie verbleicht
Die Landesverteidigung als einzige echte Pflicht eines Staatsbürgers – genauer gesagt: jedes jungen männlichen Staatsbürgers – tritt gegen diesen Nutzen immer mehr zurück. Die meisten Staaten haben ja längst Armeen, die nur noch auf dem Papier existieren oder die nach dem alten Prinzip von Söldnerheeren geführt werden: Soldat wird man bloß gegen Geld. Daher ist Wehrpflicht kein wirklich taugliches Argument mehr gegen die Käuflichkeit von Staatsbürgerschaften.

Also ist es im Grund völlig logisch, dass man auch den Pass zu etwas Käuflichem macht. Oder?

Nur noch ein paar Konservative werden sich voll Nostalgie an jene Zeiten zurückerinnern, da das eigene Vaterland, die Identität mit diesem und der Dienst für dieses lebenslang etwas völlig Selbstverständliches gewesen sind. Freilich: Der heutige Zustand der Staaten wie auch der EU lässt diese Nostalgie rasch verbleichen. (TB)

Ich schreibe regelmäßig Beiträge für das unabhängige Internet-Portal eu-infothek.com.

12 comments

  1. Rado

    Gabi Burgstaller und Werner Faymann haben nicht nur österreichische Pässe “versprochen” sondern dafür auch schon kassiert. Von einem reichen russischen Mäzen der Salzburger Festspiele und dessen Familie.
    Einen Teil des Sponsorgeldes hat sich dann auch dummerweise ein dortiges Direktor in die eigene Tasche gesteckt. Sonst wäre die Geschichte zu 100% ehrenwert und strafverfolgungsfrei geblieben.
    http://salzburg.orf.at/news/stories/2520706/
    http://derstandard.at/1379291204245/Osterfestspiele-Weitere-Provision-vor-Gericht-in-Frage-gestellt
    http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/683404/Amtsmissbrauch_Neuer-Vorwurf-gegen-Burgstaller

  2. Tom Jericho

    Menschen, die reich genug sind, um sich Pässe kaufen zu können, fallen den Sozialsystemen nicht zur Last (bzw. benötigen keine Zuwendungen aus diesen) und sind daher der EUdSSR zutiefst suspekt: Wie soll man sie kontrollieren, wenn sie unabhängig sind und die ganzen hübschen Gutmenschenjobs samt deren Sesselpupsern nicht brauchen?

  3. world-citizen

    Niemals im Traum wäre es mir in den Sinn gekommen, mein Leben zu opfern um den Staat zu retten. Eher bin ich bereit, den Staat zu opfern um mein Leben zu retten. Und wie man sieht, kann es niemals schaden, etwas auf der hohen Kante zu haben um einen sicheren Ort aufzusuchen.
    Und wenn ein Staat stirbt kommt immer etwas neues an dessen Stelle. Wozu also die Angst?

  4. world-citizen

    >>>>>>>>>>>>>>>> Stimm Sie haben recht, nach und während Nazideutschland kam der WWK II mit nur 60 oder so Millionen toten. <<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<

    Ja diese vielen Millionen Toten wären vermeidbar gewesen, hätte sich der NS Staat früh genug entsorgt und nicht bis zum letzten Blutstropfen um sein Überleben gekämpft.
    Glücklich waren jene, die schon frühzeitig in Gefangenschaft gerieten. Für die war der Krieg vorüber.

  5. Reinhard

    @world-citizen
    Als Sohn eines ehemaligen Kriegsgefangenen, der mit Glück zu den nicht einmal 20% Überlebenden in der Hölle eines Steinbruches gehörte und der von dort weit mehr Gesundheitsschäden davontrug als in seiner ganzen Gefechtszeit kann ich Ihnen höchstens Ahnungslosigkeit unterstellen, wovon Sie da reden. Und wenn man keine Ahnung hat, sollte man sich vielleicht an Nuhr halten…

  6. FDominicus

    Ach nur falls es jemanden interessiert. Wer in NZD ohne Fragen angenommen werden will hat “schlappe” 15 Mio NZD zu bringen, 2 Mio davon muß man wohl in irgendetwas vom Staat zu stecken. Wäre doch interessant wenn sich das “Pass kaufen” zu einem richtigen Markt entwickelte. Dann könnte man in naher Zukunft ja mit fallenden Preisen rechnen 😉

  7. world-citizen

    >>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>> Als Sohn eines ehemaligen Kriegsgefangenen, der mit Glück zu den nicht einmal 20% Überlebenden in der Hölle eines Steinbruches gehörte und der von dort weit mehr Gesundheitsschäden davontrug als in seiner ganzen Gefechtszeit kann ich Ihnen höchstens Ahnungslosigkeit unterstellen, wovon Sie da reden. Und wenn man keine Ahnung hat, sollte man sich vielleicht an Nuhr halten <<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<

    http://www.damals.de/de/16/Gefangene-im-goldenen-Kaefig.html?issue=148620&aid=148607&cp=1&action=showDetails

  8. Reinhard

    @wc
    Dass Ihre sowjetischen revolutionären Geistesbrüder einen anderen Umgang mit Gefangenen pflegten als die Amerikaner hat Ihnen wahrscheinlich noch keiner erzählt. Oder die ruhmreichen Partisanen des großen Tito. Auch Frankreich ging während des Krieges (im Gegensatz zu der Zeit nach ’45) nicht gerade zimperlich mit Gefangenen um. Von Deutschland selbst, das seine Kriegsgefangenen (Sie machen ja keinen Unterschied zwischen Angreifer und Verteidiger, also was soll’s) fallweise internierte oder für Fronarbeiten verheizte.
    Ich finde es immer wieder erstaunlich, mit welcher Ignoranz Sie basierend auf irgend einem Medienbericht eine Meinung zimmern, die Sie unter Ausblendung aller anderen Tatsachen als die einzig wahre hinstellen. Eigentlich sind Sie nicht diskussionswürdig. Ich werde mir Mühe geben, das in Zukunft zu beherzigen.

  9. world-citizen

    >>>>>>>>>>>>>>> Dass Ihre sowjetischen revolutionären Geistesbrüder einen anderen Umgang mit Gefangenen pflegten als die Amerikane <<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<

    ist halt immer gut, wenn man sich sorgfältig auswählt, wohin man in die Gefangenschaft geht.

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