Gender Pay Gap als Ideologie-Schmäh

(MARCUS FRANZ) Die in der Öffentlichkeit gern transportierte angeblich skandalöse unterschiedliche Bezahlung von Mann und Frau sorgt immer wieder für Aufregung und Debatten: Frauen würden durch vergleichsweise geringere Entlohnung schwer diskriminiert, Frauen würden für dieselbe Arbeit wie Männer um bis zu 23% weniger verdienen und Frauen wären am Arbeitsmarkt dadurch die ausgebeuteten Opfer. Das sind in etwa die drei wichtigsten Botschaften dieser sehr einseitig bespielten Diskussion.

Dazu sind einige Korrekturen nötig. (Der Autor bekennt sich übrigens zu einem fairen Ansatz für Frauen und Männer: Gleiche Arbeitsleistung, gleiche Bezahlung.)

Auf der begrifflichen Seite bedarf es in zweierlei Hinsicht eines genaueren Umganges mit den betreffenden Daten bzw. ihrer Definition, ansonsten scheitert die Debatte und wird daher immer wieder neu geführt werden müssen:

1. Man muss bei den Mann-Frau-Vergleichen auf tatsächlich vergleichbare Untergruppen abstellen und man darf die wichtigen Details nicht verschweigen. Vergleichbar sind nur Beschäftigte der gleichen Branche, mit dem gleichen Beruf (einschl. der gleichen Ausbildung), der gleichen Arbeitszeit (Teilzeit vs. Vollzeit), der gleichen beruflichen Erfahrung, der gleichen Anzahl an Berufsjahren und der gleichen geografischen Region.
2. Man muss Entlohnung und Verdienst auseinanderhalten. Bei der Entlohnung mit obiger Definitionsgenauigkeit reduziert sich der „Gap“ nach genauer Recherche auf weniger als 5%. Im Öffentlichen Dienst ist der “Gap” überhaupt nachweislich Null %.
Durchforstet man die österreichischen Kollektiv-Verträge hinsichtlich einer eventuellen darin festgeschriebenen Geschlechter-Diskriminierung, ergibt sich hier ebenfalls ein Gap von Null %. Es wird von den Sozialpartnern definitiv nicht unterschieden, ob ein Arbeitnehmer männlich oder weiblich ist, die Löhne sind geschlechtsneutral vereinbart.

Nach meinem Eindruck aus der aktuellen und ständig wieder kehrenden Diskussion in den Medien wird in den Definitionskategorien schwer gefehlt: Man vergleicht Verdienste und das noch dazu für keineswegs homogen definierte Aggregate.

Politisch gesehen kann man die 5% Unterschied, die tatsächlich bestehen mögen, natürlich bekämpfen – so nach dem Motto: „Dass die Frauen weniger verdienen, das ist eine Sauerei!“ Wenn man das tut, dann müsste man aber mit staatlichen Maßnahmen (zB mit Transfers oder Ausbildungsangeboten ) ausgleichen und bitte ja nicht auf Kosten der Unternehmen agieren: es drohen ansonsten negative Folgen für die Einstellungsfreude bzgl. Frauen.

Sicher ist jedenfalls: mit Plattitüden, mit “klasssenkämpferischen” oder feministisch-ideologischen Argumenten und vor allem mit entsprechend plakativ umgemünzten Zahlen schadet man der Sache der Frau mehr als man ihr nützt. Gerade in dieser heiklen Debatte ist Objektivität und Genauigkeit die Grundvoraussetzung für faire Bedingungen.

Aber vielleicht ist es durchaus im Sinne der kampfeslustigen Feministinnen, nur ja keine objektiven Zahlen zu verwenden? Mit Sachlichkeit und Vernunft wäre die Debatte nämlich rasch geführt und dann wäre die ideologisch sehr heisse Luft ein für allemal draußen – aber wer bräuchte dann noch Feministinnen?

4 comments

  1. Fragolin

    Genderbeauftragte, Gendervereine, Genderseminarleiterinnen die für ganze Berufsgruppen verpflichtende Genderausbildungen abhalten, Genderunterricht vom Kindergarten bis zum Studium, Genderlehrstühle, Genderforschungseinrichtungen – da steckt eine ganze Idustrie dahinter, mit der geballten Macht von tausenden in der leistungsorientierten Privatwirtschaft absolut unvermittelbaren Menschen meist weiblichem (oder ähnlichem) Geschlechts und meist mit praktisch irrelevantem “(Orchideen-)Studienabschluss.
    Gender, Diversity, Asyl, Integration und mindestens 10 weitere gutmenschliche Themengebiete beschäftigen fast ausschließlich aus Fördergeldern und damit Steuern finanzierte Heerscharen potenzieller Langzeitarbeitsloser. Ein risiges Arbeitsbeschaffungsprogramm für überschüssige Studienabgänger, die dann auch noch zu allem Überfluss von einer zu geringen Akademikerquote jammern.

  2. Thomas Holzer

    “(Der Autor bekennt sich übrigens zu einem fairen Ansatz für Frauen und Männer: Gleiche Arbeitsleistung, gleiche Bezahlung.)”

    Sind derlei Sätze mittlerweile so verpflichtend wie der Beipacktext in Medikamentenpackungen?!
    Oder der PC geschuldet, oder gar einem -mir noch unbekanntem- neuen Gesetz (Diskriminierung durch Nichterwähnen) 😉

  3. Fragolin

    @Thomas Holzer
    Das frage ich mich als ansonsten begeisterter Konsument von Dokumentationen auch immer. Ohne wenigstens einmal den Hinweis auf den “menschgemachten Klimawandel” wird wahrscheinlich keine Produktion mehr zur Ausstrahlung freigegeben, nicht mal wenn es um Graffitikunst in der Bronx oder Junge Mode in Südafrika geht…

  4. Luke Lametta

    Die Gender-Ideologie ist irgendwie der größter practical joke der Menschheitsgeschichte. Geschlecht ist ein “soziales Konstrukt”, aber kaum gehts um gesetzliche Privilegien: Nichts als “Mann” und “Frau”, Kriterium: Vagina. Also alles, was man für gewöhnlich als “biologistisch” verteufeln würde.

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