Georg Vetters Wahlkampf-Tagebuch (Folge 1)

Von | 26. August 2013

(von GEORG VETTER) Vor genau zwei Wochen habe ich erfahren, dass ich auf Platz 4 der Bundesliste des Teams Stronach gereiht worden bin. Bereits in diesen zwei Wochen gab es viele Ereignisse, mit denen ich nicht gerechnet habe. Damit nicht alles in Vergessenheit gerät, habe ich mich entschlossen, bis zur Wahl am 29. September ein politisches Tagebuch zu schreiben. Das Zentralorgan des Neoliberalismus gibt mir die Gelegenheit, meine Gedanken mit einer kritischen Öffentlichkeit zu teilen, wofür ich herzlich danke. Der heutige Tag war vor allem von einer Rückschau auf den Wahlkampfauftakt am vorgestrigen Freitag geprägt. Neben Robert Lugar, Kathrin Nachbaur und Frank Stronach durfte ich eine siebenminütige Rede im Festsaal der Hofburg halten, in der ich die Balance zwischen enthusiasmierendem Wahlkampfeinstieg und nüchterner Analyse einerseits sowie zwischen dem Anspruch des Saalpublikums und jenem der künftigen Seher des Videos andererseits zu wahren hatte. Ich wollte nämlich von Anfang an, dass mein Politeinstieg auch jenen zugänglich sein sollte, die sich am Freitagabend nicht in die Hofburg bemühten. Die Veröffentlichung erfolgte unverzüglich auf Youtube . Auch wenn man immer an einer Rede Punkte erkennen wird, die man verbessern könnte, bin ich im großen und ganzen doch zufrieden. Der Beginn ist geschafft, die positiven Reaktionen überwiegen die negativen bei weitem und mein erster wirklicher Fehler liegt noch vor mir. Zu guter Letzt habe ich heute noch ein bisschen in der Kulturgeschichte der Neuzeit von Egon Friedell geschmökert und mich an einem Vergleich zwischen Calvinismus und Jakobinismus erfreut. Unter anderem verwirft Friedell im Hinblick auf beide Ismen die „absurde(n) Ansicht, dass der Staat berechtigt, ja verpflichtet sei, sich um alles zu bekümmern, während doch gerade umgekehrt sein Wesen und seine Aufgabe darin besteht, ausschließlich das zu besorgen, womit sich der Private entweder nicht befassen will oder nicht befassen kann.“ Hätte ich dieses Zitat vor meiner Rede gelesen, wäre diese etwas länger ausgefallen.

30 Gedanken zu „Georg Vetters Wahlkampf-Tagebuch (Folge 1)

  1. Markus Fichtinger

    Bin auf viele spannende Tagebucheinträge gespannt. Und ich wünsche Georg viel Erfolg und hoffe, dass mit ihm wenigstens ein echter Liberaler dem NR der XXV. Gesetzgebungsperiode angehören wird.

  2. Thomas Holzer

    Sehr geehrter Herr Dr. Vetter!
    Vorweg, ich ziehe meinen Hut vor Ihrem Mut, in diesem Land in dieser Partei(sic!) zu kandidieren.
    Wie schon an anderer Stelle geschrieben, habe ich so meine Zweifel am TS, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, mit welchen Schwierigkeiten Ihr Engagement verbunden ist.

    “Wir haben so viele Gesetze wie noch nie”
    Vor allem! Wir haben so viele und so unverständliche Gesetze wie noch nie!

  3. Zaungast

    Auch ich wünsche Herrn Dr. Vetter alles Gute, mein Wählerkreuzerl hat er.

  4. Thomas Holzer

    Dr. Vetter wird aber als Libertärer einen schweren Stand im TS haben!
    “Österreich”, 25.08.2012
    “Österreich: Muß der Benzinpreis runter?
    Reithofer: Eine strengere Regulierung würde ich sehr gut finden…..Was denkt sich der Bürger, wenn es bei 2 Tankstellen im Abstand von 5 Kilometern einen Preisunterschied von 50 Cent gibt?”

    Ist ja wirklich zu viel verlangt, daß diese lebenswichtige Entscheidung, an welcher dieser 2 Tankstellen jetzt der überforderte Bürger tanken soll, dieser selbst treffen soll.
    Da ist der Hilfeschrei an den Staat, den armen Bürger an die Hand zu nehmen und ihm die Entscheidung abzunehmen, nur zu verständlich 😉

  5. rubens

    Herr Holzer, wir stehen erst in Startschuhen, die Arbeit beginnt am 29. September und glauben Sie mir, dass Programm Stronachs lässt Preisregulierungen nicht zu. Was noch zu tun ist, die Leute wirtschaftlich zu bilden, das tut Not. Die wirtschaftl. Ausbildung vieler Menschen ist grottenschlecht und sehr verderbt.

  6. rubens

    Herr Dr. Vetter, alles Gute. Kämpfen wir gemeinsam, lassen wir uns nicht unterkriegen.

  7. Thomas Holzer

    @Rubens
    Und warum läßt man dann einen Herrn Reithofer öffentlich derlei Dummheiten verbreiten?!

  8. Lodur

    “Die wirtschaftl. Ausbildung vieler Menschen ist grottenschlecht und sehr verderbt.”

    Und genau deshalb kennen sie keine Alternative zur Krisen erzeugenden kapitalistischen Marktwirtschaft.

  9. Thomas Holzer

    @Lodur

    Vielleicht sollten diese Ungebildeten Ihrer Meinung nach z.B. beim Herrn Dobusch in die Lehre gehen?! 😉

  10. rubens

    Na ja, Herr Holzer, dazu sage ich jetzt mal nichts. Aber wie gesagt, das Programm lässt Preisregulierungen nicht zu und darauf verpflichten sich die die auf der Liste stehen.

  11. Thomas Holzer

    @Rubens
    sein’s mir bitte nicht böse, aber Ihre Antwort erscheint zumindest mir als relativ unbefriedigend…

  12. rubens

    Herr Holzer, ich gebe Ihre Bedenken an den Herrn Reithofer weiter. Befriedigender?

  13. Lodur

    Ad Andreas Tögel

    Böhm von Bawerk, Menger und ihre Schüler Mises und Hayek haben nicht einmal die Arbeitswerttheorie verstanden und stattdessen die esoterisch angehauchte Grenznutzenlehre vertreten. Die Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie hatten genauso viel Ahnung von Ökonomie wie von der Entstehung, Entwicklung und dem Funktionieren menschlicher Gesellschaften, also wenig bis gar keine. Sogar der intellektuell eher minder begabte sowjetische Politiker und Theoretiker Nicolai Bucharin konnte schon in den 1920er Jahren die wirren und widersprüchlichen Thesen der “Österreicher” gekonnt widerlegen.

  14. Andreas Tögel

    Verehrter Lodur,
    auf eine ganz einfache Frage antworten Sie mit der Errichtung einer Nebelwand! Wo ist die Widerlegung der These, daß ohne Marktpreise eine wirtschaftliche Kalkulation unmöglich ist?

  15. Zaungast

    “Wo ist die Widerlegung der These, daß ohne Marktpreise eine wirtschaftliche Kalkulation unmöglich ist?”

    Verehrter Herr Tögel, das hat doch die Sowjetunion gekonnt widerlegt. In Theorie und Praxis. Das ist für intellektuell eher Minderbegabte klar ersichtlich. Wollen Sie da wirklich ernsthaft widersprechen? 😉

  16. gms

    Lodur,

    > .. haben nicht einmal die Arbeitswerttheorie verstanden

    Wieder mal ein Beweis durch Behauptung? Kreationisten argumentieren gleichlautend, wenn man ihre Theorie zerlegt.

    Das Praktische an einer guten Theorie ist eine damit einhergehende Erklär- und Vorhersagbarkeit von Sachverhalten. Solange aber Friseure für dieselbe Arbeitszeit inform körpernaher Dienstleistung nur einen Bruchteil dessen verlangen und auch erhalten, was man Nutten bezahlt, scheitert Marx bereits an Alltagstrivialitäten.

    Wollte man sich als Marxist konsequent auf ein Nicht-verstanden-Haben kaprizieren, müßte man Milliarden von Menschen des Unverständnisses bezichtigen, legen sie doch definitiv mehr Wert auf Ergebnisse, denn auf deren Genese. Bleibt nur noch, ganz im Sinne linker Tradition, der Befund eines weltweit falschen Bewußtseins, wonach die Theorie gewißlich korrekt ist, aber die mißgeleiteten Massen sich in ihrer Verblendung keinen Deut um Marx scheren und dementprechend nicht theoriekonform handeln.

  17. Thomas Holzer

    @Rubens
    Danke, ob’s was hilft, wage ich zu bezweifeln 😉
    Legt sich doch der Herr Lugar für neue staatliche/dirigistische Eingriffe in einer heutigen Pressekonferenz schwer in’s Zeug 🙁

  18. rubens

    Herr Holzer, dafür gibt es ja den Dr. Vetter und mich. 😉 und natürlich noch viele andere.
    Der Lugar ist ja noch jung, hat er kürzlich gesagt, der Herr Stronach.

  19. Thomas Holzer

    @Rubens
    Sorry, aber Jugend mit Dummheit und Erkenntnisresistenz gepaart, das ist zu viel für mich 😉
    Verpasst ihm doch bitte endlich einen Maulkorb, der Mann redet zu viel Blödsinn, wenn der Tag (zu) lange ist!

  20. Lodur

    Ad gms

    “Solange aber Friseure für dieselbe Arbeitszeit inform körpernaher Dienstleistung nur einen Bruchteil dessen verlangen und auch erhalten, was man Nutten bezahlt, scheitert Marx bereits an Alltagstrivialitäten.”

    Sowohl bei Friseuren als auch bei Nutten gibt es Preisunterschiede. Je höher die notwendige Arbeitskraft für eine Dienstleistung bzw. je höher die Arbeitszeit desto höher der Preis, verehrter gms. So gibt es Billigfriseure und auch Billignutten, jedoch auch welche im höheren Preissegment. Und Marx hat die Existenz von Marktpreisen nie negiert, sondern lediglich erkannt, dass diese um den Arbeitswert der Waren, sprich Produktionskosten, fluktuieren. Aber um das zu wissen, müsste man ihn ja auch gelesen haben. Das jedoch von einer geistig eher simplen Natur wie Ihnen zu verlangen, die noch nicht einmal die Grundprinzipien der Geldschöpfung verstanden hat (wie an anderer Stelle von Ihnen hier eindrucksvoll bewiesen wurde), ist wohl zu viel des Guten.

  21. Thomas Holzer

    @Lodur
    Was wollen Sie jetzt?
    Akzeptieren oder zumindest tolerieren Sie die Preisunterschiede, oder wollen Sie diese Preisunterschiede abschaffen?!
    Um einfache, klare Antwort ersuche ich!

  22. Lodur

    Ad Andreas Tögel

    “Wo ist die Widerlegung der These, daß ohne Marktpreise eine wirtschaftliche Kalkulation unmöglich ist?”

    1.) Die Marktpreise (=Tauschwerte) basieren auf dem Arbeitswert (= Produktionskosten) einer Ware. Nachzulesen bei Smith und Ricardo, da Sie Marx ja verweigern.

    2.) Im Sozialismus bemüht man sich, das Wertgesetz aufzuheben, sprich eine Gebrauchswert orientierte Wirtschaft zu installieren, die die Tauschwert orientierte ablöst. Bisher ist das noch nicht gelungen. Ein erster Schritt in die richtige Richtung wäre die Kollektivierung (Vergesellschaftung und NICHT Verstaatlichung) der Produktionsmittel.

    3.) Die kapitalistische Marktwirtschaft ist ein Krisen produzierendes System. Das erkennen sogar heutzutage immer mehr bürgerliche Wirtschaftswissenschafter, die sich jedoch noch der Illusion hingeben, den Kapitalismus verbessern zu können.

    4.) Systemimmanent betrachtet, also innerhalb der kapitalistischen Marktwirtschaft, kann ohne Marktpreise eine wirtschaftliche Kalkulation tatsächlich nicht stattfinden. Vernünftige Menschen wollen sie jedoch zum Wohle aller überwinden.

  23. Thomas Holzer

    @Lodur
    ad 3.)
    Da haben Sie natürlich recht; der Unterschied zwischen Ihrem kollektivistischem System und der Marktwirtschaft besteht darin; daß Ihr System eine permanente Krise darstellt, daher nicht als Krise wahrgenommen wird, im marktwirtschaftlichen System jedoch, vor allem (sic!) durch die Politik, Krisen immer wieder “produziert” werden!

  24. Thomas Holzer

    @Lodur
    p.s.: anstatt Phrasen zu dreschen, sollten Sie mal endlich aktiv werden, und versuchen, “Ihr” kollektivistisches “Wirtschaftsmodell” umzusetzen!
    Wenn Ihr Modell so bestechend sein sollte, nimmt es mich Wunder, daß Sie anscheinend immer zu Theorien Zuflucht nehmen “müssen”, anscheinend deswegen, weil Sie nicht im Stande sind, die “Überlegenheit” Ihres Modells in realiter zu beweisen!

  25. gms

    Lodur,

    > Sowohl bei Friseuren als auch bei Nutten gibt es Preisunterschiede. [] Und Marx hat die
    > Existenz von Marktpreisen nie negiert, sondern lediglich erkannt, dass diese um den
    > Arbeitswert der Waren, sprich Produktionskosten, fluktuieren.

    Nachdem Sie Marx als Experten für Jobs jeglicher Natur ins Rennen führen: Wie erfolgt die theoriekonforme Ermittlung des Arbeitswertes, so exemplarisch ein Job nun am Haupte erfolgt vs. einem im Schritt?

    > [Geldschöpfung] wie an anderer Stelle von Ihnen hier eindrucksvoll bewiesen wurde

    Aus der Feder eines fluktuierenden Marxisten ist das ein Kompliment.

  26. Lodur

    Ad Holzer

    “p.s.: anstatt Phrasen zu dreschen, sollten Sie mal endlich aktiv werden, und versuchen, “Ihr” kollektivistisches “Wirtschaftsmodell” umzusetzen!”

    Es wird fleißig daran gearbeitet.

    “Wenn Ihr Modell so bestechend sein sollte, nimmt es mich Wunder, daß Sie anscheinend immer zu Theorien Zuflucht nehmen “müssen”, anscheinend deswegen, weil Sie nicht im Stande sind, die “Überlegenheit” Ihres Modells in realiter zu beweisen!”

    Der Kapitalismus beweist wenigstens realiter, dass er ein Krisensystem, ja die Krise an sich ist.

    “Da haben Sie natürlich recht; der Unterschied zwischen Ihrem kollektivistischem System und der Marktwirtschaft besteht darin; daß Ihr System eine permanente Krise darstellt, daher nicht als Krise wahrgenommen wird, im marktwirtschaftlichen System jedoch, vor allem (sic!) durch die Politik, Krisen immer wieder “produziert” werden!”

    1.) Sozialismus im marxistischen Sinne wurde noch nie realisiert. Und wenn es einmal zarte Keime in diese Richtung gab, wurden sie von der bürgerlichen Konterrevolution niedergewalzt (z. B. Pariser Kommune 1871 oder Deutsche Räterepubliken 1918/1919).

    2.) Die Sowjetunion und Co. als sozialistisch zu bezeichnen, bedeutet die Propaganda ihrer Parteibürokratie wiederzukäuen. Tasächlich war die Sowjetunion im marxistischen Sinne bestenfalls ein degenerierter Sozialismus und ihre Derivate/Satellitenstaaten ein deformierter, bürokratisch installierter.

    Ad gms

    Da Sie nichts Konstruktives zur Debatte beitragen können, außer Polemiken knapp unter der Gürtellinie, werde ich Ihnen nicht mehr antworten. Lernen Sie zuerst einmal die Grundlagen der VWL (z. B. wie Geldschöpfung vonstatten geht, Arbeitswerttheorie vs. Grenznutzenlehre etc.), dann, und ERST dann können wir weiter debattieren.

  27. gms

    Lodur,

    > Lernen Sie zuerst einmal

    Werd’ erwachsen, Kleiner. Dann kann man mit dir zwar immer noch nicht debattieren, es besteht dann aber kein Anlaß mehr dazu, dich in deine kindisch penetrante Pausenclownerie einzutunken.

  28. Thomas Holzer

    @Lodur
    “Es wird fleißig daran gearbeitet” anscheinend im Verborgenen, lese, sehe, höre nichts davon; wahrscheinlich deswegen, damit man das grandiose Scheitern des “realen” Sozialismus/Marxismus nicht mitbekommt 😉

    Sie schreiben es: z.B. die Pariser Kommune war ja wirklich der Ausbund an Friedfertigkeit

  29. Lodur

    Ad Holzer

    “Sie schreiben es: z.B. die Pariser Kommune war ja wirklich der Ausbund an Friedfertigkeit”

    Genauso wie die bürgerlichen Revolutionen von z. B. 1789 oder 1848. 😉

    Ad gms

    “Werd’ erwachsen, Kleiner. Dann kann man mit dir zwar immer noch nicht debattieren, es besteht dann aber kein Anlaß mehr dazu, dich in deine kindisch penetrante Pausenclownerie einzutunken.”

    Immerhin bin ich im Gegensatz zu Ihnen so erwachsen, dass ich konsistent und ohne Widersprüche die Bildung von (Markt-) Preisen und das Konzept der Geldschöpfung erklären kann (und daher auch verstanden habe).

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