Georg Vetters Wahlkampf-Tagebuch (Teil 10)

Von | 4. September 2013

(GEORG VETTER) So niveaulos die TV-Duelle prinzipiell zu sein scheinen, so erstaunt war ich  über die Konfrontation Stronach gegen Spindelegger. Ersterer war besser als erwartet, letzterer schlechter. Frank Stronach war überraschend gut vorbereitet, hatte ein paar Taferln mit und wirkte ruhig und überlegt. Inhaltlich erfreute mich, dass er die Hypo Alpe Adria in Konkurs geschickt hätte, einen Schuhmacher vom Gewerberecht entflechten würde und in der Neutralität keine Ersatzreligion sieht. Spindelegger hingegen wirkte hölzern wie immer, woran auch der eine oder andere emotionale Schlenkerer nichts ändern konnte. Als er gegen Stronach persönlich wurde, mit der Erwähnung des Privatjets auf die Gefühle der Neidgesellschaft schielte und seinen Kontrahenten unnötig belehrte, dass es nicht immer ums Geld ginge, zeigte er, dass ihm die Freundschaft mit Werner Faymann offensichtlich gar nicht gut tut. Dass er schließlich stolz verkündete, Überflüge der NATO für allfällige Syrieneinsätze zu verbieten, offenbarte er nicht ein bemerkenswertes Vertrauen in die Fähigkeiten der österreichischen Aufklärung, sondern die Tatsache, dass es keine österreichische Außenpolitik gibt. Wenn Stronach weiter so in Form kommt, darf man auf die Auseinandersetzung mit Faymann kommenden Donnerstag richtig gespannt sein.

14 Gedanken zu „Georg Vetters Wahlkampf-Tagebuch (Teil 10)

  1. Mario Gut

    Teile grundsätzlich die Einschätzung der Diskussion – mit folgenden Ergänzungen:
    Spindelegger wirkte weniger hölzern, als “künstlich auf Touren gebracht” – das war nicht er, sondern das Resultat von emotionalen Spiegelübungen.
    Es stimmt, Stronach war wesentlich besser, als in der Diskussion gegen Bucher.
    Trotzdem – er bräuchte DRINGEND Argumentations-Nachhilfe in Fragen Europas, Schul Themen etc. Frau Thurnher hat ihn (absichtlich?) immer wieder in diese Themenbereiche gelockt – da kommt er allerdings tatsächlich holprig rüber. Wenn Frau Thurnher so völlig inhaltsleere und dumme Sätze wie “es gäbe nur eine Gesamtschule, oder eben das bis jetzt gehandhabte Modell” losplappert, dann muss er dafür präpariert sein!

  2. PeterT

    Die Aussagen von Frank Stronach zum Euro tun leider wirklich weh.
    “Jedes Land soll den Euro haben, aber die Länder sollen auf- und abwerten können”
    Was soll denn bitte das heissen?
    Das heißt es gibt Wechselkurse, und jedes Land hat seine eigene Währung – also die Rückkehr zu nationalen Währungen, also kann man genausogut sagen ‘Rückkehr zum Schilling’.
    Wenn das seine Meinung ist, dann soll er es auch so sagen.
    Ob das wirklich die beste Lösung für ein kleines, exportorientiertes Land wäre, ist zu bezweifeln. Ich glaube auch kaum daß das gut für Magna wäre, aber das ist eine andere Frage.
    Es soll keine Denkveerbote geben, und alle Lösungen sollen auf den Tisch, aber ‘jeder soll den Euro haben, aber jeder soll auf- oder abwerten können’ ist so etwas von unausgegoren und inkonsequent, daß es weh tut.

  3. rubens

    PeterT
    Es ist ganz und gar nicht unausgegoren das von Stronach vorgeschlagene Währungssystem, nur dieses zu erklären, ist in einer kurzen Zeit unmöglich. Da muss man weiter ausholen. Aber in dieses Übel mit der Fehlkonstruktion haben uns kurzsichtige oder “zu weitsichtige” Europa-Politiker mit ihren Interessensträgern geführt.
    In seinem Währungsmodell schlägt Stronach vor, dass jedes Land seinen eigene Währung hat, die in einer Bandbreite floaten können und als Maßstab einen stabilen Euro (wie der Vorgänger ECU) praktisch als Handelseuro. Damit würden die Schuldenländer wieder Luft zum Atmen bekommen und produktiver werden. Importe würden dann eigene Produktion nicht in dem Ausmaß ersetzen können wie es mit dem derzeitigen Euro der Fall war und ist.
    Dieses Modell wird früher oder später so und so kommen müssen, denn eine dauerhafte Transferunion sollten wir uns nicht wirklich wünschen. Das kostet uns im Worst-Case 200 Euro pro Monat durchschnittlich vom Säugling bis zum Pensionisten. Da können wir dann gleich die Lichter ausmachen, weil die Bringschulden der Schuldnerländer niemals erfüllt werden, es besteht in diesen Ländern keine Absicht das jemals zu tun.

  4. Christian Peter

    Das stimmt. Gegen den Milchbuben Spindelegger ist Frank Stronach ein Staatsmann. Erschreckend, dass es in Österreich Menschen wie Spindelegger bis in die höchsten politischen Ämter der Republik spült. Der Mann hat sicherlich den Beruf verfehlt. Es wird höchste Zeit, das Berufspolitikertum in Österreich abzuschaffen : Kein politisches Amt ohne ausreichende Berufserfahrungen in der Privatwirtschaft (mindestens 10 Jahre).

  5. PeterT

    @rubens
    Es wäre schön, wenn dahinter wirklich eine ernsthafte Idee steht, nur dann muß man sie auch kommunizieren können. Mitten im Wahlkampf mit einer neuen Idee daherzukommen, die man nicht kommunizieren kann, ist kontra-produktiv.
    Wenn ich jetzt einmal versuche, aus Ihrer Kurz-Erklärung schlau zu werden, dann könnte ich mir am ehesten vorstellen, daß der Euro als generelle Währung bleibt, wobei schwache Länder die Möglichkeit hätten, nationale Zweit-Währungen einzuführen, letztendlich insbesondere dann wenn sich dieser Staat nicht mehr in Euro finanzieren kann. Dann würde z.B. Griechenland seine Staatsausgaben in Drachmen bezahlen, und Einnahmen (Steuern etc.) ebenfalls in Drachmen verlangen, und weiters festsetzen, daß in privaten Geschäften in Griechenland sowohl Euro alsauch Drachme als Zahlungsmittel gelten.
    Starke Länder würden wohl kaum darauf wertlegen, eigene Währungen einzuführen, die dann nur den Handelsverkehr behindern und außedem durch Aufwertung die Wettbewerbsfähigkeit gefährden.
    Aber, wie gesagt, entwweder man kann’s den leuten erklären, oder man lässt es bleiben

  6. Reinhard

    Ich möchte meinen Kommentar hier: https://www.ortneronline.at/?p=24120&cpage=1#comment-13039 nicht wiederholen, aber ich war von Stronach positiv überrascht und von Spindelegger negativ (das will was heißen, wenn man eh nix erwartet hat).
    Die Schwarzen lassen immer mehr ihre Maske fallen; “Her mit dem Zaster!” war kein Ausrutscher sondern ist Programm. Jämmerlich und unwählbar!
    Stronach war sehr souverän; was ihn als Politiker aber unbrauchbar macht ist seine mangelnde Flexibilität. Er hätte mit etwas mehr Feuer den kleinen Kämmerer sowas von in den Boden rammen können…

  7. Thomas Holzer

    Ja, Stronach war wesentlich souveräner als bei seinem ersten “Duell” und seinen bisherigen Interview-Terminen. Jedoch: wenn man von einem sehr tiefen Niveau aus startet, sollte eine Steigerung durchaus im Bereich des Möglichen sein.
    Daß Herr Spindelegger sich immer mehr in die totale Abhängigkeit aller (un)möglicher Berater begibt, wird mit jedem Tag Wahlk(r)ampf offensichtlicher.

  8. Klaus Altrichter

    Ja, Spindelegger wirkte sehr künstlich. Immer die gleichen Floskeln. Alles einstudiert. Schade, aber die halten wohl alle ihre Wähler für noch dümmer.

  9. Thomas Holzer

    der Herr Stronach will z.B. die “Blumenverkäuferin” “entfesseln”, und was antwortet Herr Spindelegger, der “Entfessler”?!: gar nichts, er ist sprachlos.
    Entweder Herr Spindelegger merkt mich, was seine “Berater” mit ihm machen: diese Erkenntnis (natürlich nur von außen) disqualifiziert ihn für jede Tätigkeit, welche persönliche Verantwortung, Entscheidungsfreudigkeit etc. verlangt.
    Oder: er ist sich dessen bewußt, und lässt es mit sich geschehen, was ihn detto für jede Tätigkeit, welche persönliche Verantwortung, Entscheidungsfreudigkeit etc. verlangt, disqualifiziert.
    so oder so: diese Person ist einfach ungeeignet für jegliche verantwortungsvolle Position, egal ob in der Politik oder der Privatwirtschaft, einfach heraufgespühlt aus den Niederungen der Parteikaderschmieden.

  10. Christian Peter

    Das Rezept wäre einfach : Kein politisches Amt ohne vorherige Ausübung eines zivilen Berufes (mindestens 15 Jahre). Das würde sämtliche Parlamente Österreichs leerfegen.

  11. Rennziege

    4. September 2013 – 18:13- Christian Peter
    A echt stoake Idee, Herr Peter! D’accord, mit Zähnen und Klauen. Aber wer soll Ihren vernünftigen Vorschlag umsetzen? Die eh viel zu vielen Parlamente eines Mini-Staates wie Österreich, in denen zu fast 100% nur Pappnasen sitzen, die außer Partei und Speichellecken nixxx gelernt haben?
    Den Volksvertreter möcht’ ich sehen, der eine Pfote für die Abschaffung seiner (einzigen!)kläglichen Existenz hebt. Haben Sie eine Idee, wie man ihn dazu überreden könnte?

  12. Nattl

    […]Wir leben in Österreich und nicht im Paradies. […]
    Zitat Michael Spindelegger

  13. Weninger

    @Christian Peter
    Was ist ein ziviler Beruf? Ist ein bieder Sachbearbeiter in der Wirtschafts- oder Arbeiterkammer weniger zivil als ein Rauchfangkehrer oder Apotheker oder Notar, der von staatlich vorgeschriebenen Quasi-Monopolen profitiert?

  14. Christian Peter

    @weninger

    Gemeint sind Tätigkeiten in der Privatwirtschaft. Dazu zählen solche in Kammern oder Gewerkschaften als Vorfeldorganisationen der politischen Parteien (und Körperschaften des öffentlichen Rechts) sicherlich nicht.

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