Georg Vetters Wahlkampftagebuch (letzte Folge)

Von | 28. September 2013

(GEORG VETTER)

Auch die letzten Stunden vor der Wahl nutze ich noch für zahlreiche Gespräche, kommuniziere per e-mail und facebook und beginne sogar die Geschäftsordnung des Nationalrats zu lesen, um mich auf meine zukünftige Tätigkeit vorzubereiten. Da fällt mir das Büchlein von Henry David Thoreau „Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat“ in die Hände, das mir Patrick Minar anlässlich der Diskussion im Club unabhängiger Liberaler vor drei Wochen geschenkt hat. Seinen Wahlspruch „Die beste Regierung ist die, welche am wenigsten regiert“ möchte ich hervorheben und denke dabei an jene Klientin, die ich kürzlich in einem Strafverfahren wegen Geldwäscherei vertreten habe. Der Lebensgefährte der Dame arbeitete immer wieder ein paar Wochen für ein größeres Unternehmen in Angola und überwies in fünf Tranchen jeweils 3.000 Euro nach Österreich, damit meine Klientin Miete und Betriebskosten bezahle sowie die Alimente an die Kinder aus erster Ehe weiterleite. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft leitete sofort ein Strafverfahren ein und meine Klientin konnte zwei Tage nicht schlafen. Bei der Einvernahme beruhigte der Polizist mit der Aussage, dass seine Behörde eben allen Überweisungen aus bestimmten Ländern über 5.000 Euro nachgehen müsste und 95% der Verfahren sowieso sofort wieder eingestellt würden. Dies war auch hier der Fall und seine Tätigkeit erschien mir frustrierend.

Da dachte ich mir, wie Recht doch Thoreau mit seinem Wahlspruch hat, wie sehr die ach so modernen Vorschriften gegen Terrorismus und Geldwäscherei nur dazu dienen, das gemeine Volk gefügig zu machen und welche große Aufgaben auf mich im Parlament zukommen werden.

3 Gedanken zu „Georg Vetters Wahlkampftagebuch (letzte Folge)

  1. rubens

    Viele, viele Baustellen sind zu bewerkstelligen, doch wir schaffen es. Mit Hirn, Hausverstand und Demut.

  2. Zaungast

    Es gäbe viel zu bereinigen – die Altparteien werden es zu verhindern wissen. Volkes Mehrheit will es so.

  3. Weninger

    Der Meister aus Kanada wird nach einem eher überschaubaren Erfolg von 6-7% das Interesse an dem Projekt relativ schnell verlieren, wenn er sieht dass er damit nichts bewirken kann, als ein paar abgehalfterte NR weiter durchzufüttern. So weit lehen ich mich jetzt schon mal aus dem Fenster, wenn mich nicht wieder der Blitz der Löschung trifft.

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