Gesetzlicher Mindestlohn macht arbeitslos

Von | 11. Februar 2021

(ANDREAS TÖGEL) Wenn man Joe Biden eines nicht vorwerfen kann, dann ist es mangelnder Aktionismus. Kaum im Amt, legt er schon mit einem Bündel von 17 „executive orders“ los. Die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns in der Höhe von 15 Dollar pro Stunde zählt zu einem seiner vordringlichsten Anliegen. Das überrascht nicht, denn es gehört zum Wesen linker Politik, Gesinnung und Haltung zum Vater aller Gedanken zu machen und die Konsequenzen des Handelns auszublenden. Verantwortungsethik ist ihre Sache nicht.

Es gibt gute Gründe, weshalb auf dem Markt gebildete Preise – und dazu zählen auch die für die Arbeitszeit – dort liegen, wo sie eben liegen. Sie sind schließlich das Ergebnis freier Übereinkünfte der Marktteilnehmer auf der Angebots- und auf der Nachfrageseite. Resultat: Friseure verdienen beispielsweise weniger als Feinmechaniker und Motorenentwickler mehr als Genderwissenschaftler.

Das hat allein mit der Produktivität der Tätigkeit zu tun – mit der erzielbaren Wertschöpfung – und nicht, wie oft irrtümlich angenommen, mit dem Aufwand für oder die Dauer der Ausbildung.

Wird nun von der Regierung par ordre du mufti in den Preisbildungsprozess eingegriffen, sind Verzerrungen die unausweichliche Folge. So wie Mietenobergrenzen zur Verknappung des Angebots an Wohnraum führen, wie derzeit im rot-rot-grün regierten Berlin zu bewundern ist, haben Mindestlöhne, die über dem Marktpreis liegen, den Verlust von Arbeitsplätzen zur Folge. Immer. Überall. Wobei zum Hauptopfer einer Politik hoheitlich oktroyierter Mindestlöhne stets die Berufsanfänger, alte Arbeitnehmer und die schlecht ausgebildeten unter den Dienstnehmern werden.

Joe Biden und seine Entourage werden es demnächst erleben. Dabei ist es ja so einfach einzusehen: kein Arbeitgeber wird höhere Löhne bezahlen, als er aus der jeweiligen Tätigkeit erlösen kann. Es wird sich rasch erweisen, dass die Arbeit eines Burgerverkäufers bei McDonalds, Wendys & Co. keine 15 Dollar pro Stunde (derzeit nur 7,25,-) wert ist. Der Ersatz dieser Arbeitskräfte durch Bestellautomaten ist so gut wie sicher.

Derselbe Mechanismus funktioniert natürlich auch in vielen anderen Branchen: Kapital substituiert Arbeit. Menschen werden durch Maschinen ersetzt, wodurch einfache Tätigkeiten, die besonders für Berufseinsteiger und gering Qualifizierte die einzige Möglichkeit darstellen, sich aus eigener Kraft Einkommen zu verschaffen, aus dem Angebot verschwinden. Ein Blick in so gut wie menschenleere Fertigungsstraßen im Maschinen- und Fahrzeugbau sagt alles. Die Gewerkschaften und ihre Komplizen in den Regierungen haben offensichtlich ganze Arbeit geleistet. Sozialismus wirkt eben.

Anders als in den Naturwissenschaften, ist es in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften nicht möglich oder sinnvoll, empirische Tests durchzuführen – jedenfalls dann nicht, wenn man keinen gesteigerten Wert auf die Produktion von Leichenbergen legt, wie das bei den großangelegten Feldversuchen in der UdSSR oder in China unter Mao Zedong der Fall war. Eine konsistente Theorie menschlichen Handelns (wie sie von Ludwig Mises in seinem Opus Magnum „Human Action“ entwickelt wurde) reicht völlig aus, um die zu erwartenden Ergebnisse politischer Entscheidungen vorherzusagen: Unter sonst gleichen Bedingungen führt eine Verringerung des Angebots stets zu steigenden Preisen – und umgekehrt.

Da Menschen (von Geistesgestörten und Masochisten abgesehen) stets vom Wunsch beseelt handeln, ihre Situation zu verbessern, unterlassen sie folgerichtig alle Aktivitäten, von denen sie erwarten können, dass sie ihnen schaden werden – was die Möglichkeit, sich zu irren indes niemals ausschließt. Daher liegt es auf der Hand, dass Unternehmer, die einen Gewinn zu machen beabsichtigen, auf die Beschäftigung von Mitarbeitern verzichten werden, deren Löhne oberhalb des von ihnen erwirtschafteten Deckungsbeitrags liegen. Jo Biden und Genossen werden diese unausbleibliche Erkenntnis mutmaßlich mit dem Vorwurf quittieren, der „Kapitalismus“ müsse nun endlich einmal gezähmt oder – besser noch – zugunsten einer zentral geplanten Kommandowirtschaft aufgegeben werden. Lenin hat immerhin von 1917 bis 1921 gebraucht, um einzusehen, dass es einer „neuen ökonomischen Politik“ (NEP) bedarf, die eine teilweise Rückkehr zur Marktwirtschaft bedeutete, um den Absturz des roten Arbeiter- und Bauernparadieses ins Bodenlose zu verhindern. Wann wird den amerikanischen Genossen des 21. Jahrhunderts dieselbe Erkenntnis dämmern?

 

4 Gedanken zu „Gesetzlicher Mindestlohn macht arbeitslos

  1. sokrates9

    Von Sozialisten/ Kommunisten kann man nicht erwarten dass sie die simplen Marktmechanismen verstehen. Das triviale Spiel Angebot und Nachfrage wird derzeit vesucht in der Realität auszutrixen indem man durch staatliche Eingriffe begonnen von keine Zinsen bis Restriktionsmaßnahmen einen neuen Markt schaffen will. Dieses Experiment wird spektakulär scheitern; leider wird es killing fields hinterlassen und Millionen Menschen in das Verderben stürzen bis sich wieder trivales Denken durchsetzt!

  2. GeBa

    Man soll Amerika jetzt sich selbst überlassen, vielleicht weinen sie den vergangen Jahren noch nach, wenn nicht, verdienen sie es nicht anders.

  3. Falke

    Tögel hat natürich grundsätzlich recht; allerdings hinkt einer seiner Vergleiche ganz gewaltig: “Motorenentwickler verdienen mehr als Genderwissenschaftler”. Das ist schon möglich, aber gar nicht so sicher, vor allem aber nicht vergleichbar. Motorenentwickler sind nämlich – so wie alle anderen in der Privatwirtschaft – dem vom Autor mehrfach angesprochenen Grundsatz unterworfen, wonach ihre Leistung zu Marktpreisen bewertet wird, die Genderwissenschaftler (ein in sich widersprüchlicher Ausdruck) werden vom Staat bezahlt – je linker, je grüner, je politisch korrekter, je diverser und je feministischer, umso höher. Würde man die Gederwissenschaftler tatsächlich ihrem Marktwert und gesellschaftlichen Nutzen entsprechend bezahlen, würden sie wohl Hungers sterben und damit sehr bald überhaupt verschwinden.

  4. sokrates9

    falke@ Richtige Feststellung! In Deutschland gibt es 5 Lehrstühle die sich mit Pflegeproblematik beschaffen und ca 220 Genderwissenschaftslehrstühle die man sofort folgenlos streichen könnte!Oder wisse sie ob da mal was positives herausgekommen ist?

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