Gesucht: EIn neues Wort für “Schuldenschnitt”

“….Kurz vor der Bundestagswahl gibt Finanzminister Wolfgang Schäuble zu, dass Griechenland weitere Hilfen braucht. Aber bei den Details bleiben die entscheidenden Fragen immer noch offen….” (“Welt“)

6 comments

  1. Thomas Holzer

    “Ein Schuldenschnitt muss nicht so heißen, es wird Wege geben, Forderungen gegenüber Griechenland so sanft wie möglich abzuschreiben”

    mein samstägiges Aha-Erlebnis: werden Forderungen so sanft wie möglich abgeschrieben, sprich Schulden erlassen, heißt das auf Grund der Sanftheit nicht mehr Schuldenschnitt; nett 😉

    Das wird die Gläubiger wirklich freuen, wenn sie ganz sanft Geld verlieren werden 🙂

  2. KClemens

    Gesucht: Ein neues Wort für “Schuldenschnitt”
    >>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>

    Wie wäre es mit “Privatvermögenabschmelzungförderungsgesetz”?

  3. Christian Peter

    Schuldenschnitte sind nichts Außergewöhnliches, sondern logische Konsequenz des heutigen Kreditgeldsystems. In einem Geldsystem, in dem sich Staaten trotz Notenmonopols Geld von Geschäftsbanken leihen müssen und dafür einen (mitunter horrenden) Zins entrichten müssen, darf man sich über ausufernde Staatsschulden nicht wundern.

  4. Klaus Kastner

    Es ist erstaunlich, mit welcher Vehemenz Poliltiker und Ökonomen das Thema der griechischen Schulden diskutieren, wenn dieses Thema gar nicht so sehr das größte Problem Griechenlands ist. Die Schulden sind bestenfalls das sichtbarste Symptom des Griechenland-Problems.

    Das Hauptproblem Griechenlands ist, dass seine Wirtschaft keine auch nur im mindesten ausreichende Leistungskraft hat, um seine Bevölkerung zu beschäftigen. Einerseits war das seit der Unabhängigkeit Griechenlands (1832) so: Griechenland benötigte immer finanzielle Unterestützung aus dem Ausland. Andererseits war der Euro für die griechische Wirtschaft seit 2001 ein ‘Problembeschleuniger’ ungeahnten Ausmaßes.

    Griechenlands Wirtschaft hat eine völlig unzureichende, eigene wirtschaftliche Wertschöpfung (80%+ sind Dienstleistungen). Soweit ich weiß, kann sich dieses Agrarland bei weitem nicht selbst ernähren (angeblich 40% der Lebensmittel sind importiert). Man braucht nur durch größere Supermarkets/Shopping Malls zu wandern, um zu sehen, dass Griechenland den Großteil seiner Konsumprodukte importiert.

    Selbst wenn man Griechenland ALLE seine Schulden erlassen würde, würde sich an dieser Situation nicht viel ändern. Das einzige, was sich ändern würde, wäre, dass Griechenland wieder neue Schulden aufnehmen könnte.

    Es gibt m. E. zwei Extremstrategien: entweder (a) macht man einen langfristigen, wirtschaftspolitischen Entwicklungsplan, bei dem Griechenland eine faire Chance hat, innerhalb von 10-20 Jahren ausreichende eigene Wertschöpfung zu erreichen; oder (b) man tut das nicht. Wenn man das nicht tut, dann wird eben der griechische Lebensstandard zunehmend auf jenen Bulgariens sinken. Zu befürchten ist, dass man keine klare Strategie wählt, sondern stattdessen weiterhin zwischen diesen beiden Extremen herumtanzen wird. Die Frage ist, wie lange der politische Friede in Griechenland dies aushält.

    Die griechische Wirtschaft hat mit dem Euro in seiner jetzigen Form einfach keine Chance. Wieso sollte ein griechischer Konsument eine griechische Zahnpaste kaufen, wenn sie vielleicht doppelt so teuer ist wie die Zahnpaste aus Brasilien?

    Ein langfristiger Entwicklungsplan kann ohne weiteres auf dem Euro aufbauen, aber es müsste ein Euro sein, der auf bestimmte Zeit eine Situation simuliert, als wäre man zur Drachme zurückgekehrt: Importsteuern; Exportsubventionen; EU-Garantien für Auslandsinvestitionen; möglicherweise Kapitalkontrollen.

    Wenn man einfach ‘so weiter macht’, wird sich die griechische Wirtschaft unweigerlich in eine Art von Kuba Europas entwickeln.

  5. KClemens

    @Klaus Kastner,

    treffende Analyse. Das Problem ist nur, was soll den in GR großartig produziert werden? Wenn Industriearbeitsplätze ausgelagert werden, dann gehen die in der Regel in Länder, die vom Lohnniveau her so niedrig sind, das kein europäisches Land der €-Zone da mithalten kann.

    Und wenn die “starken” Industrieländer der €-Zone nicht darauf achten, daß sie genügend industrielle Arbeitsplätze erhalten, dann hat man mit Griechenland ein schönes Beispiel, wie es in ein paar Jahrzehnten in diesen Ländern aussehen könnte.

    Griechenland ist ein gutes Beispiel dafür, daß die “Dienstleistungsgesellschaft” eben nicht ausreicht, um Länder erfolgreich “betreiben” zu können. Es kommt halt nicht genug für den Staat rein, wenn wir uns gegenseitig die Haare schneiden, oder uns gegenseitig bekochen.

    .

  6. Christian Peter

    Man sollte nicht bloß an den Symptomen eines kranken Geldsystems herumdoktern. Einer der (Haupt-) Gründe ausufernder Staatsschulden ist, dass Staaten trotz Notenmonopols Geld von Banken leihen müssen und dafür (mitunter horrenden) Zins zu zahlen haben : Banken beziehen Geld von der EZB (fast) gratis und reichen dieses mit horrenden Aufschlägen an die Staaten weiter. Zinszahlungen für Staatsschulden sind bereits der zweitgrößte Posten im deutschen Bundeshaushalt (etwa 15 % aller Steuereinnahmen; Tendenz : steigend). In Griechenland werden 40 % aller Steuereinnahmen für Zinszahlungen verwendet.

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