Globalisierungskritiker und andere kosmische Idioten

Von | 5. Januar 2016

Die Globalisierungskritiker von heute reden über die schnellen weltweiten Geldbewegungen sehr ähnlich wie die katholischen Theologen im 17. Jahrhundert über die damals neu bewiesene Erdrotation. Destabilisierungen dieses Formats werden zunächst mit heiligem Zorn abgelehnt. Es ist ja wirklich ein Angriff auf die Menschenwürde, wenn ich von heute auf morgen hinnehmen soll, dass ich binnen 24 Stunden um die Erdachse herumgeschleudert werde. Auch die Gegner der Erdrotation wussten, was sie wollten: Sie hatten etwas dagegen, zu kosmischen Idioten zu werden. Mit der Globalisierung und ihren Kritikern steht es ebenso. (Peter Sloterdijk)

47 Gedanken zu „Globalisierungskritiker und andere kosmische Idioten

  1. astuga

    Naja, man kann auch mit falschen Argumenten Kritik üben.
    Und hier noch dazu recht undifferenziert.
    Geht es um die Globalisierung oder um internationale Geldbewegungen (die nicht zwangsläufig die “Globalisierung” benötigten).

    Auch das unkontrollierbare Hawala-Finanzwesen der Muslime (und Islamisten) fällt unter diese Kategorie.
    Nichts was man begrüßen sollte.

  2. Thomas Holzer

    @astuga
    Sprechen Sie mit Ihrem Beitrag dem Überwachungsstaat das Wort oder nur der Überwachung Ihnen unliebsamer “Finanzspielarten”?!

  3. cmh

    Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich. Und dieser hinkt wie ein angeschossener Ochse.

    Es gibt Besseres vom Herrn S.

  4. astuga

    @Thomas Holzer
    Das Problem ist wahrscheinlich, dass man das gar nicht vollständig trennen kann.
    Ein klassischer Zielkonflikt eben.

  5. astuga

    Nachtrag.
    Und wie so oft, lassen sich wahrscheinlich die ohnehin eher unproblematischen Bereiche am einfachsten überwachen und regulieren.
    Was zum polit. Aktionismus einlädt.

  6. Thomas Holzer

    @astuga
    zentrales Kontenregister, verbunden mit gleichzeitig gesetzlich garantiertem “Anspruch” auf ein Konto, danach Abschaffung von Bargeld, Silber- und Goldmünzen, und schon haben Sie die Beseitigung angeblich unliebsamer Finanztransaktionen; und keine Sorge, auch Bitcoin wird verboten werden; auf dieses Verbot können sich alle Politikerdarsteller dieser Welt am schnellsten einigen, dient es doch ihrem Machterhalt, zumindest für eine gewisse Zeit.
    (Fast) jedes Verbot zieht automatisch einen Rattenschwanz an zusätzlichen Verboten nach sich

  7. Selbstdenker

    @Thomas Holzer:
    “(Fast) jedes Verbot zieht automatisch einen Rattenschwanz an zusätzlichen Verboten nach sich.”

    Das sehe ich auch so. Wobei noch dazu kommt, dass eine totale Überwachung der Finanzströme in einer totalen Überwachung der Kommunikation resultiert.

    Warum?

    Angenommen das Bargeld wird vordergründig abgeschafft um die Terrorismusfinanzierung “auszutrocknen”, so wird das die Terrororganisationen nicht wirklich jucken:

    Einerseits zählen die EU und einige ihrer Mitgliedsstaaten selbst zu massgeblichen Cash-cows terroristischer Organisationen und anderseits benutzen viele muslimische Geschäftsleute mit Affinität zum religiösen Fanatismus das altbewährte Hawala-Finanzsystem.

    Um Hawala-Transaktionen zu überwachen, müsste der gesamte Sprachverkehr aufgezeichnet und nach codierter Sprache durchsucht werden.

    Ein derartiger Überwachungsapparat würde sich selbst ad absurdum führen, indem immer mehr Mittel in eine sehr ineffiziente Überwachung gesteckt werden müssten.

  8. Thomas Holzer

    @Selbstdenker
    “Positiv freedom is the road to serfdom” Isaiah Berlin

  9. Selbstdenker

    Zum eigentlichen Thema:

    „Man kann einen Sozialstaat haben – und man kann offene Grenzen haben. Aber man kann nicht beides gleichzeitig haben“
    Milton Friedman

    Das Problem besteht meines Erachtens darin, dass man Länder aus sehr inhomogenen Kulturkreisen mit gänzlich unterschiedlichen Auffassungen betreffend Menschenrechte an einem gemeinsamen Weltmarkt teilnehmen lässt (1990er Jahre).

    Damit fällt nicht nur ein Druckmittel gegen Schurkenstaaten weg, sondern diese Länder können sich im Westen einkaufen, Abhängigkeiten aufbauen und nun selbst Druck ausüben (2000er Jahre).

    Dem Konzept des deregulierten Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehrs wird nun von linker Seite das Konzept der totalen Personenfreizügigkeit gegenübergestellt. Linke Parteien haben die jeweilige lokale Arbeitnehmerschaft als Kernwählerschicht aufgegeben. Stattdessen sehen sie sich nun als Vertretung vom heimischen leistungsfreien Milieu (Uni-, Kultur- und Medienbereich) einerseits und eines internationalen Proletariats anderseits. Die ursprünglich aus wirtschaftliberalen Ideen gewachsene Globalisierung kann so zum Trägersystem eines neuen Klassenkampfes umfunktioniert werden.

    Eine abschließende Klarstellung: ich bin ein ausgesprochener Befürworter vom Freihandel. Allerdings sollte man sich die Geschäftspartner besser aussuchen um eine Pervertierung vom an sich positiven Prinzip in sein Gegenteil zu verhindern.

    Anstatt im Westen einen totalen Überwachungsstaat zu errichten, sollte man Länder, die sich nicht an die grundlegensten Gepflogenheiten (z.B. effektive Verhinderung der Terrorfinanzierung) beteiligen, vom gemeinsamen Handel ausschließen.

  10. A.Felsberger

    >Die ursprünglich aus wirtschaftliberalen Ideen gewachsene Globalisierung kann so zum Trägersystem eines neuen Klassenkampfes umfunktioniert werden> Mein lieber Selbstdenker, was reden Sie hier von Klassenkampf? Hier herrscht Chaos und sonst gar nichts! Die Welt rotiert und die vereinigten Linken, Liberalen und Konservativen klatschen freudig in die Hände, freilich nicht ohne neue idiotische Begriffe zu finden, um sich, wie gewohnt, gegenseitig zu diffamieren. Es ist Zeit das Spektakel der “weltweiten Freiheit” zu beenden, wollen wir nicht alle im Orkus landen! Aber erkläre man das mal einen Freihändler (=Linker, Liberaler und Konservativer), mit diesen Leuten zu reden gleicht einem Nachhilfeunterricht für minderbemittelte Kinder!

  11. Thomas Holzer

    @A.Felsberger
    Die Welt rotiert, seit Beginn ihrer Existenz, auch wenn die Katholen dieses Faktum lange Zeit nicht wahrhaben wollten; andererseits, wie hätten wohl wir entschieden, mit dem damaligen Wissen?!
    Auf jeden Fall freue ich mich immer wieder, Ihre präzisen, konzisen und zwingend logischen Erklärungen zum Geschehen unserer Zeiten lesen zu dürfen………

  12. A.Felsberger

    Ist es nicht präzise, wenn ich sage: die Welt rotiert? Was anderes meine ich als die Menschen, das Geld. die Waren? Was ist Ihr Gegenargument eigentlich?

  13. Thomas Holzer

    @A.Felsberger
    Würden Waren, Geld und Menschen rotieren, kämen sie immer wieder an ihren Ausgangspunkt zurück, oder nicht?!

    Mir ist nicht bekannt, daß z.B. ein t-shirt, z.B. in Bangladesh produziert, in Österreich verkauft, wieder nach Bangladesh zurückkehrt……….

  14. A.Felsberger

    Naja, Herr Holzer. Sie sind ja kein unsympathischer Zeitgenosse, bei Gott nicht. Aber alles, was ich aus Ihrem Mund, vernehme, ist: Freihändlertum. Mitglieder dieser Fraktion gibt`s auf dieser Welt zuhauf: Frau Merkel, Herr Gabriel, Herr Seehofer, Herrn Lindner und sogar Frau Wagenknacht. Ich habe mit dieser Fraktion der “Modernisierungsbefürworter” nichts am Hut und schon gar nicht mit den Grabenkämpfen, die Sie untereinander austragen. Ich bin, so schwer das für Sie zu verstehen sein mag, ein “Modernisierungsgegner”. Aus Anstand, aus Ablehnung von Doppelmoral, aus Verantwortungsgefühl und vieles mehr. Mir sind diese Menschen nur mehr ein Graus……

    PS: Es ist nicht typisch für Sloterdijk, dass er “Modernisierungsgegner” mit dem Verweis auf Naturgesetzen antwortet. Immerhin: Er ist Nietzscheaner. Mir scheint das obige Zitat aus dem “Weltinnenraum des Kapitals” entnommen, ein Buch, das mit den Freihändlern und ihrer Apologetik eigentlich sehr hart ins Gericht geht…..

  15. Thomas Holzer

    @A.Felsberger
    Freihandel, so es diesen überhaupt gäbe, wäre per se nichts Schlechtes!
    Aber: das, was die von Ihnen genannten Politikerdarsteller unter Freihandel verstehen, hat eben mit diesem rein gar nichts zu tun.
    Freihandel benötigt keine Politikerdarsteller, welche diesen mittels Verträgen reglementieren.
    Das, was “unsere” Politikerdarsteller unter Freihandel verstehen ist z.B. subventionierte EU-Landwirtschaftsprodukte ohne Zollschranken nach Afrika ausführen zu können, um im Gegenzug die dortige Landwirtschaft zu ruinieren und schlußendlich zu liquidieren.
    Freihandel würde bedeuten, daß zwei Vertragspartner, nach deren freien Willen, nach deren Übereinkunft und privatrechtlichen Verträgen, Güter austauschen, ohne daß Politikerdarsteller und/oder deren erlassene Gesetze zwischengeschaltet sind; alles andere sind Begriffsumdeutungen, welche in der Politik seit Jahrzehnten üblich sind und von den Medien und unbedarften Untertanen liebend gerne übernommen werden…………

  16. A.Felsberger

    Gut. Ich akzeptiere diese Position, wenngleich sie mir nicht schlüssig erscheint. Eher treibt der Freihandel die Politik vor sich her als umgekehrt…..

  17. A.Felsberger

    Das oberste Gebot der Stunde ist die Grenze, nicht nur in einem räumlichen, sondern auch in einem moralischen Sinne. Diese Grenze ist im aktuellen Weltsystem nirgendwo verankert, nicht im Staat, nicht im Vertrag. Immer strebt die Menschheit über die zuvor zugesicherten Grenzen hinaus, niemand hält sich an sein Wort. Man findet immer das gleiche Muster: Hoch und heilig wird eine Grenze versprochen, die schon Tage und Monate später gebrochen wird. Das ist Krieg, maskiert als Freihandel. Mit dieser Verlogenheit habe ich nichts am Hut und sie wird auch nicht besser dadurch, dass die Juristen auf die Existenz der Grenzen verweisen. Sie existieren eben nur am Papier…..

  18. Thomas Holzer

    @A.Felsberger
    So es nicht Zuviel verlangt ist, wäre ich für eine Klärung der Frage, was an meiner Argumentation nicht schlüssig sei, vorab dankbar.
    Nicht der Freihandel treibt die Politik vor sich her, sondern die Politik behindert vielmehr den Freihandel; trotz und wegen aller politisch motivierten Verträge

  19. A.Felsberger

    Bei historischer Betrachtung würde ich die Kausalität setzen: Der Markt schafft den Staat (die Stadt). Was wollen Sie von Sprößlingen des Marktes erwarten? Dass sie gegen den Markt regieren? Nochmals: Das Problem ist die Grenze, deren Zusicherung unentwegt gebrochen wird, vom Markt genauso wie vom Staat. Die Menschen benehmen sich wie Berserker. Dies Urteil mal gefällt, kann es nur zwei Wege geben: entweder man akzeptiert die Barberei als naturnotwendig oder man setzt ihr Grenzen. Und “man” kann in diesem Zusammenhang immer nur eine gesellschaftliche Übereinkunft sein, das heisst: ein demokratischer Abstimmungsprozess aller. Ich wünsche mir ein Gemeinwesen, das auf demokratischer Basis allen Grenzen setzt und sich auch daran hält. So weit ist die Menschheit bis dato nicht vorgedrungen……

  20. Johannes

    Ein komischer Artikel, Globalisierungskritiker in Bausch und Bogen als Idioten zu bezeichnen. Man merkt die Absicht und so ist dieser Erguss nicht wert weiter kommentiert zu werden.

  21. Thomas Holzer

    @A.Felsberger
    Mit Verlaub – Traumtänzer
    “Und „man“ kann in diesem Zusammenhang immer nur eine gesellschaftliche Übereinkunft sein, das heißt: ein demokratischer Abstimmungsprozess aller.”

    Und wenn (fast)alle, zumindest die Mehrheit, ganz demokratisch für die Barberei stimmen?! Was dann?
    Dann hat sich Ihr phrasologisches, demokratisches Realitätskonzept hoffentlich in Luft aufgelöst.
    Es gibt schlicht und einfach 10 Gebote/Gesetze, welche den Berserker einhegen, mehr bedarf es nicht, da das Mehr nur zu einer zusätzlichen staatlichen Bevormundung führt.

  22. A.Felsberger

    Wenn die Barberei gewählt wird, ja, was dann? Dann kann man eben nichts ändern. Jeder ist seines Glückes Schmied, auch der Mensch…….

  23. Thomas Holzer

    @A.Felsberger
    Sie! erachten (anscheinend) den “demokratischen Entscheidungsprozess” als Allheilmittel gegen alle Widrigkeiten des menschlichen Zusammenlebens. Daher erlaube ich mir, Sie als einen Gläubiger der Wolkenkuckucksheimgemeinde zu bezeichnen.
    Demokratische “Entscheidungsprozesse” tendieren auf lange Sicht dazu, den Totalitarismus zumindest zu fördern, wenn nicht gar zu installieren

  24. A.Felsberger

    Das hängt von der Art der Demokratie ab. Machtkonzentration (als Inbegriff eines grenzenlosen Verhaltens) kann ausserdem nicht nur in der Demokratie gedeihen, auch im Markt. Von Geschichtsdeutungen, die die Demokratie zum Übel der Menschheit erklären, halte ich nichts. Sie ist, so wie die Dinge jetzt stehen, die letzte verbleibende Hoffnung……

  25. gms

    Selbstdenker,

    “Die ursprünglich aus wirtschaftliberalen Ideen gewachsene Globalisierung kann so zum Trägersystem eines neuen Klassenkampfes umfunktioniert werden.”

    Stimmt absolut, bloß ist die derzeit praktizierte Globalisierung ein Klassenkampf zwischen Unten und Oben, zwischen denen, die Einfluß haben, und jenen, die ihn nicht haben.

    Jene von Liberalen begrüßte Globalierung und die damit einhergehende Freizügigkeit ließen sich weltweit verbindlich mit einem zehnseitigen Dokument besiegeln, und dabei sind die Unterschriftenblätter bereits eingerechnet. Wer aber schon einmal einen Blick in entsprechend ausformulierte Abkommen riskierte, riecht das flächendeckend falsche Spiel zehn Meilen gegen den Orkan.

    Betreffend TTIP und dem, was die Obertanen dem nach Information dürstenden Volk bereits tröpfchenweise zukommen ließ, wurde der Mechanismus hier bereits aufgezeigt: Nicht nur freier Austausch wird vereinbart, sondern Art und Weise, wie das Auszutauschende beschaffen sein muß und welche Behörden die Einhaltung dessen überwachen. Was mit TTIP auf uns zukommt, kann der interessierte Leser eine Stufe tiefer im Kleinen in dem am ersten Jänner 2016 inkraft getretenen Freihandelsabkommen mit der Ukraine bestaunen:

    Zweitausendeinhundertfünfzig Seiten beschreiben dabei haarklein, nicht nur welche Handelsbezeichnungen geschützt sind, sondern die materielle Zusammensetzung abertausender Güter, von Klopapier über Uhrwerke Golfschläger und Pfeifenköpfe, Hölzer über oder unter 40 Zentimeter Länge, Küchen, einbaubar oder nicht, und so weiter und so fort; zu welchen Prozentsätzen importierte Teile darin vorhanden sein dürfen, mal nach Gewicht, mal nach Einkaufsspreis, sowie was wann unter welchen Bedingungen Zölle in Höhe x% gegenüber Drittstaaten bedingt.

    Dann verwundert auch nicht, wenn derartige Abkommen von jenen verhandelt werden, die am Heimmarkt aktuell dominant sind. Jeder Wirtschaftsteibende wäre mit dem sprichwörtlichen Kluppensackerl gepudert, ließe er sich eine solche Gelegenheit zur Einflußnahme und Wahrung eigener Interessen entgehen. Daß neben diesen handfesten Wirtschaftsinteressen zur Ausschaltung von Konkurrenz noch Heere an wohlmeinenden Aposteln im Dienste der Menschheit am Tisch sitzen, die diverse Güter oder Herstellungsweisen global verboten sehen möchten, rundet das ungustige Spiel vollständig ab.

    Gehandelt werden darf dann zwar, bloß behindert oder gar unterbunden werden Herstellung und Austausch von Produkten, die den üblichen Verdächtigen nicht in den Kram passen und demgemäß das Treiben auf eine flächendeckende Gleichschaltung zum Vorteil weniger Player hinausläuft. Es ist daher nicht die Globalierung, die der Libertäre unterbunden sehen will, im Gegenteil, sondern es ist Art und Weise, wie sie erfolgt.

    Peter Sloterdijk, als einer meiner Einschätzung nach hellsichtigten Denker der deutschsprachigen Gegenwart, kritisiert Idioten, die Furchtsamen, die sich aus Verkennung positiver Prinzipien rund um Freiheit als Verlierer der Globalierung wähnen. Der Libertäre jedoch kritisiert die Mechanismen, nach denen Globaliserung zurzeit vorangetrieben wird und auf eine Verdorfung des Austauschbaren bei gleichzeitiger Installierung allmächtiger Dorfpolizisten abzielt.

  26. Selbstdenker

    @A.Felsberger:
    Zunächst möche ich meine Ausführungen, auf die Sie weiter oben geantwortet haben, nochmals klarstellen:

    Meine Kritik bezieht sich nicht auf das Prinzip Freihandel als solches, sondern auf die zu schnelle Ausweitung des Freihandels auf Handelspartner, mit denen man in zahlreichen grundlegenden Fragen kein Einvernehmen finden wird.

    “Das oberste Gebot der Stunde ist die Grenze, nicht nur in einem räumlichen, sondern auch in einem moralischen Sinne.”

    Eine Grenze im Sinne einer klaren Abgrenzung von Einflussphären, Zuständigkeiten, Verantwortung, Haftung und rechtlichen Räumen: definitiv. Viele – zum Teil völlig unterschiedliche – Krisen und Konflikte der Gegenwart entspringen einer Entgrenzung.

    Eigentum ist eine so Abgrenzung: eine Sache die einem (oder mehreren Mit-)Eigentümern gehört, kann nicht gleichzeitig jemand gehören, der dazu keinen rechtlichen Titel hat. Man kann es legal erwerben, nutzen, vermieten, verpachten, verleihen, veräußern. Konflikte entstehen dann, wenn fremdes Eigentum (=Abgrenzung) nicht respektiert oder einfach an sich gerissen wird.

    Wenn es Kulturen gibt, die sich miteinander nicht vertragen, wird es wohl besser sein als gute Nachbarn verschiedene Häuser zu bewohnen als unglücklich in einer WG zu hausen in der es nicht einmal ein Einvernehmen gibt, wer den Abwasch macht und wer die Miete zahlt.

    Mit den moralischen Grenzen ist das so eine Sache, da es hier höchst unterschiedliche Sichtweisen gibt, die man häufig nicht auf einen Nenner bringen kann. Man kann (straf-)rechtliche Leitplanken setzen, den Leuten ins Gewissen reden und mit guten Beispiel vorangehen. Vielfach reguliert sich das auch selbst, weil unmoralische Individuen und unredliche Geschäftspartner gemieden werden bzw. sich deren Verhalten rasch herumspricht.

    Aber eine detaillierte staatliche / religiöse Regulierung von dem was unter “Moral” zu verstehen ist – das brauche ich wirklich nicht.

    Wer nach exekutierbaren Moralgesetzen ruft, wird die Sharia-Polizei bekommen.

  27. Selbstdenker

    @A.Felsberger
    “Wenn die Barberei gewählt wird, ja, was dann? Dann kann man eben nichts ändern. Jeder ist seines Glückes Schmied, auch der Mensch…….”

    Sorry, aber mit dieser Antwort haben Sie sich jetzt aber selbst einen K.O.-Schlag verpasst.

    Ich behaupte, dass es einen Unterschied macht, ob man für sich oder über andere entscheidet.

  28. A.Felsberger

    Herr Selbstenker, ich stimme Ihnen weitestgehend zu. Sie sollten meine Gerede von “Moral” nicht zu wörtlich nehmen, ich meinte damit bloß: die Einhaltung der zugesicherten Grenze.

  29. Selbstdenker

    @A. Felsberger:
    “Sie ist, so wie die Dinge jetzt stehen, die letzte verbleibende Hoffnung……”

    Stammt dieser Satz
    1) von G. W. Bush vor der Invasion vom Irak,
    2) von B. H. Obama vor dem “Arabischen Frühling”
    3) oder von Teilnehmern beim Eurovisions Songcontest?

    Soweit mir bekannt ist, kann eine Demokratie nur auf einen intakten Rechtsstaat aufbauen, der wiederum auf einem gemeinsamen Wertefundament aufbaut.

    Eine Demokratie ohne Rechtsstaat hat historisch gesehen immer nur kurz existiert: man nennt sie Pöbelherrschaft. Erstaunlich ist, dass hier das “Wahlvolk” auf kurz oder lang die Tyrannei eines einzelnen der Tyrannei des Volkes vorzieht.

  30. A.Felsberger

    @ Selbstdenker: Ich bin kein Utopist, ich lehne das ab. Ich suche nach Wegen, die sich gerade öffnen, immer am Puls der Zeit. Ich phantasiere mich nicht in eine Gesellschaft hinein, die nicht existiert. Und wenn ich aktuell nach Wege Ausschau halte, sehe ich als einzige Hoffnung nur die (direkte) Demokratie. Auf was sollte man sonst setzen? Auf noch mehr Entgrenzung? Auf noch mehr individueller Freiheit? Noch mehr Verantwortungslosigkeit? Noch mehr Gier? Von dem hatten wir die letzten 500 Jahre genug…..

  31. A.Felsberger

    Mit diesen Leuten, die Sie hier aufzählen, habe ich nichts zu schaffen. Das sind Entgrenzer, Interventionisten, Modernisierer. Es gibt keine politische Strömung, wo ich mich beheimatet sehe. Alles, was ich verlange, ist: direkte Demokratie, eine Reform des Wahlrechts weg von der repräsentativen. In der Hoffnung, dass der Mensch sich dann besinnt…..

  32. gms

    A.Felsberger,

    “Ich wünsche mir ein Gemeinwesen, das auf demokratischer Basis allen Grenzen setzt und sich auch daran hält.”

    Raten Sie mal, weshalb sowohl Sozialisten ostentativ Demokratie propagieren und dafür schon mal eine Umbenennung ihrer selbst vornahmen, wie all die von Plutokraten finanzierten Thinktanks und NGOs omnipräsent Gleichheit und politische Mitsprache trommeln? Glauben Sie ernsthaft, nur Moslems würden auf demokratische Züge aufspringen und dabei gar vom Saulus zum Paulus mutieren?
    Was hat es mit ‘Postdemokratie’ aufsich, mit der begründet ausgerechnet Sozialdemokraten das Fernhalten von der Macht des Volkes als kastrierten Souverän begründen?

    Demokratie ist ebenso wie Islam und Kommunismus eine Idee von schwachen Denkern für Idioten, die von Hellsichtigen für ihre eigenen Zwecke genutzt wird. Empirisch bewiesen für alle, die aus der Distanz nüchtern hinsehen und eine bestimmte Interpunktion zumindest für theoretisch möglich halten. Wer dann noch zweifel, kann die Plutokraten selbst fragen, was ihnen an sozialen Demokratien so taugt.

    “Machtkonzentration (als Inbegriff eines grenzenlosen Verhaltens) kann ausserdem nicht nur in der Demokratie gedeihen, auch im Markt”

    Schon mal die letzten hundert Jahre Revue passieren lassen? Einerseits wurde die Welt laufend demokratisiert, und zugleich erlebten wir eine noch nie dagewesene Machtkonzentration bei Staaten und wirtschaftlichen Playern gleichermaßen.
    Warum? — Weil einzig und allein mit demokratischer Strukturen diese Konzentration erfolgen kann. Die Mehrheit stimmt über die Minderheit ab, worauf hin der Mittelstand sowohl den Oberen wie den Unterern seinen Wohlstand abzutreten hat. Geht das nicht über Abstimmungen, dann eben über inferiore oder geschmierte Repräsentanten des Souveräns.

    Der demokratische Staat kann beliebig Steuern erheben und sich beliebig zum Vorteil der Plutokratie über deren Luftgeld verschulden und damit den künstlich verblödeten Massen die gewünschten Spiele finanzieren, die von den tatsächlich Mächtigen in alle Auslagen gepinselt werden.

    Der freie Markt aber erfährt jeden Tag abermillionen Abstimmungen an der Ladentheke darüber, wer mächtig werden soll und wer nicht. Einzig ein via ‘Demokratie!’ allumfassend immunisiertes Gewaltmonopol hebelt diesen Mechanismus aus, indem es Leute zu Handlungen und Ausgaben zwingt, die sie andernfalls niemals tätigen würden.

  33. A.Felsberger

    Absurd, Herr gmx, was Sie hier erzählen. Lange bevor es Demokratie gab, hatte sich der Markt bereits konzentriert. Oder haben sie die Jahre 1780 bis 1850 verschlafen?

  34. Selbstdenker

    @gms:
    Ich stimme Ihren Ausführungen vollinhaltlich zu; insbesondere folgenden Satz möchte ich hervorheben:

    “Der Libertäre jedoch kritisiert die Mechanismen, nach denen Globaliserung zurzeit vorangetrieben wird und auf eine Verdorfung des Austauschbaren bei gleichzeitiger Installierung allmächtiger Dorfpolizisten abzielt.”

    Exakt. Das was als heute “Freihandel” bezeichnet wird, hat mit Freihandel in der ursprünglichen Begriffsbedeutung wenig bis nichts zu tun.

    Dazu auch ein treffender Kommentar von Thomas Holzer:

    “Das, was „unsere“ Politikerdarsteller unter Freihandel verstehen ist z.B. subventionierte EU-Landwirtschaftsprodukte ohne Zollschranken nach Afrika ausführen zu können, um im Gegenzug die dortige Landwirtschaft zu ruinieren und schlußendlich zu liquidieren.”

    Nachdem vor allem durch mengenbezogene Subventionen das Preisgefüge für landwirtschaftliche Güter nachhaltig zerstört wurde und heimische Betriebe dauerhaft an den Subventionst(r)opf gehängt wurden, wendet man sich neuen Opfern zu, denen man “Gutes” antun kann.

    Weiter im Text:

    “Freihandel würde bedeuten, daß zwei Vertragspartner, nach deren freien Willen, nach deren Übereinkunft und privatrechtlichen Verträgen, Güter austauschen, ohne daß Politikerdarsteller und/oder deren erlassene Gesetze zwischengeschaltet sind; alles andere sind Begriffsumdeutungen, welche in der Politik seit Jahrzehnten üblich sind und von den Medien und unbedarften Untertanen liebend gerne übernommen werden…………”

    Vielleicht sollte man Freihandel einfach als Fair Trade bezeichnen 😉

  35. gms

    A.Felsberger,

    “Alles, was ich verlange, ist: direkte Demokratie, eine Reform des Wahlrechts weg von der repräsentativen.”

    Das ist plausibel und nachvollziehbar, bewirkt aber betreffend Machtkonzentration bloß einen graduellen Unterschied, keinen prinzipiellen. Wer Gewaltmonopole in irgendeiner Art und Weise begrüßt, tut dies auch, ob gewollt oder nicht, für unvermeidbare und erkennbar negative Effekte inform sonstiger Monopole, die nichts anderes als vortrefflich auskristallierte Machtkonzentrationen darstellen.

    Staaten werden von Playern versuchsweise vereinnahmt. Immer. Regenten widerum bedienen sich zum Machterhalt der unpolitisch Mächtigen und gewähren diesen Vorrechte. Ebenfalls immer.
    Der demokratische Staat schafft die perfekte Fassade, alles erfolgte gemäß dem einheitlichen Volkswillen, was dessen Ausufern begünstigt. Den Gipfel bildet der sozialdemokratische Leviathan, der die Mächtigen und die Unterschicht gleichermaßen bedient und jenes forciert, das mitterdings als Erosion des Mittelstandes jedem Kleinkind geläufig ist. Glauben sie wirklich, der allerorts stattfindende politische Linksruck erfolgte zufällig?

    Demokratie funktioniert nur in der Utopie, weil sie die Rechnung ohne den real existierenden Menschen macht, dafür aber den passenden herbeischnitzen will. Ethics pays, Zwang ebenso, bloß mit negativem Vorzeichen. Darin baden wir heute unsre Finger.

  36. Selbstdenker

    @A.Felsberger:
    “[…] sehe ich als einzige Hoffnung nur die (direkte) Demokratie.”

    Gut, dass Sie das erwähnen. Dem kann ich mich durchaus anschließen.

    Eine direkte Demokratie spielt sich auf einer Ebene ab, auf der der Einzelne größtenteils selbst von seiner Entscheidung betroffen ist und daher die Konsequenzen seiner Entscheidung auch abschätzen kann.

    Die individuelle Freiheit ist jeder Form der Fremdbestimmung vorzuziehen, sofern sie mit der damit verbundenen Verantwortung bzw. Haftung verknüpft wird.

    Marktwirtschaftliche Prinzipien würde ich nicht mit der individuellen Eigenschaft der Gier gleichsetzen. Diese gab und gibt es doch in der Politik im Allgemeinen und in sozialistischen Ländern im Speziellen doch genauso.

    Der Unterschied ist doch, dass eine Marktwirtschaft trotz Gier dauerhaft einen weitverbreiteten Wohlstand schaffen kann.

  37. A.Felsberger

    Also ich, Herr gms, habe lange in der Nähe der Schweizer Grenze gelebt und auf kantonaler, und erst recht Gemeindebene, genügend Bürgerkräfte gegen Machtkonzentration wirken gesehen. Nicht nur im politischen, auch im ökonomischen. Es ist alles eine Frage des Wahlrechts und der Größe der Räume. Dass es auf Bundesebene auch in der Schweiz gelingt mächtige Interessen durchzusetzen, steht ausser Frage. Small ist einfach beautiful, sobald es um Demokratie geht…..

  38. A.Felsberger

    Der Markt, Herr Selbstdenker, hat viele Vorzüge (Kostenreduktion, Effizienz, Innovation), aber auch viele Nachteile (Konzentration, politische Einflußnahme durch mächtige Interessen). Man kann nicht blauäugig durch`s Leben gehen und das Gute stets nur auf einer Seite wirken sehen……

  39. gms

    A.Felsberger,

    Ihre Absicht, mir ein ‘x’ für ein ‘s’ vorzumachen, hätten Sie trefflicher nicht veranschaulichen können.

    “Absurd, Herr gmx, was Sie hier erzählen. Lange bevor es Demokratie gab, hatte sich der Markt bereits konzentriert. Oder haben sie die Jahre 1780 bis 1850 verschlafen?”

    Im Gegenteil. Niemand bestreitet wirtschaftliche Konzentrationen anno dazumals, bloß lassen sich diese leicht erklären aus dem Wirken innovativer Player auf einem neuen Gebiet einerseits und den kriegsbedingten Machenschaften mit den Obertanen andererseits. Den entscheiden Impuls für die allumfassende schiefe Ebene gaben aber die neu installierten Zentralbanken. Wer das Geld beherrscht, dem ist egal, wer Gesetze macht. (Frei nach einem alten Rothschild)

    Geldregale vergaben Könige zum eigenen Vorteil zu allen Zeiten. Scheiterte der Monopolist, pardonierte ihn der Regent und das Spiel begann von vorne. Haben Sie das verschlafen?
    Zugleich kam es zu den ersten Großmanufakturen durch Kriegsherren, die massenhaft idente Güter zur Ausstattung der Soldaten benötigten, die nach 1789 historisch erstmalig mit zwangsverpflichteten Volksheeren der Vernichtung fröhnten. Daher auch der Spruch, der Krieg sei der Vater aller Dinge.

    Glauben Sie mir: So Sie hier eine dauerhafte wirtschaftliche Konzentration nennen, zeige ich Ihnen den legitimen Gewaltinhaber, der diese Konzentration begünstigte. 1913 mit der Etablierung der FED war das Schicksal der Welt in Gang gesetzt, und wurde Anfang der 70er mit dem vollständigen Umstieg auf Fiatmoney ergänzend befeuert. Der Rest folgt aus der Schwerkraft.

  40. A.Felsberger

    Dass der Markt aus und durch die Kriegsherren ala Wallenstein gewachsen ist, ist eine Binsenweisheit. Der Krieg war immer die Mutter alles Wirtschaftens. Dass die Zentralbanken der Konzentration Vorschub leisten, ist ein Märchen. Die Konzentration der Unternehmen wächst aus den Kostenvorteilen und den wachsenden Märkten heraus. Das von Ihnen so verachtete Kreditgeld existiert seit der Renaissance. Kolumbus hätte ohne Kredit die Neue Welt nie erreicht. Was soll diese Geschichtsverdrehung? Mir ist das zu hoch……

  41. gms

    A.Felsberger,

    “Es ist alles eine Frage des Wahlrechts und der Größe der Räume.”

    Wissen Sie, ich sage immer, wenn man bloß das Richtige tut im passenden Terrain mit den richtigen Mitteln, zum korrekten Zeitpunkt und wohldosiert, dann wendet sich alles zum Positiven, aber auf mich hört ja niemand.

    Im Konkreten: Die hierfür geeigneten Personen können sich in adäquaten Räumen zu Beliebigem absprechen, und das wird sogar funktionieren! Ob sie sich auf ein ‘richtiges’ Wahrecht einigen oder ein Diktat ihres Dorftrottels, spielt keine Rolle. Das ist das Putzige an Aussagen, ohne griffige Prämissen.

  42. gms

    A.Felsberger,

    “Dass der Markt aus und durch die Kriegsherren ala Wallenstein gewachsen ist, ist eine Binsenweisheit. Der Krieg war immer die Mutter alles Wirtschaftens.”

    Deshalb fragen Binsen wie Sie mit entsprechenden Jahreszahlen nach Schlafgewohnheiten. Ganz unter uns im Privaten: Stellen Sie keine Fragen, deren Antwort Sie kennen und Ihnen zugleich nicht ins Argument paßt.

    “Dass die Zentralbanken der Konzentration Vorschub leisten, ist ein Märchen.”

    Weil ein Märchenonkel das behauptet. Nicht bös’ sein, aber Ihr Debattenstil saugt.

    “Die Konzentration der Unternehmen wächst aus den Kostenvorteilen und den wachsenden Märkten heraus.”

    Ja, und sie verringert sich durch Wettbewerb und bleibt bestehen, wenn der Wettbewerb durch Zwangsmonopole verzerrt wird. Sie täten besser daran, Gebrachtes versuchsweise zu widerlegen, denn mit dem Breittreten von Banalem eine Art vertiefter Kenntnis zu behaupten.
    Economy of scales. Geschenkt! Empirisch und logisch manifest erreichen natürliche Monopole natürliche Kulminationspunkte und zerbrechen aus inneren und äußeren Einflüssen gleichermaßen.

    “Das von Ihnen so verachtete Kreditgeld existiert seit der Renaissance.”

    Sie behaupten als, es hätte damals eine Instanz gegeben, die qua Gesetz dazu legitmiert ist, jede beliebige Menges Goldes als Eigentümer zu erwerben, indem sie selbstbemalte Zettel im Gegenzug dafür hergibt, die von Dritten unter Zwang zu akzeptieren sind?

    “Kolumbus hätte ohne Kredit die Neue Welt nie erreicht.”

    Den Unterschied zwischen einem verbrieften Recht inform eines Bezugsschein für Handfestes und einem, der bloß zur Aushändigung eines anderen Fetzen Papiers legitmiert, muß man Ihnen wirklich erklären? Oder haben Sie verschlafen, wonach die FED den anfangs in Silber denominierten Wert des Dollars konsequent herabsetzte, bis 1973 auch der letzte Edelmetalstaub aus dem Fiatmoney getilgt war?

    Von 100 auf 0 in 70 Jahren. Widerspruch Ihrerseits?

    “Was soll diese Geschichtsverdrehung? Mir ist das zu hoch……”

    Ihre Scheuklappen wirken horizontal, wo in der Regel auch die Geschichtsache veranschaulicht wird. Demgemäß ist mir Ihre Columbus-Story nicht zu hoch, sondern trivial erklärbar.

  43. Fragolin

    Was für eine starke Diskussion!
    @gms “Der freie Markt aber erfährt jeden Tag abermillionen Abstimmungen an der Ladentheke…”
    Genau das ist das Prinzip der direkten, der wahren Demokratie. So wie weiter oben absolut treffend festgestellt wurde, dass das, was man dem Pöbel jubelnd als “Freihandel” verkauft genau genommen das Gegenteil davon ist, ist auch das, was heute als “Demokratie” verkauft wird, das genaue Gegenteil davon. Ich gehe sogar noch weiter und behaupte, dass ein System, in dem sich als “Parteien” bezeichnete quasifeudale Herrschaftsstrukturen durch Anwanzen an Stimmberechtigte alle paar Jahre die Legitimation zur beständigen Vergrößerung und schamlosen Aufteilung des Pfründekuchens besorgen, mit Demokratie etwa soviel zu tun hat wie ein Markt, auf dem ausschließlich in Ein- und Verkaufsgenossenschaften organisierte Käufer- und Verkäufergruppen entsprechend strenger Statuten und Preis- wie Mengenbindungsregeln handeln dürfen mit Freier Marktwirtschaft.
    Parteien werden immer zur als “repräsentative Demokratie” getarnten Diktatur drängen, denn nur dort können sie unter dem Deckmäntelchen des “Volkswillens” jede Grauslichkeit zum eigenen Vorteil durchsetzen. Direkte Demokratie benötigt nicht nur keine Parteien, sie wird von diesen sogar unterlaufen und auf Dauer zerstört; eigentlich müsste eine der wenigen Regeln, die eine Demokratie zum Funktionieren benötigt, das Verbot von Parteien sein. Personen können sich in politischen Vereinen zu Diskussionsrunden treffen, aber bereits Absprachen zu Abstimmungsverhalten stellen einen kriminellen Straftatbestand dar und kosten bei Nachweis die Beteiligten ihre Posten samt den damit verbundenen Rechten und Bezügen.
    Dass es sich dabei (noch?) um eine Utopie handelt, gebe ich gerne zu. An diesem Punkt kann ich auch @A. Felsberger verstehen, auch wenn mir einige andere seiner Aussagen eher die Haare aufstellen. Aber ich halte die direkte Demokratie für die einzige politische Organisationsform von Gesellschaften, die (übrigens gleich dem wirklich Freien Markt als einzige wirtschaftliche Organisationsform) dem Einzelnen das maximale Maß an Mitbestimmunsgrecht, Eigenverantwortung und erreichbarer persönlicher Freiheit bescheren kann. Die bisher ausprobierten Alternativen als verschiedene Ausformungen von Diktaturen – grundsätzlich alle entstanden aus Feudalhäusern, egal ob sich diese durch Familienbande definieren oder durch Parteistatuten – haben bisher opferreich versagt. Auch unsere jetzige Parteiendiktatur sägt erfolgreich am Ast, auf dem sie sitzt, wird Leid über die Menschen bringen und realistisch betrachtet erst wieder über eine Verschärfung der Diktatur bis hin zur (wieder mal…) Personendiktatur samt furiosem Finale den üblichen historischen Weg der opferreichen Implosion gehen, bevor sich eine neue Chance auftut, endlich mal etwas besser zu machen. Und ebenso historisch betrachtet stehen die Chancen, dass die Menschheit aus ihren Fehlern lernt, eher schlecht. Aber das ist eine andere Geschichte…

  44. Selbstdenker

    @gms:
    „Der freie Markt aber erfährt jeden Tag abermillionen Abstimmungen an der Ladentheke…“

    @Fragolin:
    “Genau das ist das Prinzip der direkten, der wahren Demokratie.”

    Volle Zustimmung. Entscheidungsprozesse, die auf individuellen Transaktionen basieren, sind die direkteste Form der Demokratie:

    1) Die Entscheidungsfrage ist konkret und der Umfang abgegrenzt
    2) Der Entscheider stimmt über Dinge ab, die ihn selbst betreffen und die er daher am besten beurteilen kann
    3) Entscheidung und Haftung sind miteinander verknüpft
    4) Der Entscheider kann nur über eigene Mittel verfügen
    5) Das umfangreiche Eigenleben vom politischen Betrieb (Alternativlosigkeitskartelle, strategisches Abstimmungsverhalten, Clubzwang, etc.) kann auf einen freien Markt ausgeschaltet werden
    6) Mittel- und langfristig neigt das politische System zur Blasenbildung (Mitkopplung) während der freie Markt zum Ausgleich neigt (Gegenkopplung)

  45. Lisa

    @Felsberger@Fragolin: ich sehe die (pos. u. neg. )Folgen der direkten Demokratie in der Schweiz: noch immer nicht in der EU, weil eine Mehrheit dagegen ist/war. die Menge der Zustimmer und Ablehner wechselt zwar dauernd etwas, je nach neuen Gegebenheiten. Oder: Die Frankenstärke gegenüber Euro und Dollar – nebst der unpatriotischen (!) Einkauferei im grenznahen Ausland! – hat negative wirtschaftliche Konsequenzen. Zudem wird meines Erachtens heute etwas zu wenig in politische Bildung investiert: das übernehmen dann populistische Parteien… Die Abschaffung der Parteien wäre gar nicht schlecht, denn jede Partei hat etwas Faschistoides – je mehr Mitglieder, desto gefährlicher. Kompromiss: zahlenmässige Beschränkung der Mitglieder. Bei den letzten Wahlen in Zürich sah ich auf den sicher drei Dutzend Wahllisten so Exotisches wie “Partei gegen Blitzgewitter” 😀 (gegen die zu häufige Geschwindigkeitsüberwachung) Diese sog. Splitterparteien lassen sich nicht auf rechts oder links festlegen, was übrigens mehr denn je auch für die grossen Parteien gilt.
    @gms: Macht ist ein absoluter Wert, der einzige wohl, der nicht relativ ist, darum streben alle danach. Je verteilter sie ist, desto unbedrohlicher. Darum haben wir in Demokratien ja auch die Gewaltentrennung in Legislative, Judikative und Exekutive. Allerdings gibt es Menschen, die noch so gern ihre Eigenverantwortung abgegeben (Führer, befiehl, wir folgen!), wenn ihnen das Paradies auf Erden versprochen wird. Ein Dorftrottel würde übrigens kaum zum Bürgermeister gewählt! Und die Mehrheit hat auch in der direkten Demokratie nicht alle Macht über die Minderheit, darum gab/gibt es dann eben nach längeren Debatten (ein allerdings nicht zu übersehender Nachteil der dir. Demokratie) einen Konsens ( betr. EU z.B. die bilateralen Verträge).

  46. Fragolin

    @Lisa
    Ich behaupte nicht, dass die direkte Demokratie der Himmel auf Erden sei, aber sie ist unter all den Alternativen (zumindest hier in unserem von der Aufklärung geprägten Kulturkreis) das kleinste aller vorstellbaren Übel bei der politischen Organisation und Regelung gesellschaftlichen Miteinanders. Es gibt immer positive und negative Auswirkungen, aber ich sehe das Kosten-Nutzen-Verhältnis was die persönliche Freiheit und die Überwachung der Machenschaften der Delegierten angeht in der direkten Demokratie am Günstigsten.
    Aber diese Freiheit hätte den Preis, dass man sich informieren muss um mitbestimmen zu können, dass man sich bemühen muss um gute Entscheidungen zu treffen und dass man bereit sein muss, den Preis für eigene Fehlentscheidungen zu zahlen. Das ist das Problem. Die Frage ist die, ob das Volk überhaupt zu direkter Demokratie fähig ist; bei den knorrigen Schweizern sehe ich genug Potenzial um damit halbwegs gut über die Runden zu kommen, aber bei den Österreichern tippe ich hochgeschätzt auf 10% die fähig und willens wären, in einer direkten Demokratie zu leben. Der Rest ist lieber Herdenvieh und jammert darüber, für die Fehler anderer blechen zu müssen als einmal einzugestehen, selbst einen Fehler gemacht zu haben.

  47. Lisa

    @Fragolin: ich bin durchaus nicht gegen die direkte Demokratie (nicht einmal in der Form der “Landsgemeinde”, die nicht geheim ist, sondern jeder hält öffentlich die Handauf…) – aber sie hat in unserer schnellebigen Zeit schon einige Nachteile. Zwar gibt es heute zunehmend auch Berufspolitiker (eigentlich sollte es ein Milizparlament sein), aber das wird von der Bevölkerung mit Misstrauen beäugt. Viele der jungen Leute, die mit Prinzessin Lillifee und Playmobilwelt, mit Harry Potter und Computerkriegsspielen aufgewachsen sind , haben nicht das geringste Interesse am realen Leben in der Gesellschaft: der Rückzug ins Private, in Phantasiewelten wird ihnen auch durch finanzielle Absicherung erleichtert: Hotel Mama, Sozialamt, “Vater” Staat, der Kinderarbeit verbietet, Kinderrechte zugesteht – alles tut, um die Heranwachsenden möglichst infantil, ängstlich, passiv und abhängig zuhalten (Jugendparlamente sind da sehr aufschlussreich…DAS soll Politik sein???) Die Rechnung geht aber, wie wir sehen, nicht auf. Da müssen Migranten her, egal, woher. Wenn es Frau Merkel – sie liest ja hier nciht mit, aber es sei ihr trotzdem zu bedenken gegeben – ernst wäre mit den Worten in ihrer Neujahrsansprache – das “wir” Werte vertreten, dann darf es ihr nicht egal sein, “woher jemand kommt, wer er ist und was er kann” wie das einer der Sternsinger-Kinder brav auswendig gelernt hatte.

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