Golan: Österreichs Soldaten sind zu schade für Soldaten-Jobs

(ANDREAS UNTERBERGER)  Österreich zieht also vom Golan ab. Mit anderen Worten: Wenn es wirklich darum geht, zum Frieden beizutragen, dann sind unsere Friedenssoldaten zu schade dafür. Speziell in Wahlkampfzeiten. Freilich hat man auch schon vorher gewusst: Im Grund wollen wir das Bundesheer ja eh nur zum Sandsackfüllen. Wenn hingegen Risiko damit verbunden ist, einen regional stabilisierenden Korridor zwischen Israel und dem syrischen Bürgerkriegschaos zu sichern, dann ziehen wir rasch ab. Die vielberühmten Blauhelme – die früher an anderen Einsatzorten auch trotz Todesopfern geblieben waren! – sind heute nur noch für die Sonntagsreden der Politik und bunte Werbebroschüren des Heeres gut. Das entspricht zwar sicher der Mentalität einer Bevölkerungsmehrheit. Dann sollte man aber sämtliche Auslandsaktivitäten gleich ganz bleiben lassen. Insbesondere dann, wenn wie fast immer weder UNO noch EU eine klare, einheitliche und umsetzbare Strategie haben. Für Österreich selbst bleibt nur die Hoffnung, dass andere Nationen eines Tages nicht so beiseitestehen werden, wenn wieder einmal in Österreichs Umgebung Unruhen und Unsicherheit eskalieren.

9 comments

  1. Rado

    Was ist denn das für ein wunderlicher Kommentar? Die UN-Soldaten KÖNNEN keinen Kooridor sichern. Die Waffe der Blauhelmsoldaten ist das Fernglas!
    Ihr Einsatz basiert auf der Respektierung der Pufferzone durch beide Konfliktparteien (nämlich Israel und Syrien). Das ist aber Geschichte. Damit sind die Grundlagen für den Einsatz dahin und die Soldaten sollten abgezogen sein, bevor es Tote gibt.

    Abgesehen davon sollte man Organisationen wie der UNO keinen einzigen Soldaten anvertrauen. Die Leute von der UNO lieben tote Blauhelmsoldaten. Mit diesen Toten fühlen sie sich moralisch erhöht, wie sie sich auch im Glanz deren Friedensnobelpreises sonnen. Es ist oft nicht nur Ignoranz der UNO-Funktionäre, welche tödlich ist für die Blauhelmsoldaten, wie in diesem beispielhaften Fall hier:
    http://www.unwatch.com/rc062503.shtml

    Es ist mitunter auch Berechnung! Im Bosnienkrieg war es die Strategie des “UN-Koordinators” Yasushi Akashi, nichts zu tun und zu den toten Zivilisten in Sarajevo und überall anders in Bosnien tote Blauhelme zu drappieren. Damit hatte sein Mandat einen Touch von Ernsthaftigkeit.
    Einen Hilferuf der Niederländischen Blauhelme in Srebrenica wies er etwa deshalb zurück, weil ein falsches Formular verwendet wurde.
    http://www.guardian.co.uk/theguardian/1999/nov/17/features11
    Und zum letzten Satz: Verlassen Sie sich drauf, dass genau garniemand Österreich in so einem Fall beistehen wird, der nicht eigene Interessen dabei verfolgt. Man kann sich immer nur auf sich selbst verlassen!

  2. Mona Rieboldt

    Seltsamer Kommentar. Der Rest der Welt schafft es nicht, friedliche Zustände in Syrien herzustellen und da sollen österreichische Soldaten sich zwischen den Fronten verheizen lassen? Zumal UNO-Soldaten gar nicht eingreifen dürfen in einem solchen Konflikt. Vielleicht sollte der Kommentarschreiber selbst auf die Golan-Höhen ziehen und dort Frieden schaffen.

  3. gms

    Rado :
    Ihr Einsatz basiert auf der Respektierung der Pufferzone durch beide Konfliktparteien (nämlich Israel und Syrien). Das ist aber Geschichte.

    Die Pufferzone wurde durch syrische Rebellen verletzt. Diese wiederum wurden umgehend von regulären syrischen Truppen aus der Pufferzone hinausbefördert. Von einer gravierenden Veränderung kann daher nicht gesprochen werden.

    Daß die Blauhelme selbst für Ordnung hätten sorgen sollen, war weder gefragt noch notwendig — es ist die bloße Anwesenheit, die sowohl Syrien wie auch Israel ein Anliegen ist.
    Zu argumentieren, die Sicherheit der Soldaten könne nicht gewährleistet werden, ist im Kontext militärischer Konflikte das mit Abstand sonderlichste, noch dazu, wenn einzig und allein Selbstschutz gefragt ist, und eben kein Eingreifen zwischen Konfliktparteien. Nicht grundlos entsandte man Soldaten mit entsprechender Ausrüstung in die dortigen Bunkeranlagen, anstatt zivile Pensionisten mit Liegestühlen und Fernrohren in mit Thujen umhegte Freizeitanlagen.

    “Österreich bleibe weiter ein verlässlicher UNO-Truppensteller”, so unser Kanzlerdarsteller. Auf gut Deutsch: “Wir bleiben auch morgen noch verläßliche Rosinenpicker und feige Trittbrettfahrer, deren Soldaten militärisches Vorgehen nicht zugemutet werden kann.”

  4. Manuel Leitgeb

    Ich stimme gms vollinhaltlich zu, dazu kommt noch, daß die Soldaten am Golan sehr wohl wissen, daß sie wieder nur als Spielball der (Innen-)politik mißbraucht werden, schließlich sind bald Wahlen. Am deutlichsten fällt das auf bei der Bekanntgabe des Abzugs: Sie fällt mitten in die sogenannte Rotation: Ein Teil der Ablöse ist bereits Anfang dieser Woche (vor Bekanntgabe) in Richtung Golan abgeflogen, der andere Teil fliegt Anfang nächster. Daran sieht man, daß die Regierung (wieder mal) ohne Plan und Konzept gearbeitet hat.

  5. Thomas Holzer

    @Manuel Leitgeb
    Vollkommen richtig; stimme auch GMS zu.
    Alleine der Zeitpunkt der öffentlichen Bekanntgabe des Abzugs war eine Frechheit. Auch die zuständigen UN-Gremien wurden nicht vorab informiert. Die österr. Außenpolitik wird nach den Regeln der Boulevardpresse geführt. Einfach nur peinlich

  6. Mourawetz

    So sind sie halt, die Söldnerheere. Wenns ernst wird, hauen sie ab. Was heißt wenns ernst wird. Die machen sich ja schon voher in die Hose, bis zum Ernstfall lassen die es nicht kommen.

    Und so einem Typus Heer wollte Österreich ernsthaft die Landesverteidigung anvertrauen. Schönwettersoldaten vom Feinsten! Ein Schwammerlsucher verteidigt seinen Rayon mit mehr Elan.

  7. Prinz Eugen von Savoyen

    Es sind ja Friedenssoldaten, da muss schon Ruhe herrschen, sonst sind sie fehl am Platz.

    Alle friedlichen Plätze der Erde sollten ihre Friendenssoldaten haben.

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