Goodby, German Rose! (EIn Abschiedsbrief an Alice Schwarzer)

Liebe Alice,
ich erinnere mich noch gut an die Pogromstimmung, die in den frühen achtziger Jahren gegen den Feminismus herrschte. Wie Du, die eiserne Jungfrau von Orléans der Bewegung, politisch verfolgt wurdest. Nur weil Du eine Frau warst, na klar, und natürlich weil Du gegen das (patriarchalische) System und für die richtige Sache kämpftest. So wie Rosa Luxemburg, Sophie Scholl und Ulrike Meinhof vor Dir. Doch deren Schicksal, liebe Alice, wolltest Du dann doch nicht teilen. Du, die Glucke der zu kurz gekommenen und zurückgebliebenen Frauen, bautest Dir ein finanzielles Nest in der beschaulichen und frauenfeindlichen Schweiz. Wer kann es Dir verdenken? Die Diktatur stand kurz bevor und die Gefahr, dass man Dich enteignen und in ein Konzentrationslager stecken würde, war groß.
So erinnerst Du zumindest in Deinem jämmerlichen Rechtfertigungsbrief „In eigener Sache“, in dem Du Dich wieder einmal als Opfer hochstilisierst, der sich „schmerzhaft peinlich“ liest, wie die taz in einem wachen Moment bemerkte: „Ein Wort noch zu meinen Gründen für dieses Konto: Ich habe in Deutschland versteuerte Einnahmen darauf eingezahlt in einer Zeit, in der die Hatz gegen mich solche Ausmaße annahm, dass ich ernsthaft dachte: Vielleicht muss ich ins Ausland gehen.“
Die Wahrheit sieht, wie meist, wenn Du die Lippen bewegst, anders aus. Ganz anders. In den frühen Achtzigern interessierte sich kein Mensch von Bedeutung mehr für den Feminismus. Deine goldenen siebziger Jahre waren vorbei, die Gleichberechtigung der Frau war weitestgehend erreicht, die großen Themen waren Umweltschutz und Friedenspolitik.
Und Du so? Zu der Zeit? Beehrtest uns im ersten und im zweiten und im dritten Programm mit diversen Quiz- und Talk-Show-Auftritten. Ja, ja, es muss schon eine verdammt harte Zeit für Dich gewesen sein, damals, in den Achtzigern.

Dass Du, liebe Alice, Steuern hinterzogst, höchstwahrscheinlich Schwarzgeld bunkertest, geht mir im Grunde am Arsch vorbei. Was mir nicht am Arsch vorbei geht, ist die Frage woher Dein (Schwarz-)Geld kam. Ich habe weder Zeit, noch Lust dieser Frage nachzugehen, ich hoffe, der investigative Journalismus hat noch so dicke Eier um sie in Kürze zu beantworten. Einer der führenden Köpfe der deutschen Wahrheitsbewegung verriet mir seine Theorie: „Das Geld kam möglicherweise von der CIA.“ Nur eine absurde Verschwörungstheorie? Möglich. Ich weiß es nicht. Aber hey: Auch nicht absurder als Deine eigene V-Theorie: „Ob es ein Zufall ist, dass manche bei ihrer Berichterstattung über mich gerade jetzt auf Recht und Gesetz pfeifen? Jetzt mitten in der von EMMA angezettelten Kampagne gegen Prostitution, wo es um Milliarden-Profite geht.“, fragst Du in Deinem Blog.
Aber sicher, Alice! Der Spiegel, Die Zeit, Die Welt, Die Süddeutsche, Die Bild und all die anderen stecken mit skrupellosen Menschenhändlern, geldgeilen Bordellbetreibern, eiskalten Zuhältern und privilegierten Luxushuren unter einer Decke, logisch!

Das klingt alles ein bisschen hart, meine Liebe, aber das täuscht. Ich bin Dir nicht böse, ganz im Gegenteil, ich bin Dir sogar außerordentlich dankbar dafür, dass Du endlich dem ganzen Land Deine fiese Fratze gezeigt hast. Nun wird auch dem Letzten bewusst werden, dass Du keine moralische Instanz, sondern eine doppelzüngige Doppelmoralistin bist. Wer jetzt noch nicht erkannt hat, dass es Dir zu keiner Zeit um Frauenrechte ging, sondern immer nur um Dein eigenes Vermögen, Du dafür Opfer instrumentalisiertest, Deine eigene Bewegung okkupiertest, dem ist wahrlich nicht mehr zu helfen.

Ich komme zum Schluss, meine Liebe, und nun musst Du noch mal ganz tapfer sein: Wir, also etwa 99,9 Prozent der Menschen in diesem Land, wollen Dich nie wieder sehen. Du hast Dein Recht, im Fernsehen oder wo auch immer, die Moralkeule zu schwingen, auf ewig verwirkt. Nicht Du bist das Opfer, sondern die Menschen, gegen die Du jahrzehntelang gekämpft hast, sind die Leidtragenden. Die Frauen, die Frauen sein wollen, die Männer, die Männer sein wollen, die islamischen Damen, die ein Kopftuch tragen wollen, die Prostituierten, die einfach nur ihrem Beruf nachgehen wollen, und, und, und. All diese Menschen sind dankbar, dass sie Deine vom Hass zerfressene Furchenlandschaft in Zukunft nicht mehr ertragen müssen.

Ach, und Eines noch: Du hast sicherlich mitbekommen, dass Alexander Geilhaupt und ich eine Petition gestartet haben, in der wir Dich auffordern Dein Bundesverdienstkreuz erster Klasse zurückzugeben. Lass Dich nicht lang bitten, sei einmal in Deinem Leben ein Mann und gib das Kreuz freiwillig zurück. Bevor es Dir abgenommen wird.

In diesem Sinne

Dein Oliver Flesch  

9 comments

  1. Ehrenmitglied der ÖBB

    Da sieht man wieder, was man mit der deutschen Sprache alles ausdrücken kann?
    (Kommt gleich nach Henryk. M. Broder ?)

  2. Rennziege

    Alexander Geilhaupt und Oliver Flesch (flesh?) als Starter der Petition. Allein diese Namen werden der notgedrungen asexuellen Madame Schwarzer als maskuline Konterrevolution erscheinen. 🙂
    Das ist es hoffentlich auch.

  3. Maria Kiel

    aber autsch – dem Oliver scheinen in seinem Leben schon so einige Frauen auf die Eier getreten zu sein 🙂

  4. Mme. Haram

    “Islamische Damen” “wollen” deshalb Kopftücher tragen, weil sie seit Kindesalter erleben und hören, dass Frauen Menschen 2. Klasse sind, das Kopftuch sie vor Übergriffen schützt und sie mit verbalen und nonverbalen “Argumenten” dazu genötigt werden. Sehr viele reden sich da lieber ein, dass sie das Tuch sehr gerne tragen. google: Dissonanzreduktion. Wer das wie Flesch nicht glaubt, sollte vielleicht mal den Kopf aus dem Arsch ziehen und ein Buch muslimischer Autorinnen lesen mit IQ > IQ{Kristiane Backer}.
    Dieser kleine Halbsatz macht den ganzen Brief kaputt. Der Islam als Herrschaftsideologie ist WIRKLICH sexistisch, im Gegensatz zum westeuropäischen Alltag. Da findet Schwarzer einmal ein Korn…
    Das ist auch keine Nebensächlichkeit. So eine Fehlleistung in einem Brief ist wie wenn ich am Ende der Fahrprüfung beim Einparken einen Passanten überfahre.

    zu dem Thema A. Müller http://www.feuerbringer-magazin.de/2013/02/25/eine-echte-vergewaltigungskultur-und-eine-erfundene/

    Und ihr Kreuz kann die Dame behalten. Sie soll das Steuergeld für ihr Kölner Propagandazentrum zurückgeben. Fazit: Fleschs Prioritätensetzung ist auch unterirdisch.

  5. KClemens

    @Mme. Haram

    >>>>> “Islamische Damen” “wollen” deshalb Kopftücher tragen, weil sie seit Kindesalter erleben und hören, dass Frauen Menschen 2. Klasse sind, das Kopftuch sie vor Übergriffen schützt und sie mit verbalen und nonverbalen “Argumenten” dazu genötigt werden. <<<<>>>> Und ihr Kreuz kann die Dame behalten. Sie soll das Steuergeld für ihr Kölner Propagandazentrum zurückgeben. <<<<<

    Beides wäre besser. Und noch besser wäre es, wenn man dieser ganzen Betroffenheits-, Empörungs-, und Betreuungsindustrie mal ordentlich auf die Finger und in die Bücher schauen würde. Auch z.B. Femen oder Pinkstinks lebt nicht von Luft und Liebe. Und Engagement kann sehr lohnend sein, wie man am Beispiel der Berliner Treberhilfe ja schon lernen konnte.

    Hier ein Link zur Erinnerung oder zur Info, falls nicht bekannt:

    http://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/ex-chef-der-treberhilfe-in-berlin-vor-gericht-ehlert-lobt-erst-einmal-ehlert/8691902.html

  6. Oliver Flesch

    Ihr Jungs versteht augenscheinlich nichts von psychologischer Kriegsführung. Selbstverständlich sind mir Kopftuchmädchen ein Gräuel, scheiße, ich wohne in Neukölln! Aber mit dem Islam-Absatz hole ich die Gutmenschen ab, die gegen Leute wie mich und für Alice sind. Das hat schon alles seine Wissenschaft.

    Und Maria Kiel: Dass Du meinst, wer gegen Schwarzer ist, muss von “Frauen auf die Eier getreten” worden sein, sagt Einiges über Dich aus. Mehr brauch ich auch nicht zu wissen.

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