Gratulation, Mr. Tsipras: Reeder verlassen Griechenland

“…Top-Namen der Welt der Reeder erklären sich bereit, aus Griechenland “abzulegen” und ins Ausland abzuwandern. Sicheren Informationen zufolge sollen bereits zwei von diesen den Beschluss gefasst haben, ihre Geschäftsräume und den Sitz ihrer Schifffahrtsgesellschaften in ein fremdes Land zu verlegen, wo das unternehmerische und steuerliche Umfeld sehr viel konkurrenzfähiger und hauptsächlich sehr viel stabiler ist….” (hier)

5 comments

  1. Herr Karl jun.

    Es ist nicht der Konflikt mit den europäischen Geldgebern, der Griechenland aktuell an den Abgrund gebracht hat. Der Streit mit den Europäern verstellte bisher den Blick auf die schweren Versäumnisse und die offensichtliche Inkompetenz der neuen Regierung. Während man mit der EU publikumswirksam hadert und und nicht davor zurückschreckt, in die Mottenkiste des blanken Nationalismus, des kaum verhüllten Rassismus und der aggressiven Kriegsrhetorik zu greifen, brechen im eigenen Land die ohnehin schwächelnden Staatsfunktionen um ein weiteres Stück ein: Die Steuereintreibung kommt für Monate ganz zum Erliegen, ohne dass sich der Finanzminister darum kümmert, der Sicherheitsapparat bleibt bei den zunehmenden Übergriffen von Anarchos passiv und es gibt keine einzige Maßnahme oder zumindest ein Maßnahmenversuch gegen die volkswirtschaftlich verheerenden Geldabflüsse. Gleichzeitig wurden – im Ausland unbemerkt – zahlreiche Führungspositionen im staatsnahen Bereich “umgefärbt”, weitestgehend mit unerfahrenen und/oder inkompetenten Polit-Günstlingen. Die Geldmittel der Staatsunternehmen wurden per Weisungen weitgehend abgezogen, die Sozial- und Rentenkassen von der Regierung mit einem Sondergesetz entleert und die Krankenhäuser ihrer Finanzmittel beraubt, so dass deren Medikamentendepots radikal schrumpften. Der zappeligen Hyperaktivität der Regierung bei “Nebenthemen” steht ein hartnäckiges Nicht-Handeln der Regierung in entscheidenden Politikfeldern gegenüber, dass in zwei Monaten mehr ökonomischen Schaden von bleibendem Ausmaße angerichtet hat als der Zeit der Troika jemals nachgesagt worden war. In den zwei Monaten wurde das Land so ruiniert und desorientiert und seine Leistungseliten so ernüchtert und entmutigt, dass das dritte Paket inzwischen mehr als EUR 50 Milliarden ausmachen müsste. Gerne werden Umfragen zitiert, die Tsipras einen großen Rückhalt in der Bevölkerung nachweisen wollen, doch die Griechen zeigen durch ihr Verhalten ganz genau das das Gegenteil. SYRIZA wird nicht wegen dem linken Profil scheitern, sondern wegen den inneren Widersprüchen, der eigenen Inkompetenz und der Unfähigkeit Lösungen zu entwickeln und zu implementieren.

  2. Christian Peter

    Auch Reeder sollen in Griechenland endlich Steuern bezahlen – bislang waren diese dank aberwitziger Privilegien von Steuerzahlungen befreit.

  3. H.Trickler

    Dieser “Griechenland Blog” ist m.E. nicht die Elektronen für seine Verbreitung wert.

    Und übrigens, auch in Deutschland und anderen westeuropäischen Ländern gibt es eine besonders pflegliche Steuerbehandlung für Reedereien und Reeder!

  4. Rennziege

    7. April 2015 – 12:40 – Christian Peter
    Frommer Wunsch! Die griechischen Reeder, übrigens mit atemberaubenden Tonnagen im Welthandel zugange, flaggen doch nur wegen der Steuerfreiheit und der alteingesessenen Korruption hellenisch. Sobald sich daran nur eine winzige Flatulenz ändert, lauten ihre Heimathäfen razz-fazz: Monrovia, Freetown, Conakry, Port autonome d’Abidjan, Manila, etc.
    Dort geht’s nicht minder gemütlich zu als an Griechednlands Küsten. Bakschisch für Zoll- und Steuerfreiheit, diskrete Hafenbehörden, Überprüfungen der Fracht und der Besatzung nur sporadisch. Aber herb für Griechenland, so ein Exodus, wenn die Schmiergelder nicht mehr in die landeseigene, sondern in eine andere Schmier- und Schwarzgeldwirtschaft fließen.
    Wenn nur die Preußen mehr Mitleid hätten! Die jüngst von Tsipras & Co. errechneten Reparationen von lumpigen 279 Mio. € sind doch ein Lacher für die größte Exportnation Europas. Damit wäre Griechenland doch für ca. drei Monate wieder hochliquide. Anschließend geht man die türkischen Rechtsnachfolger des Osmanischen Reichs an, dann die Briten wegen Gallipoli; schließlich den Iran, weil er durch Cyrus Hunderttausende griechische und makedonische Söldner Alexanders des Großen auf dem Gewissen hat.

    Sicher fallen den g’schickten Hellenen noch mindestens zwei Dutzend Reparationstitel ein, die sie bislang (aus purer Nächstenliebe) noch nicht in Rechnung gestellt haben. Aber durch diese sind weitere Jahrzehnte des untätigen Lebens auf anderer Leute Kosten garantiert. Just so, wie die Griechen seit ~1830 dem Wohlleben frönen durften, ohne jemals einen roten Heller an die Gläubiger zu refundieren.
    Diese Glücklichen, die noch dazu zu wichtigen EU-Mitgliedern erklärt wurden! Höchste Zeit, dass Österreich sich von ihnen den Schmäh abschaut. Denn bald werden wir den ebenfalls brauchen, heftigst überschuldet — aber leider ist unsere Chuzpe mit Raab und Figl beerdigt worden, offenbar für immer. (Man frage die Herren Faymann und Kurz, was Diplomatie ist, um auf geistige Vakua zu stoßen, die selbst im luftleeren Weltraum als bemitleidenswert gelten. — Gibt’s eigentlich die Löwinger-Bühne noch?

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