Griechenland und die Umwertung aller Wert

(ANDREAS TÖGEL) Rund einen Monat ist es jetzt her, dass mehrere griechische Minister im Zusammenhang mit der drohenden Pleite ihrer korrupten Bananenrepublik, massive Drohungen gegen den Rest Europas ausstießen. Nicht weniger als der „Export islamischer Massenmörder“ wurde in Aussicht gestellt, falls man auf ihre anmaßenden Forderungen nicht einzugehen gedächte. Hunderttausende illegale Immigranten, möglicherweise sogar Angehörige der islamischen Terroristen vom IS, sollten mit Papieren ausgestattet werden, „damit sie nach Berlin gehen können“, kündigte Verteidigungsminister Kammenos an. Ein Kommentar zu diesem unglaublichen Gangsterstück erübrigt sich.

Dass die auf diese Weise adressierten Politiker und Zentralbanker im Rest Europas, darauf nicht in schärfster Form reagiert und die Massenmedien diese Ungeheuerlichkeiten Großteils mit auffallender Zurückhaltung behandelt haben, ist als ein Symptom für den vollständigen politischen und moralischen Niedergang der Alten Welt zu werten. Denn auf einen groben Klotz gehört allemal ein grober Keil. Appeasement bringt niemals positive Resultate – gleich, ob es sich um eine Konfrontation mit deutschen Nationalsozialisten oder mit griechischen Kommunisten handelt…

Offensichtlich aber haben die aggressiven Rabauken der griechischen Regierung, ihre windelweichen europäischen „Partner“ völlig richtig eingeschätzt. Denn die sind – erneut – eingeknickt und haben sich – einmal mehr – mit nichtssagenden Erklärungen zur Bewältigung der Schuldenkrise abspeisen lassen, anstatt die Reißleine zu ziehen und den maroden Balkanstaat in die wohl verdiente Pleite zu schicken (es wäre nicht die erste seit der Premiere anno 1893). Die gefährlichen Drohungen der Griechen in Richtung Brüssel und Berlin haben offensichtlich gewirkt – möglicherweise auch deshalb, weil sie listig mit Avancen an den Gottseibeiuns des einstmals freien Westens – Zar Putin – verknüpft waren.

Dass die EZB Anfang März mit einem gigantischen Anleihekaufprogramm begonnen hat zeigt, worauf sich inzwischen alles Sinnen und Trachten der europäischen Nomenklatura richtet: Auf den Erhalt der Währungsunion – und das zu jedem Preis. Wer wird schon so spießig sein und kleinlich auf dem statutengemäß einzigen Zweck der EZB – dem Erhalt der Währungsstabilität – herumreiten? Wo es doch um etwas wesentlich größeres, nämlich um das von den europiden Machteliten unverhohlen angepeilte Ziel einer Schaffung der „Vereinigten Staaten von Europa“ geht. Was sind da schon ein paar unbedeutende Aktien- Immobilien- und Staatsanleihenblasen, die durch immer neue monetäre „Rettungsmaßnahmen“ immer weiter aufgebläht werden? Gelegentlich platzen Immobilien- und Finanzblasen eben und die Welt dreht sich dennoch weiter, so scheint das frivole Kalkül des Brüsseler Politbüros und Mario Draghis zu lauten.

Um in Zahlen zu kleiden, was gegenwärtig passiert: Seit die EZB (statutenwidrig) damit begonnen hat, die Finanzmärkte Monat für Monat mit der gigantischen Summe von 60 Mrd. Euro zu fluten, ist der DAX um 19 Prozent (!) gestiegen (Quelle: Bankhaus Rott & Frank Meyer). Ohne dass sich an den gewöhnlich für die Aktienkurse relevanten Fundamentaldaten der Wirtschaft und / oder den Prognosen für die kommende Zeit etwas zum Besseren gewendet hätte. Jenseits des Atlantiks, in den USA, sieht es nicht viel anders aus. Dort hat der Staat, unter tatkräftiger Unterstützung durch das FED, mittlerweile die unvorstellbare Schuldensumme von 18,2 Billionen USD (2007 waren es „nur“ 8,9 Billionen) aufgetürmt. Auch in den USA hängen Konjunktur und Aktienbörsen an der Nadel der in Rekordtempo Geld schöpfenden Notenbank.

Seit vielen Jahren werden die Vermögenswerte – weltweit – mittels Zinsmanipulation und lockerer Geldpolitik, künstlich erhöht. Die Aktienbesitzer werden natürlich kaum Widerstand gegen die Währungsinflation leisten, solange dadurch die Kurse ihrer Anlagen steigen. Steigende (nominelle) Vermögenswerte aber befeuern die nicht enden wollende Debatte um die „aufgehende Schere zwischen Arm und Reich“. Und die mündet obligatorisch in der Forderung nach weiteren politischen Interventionen in die Märkte. Am Ende ist an jeder (vermeintlichen oder tatsächlichen) Fehlentwicklung nämlich immer „der Kapitalismus“ schuld, niemals Inkompetenz und Niedertracht der politischen Eliten. Merke: Der Weg zur zentral gelenkten Planwirtschaft ist mit Interventionen gepflastert.

Zurück nach Griechenland: Mit der pünktlich Anfang April erfolgten Zahlung von 450 Mio. Euro an den IWF, hat sich Griechenland erneut einen runden Monat Zeit erkauft. Dann nämlich ist die nächste Umschuldungsaktion fällig. Zeit, in der, wie man den Worten des dynamischen Duos Tsipras / Varoufakis entnehmen kann, an keinerlei Reformanstrengungen gedacht ist.

Wer wird dann wohl einspringen, nachdem man für den zurückliegenden 450-Million-Coup (regelwidrig!) ELA-Kredite im Umweg über die griechischen Privatbanken eingesetzt hat?

Von grundsätzlicher Bedeutung aber ist die Frage, ob es sinnvoll sein kann, einen Staat über Wasser zu halten, der aus eigener Kraft nicht annähernd ausgeglichen bilanzieren kann? Einen Staat, der Monat für Monat rund 20 Prozent mehr ausgibt, als er einnimmt? Wie intelligent ist es, ein Land dauerhaft mit Krediten am Leben zu erhalten, in dem man seit Jahrzehnten, über seine Verhältnisse lebt?

Gutheißen werden diese Politik nur diejenigen, die darauf aus sind, die „Vereinigten Staaten von Europa“ quasi durch die Hintertür – im Wege einer Transferunion – und zwar gegen den Willen einer überwältigenden Mehrheit der EU-Bürger, zu etablieren.

Was in der Spätzeit des Wohlfahrtsstaates auf nationaler Ebene geschieht, wird mittlerweile eben auch im großen EU-Konzert zelebriert: Belohnt wird, wer sich bequem zurücklehnt und andere für sich schuften lässt. Bestraft wird, wer seine Ärmel aufkrempelt und – im wahrsten Sinn des Wortes – etwas unternimmt. Wer die Früchte seiner Arbeit behalten möchte, wird als „gierig“ und „unsozial“ gebrandmarkt. Wer seine Finger unentwegt in die Brieftaschen fremder Leute steckt, verhält sich dagegen „solidarisch“. Fridrich Nietzsche schrieb einst von der „Umwertung aller Werte“. Genau damit haben wir es, im Rahmen der derzeit von der EU gebotenen Groteske, zu tun.

Je länger die griechische Farce andauert (von einer Tragödie zu sprechen, verbietet die Armseligkeit der involvierten Akteure), desto näher rückt Europa dem erschreckenden Szenario eines zentralistischen, sozialistisch-totalitären, von den Produktiven zu den Unproduktiven umverteilenden Gouvernantenstaates. Besonders die Jungen, die sich nicht zur Auswanderung entschließen können, sind wahrlich nicht zu beneiden…

13 comments

  1. aneagle

    auf diese trefflich geschilderte Weise erhält der einstmals freie Westen das, was er angeblich mit der EU schon seit langem hat: das ultimative Friedensprojekt. Kein Wunder, dass die nicht so friedlichen Briten aussteigen werden! Gilt doch in der EU immer deutlicher die bekannte Parole der DDR, knapp vor dem Mauerbau: “Rette sich wer kann”

  2. Thomas Holzer

    Mit Verlaub, Herr Tögel; aber Sie verstehen das nicht, Sie sehen nicht die großen Zusammenhänge.
    Es geht doch schlicht und einfach um den Erhalt des so erfolgreichen Friedensprojektes EU-Europa; deswegen haben “unsere” hoch aktiven Politikerdarsteller einfach keine Zeit, auf die von Ihnen angeführten, wahrlich vernachlässigbaren Petitessen Rücksicht zu nehmen, geschweige denn geschlossene Verträge einzuhalten 😉
    Wenn es um das große Ganze geht, dann muß man ein paar lächerliche Kollateralschäden schon in Kauf nehmen; man darf halt das Ziel nie aus den Augen verlieren (wie uns die Geschichte lehrt, respektive lehren sollte)

  3. Thomas Holzer

    @aneagle
    Niemand hat die Absicht, die Transferunion einzuführen

    Niemand hat die Absicht, ein Imperium zu errichten

  4. Klaus Kastner

    “Von grundsätzlicher Bedeutung aber ist die Frage, ob es sinnvoll sein kann, einen Staat über Wasser zu halten, der aus eigener Kraft nicht annähernd ausgeglichen bilanzieren kann? Einen Staat, der Monat für Monat rund 20 Prozent mehr ausgibt, als er einnimmt? Wie intelligent ist es, ein Land dauerhaft mit Krediten am Leben zu erhalten, in dem man seit Jahrzehnten, über seine Verhältnisse lebt?”

    Man könnte fast meinen, dass es sich hier um Österreich handelt (meines Wissens hat der österreichische Staat seit rund 50 Jahren nicht mehr innerhalb seiner Verhältnisse gelebt). Der Unterschied ist allerdings, dass der österreichische Staat nicht über Wasser gehalten werden muss, sondern dass die Märkte dies (bisher noch) freiwillig tun.

    Zu Griechenland muss man schon ein paar ‘mildernde Umstände’ erwähnen.

    Griechenland hatte 2009, im letzten Jahr vor dem Zusammenbruch, Staatsausgaben von 128 Mrd.EUR (inkl. Zinsen). 2014 betrugen diese Staatsausgaben ‘nur’ mehr 88 Mrd.EUR. Das ist, bitteschön, nicht wie in Österreich, wo man unter ‘sparen’ einfach eine Spur weniger Ausgabenwachstum versteht, sondern das ist eine NOMINELLE REDUKTION von Ausgaben iHv 40 Mrd.EUR. Fast ein Drittel der Staatsausgaben von 2009 wurden eliminiert. Ich glaube nicht, dass es dafür in der entwickelten Welt einen Präzedenzfall gibt.

    Als % des BNP sanken die Staatsausgaben von 54% auf 49,3% in obiger Periode. Wenn man bedenkt, dass in dieser Zeit das BNP um rund 25% gesunken ist, dann sind das schon dramatische Veränderungen. Egal, wie richtig obiger Artikel sonst ist und egal, wie hoffnungslos der Fall Griechenland ist, es wäre wahrscheinlich hilfreich, wenn man auch darauf hinweisen würde, dass die Griechen in den letzten 5 Jahren schon dramatische Einschnitte verkraften mussten. Vielleicht nur ein Erwachen zur Realität, aber trotzdem.

    Siehe Seite 19: http://www.statistics.gr/portal/page/portal/ESYE/BUCKET/General/greek_economy_17_04_2015.pdf

  5. Klaus Kastner

    Ich hätte noch darauf hinweisen sollen, dass Griechenland 2014 einen Primärüberschuss hatte, d. h. vor Zinsen war es ein Plus von 0,4% des BNP. Nach Zinsen ein Minus von 3,5%, aber selbst das ist nicht weit von Maastricht entfernt.

  6. sokrates

    Die USA will Griechenland als östliche Flanke in der Nato halten! daher haben die Narrenfreiheit, wie viel auch immer den Europäern das kostet!

  7. Thomas Holzer

    Austritt aus der Eurozone bedingt nicht Austritt aus der Nato; die “wirkliche” Ostflanke der Nato ist die Türkei

  8. sokrates

    Thomas Holzer@ Austritt Eurozone / Natoaustritt? – Natürlich nicht; doch sie sehen ja schon die Panikreaktionen der EU – Vasallen wenn die Griechen mit Putin flirten!

  9. Zaungast

    @ Klaus Kastner

    Die “mildernden Umstände” sehen auf den ersten Blick beeindruckend aus, sind es aber nicht, wenn man die Zahlen über einen längeren Zeitraum betrachtet und nicht nur 5 Jahre aus dem Zusammenhang herauspickt.

    Tatsächlich haben sich BIP und Staatsausgaben Griechenlands nach 2000 sehr aufgebläht mit der Spitze um 2009. Danach sind diese Werte quasi von ihrem Höhenflug wieder heruntergekommen. Die Werte von 2014 sind – allerdings nominal – ungefähr auf dem Niveau von 2004, was sich jedoch verbessert, d. h. verringert hat, ist das Defizit.

    Und ja, Sie haben ganz recht: Österreich sollte vor seiner eigenen Tür kehren, da gibt es mehr als genug Dreck. Die nächsten Jahre und Jahrzehnte werden spannend, wenn man z. B. an die Ausgabendynamik im Sozialbereich denkt. Auch für Österreich dürfte – wie für Griechenland – gelten:

    “Nur aufgrund eines rationalen Überlegungsprozesses kann man Reformen nicht einleiten. Reformen kommen erst dann, wenn alles am Boden liegt. Ohne Crash ist nix.”
    (Herbert Krejci, Ex-Generalsekretär der Industriellenvereinigung)

  10. Christian Weiss

    Die (inzwischen sehr wenigen) EU-Befürworter in der Schweiz wollen uns Bürgern ja immer auch ein bisschen die Grösse und die “Offenheit” der EU schmackhaft machen. Die Mitgliedschaft in diesem Imperium wird ebenso zum Selbstzweck wie das Imperium selbst. Es spielt keine Rolle, ob sich die Lebensumstände für die Bürger verbessern. Es geht um “Grösse”, “Einigung”, “Völkerverbindung”. Das verblüffende ist, dass irgendwie keiner dieser EU-phoriker merkt, dass das völlige Hohlphrasen sind. Ich fühle mich als Mensch nicht plötzlich einem Spanier näher, nur weil wir der gleichen unseligen Rechtsprechung unterworfen sind. Alles Schall und Rauch und im Kern eine Geisteshaltung, die nicht von rationalen Erfahrungen lebt, sondern von einem unbestimmten Gefühl der Glorie. Es heisst jetzt nicht mehr Faschismus, Nationalsozialismus oder Kommunismus, aber es ist immer noch der gleiche Irrsinn, der die Vision zum Selbstzweck erhöht. Und es ist zum verrückt Werden, dass das diesen EU-Apologeten und Knalltüten nicht auffällt, dass sie nicht merken, dass ihre Visionen sich nicht nach dem Bürgernutzen richten, obwohl das der einzige Rechtfertigungsgrund für eine staatliche oder suprastaatliche Organisation ist.

  11. Klaus Kastner

    @ Zaungast
    Ja, Sie haben Recht. Deswegen habe ich gesagt “Vielleicht nur ein Erwachen zur Realität, aber trotzdem”. Es ist eine Sache, ein unrealistisches Wohlstandsniveau zu erreichen und sich daran zu gewöhnen. Eine andere Sache ist es, das Wohlstandniveau – selbst wenn man einsieht, dass es unrealistisch ist – wieder aufzugeben. Ich glaube, es war Milton Friedman, der einmal gesagt haben soll: “Es ist ganz leicht, eine neue Sozialleistung ins Leben zu rufen, aber es ist fast unmöglich, sie wieder zurückzunehmen”.

  12. H.Trickler

    @Klaus Kastner:
    Autor Tögel wird sich von den Banalitäten statistischer Werte nicht vom Poltern abhalten lassen. Und in gewissen Punkten hat er ja leider Recht, wobei ich zu bezweifeln wage dass ein solcher Rundumschlag irgend etwas Positives bewirken könnte (ausser dass sich der Autor nachher besser fühlt 😉

  13. PP

    @sokrates
    “Die USA will Griechenland als östliche Flanke in der Nato halten! daher haben die Narrenfreiheit, wie viel auch immer den Europäern das kostet!”

    Freilich geht es im Kern nur darum. Das wissen Griechen, Amis, NATO, EU.
    Die Griechen – nicht blöd – treiben den Preis ihrer geostrategischen Position in die Höhe. Das ist zwar fies, aber wenn man nix mehr zum Verkaufen hat, logisch und zwangsläufig. When the going gets tough, the tough get going!
    Und wirklich: Die Griechen bescheißen schon traditionell ihren eigenen Staat. Was soll da eine supranationale Einrichtung wie die EU ausrichten?

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