Griechischer Schein

Von | 18. Februar 2017

(Christian Ortner) Erinnern Sie sich noch an die große Griechenland-Krise 2015, als in den Medien tagaus, tagein im permanenten Krisenmodus über die Defacto-Pleite der Hellenen berichtet wurde, Bilder von geschlossenen Banken und abgeschalteten Geldautomaten um die Welt gingen und Pessimisten das Ende der ganzen Eurozone nahen sahen?

Mittlerweile hat eine ganze Kollektion neuer Krisen die griechischen Zores aus den Schlagzeilen verdrängt, Donald Trump löst Alexis Tsipras als Bösewicht vom Tag ab (oder als Held, je nach Gusto des Publikums). Das bedeutet bedauerlicherweise allerdings nicht, dass Griechenland in irgendeiner Art und Weise über den Berg wäre; ganz im Gegenteil. Der Problembär Nummer eins der Eurozone kann jederzeit wieder ganz mächtig Ärger machen. Etwa, wenn die Gläubigerstaaten zu dem Schluss kommen, dass Griechenland seinen Reformverpflichtungen nicht ausreichend nachkommt, und deswegen den Geldhahn zudrehen.

Denn die vermeintliche Rettung Griechenlands ist im Grunde einer ökonomischen Lebenslüge geschuldet, die zu glauben alle anderen EU-Staaten vorgeben, um zu verhindern, was längst fällig wäre: eine Insolvenz des Landes samt Austritt – und sei er nur vorübergehend – aus der Eurozone. Stattdessen gehen die Partner und vor allem die Großgläubiger in der EU allen Ernstes nach wie vor davon aus, dass die Griechen ab 2018 Jahr für Jahr einen Haushaltsüberschuss von 3,5 Prozent erwirtschaften soll, und zwar auf viele Jahre hin. Nur so wäre ja der Schuldenberg von derzeit fast 180 Prozent der Wirtschaftsleistung langsam regulär abzutragen.

Dass das auch nur annähernd gelingen kann, ist völlig undenkbar. Da könnte man gleich hoffen, dass der Finanzminister in Athen die Schulden seines Landes mithilfe regelmäßiger Jackpots in der Euromillionen-Lotterie begleicht. Deshalb sind im Grunde nur drei Lösungen denkbar, die freilich eines gemeinsam haben: Sie sind außerordentlich unerfreulich, kostspielig und politisch schmerzhaft.

Erstens: Die Gläubigerstaaten lassen den Griechen ihre Schulden zumindest teilweise nach. Österreich ist insgesamt mit Krediten und Haftungen von knapp zehn Milliarden Euro dabei. Ein solcher Schuldenschnitt wäre nach den Regeln des Maastricht-Vertrages allerdings ein klarer Rechtsbruch.

Zweitens: Athen tritt doch noch aus der Eurozone aus. Der Staat wäre dann binnen Tagen pleite, weil er seine Schulden in Euro mit dann stark abwertenden Drachmen bedienen müsste. Die Folge wäre ganz ähnlich wie in Variante eins.

Drittens: Die europäischen Gläubigerländer fügen dem aktuellen dritten Rettungspaket ein viertes, fünftes und noch viele weiter hinzu. Griechenland würde dann de facto auf Dauer vom Rest Europas alimentiert. Auch das wäre ein glatter Rechtsbruch – und vor allem auch ein Bruch des politischen Versprechens bei der Euro-Einführung, dass dergleichen nie geschehen werde.

Da heuer in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden gewählt wird, ist davon auszugehen, dass das Problem nicht gelöst, sondern im Wege kollektiver politischer Prokrastination weiter verschleppt und damit in Wahrheit noch weiter vergrößert wird. Die Realität wird, wieder einmal, verweigert werden. (WZ)

10 Gedanken zu „Griechischer Schein

  1. Thomas Holzer

    Punkt 3 stellt meiner bescheidenen Meinung nach keine Lösung des Problems, sondern nur ein Verschleppung desselben dar. Einzig dem Bestreben der beteiligten Politikerdarsteller geschuldet, die Kosten auf Andere zu überwälzen; daß es dadurch immer teurer wird, scheint niemanden zu interessieren, leider.

  2. sokrates9

    Rechtsbruch? Ist doch in der EU Standard! Besonders stört die Griechen der Status quo anscheinend nicht, da sie derzeit gerade um 1,6 Milliarden Euro amerikanische F-16 Kampflugzeuge ( gegen die Flüchtlinge??) bestellen wollen!!

  3. Christian Peter

    Tun wir nicht so, als gäbe es nur in Griechenland Probleme, halb Europa liegt 24 Jahre nach Einführung des Binnenmarkts wirtschaftlich darnieder. Es bedarf daher ganzheitlicher Konzepte, die Zentrslisierung der Handals- und Währungspolitik in Europa ist gescheitert.

  4. mariuslupus

    Griechenland war in der Antike ein Vorreiter der europäischen Zivilisation. Griechenland nimmt im 21. Jahrhundert wieder eine Vorreiterrolle ein. Dort wo die Griechen jetzt sind, der EU sei dank, wird die EU, in ein paar Jahren auch sein.
    Die Ratten sind kluge Tiere, die Intelligenz der Faultiere sollte man nicht überschätzen.

  5. Dieter Hausammann

    Die Griechenlandrettung war schon gescheitert bevor sie beschlossen und durchgezogen wurde. Die Verantwortlichen für dieses Chaos sind zum Grossen Teil nicht mehr in der Politik sonder auf irgendeinem Ausgedinge Posten. Herr Pröll zum Beispiel.
    Es ging nie um die Rettung Griechenlands sondern immer um die Rettung (nicht nur ) französischer und deutscher Banken die Griechenland diese Anleihen gewährt haben, weil sie sich darauf verlassen haben vom EU Steuerzahler gerettet zu werden.
    Herr Tsipras, der mit ehrlichen Prinzipien angetreten ist, wurde in Brüssel weich geklopft, vielleicht auch einfach bestochen wie viele Andere.
    Jetzt werden die Nachfolger dieser Entscheidungsträger genau das gleiche wieder machen und wenns brenzlig wird, ins Ausgedinge gehen. Der EU Steuerzahler wird neuerlich über den Tisch gezogen. Leider merkt er es nicht! Er ist leider auch so dumm, dass er die gleiche Partei wieder wählt …..

  6. Gerald Steinbach

    Es ist ein Mär das mit den Hilfsgeldern nur die Banken gerettet wurden, ein Staat könnte immer seine Schulden durch Privatisierungen und Verkäufen durch Assets zurückzahlen, aber da hapert es schon gewaltig in Griechenland.
    Das Problem ist das in G keine Steuern gezahlt werden und da meine ich nicht nur den Oligarchen, alleine beim Tourismus das viel zum BIP beiträgt kann ich mir schon vorstellen wie viel da am Staat vorbeigeht
    Un der “ehrliche” Tsipras frönt die Vetternwirtschaft genau so weiter wie seine Vorgänger und bringt nix weiter, genau so wie seine Vorgänger

  7. Gerald Steinbach

    Vergleich Griechenland mit Österreich ist durchaus zulässig, aber es gibt einen großen Unterschied zwischen den beiden Ländern, in Österreich funktioniert die Steuereintreibungsmaschine ausgezeichnet

  8. Johannes

    Die echten wirklich substantiell die EU gefährdenden Probleme sind nicht, wie uns oft weis gemacht werden soll die kritischen Menschen, der Normalbürger der langsam aber sicher immer öfter fragt was soll das.

    Nein diese Probleme wie eben, als Beispiel Griechenland, wurden von den politischen Eliten verursacht da hat kein EU Gegner mitgemischt das waren die welche überall Gefahren für die EU sehen ganz alleine.

    Die größte Gefahr für die EU sind jene welche durch falsche Währungs- und Wirtschaftspolitik die Union gerade jetzt an die Wand fahren. Und es sind genau jene Politiker welche im Moment am lautesten “haltet den Dieb“ rufen.

  9. Gerald Steinbach

    Johannes
    Griechenland hatte lange vor den politischen Eliten einen Schuldenberg und der jetzige Schuldenberg kommt von vorigen Schuldenberg und dieser wiederum…

  10. Christian Peter

    @Johannes

    ‘Die größte Gefahr für die EU sind jene, welche durch falsche Währungs- und Wirtschaftspolitik die Union an die Wand fahren’

    Das Problem ist, dass die EU überhaupt Währungs- und Wirtschaftspolitik betreibt. Dass das nicht funktioniert, sollte 24 Jahre nach Einführung des Binnenmarktes offenkundig sein. Währungs-, Handels- und Wirtschaftspolitik sollten wieder renationalisiert werden, das bewährte sich und hat in Europa jahrzehntelang hervorragend funktioniert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.