Griechischer Schein

(C.O.) In jeder Diskussion über die bedauernswerte ökonomische Lage der Griechen wird früher oder später ein Argument vorgebracht, das mittlerweile nahezu den Charakter eines Dogmas hat: Dass nämlich ein großer Teil jener mehr als 200 Milliarden Euro, die Griechenland bisher an Finanzhilfen überwiesen worden sind, “in Wahrheit bei den Banken in Deutschland und Frankreich gelandet ist, ohne dass die griechische Bevölkerung etwas davon gehabt hat”. Das Ganze sei also keine Rettung der Griechen, sondern eine Rettung der Banken gewesen. Was natürlich, auch wenn es meist so nicht ausgesprochen wird, impliziert, dass nun auch der Bevölkerung mit neuen Hilfszahlungen geholfen werden müsse.

Ein scheinbar überzeugendes Argument mit einem einzigen kleinen Nachteil: Es stimmt so einfach nicht.

Wahr ist, dass tatsächlich rund 80 Prozent der bisherigen Hilfszahlungen an Griechenland von der dortigen Regierung verwendet wurden, um die Schulden des Landes bei den (meist westeuropäischen) Banken zu begleichen, die damit tatsächlich vor gröberen Zores bewahrt wurden. Rein buchhalterisch betrachtet, trifft also vorerst zu, dass das Gros dieser Gelder nicht in Griechenland blieb, sondern den Gläubigerbanken zugute kam.

Wirtschaftlich betrachtet – und das zählt – sind hingegen sehr wohl die (meisten) Griechen die Empfänger und Nutznießer dieser enormen Beträge gewesen. Denn jene Griechen-Schulden bei den Banken, die nun durch entsprechend hohe Hilfszahlungen an Athen (teilweise) getilgt wurden, sind ja nicht vom Himmel gefallen. Sie sind entstanden, weil sich die griechischen Regierungen im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte diese Gelder bei den Banken ausgeborgt haben und damit Autobahnen und Olympiastadien gebaut, einen gigantischen Beamtenapparat finanziert, Steuerhinterziehung vom Oligarchen bis zum kleinen Kafenion-Betreiber augenzwinkernd akzeptiert und ganz allgemein mit dem Geld um sich geworfen haben, als gäbe es kein Morgen.

Es ist also vollkommen unzutreffend, dass die Hilfsgelder der EU “nicht bei den Griechen angekommen” seien. Das sind sie durchaus, aber eben in den Jahren vor dem Zusammenbruch und den Rettungspaketen. Bei wirtschaftlich korrekter Betrachtung haben sich jene rund 200 Milliarden, die von den EU-Staaten via Athen an die Banken zurück gingen, in den Jahren davor wie ein permanenter Geldschleier über Griechenland gelegt, und (fast) alle profitierten, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß, davon.

Das macht auch eine vernünftige Lösung der griechischen Schuldenproblematik so schwer. Denn nur jene Schulden haben es Griechenland ermöglicht, insgesamt einen Lebensstandard aufrecht zu erhalten, den das Land selbst nicht einmal annähernd erwirtschaften konnte und den es auch in absehbarer Zukunft nicht wird erwirtschaften können.

Natürlich ist denkbar, dass die EU einfach akzeptiert, das kleine Land ad infinitum zu alimentieren. Dass dies den Steuerzahlern in den Geberländern zu vermitteln sein wird, ist freilich eher nicht zu vermuten. Die einzigen denkmöglichen Alternativen dazu sind eine wenig befriedigende endgültige Rückkehr der Griechen zu jenem bescheidenen Lebensstandard, den sie selbst erwirtschaften können. Oder ein realistischer Plan, wie sie in Zukunft ausreichend viel Geld selbst verdienen können – ein Plan, den nur leider derzeit niemand wirklich hat, weder in Athen noch in Brüssel. (WZ)

34 comments

  1. Klaus Kastner

    Hier ist ein Denkfehler. Es geht primär nicht darum, ob es ein bail-out von Griechenland oder von Banken war (es war letzterer), weil das für Griechenland genau Null Unterschied ausmacht. Alles, was das für Griechenland bedeutet hat, war ein Gläubigerwechsel von privaten Gläubigern auf Steuerzahler der finanzierenden Länder. Nichts hat sich dadurch auf die Höhe der griechischen Schulden ausgewirkt.

    Wer also wirklich revoltieren sollte, sind nicht die Griechen, sondern die Steuerzahler der finanzierenden Länder. Hätte man die Banken nicht ausbezahlt, dann hätte man sie direkt retten müssen und dann hätten die Steuerzahler zumindest etwas im Gegenzug erhalten, nämlich Teileigentum von Banken. So wie es gemacht wurde, haben die Steuerzahler genau Null im Gegenzug bekommen und die Verluste werden sie noch bekommen.

  2. mike

    vollkommen richtig geschildert, Herr Ortner. Aber es gibt natürlich viele, die genau das nicht hören wollen und sich lieber auf die angeblich so dumme EU stürzen. Die meisten wissen wirklich nicht, was los ist. Deswegen freuen sich die auch auf die Entwicklungen in Spanien und Portugal.

  3. cmh

    nicht ganz ot:

    Üb immer Treu und Redlichkeit bis an dein kühles Grab!

    Hallo – versteht das jemand?

  4. Christian Peter

    Das Märchen vom ‘armen Süden’ : Private Vermögen in Südeuropa deutlich höher als in Nordeuropa. Volkssport Steuerhinterziehung in Griechenland : Steuerentgang etwa 29 Milliarden Euro jährlich.

    Vermögensvergleich per Haushalt :

    Griechenland : 101.900 Euro
    Spanien : 182.700
    Italien : 173.500
    Österreich : 74.400
    Deutschland : 51.400

  5. Selbstdenker

    Ja, es hat eine Umschichtung des Haftungsrisikos von privaten Gläubigern zum Steuerzahler stattgefunden.

    Und der Lacina weiss wie sich abzeichnende Verwerfungen in den Haushalten der Geber-Länder finanzieren lassen: “in der Vergangenheit wurden große Vermögen von staatlicher Seite gerettet … deshalb sei es fair, dass die Rettungsaktionen über die Vermögenssteuer zurückgezahlt werden”

    Heisst im Klartext: die Gläubiger der Griechen, der HAA, etc. wurden – ohne die Steuerzahler zu fragen – gerettet. Deshalb sollten all jene, die in solche Geschäfte zwar nicht verwickelt waren, aber dennoch über ein Vermögen verfügen, über eine Steuer auf ihre Vermögenssubstanz zur Rettung beitragen.

    Der Defraudant wird vom Staat gerettet und der Solide soll die Kosten dafür an den Staat überweisen.

    Weil “Gerechtigkeit muss sein!”.

  6. Syria Forever

    Shalom Herr Ortner.

    Trifft diese Geschichte nicht auf alle EU Staaten zu? Welcher EU Staat hat nicht, z.T. exorbitant, über deren Verhältnisse gelebt? Alle haben Schulden. Die EU ist Schulden Umschichtung und das wird solange betrieben bis das letzte “Geberland” nicht weiterhin zahlen kann weil dessen Bürger auf der Strasse stehen. Ohne Job oder mit Transparenten, einerlei.

    Guten Sonntag

  7. Christian Peter

    @Syria Forever

    bloß bedienen diese Staaten ihre Schulden und hängen nicht am Tropf der Steuerzahler fremder Länder – wie die Griechen.

  8. Mourawetz

    Herr Kastner, den Griechen wurde durch die Überweisung von 200 Mrd. Euro Zeit gekauft. Nämlich Zeit, um den Staatsbankrott, der ansonsten unmittelbar ins Haus gestanden wäre, abzuwenden. Die Griechen haben ihr Fitnessprogramm wenn auch widerwillig absolviert. Aber der Erfolg kann sich sehen lassen, sie stehen heute mit einem Primärüberschuss von einigen Milliarden da. Soll also heißen, müsste das Land nicht Kredite und Zinsen seiner Altlasten zurück zahlen, wäre der Staatshaushalt saniert. Zeit also, sich auf griechisch zu verabschieden und den Nachbarn ein Vergelts Gott zuzurufen. Seine Schulden zurück zahlen oder vielleicht gar ein kleines Dankeschön? Nicht bei den Griechen. Ja vielleicht so: Danke schön, dass ihr so deppert wart und uns vertraut habt. Wahrscheinlich halten sie sich und den griechischen Weg auch noch für besonders gescheit. Dahinter allerdings nur verbrannte Erde. Mit Gruß des gestreckten Mittelfingers. Aus der Wiege der europäischen Zivilisation.

    Der neue Finanzminister Varoufakis wird als Kenner der Game Theory deren erfolgreichste Strategie kennen. Tit for that. Wie du mir so ich dir. Griechenland tritt nun seinen Gläubigern mit dem Fuss ins Gesicht.  Sagt man so Danke für die geleistete Nachbarschaftshilfe?  Behandelt man so seine Nachbarn? Hackt man die Hand ab, die einem gerade noch aus der Schuldenfalle geholfen hat? Europa wird es sich in Zukunft zweimal überlegen, Griechenland aus der Patsche zu helfen. Aber es gibt ja noch andere. Die Russen warten schon darauf, die Griechen unterstützen zu dürfen. Auf gehts zu neuen Ufern, das nächste Opfer Griechenlands wartet bloß um die Ecke.

  9. A.Felsberger

    In 14 Jahren Euro-Mitgliedschaft hat Griechenland 13 mal ein Leistungsbilanzdefit und nur einmal einen Leistungsbilanzüberschuss ausgewiesen. Das akkumulierte Leistungsbilanzdefizt Griechenlands ist astronomisch und entspricht der Aussenverschuldung des Landes. Wann immer Griechenland in der Welt einkauft, erhöht sich seine Aussenverschuldung, wann immer es an die Welt verkauft, reduziert sich seine Aussenverschuldung. Das Aggregat “Griechenland” besteht aus den Untergruppen: a) Staat, b) Unternehmen und c) Haushalte. Nach wie vor wird die Diskussion so geführt, als ob der griechische Staat alleine das Problem sei. Das ist falsch. Das Problem ist zunächst einmal das Aggregat “Griechenland” mit seinem akkumulierten Leistungsbilanzdefizit. Strukturmaßnahmen wären mit dem Ziel zu verfolgen: das Leistungsbilanzdefizit Griechenlands in einen Überschuss zu verwandeln, denn nur, wenn die Aussenverschuldung des Aggregats fällt, kann sich auch die Verschuldung der Untergruppen abbauen. Die Frage lautet also nicht: Wie zwingt man den griechischen Staat Budgetdisziplin auf?, sondern: wie schafft man es, dass Griechenland endlich mehr exportiert als importiert?

    PS: Letztes Jahr hatte das Aggregat “Griechenland” erstmals einen leichten Leistungsbilanzüberschuss erwirtschaftet. Zustande kam der über einen Anstieg der Exporte (v.a. Tourismus) und einer Reduktion der Importe. Das heisst: das Aggregat “Griechenland” hat erstmals einen Zustand erreicht, wo es sich gegenüber der Welt nicht weiter verschuldet (was natürlich nicht für eine Untergruppe wie den griechischen Staat gelten muss). Damit kann man sagen, dass das griechische Volk erstmals auf dem Niveau lebt, das ihm unter den Bedingungen des Euros auch tatsächlich entspricht. Ein Austritt aus dem Euro würde die Aussenverschuldung “Griechenlands” rasant abbauen, einmal über Konkurs des Staates, das andere Mal über Reduktion der Importe, schliesslich über höhere Einnahmen aus dem Tourismus. Man hat also die Wahl zwischen einem Euro-Leidensweg, der Jahrzehnte dauern kann, wo das akkumulierte Leistungsbilanzdefizit sich kaum abbaut, oder einen schnellen Operation “Euro-Ausstieg”, die das Problem Aussenverschuldung schlagartig beseitigt.

  10. Rennziege

    1. Februar 2015 – 13:20 Mourawetz
    Die Russen warten schon darauf, die Griechen unterstützen zu dürfen.
    Die Frage ist nur: Womit? (Heutzutag’, in der allseits geförderten Degeneration der deutschen Sprache, gern als “Mit was?” gestellt.) Die von den Griechen gespielte russische Karte ist ein Nonvaleur, da auch W.W. Putin ziemlich “neger” ist. Da nützt keine Spieltheorie und kein “tit for tat”. Denn diese englische Redewendung bedingt, dass das “tit” dem “tat” einigermaßen gleichwertig ist.

  11. Klaus Kastner

    @ A. Felsberger
    Ich darf vielleicht ergänzen: nicht nur in seinen 14 Jahren Euromitgliedschaft hat Griechenland nur einmal einen Leistungsbilanzüberschuss gehabt (2013), sondern in allen Jahren seit seiner Unabhängigkeit 1832. 2014 wird das zweite Jahr mit einem Leistungsbilanzüberschuss sein. Also, der Trend geht aufwärts…

    Man muss aber folgendes dazu sagen. Nachdem die griechische Wirtschaft bei weitem nicht die Bedürfnisse ihrer Bürger befriedigen kann, wird konsequenterweise immer importiert, solange Kaufkraft da ist. Durch die Troika-Massnahmen wurde die Kaufkraft stark geschwächt und es kam zum Leistungsbilanzüberschuß nicht wegen stark gestiegener Exporte (Exporte sind seit 2008 nur ganz leicht gestiegen), sondern fast ausschließlich durch reduzierte Importe. Wenn jetzt SYRIZA mehr Kaufkraft unter die Leute bringt, dann werden die Importe gleich wieder steigen und das wird solange der Fall sein, solange Geld vorhanden ist und solange es zu keinen wirklichen Reformen in der Wirtschaft kommt.

  12. Mourawetz

    Rennziege, glauben Sie wirklich, dass Russland blank ist? Das macht Putin uns vielleicht vor und viele fallen auch darauf rein. Aber bei Währungsreserven von 400 Mrd. Dollar hat Putin genug Spielkapital um mit Varoufakis eine Partie Tit for Tat zu spielen. Und nein, er wird nicht die Schulden des ägäischen  Club Meds bei der EZB begleichen, so dumm ist er nicht.

  13. Christian Peter

    Der Euro ist nicht das Hauptproblem der Griechen, sondern eine seit Jahrzehnten (Jahrhunderten) währende Misswirtschaft und Korruption. Es würde schon reichen, wenn die Griechen von ihrem Volkssport Steuerhinterziehung ließen, dem griechischen Fiskus entgehen dadurch etwa 29 Milliarden Euro pro Jahr. Die Schattenwirtschaft in Griechenland beläuft sich auf etwa 40 % des BIP – der absolute Spitzenwert in Europa. Selbst Italiener, Spanier und Portugiesen sind vergleichsweise Musterschüler, deren Anteil der Schattenwirtschaft beläuft sich auf etwa 23 % bzw. 2o %, 20 %.

  14. Mario Wolf

    Die aktuelle griechische Bevölkerung lebt in einem Bewustsein von Untertanen. Die griechische Identität fusst auf der jahrhundertelangen Tradition der Okupation durch das Osmanische Reich. Einem Besatzer gegenüber gibt es keine Loyalität, sondern der Besatzer wird hintergangen. Diese Tradition wurde in Griechenland auf den eigenen Staat ohne Abstriche übertragen. Im anarchistischen Bewustsein des unterdrückten ist jede Obrigkeit ein Ausbeuter. Fazit: Man sollte endlich aufhören mit der Glorifizierung von Griechenland als Wiege der europäischen Demokratie. Auf diesen Trugschluss ist schon Lord Byron reingefallen.

  15. A.Felsberger

    @ Kastner. Stimmt! Man neigt dazu das heutige Leiden Griechenlands zu überschätzen, das Volk war immer in einer bedauernswerten Lage. Heute bleiben ihnen wenigstens Bürgerkrieg und Militärdiktatur erspart. Die Ansprüche der griechischen Bevölkerung sind einfach enorm gewachsen, und das erklärt wohl auch das außergewöhnliche Wahlergebnis. Wie schlecht muss sich ein Volk fühlen, wenn es binnen 6 Jahre seine einst staatstragenden Parteien zu Zwergparteien macht? Dass dabei die Lage so schlimm wie eh und jeh ist, scheint die Griechen nicht zu beeindrucken. Sie fühlen sich nun als Europäer und wollen auch an deren Tischen speisen.

  16. Selbstdenker

    “Sie fühlen sich nun als Europäer und wollen auch an deren Tischen speisen.”

    Wobei sie die Rechnung nach der großen Party andere bezahlen lassen.

  17. Fragolin

    @Christian Peter
    Wissen Sie, warum die Griechen keine Steuern zahlen? Weil sie es können und weil sie, was das betrifft, zusammenhalten.
    Wissen Sie, warum die Griechen von unserem Steuergeld leben? Weil wir zahlen müssen, der Staat brutaler und konsequenter und die Gesellschaft mit Petzern und Blockwarten durchseucht ist.
    Die Griechen sind Individualisten geblieben und deshalb auch knallharte Egoisten, während wir Untertanenschafe sind, die zwar blöken, sich aber trotzdem brav zur Schur anstellen. Griechen zusammensitzen und darüber lästern, wie sie den Fiskus bescheißen, haben sie einen schönen Abend. Wenn sie das hier tun, gibt es am nächsten Morgen für mindestens zwei ein böses <erwachen.
    So, wer lebt jetzt im besseren System?
    Dass die Griechen keine Steuern zahlen ist kein Problem Griechenlands, sondern unseres ist es, dass wir nicht in der Lage sind, flächendeckend den geldvernichtenden Obertanen den Stinkefinger zu zeigen.
    Und am Rande ist es dem Durchschnittsgriechen vollkommen wurscht, ob er Euro oder Drachme oder sonstwas für Geld bekommt; so lange man es ohne Mühen beziehen und nicht unbedingt versteuern muss, ist alles easy. Und nur darauf kommt es an.

  18. Selbstdenker

    @Fragolin
    Das kann man so oder so sehen. Wenn Beschiss zur Norm wird, leiden alle darunter. Und irgendwann gibt es niemanden mehr, der das finanziert oder mit sich machen lässt.

    Dass es z.B. in Russland, Italien oder Albanien nicht sehr zimperliche Geldverleiher gibt, wird wohl irgendwie seinen Grund haben.

  19. Fragolin

    @Selbstdenker
    Stimmt schon, aber bescheißen kann man nur ein gerechtes, oder sagen wir lieber dem Gemeinwesen verpflichtetes System. Ein ungerechtes System kann man nur bekämpfen oder zumindest umgehen.
    Werden Steuern zur Finanzierung einer zum Versorgungspfuhl verkommenen Verwaltung, überbordender Wählerbestechung und zum Füllen der eigenen Taschen missbraucht (und Steuereinnhamen der nächsten hundert Jahre zur Kreditbesicherung verpfändet, um noch mehr Geld aus dem Fenster werfen zu können), ist Zahlungsverweigerung eine logische Konsequenz.
    So, und jetzt bitte ein einziges europäisches Beispiel (Liechtenstein gilt nicht! 😉 ), wo weder astronomische Staatsquoten noch astronomische Verschuldung wegen akutem Über-die-Verhältnisse-Lebens und Schnell-die-Taschen-aller-Freunderl-Vollstopfens herrschen…

  20. Rennziege

    1. Februar 2015 – 20:52 Fragolin
    … womit Sie den Versorgungspfuhl so gut wie aller europäischen Staaten konzis geschildert haben. Leider ist eine kleine Korrektur nötig: Was Sie in Ihrer erfreulichen Milde als akut bezeichnen, hat sich längst zu einer chronischen Krankheit ausgewachsen. Und selbige, was jeder Medizinstudent spätestens im zweiten Semester intus hat, sind so schwer heilbar wie Süchte: anfangs unterhaltsam, dann nicht mehr abzuschütteln, schließlich unaufhaltsam ins Grab führend. Und letzteres zu betrügen ist noch keinem Sterblichen gelungen.

  21. Syria Forever

    Fragolin, Shalom.

    Wie waren die Besitzverhältnisse zur Zeiten des Hochadels. Ca. %95 war im Besitz von ca %5.
    Das hat sich im 20. JH kurzzeitig geändert. Nur noch %40 waren im Besitz dieser wenigen. Dann hat man den Sozialstaat erfunden. Heute? Es befinden sich wieder %90 des Vermögens Weltweit in den Händen einiger Hundert Familien und deren Netzwerke. Man hat die Verhältnisse wieder zurecht gerückt…
    Der sogenannte “Welfare-State” ist das grösste Hütchenspiel das jemals abgezogen wurde. Jetzt ist nicht nur jeder Einzelne Normalbürger bis über die Ohren verschuldet sondern auch deren Kinder- und Kindeskinder.

    Wir Menschen leben, mehr oder weniger, mit den selben Machtsystemen seit über 10.000 Jahren. Es ist Zeit das System zu ändern.

    Guten Abend.

  22. Selbstdenker

    @Syria:
    Der Wellfare-Nanny-State ist die Fahrkarte in die Schuldknechtschaft.
    So weit gebe ich Ihnen recht.

  23. Rennziege

    1. Februar 2015 – 21:25 Syria Forever
    Auch der dümmste Vogel Strauß zieht eines Tages Schädel und Schnabel aus dem Sand, um nachzusehen, wie die Welt gebraten und gebacken ist. Aber Sie machen sich ja nicht einmal dieses bisschen Mühe. Wohl bekomm’s! Je scheuklappiger, je vorgestriger.

  24. PP

    Wenn wir einmal die paar hundert Milliarden (lächerlich!), die Griechenland zuviel in der Kreide steht, beiseite lassen, kommen wir auf des Pudels Kern.
    Schauen wir in ein bis zwei Jahren, wohin axiomatische Alternativlosigkeit geführt haben wird. Man hat sich in ein klassisches Dilemma (schönes, griechisches Wort übrigens) manövriert.

    Oder um es mit Ayn Rand auszudrücken: Man wird die Konsequenzen der Ignoranz der Realität nicht mehr ignorieren können. Es wird ernsthaft Zeit, sich Sorgen zu machen!

  25. Fragolin

    @Rennziege
    Danke für die Korrektur, Sie haben Recht. Der Wirtskörper liegt in Agonie; er funktioniert zwar noch, kann sich aber gegen die Krankheit nicht mehr wehren. Letzte pegidase Zuckungen werden von den Parasiten umgehend erstickt. Aber auch deren Tage sind angezählt. Nach dem Multiorganversagen und dem Leeren aller Tropfampullen müssen auch die Parasiten erkennen, dass sie in einer Leiche nicht überleben können.
    Und die Würmer drängeln sich schon in den Startlöchern um die besten Plätze.
    Reset.

    @Syria Forever
    Das Machtsystem basiert auf der Schaffung von Abhängigkeit. Es stimmt, das System bleibt immer gleich, nur die Level ändern sich: Sklave, Leibeigener, Tagelöhner, Schuldbürger. Es beruht auf Gewaltandrohung und Angst vor Verlust. Sie wollen ein System ändern, das nicht nur seit 10000 Jahren funktioniert sondern schon vor Millionen Jahren in den Affenhorden unserer Ahnen?! Ja, wie denn? Durch Schaffen einer universellen Gerechtigkeit? Daran sind schon genug gescheitert, und haben dabei meist noch Millionen Opfer gefordert.
    Wissen Sie was? Der Kommunismus ist eine tolle Idee! Friede, Freude, Eierkuchen. Wohlstand für alle, Spaß an der Arbeit, Erfüllung und Heldentum überall. Kein Hunger, kein Mangel, Schlaraffia Halleluja!
    Wieos funktioniert es dann nicht in der Praxis?
    Weil das System in unseren Köpfen sitzt. In allen 7 Milliarden verankert. Wann immer ein Mensch die Möglichkeit bekommt, sich einen persönlichen Vorteil zu verschaffen, wird er ihn nutzen. Wann immer er an die Schalthebel der Macht gelangt, die Möglichkeit bekommt, andere in Abhängigkeit zu bringen, wird er dies schamlos ausnutzen. Und je zentralistischer ein System, desto mehr Möglichkeiten für die Alphamännnchen im Rudel; daher entstanden auch die schlimmsten Diktaturen aus kommunistischen und damit zentralistischen Systemen. Je kleiner die Einheiten, umso besser. Und wohin streben wir? In eine zentralistische EU. Wir schaffen die Infrastruktur für die nächste Katastrophe.
    Weil das System in jedem kopf steckt.
    Sie werden es nicht ändern, ich auch nicht.
    Man kann nur sehen, wie man im Kleinen seinen persönliche Vorteil sichert: Sicherheit für sich und seine Familie.
    Mag sein, dass ich zu müde bin für Visionen. Erfahrungsgemäß hilft nur Pragmatik.

  26. A.Felsberger

    @ Syria: >Erfahrungsgemäß hilft nur Pragmatik.> So ist es! Lieber tausend Pragmatiker als einen Revolutionär, wurscht welche Farbe er trägt. Kommunismus, Sozialismus, Liberalismus, Konservativismus, Faschismus – alles der gleiche verachtungswürdige Brei! Jeder Handwerker zählt mehr als die Hirngespinste der Revolutionäre!

  27. Syria Forever

    Fragolin, Shalom.

    Ich bin anderer Meinung. Würden wir, wie es uns geziemt, wie Menschenaffen agieren, gäbe es keine Probleme. Ein “Affen-Stall” funktioniert nach strikten Regeln. Herden sind prinzipiell immer vom selben Aufbau und Hierarchie.
    Das System von dem ich spreche ist das Fürst&Bischof System. Es heisst nicht umsonst;
    Der Fürst zum Bischof: “Du hältst sie dumm ich halte sie arm. Das funktioniert für die Ewigkeit.”. Und fast 10.000 Jahre sind eine lange Zeit, in Menschenleben gerechnet.

    Adel und Religion arbeiten Hand in Hand seit vielen tausend Jahren. Die Hethiter hatten einst erkannt, Zentralisierung von Religion macht Sinn. Sinn nicht nur das Geld der Menschen zu kontrollieren sondern auch deren Gedanken und Gefühle. Die hatten den ersten “Vatikan” gegründet. Aber wie es seit damals und auch davor immer Fall war, der Klerus wurde zu gierig.
    Seit damals hat sich nichts geändert. Der Adel und der Klerus bestimmen das Weltgeschehen. Der Klerus hat, wie immer, einige male die Bodenhaftung verloren. Einfach zuviel gestohlen und gemordet.
    Den letzten grossen Konflikt hatte Europa als ein Herr Luther überzeugt wurde Hammer und Nagel zur Hand zu nehmen. Danach gab es kleinere “Zwischenfälle” wie die Französische-, Russische Revolution.
    Aber wenn Sie genauer lesen werden Sie erkennen, der Klerus war schnell wieder in den angestammten Positionen. Jahrtausende von Gehirnwäsche hinterlassen Spuren!

    Wie Sie richtig schreiben. Das liegt in den Genen. In Österreich werden sie, Genetisch, als Katholik geboren. Sie saugen Katholizismus mit der Muttermilch, im Kindergarten und in der Schule. Es ist kein entkommen.
    Das muss als erstes geändert werden. Was hat Religion in Schulen zu suchen?? Was hat Religion auf UNIs zu suchen? UNIs sind Wissenschaftliche Einrichtungen und keine Geistheiler, oder Kaffeesatz-Leser Lehrstuben!
    Entziehen sie alle Macht den Religionen können Menschen beginnen selbständig zu denken. Eines der grundsätzlichen Menschenrechte! Selbstbestimmung und Eigenverantwortung.
    Wenn Menschen beginnen zu denken ergeben sich interessante Dinge wie Innovation, lernen, Hinterfragen, Aufbegehren. Humanismus! Dieser fehlt in Europa.
    Humanistische Ausbildung ist in Europa so gut wie tot, dafür gibt es alles an sozialisierten Fachrichtungen von denen Sie wie ich noch nie gehört haben. Die Geisterheiler sind zurück am Steuer…

    Guten Tag.

    PS. Ich denke auch nicht das es angeborener Egoismus der Spezies homo sapiens sapiens ist.
    Auch das liegt meiner Meinung in unseren Genen. Wir sind Gruppentiere. Der Grossteil der Gruppe/Herde sind Gefolge, oftmals Feiglinge. Da kommt es recht, in unseren sogenannten liberalen Gesellschaften voller Experten und Experten-Mitläufern, sich hinter Göttern und Propheten ein Versteck zu suchen. Dazu kommt der Herdentrieb. In der Masse sind wir sicher… Falsch. Der geübte Jäger findet immer eine Möglichkeit.

  28. Syria Forever

    A.Felsberger, Shalom.

    Wie funktioniert eine Herde? Wenn Beta nicht gehorcht bekommt es von Alpha eines aufs Dach. Kommt aber selten vor weil Beta weiss wo es seinen Platz hat.
    Wie Sie richtig schreiben. Pragmatik führt zum Ziel.

    Guten Tag.

  29. A.Felsberger

    @Syria: Ich habe ja viele Jahre in der Bodensee-Region gelebt und mich immer wieder fragen müssen: Warum funktioniert hier alles, was in Wien oder im Osten Österreichs nicht funktioniert? Dabei ist mir von Beginn an der Pragmatismus der Vorarlberger ins Auge gesprungen: Sie sind lösungsorientiert, politik- und ideologiefern, von langwierigem Gerede halten sie nichts. Es geht ihnen ums konkrete Tun, nicht ums abstrakte Denken. Wo immer ein Problem auftaucht, wird es gelöst. Nirgends findet man die Bösartigkeit, die für den Osten Österreichs so typisch ist: Bürokratiehass, Unternehmerhass oder Parteienhass. In meiner Naivität dachte ich, dass Vorarlberg ein Land der ÖVP sei. Schrittweise musste ich lernen, dass die Politik hier gar nicht existiert. Man wählt aus Gewohnheit wie man in die Kirche geht, nicht aus Überzeugung. Die Politik ist hier ganz klar bürgerorientiert und ich wage die Behauptung, dass die ÖVP Vorarlberg mit dem Rest der ÖVP nichts gemein hat. Die Menschen sind liberal und folgen dem Grundsatz: “Leben und Leben lassen!”. Kein Beamter müsste sich hier die Schimpforgien anhören, die ihm woanders in Österreich drohen. Kein Politiker wird in den Dreck gezogen, höchstens belächelt. Ein Unternehmer oder Handwerker ist ein angesehener Mann, der Philosoph ein Aussenseiter. Das Leben plätschert mit Arbeit und Familie dahin, deren Zentrum das Haus ist. Ein Vorarlberger könnte den Hass-Diskussionen, wie sie mittlerweile in Österreich überall geführt werden, nichts abgewinnen. Es ist ihm von Grund auf fremd sich mit solchen Gefühlen überhaupt zu beschäftigen. Zu Hause wartet der Garten und da gibt`s viel Arbeit…..

  30. Syria Forever

    A.Felsberger.

    Hier treffen Sie auf einen Freund der Bodensee-Region! Des öfteren ist mein schlechtes Deutsch dessen geschuldet. Ich habe mein Deutsch in der Bodensee-Region erlernt. Selbst das beste “Bödele Deutsch” ist in Hannover eine Fremdsprache.
    Persönlich finde ich die Bodensee-Region eine der Lebenswertesten Regionen Europas. Pragmatismus ist nur ein Teil des Charmes der Rheintäler und des Bodensees.

    Shalom

  31. A.Felsberger

    @Syria: Ihr Deutsch ist nicht schlecht, ich finde es witzig. Sie sprechen Dinge direkter an als andere. Sie leben jetzt in Hannover? Viel Glück wünsche ich Ihnen!

  32. Syria Forever

    Shalom Chaveri A.Felsberger.

    Wir sind eine interessante Strassenmischung aus dem Mittleren Osten. Meine Frau und ich. Und ja, wird sind derzeit in Deutschland, Düsseldorf um präzise zu sein. Meiner Frau ist der Aufenthalt gewidmet doch ist die Zeit beschränkt, zum Glück. Wir beide vermissen unsere Heimat(en).
    Deutschland ist nicht unsere Welt. Wie haben in vielen Ländern gelebt und hoffe noch einige folgen zu lassen. Meine Frau, Linguistik ist ihr Steckenpferd, war immer schnell mit der Landessprache im Umgang. Deutsch? Sie ist wirklich schlecht darin und zeigt auch wenig Interesse, doch besucht sie einen Japanisch Kurs in Düsseldorf.
    Ich selbst halte es mit Cicero. Eine Bibliothek und ein Garten. Und als Zeitvertreib ein fahrender Händler mit etwas anderen Waren.

    Guten Abend.

  33. A.Felsberger

    @Syria: Dass Sie Heimweh haben, das verstehe ich sehr gut. Und nirgends wird das Heimweh größer als in Deutschland. Das habe ich auch am eigenen Leib erlebt. Ich habe die Tage gezählt, bis ich wieder zurück nach Wien ging. Es ist nicht leicht in Deutschland zu leben, es ist so frostig wie das Wetter dort. Alles Liebe!

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