Güte-Wettrennen im Pastoren-Milieu

(MARCUS FRANZ) Es gibt ein helles und ein dunkles Deutschland, sagte kürzlich Bundespräsident Gauck . Er meinte damit einerseits die Lichtgestalten der Willkommenskultur und andererseits die finsteren Kritiker derselben, die ihn an dunkle Zeiten erinnern würden.  Eine neue Attitüde der allumfassenden Güte hat die deutsche politische Spitze erfasst. Subsumiert wird diese Güte im Slogan „Wir schaffen das“. Kanzlerin Merkel und Präsident Gauck versäumen keine Gelegenheit, Deutschland als den Weltmeister der Humanität darzustellen.   Beide streben sie vermutlich auf diese Art die heißersehnte Vergebung der deutschen Erbschuld an. Die Absolution soll aus dem Geiste der grenzenlosen Menschenfreundlichkeit und Güte entstehen.

Damit tun sie aber etwas, das Politiker immer schon gut konnten: Sie pflegen den in letzter Konsequenz nicht begründbaren Stil einer im Menschlichkeitsgewand daherkommenden Überheblichkeit, die zu verstehen gibt: „Nur wir sind gut!“  Damit werden sie aber wie alle, die das tun, grandios scheitern. Wer sich als die personifizierte Güte präsentiert, egal ob aus humanistischem, christlichem oder einem andern Grunde, muss sich früher oder später den Vorwurf des Pharisäertums gefallen lassen, das ist unvermeidlich.

Allumfassendes und grenzenloses Gutsein ist per se nicht glaubwürdig und schon gar nicht authentisch erlebbar. Gerade der Güte und der Gnade wohnt ja das Prinzip der Begrenztheit inne, sonst wären diese Entitäten nichts Besonderes. Sie dürfen daher auch nicht immer und überall zum Einsatz kommen, das würde sie entwerten. Und je größer eine Krise ist, desto exakter und zielgenauer müssen die a priori immer begrenzten menschlichen Mittel eingesetzt werden. Grenzenlose Güte steht  nur Gott zu – falls man an ihn glaubt. Und selbst der kann streng sein.

Auch der gewandelte Spruch vom deutschen Wesen, an dem jetzt die Welt genesen soll, greift bei der Beschreibung des Merkel`schen Tuns nicht und kann es schon gar nicht rechtfertigen: Die Mehrheit der nachgeordneten deutschen Politiker und vor allem das deutsche Volk sehen die Sachlage ganz anders als die beiden zitierten Staatenlenker, die so gütig ihre Arme ausbreiten. Merkel als Pastorentochter hat übrigens im Güte-Wettrennen den echten Pastor Gauck sogar schon überholt. Der sprach zwar vom weiten Herz der Deutschen, er dachte dabei aber gleichzeitig auch laut über die begrenzten Möglichkeiten des Landes nach.

Merkel leugnet diese. Sie riskiert lieber Deutschland als Ganzes – im Namen der Güte, der Menschlichkeit und der Wiedergutmachung jener unermesslichen Sünden, die im dunklen Zeitalter Deutschlands begangen wurden.  Man muss der Kanzlerin nach all ihren Aussagen sogar attestieren, dass sie es ernst meint mit ihrer Haltung und kein besonderes politisches Kalkül dahinter steckt – was aber die Sache eher verschlimmert denn legitimiert.

Die Gesinnungsethik ist letztlich der Feind der Verantwortungsethik. Fährt Merkel ihren Kurs weiter, dann könnte sich ein beliebtes Historiker-Zitat auf paradoxe Weise bewahrheiten: „In der Geschichte passiert alles zweimal – einmal als Tragödie und einmal als Farce.“ Die tödliche deutsche Tragödie hatten wir schon, vor 70 Jahren. Die als Buße getarnte Farce, bei der zum Glück keiner sterben muss, dafür aber alles andere zugrunde gehen könnte,  diese Farce folgt jetzt.

6 comments

  1. panta rhei

    Ja, Mutti hat uns allen im Namen der Menschlicheit einen Mühlstein um den Hals gehängt, ob wir nun wollten oder nicht. Und der wird von Tag zu Tag schwerer. Man hat es aber leicht, den Bürger, der das nicht möchte, pauschal ins falsche Licht zu rücken. Es gibt ja schon auch viele (leider auch in diesem Forum), die nicht alleine gegen die falsche Politik ankämpfen, sondern diese Menschen selbst anfeinden (die tun ja nichts anderes, was wir nicht auch tun würden, wenn wir in ihrer Lage wären). Und das ist tatsächlich dumpfer Rassismus und liefert viel guten Stoff für linke Medien und linksgerichtete Politik.

  2. Jan Korbelik

    “Kein besonderes politisches Kalkül “?
    Nun, ich denke — Kalkül ist der rote Faden in Merkels Vita. Es gab in Ostblockistan schon diese Zwangsmitgliedschaft in den Massenjugendorganisationen, aber nur die richtig Kalkulierenden waren Funktionäre der Honecker-Jugend (FDJ), angeblich war sie dort eine “Kalkuliererin für Propaganda und Agitation”. Auch sollte sie auch kalkulatorisch in Moskau studieren. Aber in ihrer Vita auf Wikipedia schreibt sie kalkulierend nichts darüber, also wir können darüber nur spekulieren. Manche spekulieren, dass sie kalkuliert die Chefin des UNO zu werden … das wäre auch eine Erklärung für ihr Handeln – mit einem Kalkül versehen.

  3. Thomas Holzer

    “Die als Buße getarnte Farce, bei der zum Glück keiner sterben muss………………..”

    Das wird sich erst weisen!

  4. Leitwolf

    “Man muss der Kanzlerin nach all ihren Aussagen sogar attestieren, dass sie es ernst meint mit ihrer Haltung und kein besonderes politisches Kalkül dahinter steckt”

    Das würde ich nicht sagen wollen. Ob man es nun bestimmten Personen unterstellen will oder nicht, so lässt sich die Existenz eines faschistischen Gedankengutes doch nicht leugnen. Und das geht etwa so: die Quelle allen Unheils seien Nationalstaaten. Diese seien für die großen Unglücke des vergangenen Jahrhunderts verantwortlich und müssten daher überwunden werden. Dementsprechend seien diese Nationalstaaten sowohl administrativ, etwa durch die Übertragung ihrer Entscheidungsbefugnisse an andere Entitäten, als auch demographisch aufzulösen.

    Aus dieser Logik heraus ist alles was sich dem entgegen stellt, oberflächlich betrachtet zwar bestensfalls als konservativ zu bezeichnen, in Sache aber doch dazu geneigt eben den Nationalstaat zu erhalten. Da dieser aber nun mal der Kern allen Übels sei, macht es letztlich keinen Unterschied.
    Bei scharfsinniger linker Betrachtung ist der soziale Zusammenhalt innerhalt einer nationalen Identität nichts anderes als nationalsozialistisch. Die Grenzen zwischen friedfertiger Selbstsuffizienz und radikalem Expansionsgelüsten seien fließend und nicht prinzipiell, und würden termporär immer wieder überschritten, weshalb aus linker Sicht mit dem Nationalstaat kein Frieden zu machen sei.

    Natürlich geht es den hasserfüllten Aktivisten,. Journalsiten und Politikern die etwas euphemistisch “für Menschlichkeit” eintreten weit mehr darum “gegen rechts” zu agieren. Wobei die Formulierung schon tief blicken lässt. Deckt “rechts” denn nicht annähernd die Hälfte des politischen Spektrums ab? Gilt etwa die CDU, deren Chefin eine Angela Merkel ist, denn nicht als eine rechts-konservative Partei? Und seit wann ist etwas erhalten zu wollen ein Bedrohungszenario?

    Noch aber gilt es Hindernisse zu überwinden. Dieses zum Beispiel: “Österreich ist eine demokratische Republik. Ihr Recht geht vom Volk aus.” – Artikel 1 der Verfassung. Für oben beschriebene Ideologie ist der Begriff “Volk” ein ziemliches Problem. Nicht nur weil der Begriff an sich abgelehnt wird, sondern vielmehr weil damit etwa ein umfassendes Ausländerwahlrecht verhindert wird, wie sich das rot-grün ja durchaus wünschen würde.

    Dabei ist Demokratie aber unweigerlich mit der Existenz eines Volkes verbunden, nicht nur der Verfassung wegen. Dafür steht schon das “Demo-” in die Demokratie. Natürlich, wir haben eine Bundespräsidenten der direkte Demokratie ablehnt, und die lateinische Umschreibung aka Populismus wurde schon zum Schimpfwort umgedeutet. Aber rechte Parteien gänzlich von Wahlen auszuschließen und “Volk” durch “Aufenthalter” oder Ähnliches zu ersetzen, so weit ist man zumindest in Österreich noch nicht. Daran gearbeitet wird aber jedenfalls..

  5. waldsee

    „In der Geschichte passiert alles zweimal – einmal als Tragödie und einmal als Farce”steht im Text.das stimmt 100%-ig,aber warum müssen juden bei dieser Farce dabeisein und schon wieder in einer Hauptrolle?

  6. Wolf

    Merkel merkt offenbar gar nicht, dass sie mit dieser weltweit zelebrierten Güte, dass also das deutsche Volk besser und gütiger ist als alle anderen, wieder genau das tut, was vor 70-80 Jahren der Welt vorgeführt werden sollte: die Deutschen sind das besser, überlegene Volk – und das wird auch heute von immer mehr Ländern so gesehen. Langsam aber sicher wendet sich diese Einstellung gegen Deutschland, das ja ohnedies in der EU nicht besonders beliebt ist.

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