Hat der nächste Kredit-Crash schon begonnen?

“….Wie der Kampf gegen Drogen, der Kampf gegen Armut und der Kampf gegen den Terrorismus, so prognostiziere ich auch dem Krieg gegen die Kohlendioxidemission, dass er erfolgreich sein wird – aber nur für die Krieger…” (hier)

One comment

  1. gms

    Fragt man einen Jungen scherzhaft, was denn in Saudi-Arabien eine Braut so Daumen mal Pi kostet, antwortet er wie aus der Pistole geschossen: “Sieben Kamele und eine Ziege!”
    Selbst wenn man danach mit ihm noch ein wenig über den einen oder anderen zusätzlichen Teppich oder Sattel oben drauf humorvoll feilschen könnte, so wird er die mögliche Alternative, nämlich sieben Säcke Sand und eine Handvoll Spucke, als unsinnig zurückweisen.

    Etwas bezahlen heißt also, das Erhaltene mit Werthaltigem zu entgelten. Mit jeder Menge Sand ließe sich vielleicht in der Arktis etwas kaufen, weil Eskimos damit eisbedeckte Pfade streuen oder Wettbewerbe im Sandburgbauen veranstalten könnten, aber eine sichere Wette ist das dort nicht, und auf der arabischen Halbinsel scheitert jeder solche Versuch evident.

    Dessen ungeachtet wundern sich heute nichmal mehr Erwachsene, wenn Zentralbanken puren Sand in den Wirtschaftskreislauf pumpen, indem sie Geld ohne jeden Wert ventilieren. Wollten Sie Ihre wenigen Goldbaren sprichwörtlich versilbern, und ein Privater böte Ihnen dafür einen Zettel an mit der Aufschrift “Ganz viel Geld!”, würden Sie den Zettel manges Wert ablehnen und den Deal platzen lassen. Steht Ihnen jedoch die Zentralbank gegenüber, erfolgte das Geschäft.

    Fast glaubt man sich in Alice’s Wunderland, deren Bewohner zuließen, daß eine Instanz ungestraft beliebigen eigenen Reichtum vortäuschen kann. Diese Instanz darf nach Herzenslust mit ungedeckten Schecks einkaufen und etwas als Geld gegen Zinsen verleihen, wofür sie selbst niemals auch nur einen Finger krumm machen mußte oder sonstwie ein Risiko einging. Dagobert Duck statt im Münzspeicher badend mit einem grünen Papier in der Hand, auf dem verdammt viele Nullen sind, hätten die Verkaufszahlen der entsprechenden Taschenbücher mutmaßlich gesenkt, was einmal mehr den Verdacht stützt, selbst die Kleinsten hätten ein brauchbares Verständnis dafür, was Geld ist und was nicht.

    Abseits vom Realität gewordenen Wunderland unserer Prägung stehen Zinsen für unendlich viele Tatsachen und deren Bewertung durch ebenso viele Individuen. Niedrige Zinsen zeigen im Großen und Ganzen Zufriedenheit an, die meisten Bedürfnisse sind gedeckt, die Zukunft erscheint strahlend, alles ist irgendwie easy going, und wenn jemand Geld benötigt, so entbehrt man es leicht bei gleichzeitig hoher Gewissheit, es später retourniert zu erhalten.
    Ein hohes Zinsniveau zeigt statt dessen Sorge und Unsicherheit an, das Verleihbare ist knapp, man will damit eher sich selbst absichern, und derjenige, der es als Kredit übernimmt, unterliegt einem hohem Risiko, was Rentables auf die Beine zu stellen, was wiederum die Rückzahlung gefährdet.

    Nichts davon bedarf zum Verständnis vertiefter Soziologie- oder Logikkenntnisse, doch in den heutigen Kaninchenbaus der Zentralbanken, die zugleich das unentrinnbare Habitat heutiger Erdbewohner darstellen, kehrt sich jede Logik ins Beliebige. Dann verblüfft auch nicht, wenn eine Hebung der Dollarzinsen unlängst einen unerwünschten und ruckartigen Wertanstieg des Euros zur Folge hat, weil das atlantische Irrtumsmonopol verkannte, daß bisherige Ankündigungen bereits eingepreist waren.

    Wir haben es als mit sturzbetrunkenen Walrössern zu tun, die einerseits beliebigen Reichtum vorgaugeln können, und andererseits mit dessen Einsatz zugleich in der Absicht, alles rund um Wirtschaft zu steuern, turmhohe Stangen mit vielfachen Drehgelenken auf der Nase balancieren. Soll man sich wundern, wenn’s dann regelmäßig kracht?

    Seit 2007 wissen wir, daß die wirtschaftliche Lage sprichwörtlich im Sand verfahren ist. Daß Zentralbanken dies bewirkten, spielt vorerst keine Rolle, bloß sagt einem der Hausverstand, wonach in Zeiten der Krise echtes Geld, also jenes, das seien Namen berechtigt trägt, teuer ist. Walrösser sehen das anders und senken die Zinsen, weil sie es dürfen und beliebig niedrige Renditen ihre Bilanzen nicht verhageln. Dem von Amts wegen legitmierten Betrüger tut nichts weh, er hat kein Risiko und keine Verantwortung, was für jeden Normalsterblichen einem sprichwörtlichen Goldesel gleichkäme.

    Zentralbanken wissen um den gigantischen Wurm in der Wirtschaft, Wirtschaftstreibende sehen diesen gleichfalls. Und weil die Lage derart gravierend ist, ruft das Irrtumsmonopol den Easy-going-Modus aus. Hat sich deshalb im realen Leben auch nur ein Ziegelstein bewegt? Ändern zehn, hundert, oder eintausend Milliarden druckfeuchter Fetzen etwas an der Existenz dessen, was man freiwillig im Tausch dafür hergeben will?

    Trotz aller monetären Jubelparolen zum Herbeiläuten des Normalzustandes, oder vielleicht auch gerade deshalb, rührt der hellsichtige Wirtschaftstreibende die erkennbar ungedeckten Schecks nicht an, weshalb die Wirtschaft, anders als beabsichtigt, nicht in Gang kommt. Luftgeld ist kein Geld und vorgegaukelter Wohlstand kein realer.
    Spätestens nach Japan und dessen hartnäckiger Rezession bei gleichzeigem Gelddrucken, als gäbe es kein Morgen, sollten die maßgeblichen Mechanismen Common-Sense sein. Für Japaner ist das noch ein mehr oder minder innerstaatliches Probem, das dann zu gesellschaftlichen Verwerfungen führt, wenn der Reichtum des Volkes inform von Anleihen sich mangels Einlösbarkeit in Luft auflöst. Wären die Ansprüche mehr oder minder gleichverteilt, wäre jeder Japaner wertmäßig quasi einzig bei sich selbst verschuldet, stellte das kein Problem dar. Da dies aber nicht der Fall, werden Tränen fließen.

    Hartnäckige Flaute oder eben Crash — das sind auch die Aussichten bei uns. Der Geist des vermeintlichen Wohlstandes ist bereits aus der Flasche, Zentralbanken haben nichts zum halbwegs gesitteten Einsammeln der ungedeckten Schecks. Als die Bank von England in einem Akt der Verzweiflung die Zinsen in absurde Höhe trieb, um den Wert des Pfunds in Relation zum Dollar zu halten, half selbst das nicht, und die massive Abwertung war unabwendbar. Ist Luftgeld erst mal im Umlauf, kehrt es zu seinem inneren Wert zurück. Immer und unvermeidbar, offen ist allein die Frage, ob morgen, in einem Monat oder fünf Jahren. Betrug hat Folgen, gigantischer Betrug im Blutkreislauf der Wirtschaft hat gigantische Folgen in der Wirtschaft.

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