Her mit Marktgeld & Währungswettbewerb!

“Die global immer grössere Verschuldung könnte mittelfristig zu einem Kollaps des Geldsystems führen, das befürchten immer mehr bekannte Ökonomen. Als Gegenmittel empfehlen sie Marktgeld und Währungswettbewerb.” (NZZ, hier)

9 comments

  1. PeterT

    Ich glaube diese Marktgeld-Vorschläge sind allesamt mit großer Vorsicht zu geniessen.
    Nicht daß ich die Skepsis gegenüber dem jetzigen Geldsystem nicht teilen würde.
    Aber wie sollte die Alternative aussehen?
    Bitcoins waren ein großer Hype, und sind anscheinend schon wieder tot. Das war/ist ja auch nur eine andere Variante von virtuellen Spielgeld.
    Ein ernsthaftes, alternatives Geld müsste eine ernsthafte Deckung aufweisen, wie z.B. Gold.
    Jetzt könnte eine Institution natürlich anfangen, in großem Stil klein gestückelte Gold-Zertifikate auszugeben, und auch Handels- / Zahlungssysteme damit anbieten.
    Aber, FALLS dieses Gold-Zertifikats-Geld einen nennenswerten globalen Marktanteil bekommen sollte, welche Institution auf der ganzen Welt hätte die Stärke, tatsächlich eine glaubhafte Deckung für solche Gold-Zertifikate anzubieten?
    Tausende Tonnen physisches Gold einlagern und sicher verwahren?
    Wer garantiert daß die nicht auch nach ein paar Jahren der Versuchung erliegen, das Geld inflationieren, und die Gewinne einstreifen?
    Die Bank of England hat Jahrhunderte gebraucht, um das Vertrauen in das Pfund-Sterling aufzubauen (um es dann zu verspielen), und sie hatte in den guten Zeiten die gesamte Power des Empire hinter sich.
    Ich kann nicht sehen, wie irgendeine Institution im 21. Jahrhundert das leisten könnte.

  2. Christian Peter

    Währungswettbewerb gibt es bereits, denn es gibt viele Anbieter von Zentralbankgeld (Dollar, Euro, Yen, Gulden, etc.), die miteinander in Wettbewerb stehen. Daher ist die Behauptung, es existiere ein ‘Geldmonopol’ bzw. ‘Monopol der Geldproduktion’, wie in dem Artikel behauptet, unsinnig.

  3. Enpi

    Im Artikel wird suggeriert, Staatsgeld sei “wertlos”. Seltsam, denn als ich dieses “wertlose” bunte Zeug unlängst wieder mal benutzte, kaufte ich mir ein Grundstück dafür. 🙂

    Ich bin nicht prinzipiell gegen alternative Währungen wie Bitcoin, allerdings bin ich dagegen, die staatliche Währung für irgendwelche ideologischen Traumtänzereien aufzugeben.

    Wenn es in Zukunft nötig ist, entstehen alternative und konkurrierende Währungen ohnehin automatisch. Sie diese dann “stark” genug, werden sie sich letztendlich auch gegen staatliche Währungen durchsetzen, aber nicht vorher. Ein ideologisch begründetes, künstliches “Nachhelfen” lehne ich jedoch strikt ab.

  4. Fragolin

    @Enpi
    Staatsgeld ist auch wertlos. Es ist durch keinen Wert hinterlegt und der Wert wird durch staatliche Manipulation bestimmt. Wenn morgen der Staat bestimmt, dass das Komma eine Stelle nach links rückt, passiert das so. Wenn der Staat bestimmt, dass die bunten Zettelchen morgen keinen Tauschwert mehr haben, dass ist das auch so. Sie haben keinerlei Recht, auf einem Gegenwert zu bestehen; dieser existiert nur solange, wie der Staat dies huldvoll duldet.
    Eine Banknote wäre eine verbriefte Urkunde mit festgesetztem Gegenwert z.B. in Edelmetall. Unser Monopolygeld sind bunte Fetzelchen mit Copyright-Vermerk aber ohne jede urkundliche Funktion. Der Besitz einer Banknote verbrieft Ihnen das uneingeschränkte Recht, diese bei der ausgebenden Bank zu tauschen, der Besitz eines bunten Zettelchens verbrieft Ihnen überhaupt nichts. Er hat den Wert von Muscheln, Kieselchen oder Schneckenhäusern. Wenn der Verkäufer des Grundstückes einverstanden damit war, Kieselchen dafür zu bekommen, auch gut.
    Konkurrierende Währungen könnten automatisch entstehen und würden dies schon längst tun, wenn, ja wenn der Staat nicht das Monopol ausgesprochen und das Schaffen paralleler Währungen faktisch verboten hätte. Prägen Sie sich mal Ihre eigenen Münzen und probieren dann damit, Ihre Steuern zu bezahlen. Im günstigsten Fall hat Ihr Finanzamt Humor und lacht Sie aus, im ungünstigsten ziehen Sie für längere Zeit in eine gut bewachte Wohnanlage um.

  5. Rennziege

    Ois wos recht is’, die Diskussionen über den NZZ-Artikel und anderes unbenommen. Aber an einem Tag wie diesem, an dem auch über das Schicksal aller Österreicher, deren G’schrappen und Enkel entschieden wird, bleib’ ich lieber beim “Telegraph” und seiner Live-Berichterstattung:
    http://www.telegraph.co.uk/finance/economics/11424343/Greece-crunch-eurozone-meeting-live.html
    Bislang nur Tendenzen: “Mutti” Merkel sucht wider jede Vernunft nach Harmonie, Yanis Varoufakis grinst impertinent und kratzt sich an seinen Oliven. Beides unappetitlich.

  6. Rennziege

    P.S.: Bei Zeitangaben bitte beachten: Das UK liegt gegenüber der MESZ eine Stunde zurück, ist also aktueller als der erste Anschein. Der für 15:30 Uhr (kontinentale Zeit) angekündigte Sitzungsbeginn der Euro-Gruppe befindet sich nun schon in der vierten Stunde seiner wiederholten Aufschiebungen. Lasst uns hoffen, dass nicht auch der Grexit abermals (mit Hilfe aller möglichen Euphemismen) aufgeschoben wird! Der wird teuer, auch für uns zweifellos, aber nicht so teuer wie eine weitere Alimentierung dieser chronischen Bonvivants auf anderer Leute Kosten.

  7. Rennziege

    Kein Grexit, leider. Merkel und Genossen wieder einmal umgefallen, kicking the can down the road again.
    Offenbar bleibt der Euro eine heilige Kuh — möge deren Euter auch noch so leer sein, wie an den Devisenbörsen täglich immer sichtbarer wird. Offenbar ist die Transferunion eine längst beschlossene Enteignung aller EU-Gefangenen. Vorstufe einer diktatorischen Weltregierung, wie von George Orwell schon anno 1964 vorhergesehen. Ein trauriger Tag für uns alle.

  8. Rennziege

    20. Februar 2015 – 21:44 Christian Peter
    Was, Sie sprechen kein Griechisch? 🙂 Bitte sehr: Greek Euro Exit. Frexit, ebenfalls auf Griechisch: French Euro Exit.

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