Herr Dobusch geht ins Casino und kennt sich nicht aus

Von | 26. August 2013

(ANDREAS TÖGEL) Die Wahlkampfmaschine der Sozialisten will im Moment nicht so recht laufen. Derjenige, der zum Gaudium der politischen Wettbewerber im Moment dabei ist, Unmengen von Sand ins Getriebe der Partei der werktätigen Massen zu streuen, hört auf den Namen Franz Dobusch. Der wackere Mann hat – wie seine dafür bereits bei den Landtagswahlen im Frühjahr abgestrafte Salzburger Parteigenossin Burgstaller – getan, was seine Mitstreiter seit Jahr und Tag pausenlos aufs Schärfste kritisieren: Er hat, wie man es in fortschrittlich-marktwirtschaftsfeindlichen Kreisen zeitgeistkonform ausdrückt, „gezockt“. Er ist unter die „Spekulanten“ gegangen. Ins „Finanzcasino“. Mit Finanzinstrumenten („Swaps“), von denen er mit entwaffnender Freimütigkeit bekennt, nichts zu verstehen. Sicherheitshalber hat er das aber nicht mit Geld aus seiner eigenen Tasche getan, sondern mit ihm in seiner Eigenschaft als Bürgermeister der Stadt Linz anvertrautem Steuergeld. Und er hat verloren – hunderte Millionen Euro. Pikanterweise an eine – damals, als das Geschäft getätigt wurde – der roten Reichshälfte zuzuordnende Bank, die von einem ebenfalls strammen Linken geführt wurde, der jetzt die Geschicke jenes weithin überflüssigen Mitarbeitersanatoriums lenkt, das unter dem Namen „Österreichische Nationalbank“ firmiert. Jetzt prozessieren die mittlerweile in nicht mehr ganz so gutem Einvernehmen stehende Bank und die Stadt Linz gegeneinander. Müsste für die Chose am Ende nicht wieder der bereits jetzt brutal ausgesackelte Steuerzahler geradestehen, könnte man über die Geschichte glatt in homerisches Gelächter ausbrechen. Austriakische Realsatire pur. „Solchene Sachen lassen sich nicht erfinden – nicht einmal von unserem Etablissement!“ hieß es einst im „Watschenmann“ – zu einer Zeit, als das Kabarett in Österreich noch Niveau und nicht ausschließlich „rote Gfrieser“ (© A. Khol) in seinen Reihen hatte. Heute aber könnte selbst ein über Hirn verfügender Kabarettist nicht mehr mit den Darbietungen konkurrieren, die – a la Dobusch – im realsozialistischen Alltag unserer nördlichen Balkanrepublik geboten werden. Sieht man vom spaßigen Teil der Angelegenheit ab, kann daraus immerhin ein im Hinblick auf die anstehenden Nationalratswahlen entscheidender Schluß gezogen werden: Sozialisten sind entweder zu dumm, um die Konsequenzen ihrer wirtschaftlichen Handlungen zu begreifen, oder – und das ist sowohl wahrscheinlicher als auch, angesichts der erschreckenden Machtfülle über die sie gebieten, noch viel beunruhigender: Sie sind nichts weiter als Heuchler. Mit ihrer Wahlkampagne gegen „Millionäre“ und „Spekulanten“ (die, bei Licht besehen, eine Kampfansage an die Mittelschicht darstellt), soll solchen Wählern, die mit schlichten Gemütern ausgestattet sind, weisgemacht werden, daß sie den Interessen des „kleinen Mannes“ diene. Indes wird die angekündigte Einführung von Vermögens- und Erbschaftssteuern rein gar nichts einbringen. Sie wird vielmehr der Republik – vor allem aber den „kleinen Leuten“, die auf von „reichen Spekulanten“ geschaffene Arbeitsplätze angewiesen sind, schweren Schaden zufügen. Von der Verletzung des Grundrechts auf Eigentum und die entstehende Rechtsunsicherheit mit Blick auf vermutlich weiter eskalierende Begehrlichkeiten des Fiskus ganz zu schweigen. Der große Liberale Dalberg-Acton zu dieser Frage: „Die Arbeiterklasse hat durch eine Schädigung des Kapitals mehr zu verlieren als die Kapitalisten, denn was für letztere den Verlust von Luxus und Überfluss heraufbeschwört, bedeutet für erstere den Verlust des Notwendigen.“

Die „Reichensteuern“ werden gerne mit dem Argument gerechtfertigt, sie träfen ohnehin nur wenige Privilegierte (als ob Unrecht dadurch kleiner würde, dass man es „nur“ einer kleinen Gruppe zufügt), die oft genug als „Spekulanten“ oder „Zocker“ zu Wohlstand gelangt seien. Wir lernen daraus: Wenn Privatpersonen ihr eigenes Geld – auf ihr eigenes Risiko – in Aktien, Grundstücke oder in eigene Unternehmen investieren, so handelt es sich dabei – nach sozialistischer Einschätzung – um „Spekulanten“, die mit aller Härte des Steuergesetzes zu bestrafen sind. Tätigt aber eine „Landeshauptfrau“ (welche Rolle die „Landesnebenfrauen“ im Salzburger Finanzdebakel spiel(t)en, liegt bislang übrigens noch im Dunkeln) oder ein Bürgermeister Finanzgeschäfte, für die nicht sie oder er selbst, sondern der Steuerzahler geradezustehen hat, dann sind das heroische Taten, die im Falle des Scheiterns natürlich keine bürgerlich-rechtliche Verantwortung nach sich ziehen, sondern im schlimmsten Fall mit einem Versorgungsposten bei der Arbeiterkammer sanktioniert werden (zumindest in den Fällen, in welchen es Genossen waren, die „gezockt“ haben). Wenn das keine erstklassige Empfehlung darstellt, wen man im Herbst keinesfalls wählen sollte…

4 Gedanken zu „Herr Dobusch geht ins Casino und kennt sich nicht aus

  1. Rado

    Ach die Gabi, hoffentlich geht es ihr gut im neuen Job bei der Arbeiterkammer.
    2010 war die Welt der Gabi noch in Ordnung und sie war immer zu Frohbotschaften als Drohbotschaften aufgelegt. Zitat: “Verursacher der Krise müssen ihren Beitrag zur Sanierung leisten”
    http://www.ebenau.spoe.at/?pid=1795&id=3415

  2. Thomas Holzer

    Viel tragischer, als daß der Herr Dobusch von “Swaps” nichts versteht, ist doch! daß er es für als selbstverständlich erachtet, seine Unterschrift unter Dokumente zu setzen, ohne diese je gelesen zu haben, ergo deren Inhalt nicht zu kennen.

    Ich bin aber (fast) überzeugt, daß er dieser Handlungsweise nur in seiner Funktion als Bürgermeister fröhnt, nicht jedoch als Privatperson. Kann es sein, daß er wirklich davon überzeugt ist, daß ihm auf Grund der sog. “Realverfassung” in Österreich -siehe auch die Bestätigung der mangelnden geistigen Reife für den ehemaligen LH Dörfler- für seine fahrlässige Handlungsweise keine Strafverfolgung droht?

  3. jeanvaljean

    Auch ein Herr Hundsdorfer sass seinerzeit in einem Meeting des ÖGB und trug so manche Entscheidung mit, die zur Untergang der BAWAG führt.

    Auch er unterschrieb damals nur “ohne Ahnung zu haben was er tat”.

    Offensichtlich ist der linken Reichshälfte die Kirche näher als sie stets bereit ist zuzugeben (… denn sie wissen nicht was sie tun …).

    Selbiger, wahrscheinlich zukünftiger Bundespräsident dieses Landes, bezeichnete kürzlich ja auch einen Fremdwährungskredit nicht als Spekulation. Vermutlich haben er und Dobusch dieselbe Berufsschulklasse oder das Polytechnikum besucht.

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