Herr Keynes als Religionsstifter

(WERNER BECHER) Der keynesianischen Wirtschaftslehre anhängende Ökonomen lieben einfache Zusammenhänge und Formeln. Wenn sich diese in der Realität kaum oder gar nicht bestätigen lassen, irritiert sie das selten. Die Sozialwissenschaften seien eben nicht wie die Naturwissenschaften, wo sich unmittelbar alles wiederholbar beweisen lasse, reden sie sich gerne aus. Aus Sicht der Keynesianer ist Ökonomie demnach offenbar mehr eine Religion, an die man einfach bedingungslos und unhinterfragt glauben soll, als eine Wissenschaft.

Die von Volkswirtschaftsstudenten gefürchtete Phillips-Kurve ist ein typisches und hochaktuelles Beispiel für diese Ignoranz. Blöderweise werken speziell in den staatlichen Zentralbanken wie der EZB und der FED viele streng gläubige Anhänger der Neukeynesianischen Makroökonomik.

Die Phillips-Kurve beschreibt vereinfacht ausgedrückt, dass es einen direkten negativen Zusammenhang zwischen Arbeitslosenquote und Inflation gibt. Demnach muss die Inflation steigen, wenn die Arbeitslosigkeit sinkt und umgekehrt. Weniger Arbeitslosigkeit auf Kosten höherer Inflation erreichen zu wollen, nennen Zentralbanken deshalb als Vorwand, um seit Jahren ihre Gelddruckmaschinen unvorstellbare Unmengen an frischem Geld drucken zu lassen.

Doch die Praxis hat sich wieder mal hartnäckig nicht an eines der kuscheligen Modelle der Keynesianer gehalten. Denn während die Arbeitslosigkeit in Europa und den USA bei Ausbruch der Krise 2008 stark gestiegen ist, blieb die Inflation auf stabil geringem Niveau. Und auch jetzt, wo das Gegenteil der Fall ist und das Beschäftigungswachstum wieder anzieht und die Arbeitslosenquoten sinken, zeigt die Inflation keine Avancen sich zu bewegen. Auch eine gigantische Geldschwemme der Zentralbanken dies- und jenseits des großen Teichs, die den gewünschten Effekt unterstützen und beschleunigen sollte, verpufft seit Jahren ohne jede Wirkung – mit verheerenden Folgen für die Zukunft, da sie als Kollateralschaden gleichzeitig die nächste Finanzblase befeuert.

Doch wer meint, das müsste Ökonomen und Zentralbankern doch zu denken geben und eventuell sogar Selbstreflektion auslösen, der irrt. Denn schließlich handelt es sich ja um keine Wissenschaft sondern um eine Religion. Die Erde muss der Mittelpunkt des Universums bleiben, auch wenn die Realität durch ein Teleskop längst das Gegenteil besagt. (Werner Becher ist erfolgreicher Unternehmer und Manager. Als bekennender Neoliberaler wirft er in seinem Buch “Weicheier machen nicht satt – Eine Abrechnung mit Feiglingen, Mitläufern und Ja-Sagern” (Goldegg) einen kritischen Blick auf die Zustände in der Welt .)

2 comments

  1. oeconomicus

    “No na” – Kurve:
    Wenn (Hoch)konjunktur herrscht, sinkt die Arbeitslosigkeit und es steigt das Inflationsrisiko, `eh klar!´ nach Mundl Sackbauer. Das heißt aber nicht, dass wir durch das Anheizen der Inflation Wirtschaftswachstum erzielen können. Außerdem will Draghi gar nicht die Arbeitslosigkeit bekämpfen, sein primäres Ziel ist es, die Schulden der Südländer hinwegschmelzen zu lassen.

  2. Leitwolf

    Na ja .. der Denkfehler ist eigentlich viel offensichtlicher. Phillips Kurve, Multiplikatormodell, überhaupt der weite Großteil der gängigen Wirtschaftswissenschaften fällt unter das Kapitel “Konjunkturtheorie”.

    Damit darf man sich schon beschäftigen. Nur sollte man sich fragen welche Erwartungshaltung damit verbunden ist. Der permanente Versuch sich auf der Sonnenseite eines KonjunkturZYKLUS(!!!) aufzuhalten, scheint etwas verwegen.

    Genau so gut könnten Skandinavier nach Afrika reißen, um dort das nötige know how zur Verlängerung des Sommers zu erwerben. Oder man könnte mit einem Riesenrad in den Weltraum fahren – wenn man nur Teil wo es wieder bergab geht zu vermeiden lernt.

    Das ständige rotieren um das Thema Konjunkturzyklus versperrt leider die Sicht auf die wesentlichen Fragen. (Endogene) Wachstumstheorie fristet dagegen ein Nischendasein in der Ökonomie.

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