Herr Strache kann zufrieden sein

Von | 12. Oktober 2013

(C.O.) In Frankreich liegt in den aktuellen Umfragen zur 2014 anstehenden Wahl des EU-Parlamentes die Front National der rechtsextremen Marie Le Pen bereits deutlich an erster Stelle vor den Bürgerlichen und den Sozialisten. Man braucht nicht allzu viel politische Fantasie, um dies als Vorboten einer auch hierzulande denkbaren Entwicklung zu deuten, nicht nur im Hinblick auf die EU-Wahlen, sondern durchaus auch auf die nächste Nationalratswahl.

Umso bemerkenswerter ist, wie die beiden großen Opponenten der FPÖ in Österreich seit der Wahl an dieses Problem herangehen: recht entspannt, um es einmal freundlich zu formulieren. Wenn der langgediente SPÖ-Klubobmann meint, man müsse die vorzügliche Regierungsarbeit halt künftig “besser kommunizieren” und die ÖVP-Innenministerin in der “ZiB 2” bloß eine sorgfältig von Inhalten gesäuberte Worthülse an die andere fügt, sind das nicht besonders überzeugende Indizien für einen echten, redlich gemeinten Neubeginn. Die bisherige Lernkurve der beiden Regierungsparteien beeindruckt nicht eben durch ihre Steilheit. Herr Strache kann mit dem bisherigen Verlauf der Dinge also ganz zufrieden sein.

Dazu kommt, dass auch das ziemlich evidente Bedürfnis nach neuen Gesichtern in der Regierung nicht eben in überbordendem Ausmaß erfüllt zu werden scheint. Der Wähler sieht sich an Politikern relativ unabhängig von deren Performance nach einer gewissen Zeit einfach satt. Parteien, deren Marktanteile derart konstant, lange und signifikant zurückgegangen sind wie jene von SPÖ und ÖVP, werden diesen Trend ausgerechnet mit hoher personeller Konstanz nicht umkehren können. Dabei hätten beide Parteien im weiteren Umfeld (noch?) durchaus gut geeignete Kandidaten für eine Blutauffrischung in den obersten Rängen: etwa den trockenen Banker Andreas Treichl (von dem die feine Formulierung stammt: “Ich weiß eigentlich nicht mehr genau, warum ich noch ÖVP wähle”) oder den international höchst erfolgreichen Medienmanager Gerhard Zeiler bei den Sozialdemokraten.

Dass selbst weniger prominente Schwergewichte aus der wirklichen Welt jenseits der Politikblase so schwer dafür zu gewinnen sind, für eine Zeit in die Politik zu gehen, haben sich die Parteien weitgehend selbst zuzuschreiben. Gerade für Führungskräfte ist die Aussicht, sich in die byzantinisch organisierten Machstrukturen der ehemaligen Großparteien mit ihren zahllosen informellen Machtzentren, scheinbaren personellen Alternativlosigkeiten und real existierenden Denkverboten einzufügen, von höchst überschaubarer Attraktivität. Jene “Entfesselung”, von der Herr Spindelegger im Wahlkampf sprach, täte den beiden Regierungsparteien mit ihren Organisationsformen aus dem vorigen Jahrhundert nicht schlecht.

Dazu kommt, dass die Politik für Stars auch wirtschaftlich völlig unattraktiv ist: Ausgewiesene Nieten sind deutlich überbezahlt, tüchtige (so was gibt es ja auch) Politiker arg unterbezahlt. All dies nach dem Motto “Es gibt genug zu tun, lassen wir es sein” einfach zu ignorieren, wird zu einem spannenden Wahlsonntag 2018 erheblich beitragen. (WZ)

 

8 Gedanken zu „Herr Strache kann zufrieden sein

  1. Christian Peter

    “Tüchtige” Politiker arg unterbezahlt ? Wäre interessant zu wissen, woran sich die vermeintliche Tüchtigkeit des (weit überbezahlten) Berufspolitiker – Gesindels messen sollte.

  2. world-citizen

    Und was soll das? In Frankreich oder Österreich mag das ja viel sein, aber im EP sind sie dann 5 Jahre lang nur ein kleines Häuflein fraktionsloser.

    Und die Bildung einer gemeinsamen Fraktion kann und wird ihnen auch in Zukunft nicht gelingen.
    Sie vertreten ausschließlich nationale Interessen.
    Nationale Interessen richten sich aber gesetzmäßig ausnahmslos immer gegen nationale Interessen anderer Staaten. Daher ist jedweder Versuch einer Kooperation wegen der, sich zwangsläufig ergebenden Interessenkollision automatisch zum Scheitern verurteilt.

    Sie vertreten das Europa des 19. Jhd. das aus gegeneinander rivalisierenden und mitunter sich gegenseitig bekämpfenden “Vaterländer” besteht.

    Sie sind nichts weiter als skrupellose Unruhestifter und Kriegstreiber.

    Es gibt leider Bakterien, die Penicilinresistent sind und es gibt leider auch einen gewissen Prozentsatz in der Bevölkerung, die Beratungs- und Aufklärungsresistent sind.
    Und es gibt mehr und mehr Vorurteile, die in die Welt gesetzt werden, die trotz ihrer Faktenresistenz geglaubt werden.

  3. rubens

    wc

    Sie sind ein Ideologe, an Sachpolitik weitgehend uninteressiert. Es gibt leider noch immer Menschen, die Eigenschaftswörter groß schreiben.

  4. nattl

    @Wordcitizen: Menschen, die nicht ihrer Meinung sind mit penicilinresistenten Bakterien gleichzusetzen sagt alles über ihr Mindset aus. Für mich haben sie sich mit diesem Statement gerade aus jener Gruppe rausgeschossen, die ich halbwegs für ernst nehmen kann.

  5. Christian Peter

    Es gibt Schlimmeres als ein Wahlerfolg Marine Le Pens. Dieser ist vielmehr begrüßenswert, denn die linken Christdemokraten und Sozialdemokraten richten Europa zugrunde. Mit der Ansehlichkeit der Volksvertreter – Gesichter hat dies herzlich wenig zu tun.

  6. gms

    WC,

    “Nationale Interessen richten sich aber gesetzmäßig ausnahmslos immer gegen nationale Interessen anderer Staaten.”

    Bei solchen Ansagen vermißt man doch glatt ein nachgeschobenes Emoticon fürs trotzige Fußaufstampfen. Darf ich Ihrem “gesetzmäßig ausnahmslos immer” vielleicht noch ein gehetztes “ausnahmslos in jedem Fall und unter gar keinen Umständen jemals anders als” anfügen? So wie Sie es schrieben, quasi im kleinen Dreier-Pack für den Singlehaushalt, kommt das Apodiktische der Message halt verdammt schwach rüber.

    “Und es gibt mehr und mehr Vorurteile, die in die Welt gesetzt werden, die trotz ihrer Faktenresistenz geglaubt werden.”

    Zweien davon sitzen Sie selbst ja unbeirrbar auf. Das erste ist Ihr unerschütterlicher Glaube an die Segnungen eines Irrtumsmonopols, wonach ein Kartell der Regierungen den Bürgern in deren Rolle als Zwangskonsumenten dieses Kartells zum Vorteil gereicht.
    Das zweite ist Ihr Festhalten am Szenario rollender Panzer und fliegender Raketen, würde nicht irgendein Zentralgremium all die kriegslüstern und blutrünstig in den Startlöchern scharrenden Staaten in Zaum halten.

    Wissen Sie, was das Erbärmliche an Linken ist, unter die ich Sie mal taxfrei einrechne? — Sie sind selbst vorgeblich die tugendhaftesten aller Menschen, die jemals diesen Erdboden berührten, während der Rest der Menschheit aus anzukettenden Raubtieren besteht, die keine Gelegenheit auslassen würden, übereinander herzufallen.

    Kann es vielleicht nicht viel eher so sein, daß Linken der Gedanke an friedliche Kooexistenz zum gemeinsamen Vorteil nicht ins eigene neidzerfressene Hirn rein will, und sie bloß ihre eigene emotionale Unfähigkeit auf den Rest der Menschheit projizieren?

  7. Christian Peter

    Interessant, wenn in einer im Staatseigentum befindlichen Postille regelmäßig (noch) höhere Gagen für Berufspolitiker gefordert werden – ein Schelm, wer dabei Böses denkt.

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