7 comments

  1. Reini

    war das nicht schon immer so, dass der Westen mehr Schaden als Nutzen in den Entwicklungsländern gebracht hat!? – und er machts noch immer!

  2. Lisa

    Entwicklungshilfe geschah nie aus humantären Gründen, nicht mal bei den früheren chrsitlichen Missionaren. Das Ziel war immer wirtschaftlich – und zwar für die eigene Nation. Wem nützt es denn, dass schon fast jeder Afrikaner ein Handy hat, Afrikanerinnen keinen Solarkocher, sondern eine Einbauküche wollen? Die Jungen wollen Jeans, nicht Baströckchen, sie wollen Kartoffelchips, nicht Bananenchips kaufen. Wer will schon ein Kamel, wenn es Autos gibt!? Und wem nützt dieser “Bedarf” letztlich?

  3. Reinhard

    Das geflügelte Wort, niemals nie zu sagen, trifft auf die obigen Kommentare ganz besonders zu: Sind die skandinavischen Länder und die Niederlande nicht Teil des Westens? Diesen Ländern zu unterstellen ihre Entwicklungshilfe wäre nicht huminitär orientiert ist zumindes gewagt – und dann sollte man es auch begründen, und zwar möglichst detailliert. Ich bezweifle, dass das nachgereicht wird.

    Aber um zum eigentlichen Thema zu kommen: Innerhalb dieses Artikels sind ja schon alle Widersprüchlichkeiten der westlichen Entwicklungshilfe aufgezeit, man muss sie nur richtig lesen! Zunächst einmal ist das Verhältnis von militärischer zu huminitärer Hilfe beschämend: wenn die ziviele Hilfe nur 4,2 % ausmacht, dann hat das schon mal eine gewisse Aussagekraft. Wenn man dann die humanitäre Hilfe noch auf den Zeitraum aufteilt und pro Einwohner rechnet ergibt sich die Zahl von 186 Dollar im Jahr – eine lächerlich geringe Summe gemessen an den riesigen Aufgaben. Sich dann darüber zu mokieren, die Hilfe würde keine Wirkung zeigen ist purer Zynismus.

    Hier wird eine Analyse der westlichen Entwicklungshilfe vorgenommen, die Ursache und Wirkung völlig umkehrt: sie sei Wirkungslos, und deshalb auch zu hoch. In Wirklichkeit ist genau das Gegenteil der Fall: Das Spardiktat bei der huminitären Hilfe bewirkt gerade die begrenzenten Möglichkeiten dieser. Österreich gibt seit Jahrzehnten weit weniger als die von der UNO angestrebten 0,7 % des BIP aus, im Jahr 2014 nur 0,27 %. Das ist in etwa so, als würde man 70 Menschen zum Kaffekränzchen einladen, nur 27 Tassen hinstellen und sich dann über die Unzufriedenheit bzw. Wirkungslosigkeit der Maßnahmen zu wundern oder gar zu behaupten, das Ganze hätte nicht gewirkt weil zu viele Tassen da waren.

    Erstaunlich halte ich allerdings den Verweis auf das Staatsmonopol: Vom Zentralorgan des Neoliberalismus wird mir ein Artikel empfohlen, in dem beklagt wird, dass das Staatsmonopol bei der Gestaltung gesellschaftlicher Entwicklung umgangen wird. Nun ja, ich will ja jedem zugestehen, klüger zu werden.

    Ein wenig Schmunzeln darf man wohl auch über die Klage, die Probleme des afghanischen Staatsbudgets seien auch deshalb so groß, weil Reiche und Superreiche keine Steuern zahlen würden. Was für die Entwicklung Afghanistans abträglich ist, wird wohl auch Österreich und Deutschland nicht helfen – Starbucks, Fiat & Co. grüßen uns nämlich aus Luxemburg zu Bedingungen, die mit Gleichheit der Marktteilnehmer überhaupt nichts zu tun hat.

    Wer heute das Ö1 Mittagsjournal gehört hat, konnte übrigens auch folgende Zahlen vernehmen, die in diesem Zusammenhang relevant erscheinen: für nur 60 Millionen Euro könnten in der Region um Syren 213.000 Flüchtlinge ein Jahr lang versorgt werden, für die 95.000 Asylsuchenden in Östereich wird in einem Jahr mit einem Aufwand von einer Milliarde gerechnet, die vermutlich gar nicht ausreicht.
    Es kann also über Entwicklungshilfe wesentlich mehr Menschen geholfen werden, als über die Grundversorgung in Österreich oder Deutschland. Das Problem daran ist nur, dass man es machen muss, bevor (!!) es zu Fluchtbewegungen kommt, wie wir sie dieser Tage erleben. Die österreichische Regierung ist vielleicht dazu nicht in der Lage, vielleicht fehlt auch der politische Wille. Dass die Neolieberalen und Herr Ortner dieses Problem vernünftiger lösen würden bezweifle ich aber auch stark.

  4. AD

    @Reinhard
    wenn ich Ihren Verweis auf das Ö1 Mittagsjournal und die da genannten Zahlen lese glaube ich, dass Sie ein “Profiteur” einer Entwicklungshilfe nach dem System “Suppenküche” sind. Entwicklungshilfe sollte Hilfe zur Selbsthilfe sein und nicht Fütterung der Bevölkerung, Zerstörung der Wirtschaft durch Export von steuersubventionierten Agrar- und Fleischprodukten in Entwicklungsländer, Verkauf von Billigstkleidung durch Caritas und andere u.v.a.m.

    Entwicklungshilfe ist heute vielleicht der größte Industriezweig mit den meisten Arbeitnehmern und dient vorwiegend dem Selbstzweck. Über Haiti hat ein Haitianer einmal bemerkt: zuerst kam das Erdbeben, dann der Tsunami und dann die Entwicklungshelfer. Dann waren die Haitianer noch ärmer, da, verursacht von den Entwicklungshelfern, das Preisniveau gleich auf jenes von Florida sprang.

  5. Lisa

    @Reinhard: Den einzelnen Missionaren, Entwicklungshelfern und Ärzten ohne Grenzen gestehe ich Altruismus, Nächstenliebe und Idealismus durchaus zu. Nur: wenn die Wirtschaft dadurch nicht profitieren, sondern ihr geschadet würde, wären die Hifsorganisationen schnell am Ende ihrer Bemühungen. Spenden bestehen nicht nur aus dem Scherflen der armen Witwe. Würde die Entwicklungshilfe auf Eigeninitiative zum einfachen Überleben beharren, einheimisches Schaffen ohne Exportabsichten fördern und westlichen Technokram verteufeln, wären sie schnell entfernt. Die leicht selbst zu bauenden Solarkocher konnten sich nicht durchsetzen, weil durch TV und andere Bilder jeder Afrikaner weiss, wie zivilisierte Menschen kochen. Die MSF impfen zwar Scharen von Kindern, heilen Krankheiten, schienen Brüche – und wer liefert die Medikamente? Richtig: die Pharamindustrie. Die Natur rechnet beim Nachwuchs immer auch mit Verlusten, das war bei uns vor ein-zweihundert Jahren auch so: von zehn Geborenen überlebten manchmal vielleicht zwei. Das darf nicht sein, denn nicht mal zwei Kinder pro Frau versprechen kein Wirtschaftswachstum, in einer saturierten GEsellschaft ohnehin nicht – wir können uns leichter einschränken als jemand, der noch nie was gehabt hat. Auch das Missionieren hatte keinen göttlichen, jenseitigen Auftrag, sondern das Ziel, die LEute zu bilden und mit europäischen Werten vertraut zu machen.

  6. Reinhard

    @AD: Ich kann Ihnen versichern, dass ich überhaupt keinen Profit aus einer Zunahme von Entwicklungshilfe ziehen würde, ich bin damit in keiner Weise wirtschaftlich verbunden. Aber der Hinweis auf Schwächen und eventuelles Versagen von Entwicklungshilfe in einigen Fällen und Ländern (Haiti) ist ein nur unzureichender Versuch etwas zu Verteidigen, das man eigentlich nicht verteidigen kann: den Geiz der Industrieländer.
    Die am wenigsten entwickelten Länder der Erde stehen vor einer Reihe von Herausforderungen: Überbevölkerung, mangelnde Infrastruktur, zu wenige und nicht funktionierende Bildungs- und Gesundheitssysteme. Es hilft dabei nicht, nur an einem Schräubchen zu drehen und zu erwarten, dass sich dann alle Probleme lösen. Fakt ist aber, dass die westlichen Länder (mit Ausnahme der bereits genannten) die von der UNO angestrebte Quote von 0,7 % einfach nicht erfüllen, und damit einfach zu wenig Hilfe leisten. Wenn ich für eine Autoreperatur 7 Ersatzteile brauche, aber dann so geizig bin nur 3 zu kaufen, dann darf ich mich am Ende nicht darüber wundern, dass es überhaupt nicht funktioniert, so einfach ist es. Dann ist es auch müßig, über die Qualität und Effizienz der 3 erstandenen Teile nachzudenken.

    @Lisa: Es mag schon sein, dass sich durch Entwicklungshilfe auch positive Effekte für die Geberländer einstellen, z.B. die Pharmaindustrie oder eben die Löhne für Entwicklungshelfer, die dann unter Umständen ja wieder in den westlichen Ländern ausgegeben werden. Aber was ist das Problem daran? Wenn der Arzt was Gutes bewirkt kann er sein Gehalt wo auch immer ausgeben, für den Patienten wird die geleistete Arbeit deshalb nicht schlechter. Die Diskussion darüber wie nachhaltig Entwicklugnshilfe ist gibt es auch in den USA, und es wird immer wieder durch Pseudoargumente versucht den eigenen Geiz zu rechtfertigen. Wenn die Kindersterblichkeit gesenkt wird und Kinder überleben anstatt durch vermeidbare Mangelernährung oder fehlende medizinische Grundversorgung zu sterben, dann ist das einfach moralisch gesehen Gut – egal, ob die Hilfe dann nachhaltig organisiert war oder nicht. Leider hat man bei solchen Diskussionen oft das Gefühl, dass nicht einmal dieses banalste moralische Grundfundament beim Gegenüber gegeben ist – ohne dass dies ein Vorwurf an Sie wäre.

  7. Lisa

    “Links sitzt der Neid, rechts der Geiz” sagt mal einer. Solange Entwicklungsländer, bzw. deren Bürger, als Ziel die westlichen Konsumgüter und den westlchen Lebensstil sehen, wird es so weitergehen wir bisher: der Geburtenüberschuss armer Länder wird exportiert, irgendwo müssen all die geretteten Kinder ja später unterkommen. Sarkozy sagte mal öffentlich, Monsieur Ebola würde das Migrationsproblem in wenigen Monaten lösen. Das ist zynisch – aber Zynismus hat auch eien scharfen Blick auf Tatsachen. Moral ist eine seeehr dünne Schicht auf dem menschlichen Bestreben nach Macht, dem Hang zu hemmungslosem Egoismus und dem: homo homini lupus. Nur durch ein Handeln, das ein Gleichgewicht zwischen eigenen und fremden Interessen herstellen kann, ist moralisch zu nennen, nicht ein kurzlebiger flashmob von Gutmeinenden. Man kann einem Säufer aus lauter Mitleid eine Flasche Slivovitz schenken – wem hat man damit einen Gefallen getan? Doch letztlich nur sich selbst, wenn man im Hochgefühl seines Gutmenschentums von dannen geht. Es gäbe auch vernünftigeres gutes Handeln.

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