Hilft Exorzismus gegen Corona?

Von | 19. Dezember 2021

(C.O.) Die Psychiaterin Heidi Kastner, Autorin des Bestsellers “Dummheit”, kommt angesichts der verhaltensauffälligen Corona-Demos zu einer bemerkenswerten Diagnose. Studien, meinte sie in einem “Falter”-Interview, hätten ergeben, dass “gebildete Frauen mittleren Alters das Gros der Impfgegner ausmachen”. Als Mann würde man sich das ja eher nicht so zu formulieren trauen, wenn einem das soziale Leben noch irgendwas bedeutet; aber als renommierte Psychiaterin kommt man damit eventuell noch durch.

Versucht man, die Ursachen der überdurchschnittlich ausgeprägten Abneigung gegen die Covid-Impfung und die Motive der Impfgegnerinnen herauszufinden, fällt einem etwa bei Lektüre der an sich recht gut beleumundeten Frauenzeitschrift “Woman” auf, dass dort eine Frau Kuhn Folgendes schreibt: “Die in dieser Jahreszeit verstärkt auftretende kosmische Schadstrahlung schwächt unser Abwehrsystem.” Ein Missstand, dem man aber “mit Mistelzweigen und Weihrauchstäbchen entgegenwirken” könne. Und nein, das ist kein satirischer Beitrag.

Gedruckt wird so was, nicht nur in “Woman”, weil Nachfrage danach besteht. Und diese Nachfrage besteht nicht nur, aber auch, weil die Österreicher in besonders hohem Ausmaß eher distanziert der Wissenschaft gegenüberstehen – was, wie viele Studien zeigen, wiederum negativ mit der Impfbereitschaft korreliert. Das heißt: Je weniger eine Gesellschaft rational und wissenschaftlich orientiert ist und je mehr sie stattdessen an Esoterik und Scharlatanerie glaubt, umso schutzloser steht sie Corona gegenüber.

Es ist langsam keine kuriose, aber harmlose Eigenheit der Alpenrepublik, derartigen Blödheiten im öffentlichen Diskurs noch immer so viel Platz einzuräumen – und damit diesen Effekt noch weiter zu verstärken. So bin ich mir nicht ganz sicher, ob es dem Bildungsauftrag des ORF entspricht, einer Quacksalberin wie Gerda Rogers seit Jahrzehnten außerordentlich üppig Sendezeit zur Verfügung zu stellen, wo die Hörer dann zum Beispiel erfahren, dass die Pandemie erst zu Ende sein werde, “wenn der Neptun aus den Fischen geht”.

Dass dergleichen in Österreich als irgendwie normal empfunden wird, dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass es irgendwie normal ist. An den Fingern einer Hand abzählen kann man jene Zeitungen, die keine Horoskope abdrucken, im teuersten vegetarischen Restaurant wird völlig selbstverständlich Granderwasser serviert, wirkungslose Globuli werden zur Prime-Time im TV beworben, der Gesundheitsminister neigt in seinem Job als Arzt der Traditionellen Chinesischen Medizin zu, ein Spitalneubau wird mit einem Energiering versehen – es ist, als hätte die Aufklärung nie stattgefunden. Fehlt eigentlich nur noch, dass irgendjemand Exorzisten aus Rom gegen Corona einsetzen will. Das passte ja irgendwie voll in das Bild, das dieses Land abgibt.

Es wäre an der Zeit, endlich gegen diese Metastasen des Irrationalen in allen Lebensbereichen vorzugehen. Nicht mit Verboten, aber indem die sogenannte Zivilgesellschaft allen, die für so was verantwortlich sind, klarmacht, dass dieser Gurkenhandel enden muss, besser heute als morgen. (“WZ”)

13 Gedanken zu „Hilft Exorzismus gegen Corona?

  1. Johannes

    Ich denke Sie haben teilweise recht.
    Astrologie kann eine kleine Unterhaltungsnische sein, ein wenig wie Bleigieße zu Neujahr. Scheinbar ist es ein aus Urzeiten in uns gebliebenes Übrigbleibsel welches die meisten lieb gewonnen haben, ohne es übermäßig ernst zu nehmen.
    Wo ich Ihnen aber voll Recht gebe ist der boomende Markt mit wertlosen aber dafür umso teureren Wundermitteln.
    Hier scheint man tatsächlich einem Phänomen gegenüberzustehen das an Gefährlichkeit zunimmt.
    Hier entsteht ein Milliardengeschäft das mit teilweise haarsträubenden Behauptungen ein Geschäft mit der Hoffnung von teils schwerkranken Menschen macht.
    Dort hört sich der Spaß dann auch auf, wie der viele Jahre zurückliegende Fall eines Kindes, welches an einem kopfgroßen Nierentumor litt zeigte.
    Damals wurde übrigens gegen den Wunsch der Eltern das Kind mit schulmedizinischen Methoden gerettet.

  2. Falke

    Es ist meiner Meinung nach nicht korrekt, Esoterik und Schalatanerie mit der offenbar rein statistisch oder empirisch festgestellten vermehrten Abneigung von gebildeten Frauen gegen die Impfung in einen Topf zu werfen. Schon die Tatsache, dass es sich eben um gebildete Frauen handelt, zeigt doch, dass der Grund dafür nicht in irgendwelchem Zauber-Schnickschnack liegt, sondern offenbar in rationalen Überlegungen, möglicherweise auch in persönlicher Erfahrung: Es wird ja auch immer öffentlich beklagt, dass gerade beim Pflegepersonal (das ja bekanntlich überwiegend weiblich ist) die Impfquote besonders niedrig ist und auch die Neigung, bei einer Impfpflicht den Beruf aufzugeben. Weiters bin ich zwar der Letzte, der dem aktuellen Gesundheitsminister besondere Fähigkeiten und Kompetenz zugesteht, allerdings bin ich auch überzeugt, dass die Traditionelle Chinesische Medizin durchaus ernst zu nehmen ist und ihre Meriten hat.

  3. Johannes

    Eventuell wäre es hilfreich gegen Corona, noch ein paar Hexxen zu verbrennen. Zumindest paßte es in das antiaufklärerische Bild, welches Ö darbietet.

  4. Mourawetz

    Das lässt mich an der vernunftbegabung der Frauenzeitschriftleserinnen etwas zweifeln. Hoffentlich leben sie in ihrer eigenen schönen Welt, wo sie niemanden stören. Wen wählen die eigentlich?

  5. hausfrau

    Würde man die Metastasen des Irrationalen in allen Lebensbereichen bekämpfen wäre es zweckmäßig, ganz oben anzufangen. Von oben nach unten. Würde man die Wahrheit zusätzlich bemühen wäre es sogar effektiv.
    Das mit den Frauen liegt vielleicht auch daran, daß sie die Impfnebenwirkungen ganz gut wahrnehmen können. Weil sie die nicht sofort Verstorbenen nämlich pflegen. Wer springt denn gern aus dem Fenster nur weil das irgendein Irrer gut findet?
    Damit dem Mainstream genüge getan wird sollte man zu Hexenverbrennungen greifen, nicht?

  6. hausfrau

    Gehört zur Zivilgesellschaft nicht auch Van der Bellen, der sich mit Werken der Natascha Strobl bildet?

  7. hausfrau

    Und wenn wir schon bei “Dummheit” sind –
    Wer war denn so wissenschaftsfeindlich keine Daten zu erheben, mit deren Hilfe zweckdienliche Maßnahmen möglich gemacht werden hätten können?
    – Das geht nicht wegen dem Datenschutz
    – Der spielt aber bei der Durchsetzung und Bestrafung des Impfzwangs plötzlich keine Rolle?
    – Wer ruft auf zu einer Demo zum Kerzerlanzünden? Ist leicht das Virus so intelligent, daß es nur bei Kritikern der Maßnahmen gefährlich ist?
    – Und ist es nicht Heuchelei? Wem bringt das genau was? Hilft das dem Personal oder ist das nicht bloß eine widerwärtige Selbstinszenierung?
    Wird da auch den im Dienst der “Wissenschaft” geschädigten gedacht, oder sind die nicht eh bloß egal?
    Welche erhabene Moral rechtfertigt das?
    Kann es nicht sein, daß die Zeugen Coronas ein bisserl radikalisiert sind?

  8. LePenseur

    Chère Hausfrau,

    Ihre treffende Replik zu Herrn Mag. Ortners Artikel erlaube ich mir als Gastkommentar auf dem LePenseur-Blog zu bringen.

    Cordialement

    LePenseur

  9. Heinrich Moser

    “Gedruckt wird so was, nicht nur in “Woman”, weil Nachfrage danach besteht. Und diese Nachfrage besteht nicht nur, aber auch, weil die Österreicher in besonders hohem Ausmaß eher distanziert der Wissenschaft gegenüberstehen”
    Ich versuche es nochmal, ohne zu schreiben, was ich davon halte.
    Die Arzneimittelwerbung unterliegt so vielen Einschränkungen, dass es kaum Möglichkeiten gibt, damit viel Geld zu verdienen. Homöopathische und esoterische Produkte unterliegen keiner Werbebeschränkung (Heilsversprechen auch nicht, aber das ist ein anderes Gesetz). Daher haben viele Medien (und ich denke da z.B. an unser abboniertes Blatt, die KLEINE) immer wieder “Gesundheitsbeilagen”, in denen genau solche Produkte, auch redaktionell, beschrieben werden.
    Das pusht natürlich auch den Markt und wird nicht nur von Frauen gemacht.

  10. Johannes

    Sehr geehrter Herr Ortner, da wurde etwas bei diesen Postings unter Johannes gedruckt das ich nicht geschrieben habe.
    Sollte es in Zukunft möglich sein das auch andere unter diesem Namen hier schreiben müsste ich meine Tätigkeit einstellen, weil es dann unübersichtlich würde und eine Unterscheidung zwischen meiner und der Meinung des anderen Johannes nicht mehr möglich ist.

  11. Johannes

    Soweit ich mich erinnere war das mit dem Hexenverbrennen von jemand anderen gepostet. Von mir ganz sicher nicht

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