Hoeness, Putin, und PC

(ANDREAS TÖGEL)  Wer hierzulande Nachrichten ausschließlich aus den staatlichen elektronischen Medien oder aus den großen Zeitungen bezieht, läuft Gefahr, einseitig informiert zu werden. Denn der durch den Siegszug der politischen Korrektheit (PC) ausgeübte Druck auf die Bericht erstattende Zunft ist derart groß geworden, daß die meisten Analysten oder Kommentatoren es zu selten wagen, von der Meinung ihres Kollektivs abzuweichen. Egal worum es geht – kontroverse Beiträge wird man gerade noch zu absolut belanglosen Themen finden. Bei den wichtigen Fragen indessen – besonders den politisch oder wirtschaftlich relevanten – herrscht ein bemerkenswerter Gleichklang.

Zwei aktuelle Beispiele: Da wäre einmal der „Fall Hoeneß“. Kaum ein Beitrag zum Steuervergehen des sportlich und beruflich höchst erfolgreichen Ex-Kickers kommt ohne die faktenwidrige Behauptung aus, bei seinen steuerschonenden Machenschaften habe es sich um „Betrug“ gehandelt. Das dem deutschen ähnliche Strafgesetz Österreichs definiert Betrug in seinem § 146 wie folgt: „Wer mit dem Vorsatz, durch das Verhalten des Getäuschten sich oder einen Dritten unrechtmäßig zu bereichern, jemanden durch Täuschung über Tatsachen zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung verleitet, die diesen oder einen anderen am Vermögen schädigt…“ Nichts davon hat Hoeneß getan. Er hat weder sich noch andere auf Kosten Dritter „bereichert“! Niemand wurde von ihm am Vermögen geschädigt. Er wollte nichts weiter, als sein rechtmäßig erworbenes Eigentum behalten. Was er getan hat ist alles andere als Betrug!

Wahr ist: Eine gut organisierte, vor nichts zurückschreckende, wie der Ökonom Hans-Hermann Hoppe es formuliert, „kriminelle Organisation“ namens Staat, fordert von Hoeneß und anderen Leistungsträgern ständig steigende Tributzahlungen. Das auf diese Weise erbeutete Geld wird umgehend Minderleistern, Sykophanten und seinen eigenen Bütteln zugeschanzt oder für allerlei sinnfreie Extravaganzen (Flughafen Berlin, Hypo Alpe-Adria, um nur zwei aktuelle Fälle zu nennen) verpulvert. Hoeneß hat gegen das Gesetz verstoßen. Das Recht hat er aber nicht verletzt.

Wie Arthur Laffer nachweisen konnte: Je exzessiver die Plünderungen durch den Fiskus ausfallen, desto größer wird der Steuerwiderstand. Außerdem gilt: Jeder Euro, den der Staat nicht verbraten kann, ist ein Gewinn für die Gesellschaft. Dieser Tatsache eingedenk, erscheint der Kriminalfall Hoeneß´ plötzlich in ganz anderem Licht. Daß ausgerechnet die Redakteure des ORF, hoch subventionierter und mittels direkter Zuwendungen in Form von Gefälligkeitsinseraten – also mit aus Steuern stammenden Geldern – „motivierten“ Zeitungen, sich vor lauter Empörung über einen Fall von Notwehr eines erfinderischen Nettosteuerzahlers nicht mehr einkriegen können, ist kaum mehr als originell zu bezeichnen. Es ist die pure Chuzpe!

Ein zweites Bespiel ist das rezente Drama in der Ukraine. Ohne kollektives Russlandbashing geht es dabei nicht. Während US-Präsident Obama zur Lichtgestalt erklärt wird (so viele mit Hightech-Waffen verübte Morde in Übersee kann der gar nicht veranlassen; So viele Europäer kann er durch seine Geheimdienstschnüffler gar nicht bespitzeln lassen, um dafür schlechte Zensuren zu erhalten), ist der russische Präsident – der als ehemaliger Spitzenbeamter des KGB zweifellos kein harmloser Chorknabe ist – für die Berichterstatter in Österreich beinahe ausnahmslos auf die Rolle des skrupellosen Desperados festgelegt. Doppelmoral pur. Ob im Reich von Zar Putin ein paar den „Fotzenaufstand“ probende „Künstlerinnen“ wegen Handlungen verurteilt werden, die auch hierzulande den Strafrichter auf den Plan gerufen hätten, oder ob eine mit ihm sympathisierende, immerhin aber rechtmäßig im Amt befindliche Regierung eines Nachbarlandes verfassungsmäßige Einrichtungen von der Polizei gegen gewalttätige Randalierer beschützen läßt – er ist doch stets der perfide Anstifter und grundsätzlich an allem schuld. Diese Art der Berichterstattung grenzt – sowohl in Deutschland als auch in Österreich – an Desinformation, wie u. a. der unten genannte Filmbeitrag eindrucksvoll belegt. „Friedliche Demonstranten“ gegen „gewalttätige Polizisten“? Wohl kaum! Nicht nur die ukrainischen Sicherheitskräfte, sondern auch die mutmaßlich aus dem Westen unterstützten „demokratischen“ Gegner der mittlerweile weggeputschten Regierung Janukowitsch, haben brutale Gewaltakte verübt. Daß zeitgleich die ebenso korrupte wie machtgierige Frau Tymoschenko zur Volksheldin stilisiert wird, passt ins surrealistische Bild. Jedenfalls erfolgt die einschlägige Berichterstattung völlig einseitig! Wem sie wohl nutzt…?

Die Meldungen über die politische Abspaltung der Krim liegen auf exakt derselben Linie. „Russland krallt sich die Krim“ (Ö1 Mittagsjournal des ORF vom 19. 3.). Daß die dort eben erfolgte Abstimmung keinen westlichen Standards entspricht, ändert nichts an der klaren demokratischen Mehrheit für den Anschluß der Halbinsel an Russland. „Gewaltsame Okkupation“? Wie auch immer die Wahlvorbereitungen hätten ablaufen mögen; Wie auch immer die Wahlurnen hätten beschaffen sein sollen: Das Ergebnis hätte doch stets gleich gelautet: „Heim ins Reich“. Und, nur für den Fall, daß es jemand vergessen haben sollte: Es wird nun lediglich ein Zustand wiederhergestellt, der vor 60 Jahren schon bestanden hat. Damals, als der Kommunist Chruschtschow die Krim – ohne Abstimmung – der Ukraine zugeschlagen hat, hat sich im Westen übrigens keiner aufgeregt…

Klar, wer, wie viele Redakteure der Massenmedien, im entstehenden europiden Zentralstaatsmonstrum die größte Erfindung seit dem Untergang des römischen Imperiums sieht, wird jede Autonomiebestrebung mit scheelen Augen betrachten. Gleich, ob es sich um Katalonien, Schottland, die Krim oder die Donez-Region handelt. Allerdings sollten die Meinungsmacher sich dennoch an die Wahrheit halten. Ohne ein Minimum an Objektivität kann bei den aktuellen Geschehnissen einfach nur noch von antirussischer Propaganda und nicht von Information die Rede sein.

Die Welt ist in einem Holzschnitt nicht realistisch darzustellen. Schwarzweiß-Bilder reichen nicht. Es gibt eben auch Grautöne. So viele gute Gründe zur Kritik auch immer vorliegen mögen: Das heutige Russland ist so wenig das „Evil Empire“, wie sein – demokratisch gewählter – Präsident der Herr der Finsternis ist! Das ist keine Apologie eines „Putinverstehers“. Es ist ein Plädoyer für eine besser ausgewogene Berichterstattung!

8 comments

  1. Reinhard

    @Christoph
    Wann genau und aus welchem Grund wurde dieser Vorgang zur Annektion umgedeutet?

  2. waldsee

    christoph,was hat das mit hitler zu tun? stalin hat vor über drei generationen fast 30 millionen ukrainer getötet und ukrainer wollten dann mit hitler endsiegen.aber heute sind die akteure und umstände andere.

  3. Reinhard

    @Andreas Tögel
    Sehr guter Beitrag! Man wird ja inzwischen schon zum prorussischen Putin-Freund gestempelt, wenn man es wagt, die westlichen rechtswidrigen Provokationen als solche zu bezeichnen und Putins Reaktion als vorhersehbar. Ich sehe und lese nur noch hetzerische Kriegspropaganda und finde das im “Firedensprojekt EU” mehr als bedenklich. Vor Allem aber entlarvend.

  4. gms

    Was Bürger zwischenzeitlich von den Medien (*) halten, kann anlaßbezogen auf [1] nachgelesen werden. Der beispielhaft und noch gelinde ausformulierte Tenor dabei: “Der mündige und informierte Bürger verliert zunehmend nicht nur das Vertrauen in die Politiker, sondern auch das in die Journalisten.”

    Nachdem der Täterverbund der 4ten Macht im Staat mit den ersten dreien immer groteskere Züge annimmt, Presstituierte aus der Hüfte heraus öffentlich blankziehen und gemeinsam mit bezahlten Auftragslügnern hinter Kameras und Mikrophonen aus allen Rohren auf die Hirne der Bürger feuern, zeigen sich diese davon erfrischend unbeeindruckt, ja mehr noch bilden sie im besten Wortsinn von ’emanzipiert’ mitterdings auf Foren und Blogs die 5te Gewalt im Staat. Man darf gespannt sein, wie der Staat und dessen Handlanger darauf reagieren.

    *) Auf [2] ist eine hervorragende Debatte zum Thema PC & Meinungsfreiheit abrufbar (mit Fleischhacker, Sarrazin, Busek, Schneyder und einer erfreulich kompetenten Moderatorin).
    Daß dabei Schneyder in seiner allerersten Wortmeldung in paradetypisch linker Form monierte, es gäbe “_die_ Medien” nicht, und die restliche Runde punktuell auf diese lächerliche Nebelkerze einging, ist die einzige Schwachstelle der Diskussion. Solange man jakobinischen Sittenkalfaktoren auch nur annähernd einräumt, sich deren anmaßenden Sprachvorgaben zu beugen, anstatt mit einem simplen “Wenn Sie den Begriff im Kontext nicht widmungsgemäß deuten können, ist das bedauerlich” zu replizieren, solange wird auch weiterhin jeder PC-Kreuzzügler mit derlei Billigmaschen unwidersprochen Deutungskompetenz vorspielen können und Diskussionen ins Mäandrieren bringen.

    [1] ef-magazin.de/2014/03/21/5095-russland-bashing-der-deutschen-medien-wir-sind-das-volk
    [2] servustv.com/cs/Satellite/Article/Talk-im-Hangar-7-011259571132977

  5. Rennziege

    23. März 2014 – 14:58 gms
    Der Werner Schneyder war stes eine linksdrehende Regierungstrompete, ansonsten wär’ er längst verhungert. Kabarettist mit linienteuen, faden Untergriffen, Boxkommentator zum Einschlafen, hat aber einst als Mitglied der 3. Boxerstaffel des KAC etliche K.O.s in der ersten Runde erdulden müssen — was ihn für den ORF zum Experten stempelte. (Informationen von meinem kenntnisreichen alten Herrn, verlässlich wie immer.)
    Am Südufer des Millstätter Sees, auf der Schattseit’n, residiert er seit ~20 Jahren in einer schimmelfeuchten Villa, wo er seinen spätsozialistischen Weltschmerz in meist unverständliche Schachtelsätze fasst. Des Sommers segeln wir dort öfter vorbei und sehen ihn am Fenster lehnen, den durchgeistigten Blick die die Ferne seines ersehnten Arbeiter- und Bauerparadieses gewandt. (Das ihm gottlob erspart blieb, aber er strebt ja zumindest verbal nach demselben.)
    Das tapfere Schneyderlein, ein Kaviar-Kommunist und typisches Produkt österreichischer “Kultur”-Subventionierung.

  6. Thomas Holzer

    Ja ja, der Herr Schneyder!
    Es gibt nicht “die Medien”, aber “die Märkte” 😉
    Solch eine Diskussion im ORF…………………undenkbar; anscheinend muß man in der österr. Demokratie wirklich so reich wie ein Herr Mateschitz sein, daß man es sich leisten kann, abseits des mainstream solche Sendungen zu produzieren und solche Sender zu finanzieren!

  7. gms

    Thomas Holzer,

    > Ja ja, der Herr Schneyder! Es gibt nicht “die Medien”, aber “die Märkte”

    Wie es auch “die Banken” und “die Spekulanten” zuhauf in seinem Sprachfundus gibt, aber auf der Farm der medialen Tiere sind Schweine nunmal gleicher als gleich.

    Ein besonderes Gustostück in Sachen linker Voltenschlägerei findet sich in der heutigen “Presse”, wo unter dem Kürzel “sim” ohne sonstige Nennung des Redakteurs ein Kurzkommentar die Frage aufwirft “Warum wohl vergleicht der freiheitliche Europaparlamentarier Andreas Mölzer die EU mit dem NS-Regime?”, und selbige abschließend beantwortet: “Irgendwann bleibt auch vom letzten Ewiggestrigen nur noch das Gestrige.”

    Wir lernen also, nachdem wir obigen rotzgrünen Gedankenbrei artig geschluckt haben, daß Linke auf alles und jedes in der Gegenwart, was nicht bei drei seinen sozialistischen Ariernachweis gezückt hat, ein Hitlerbild draufpappen dürfen, wenn’s aber ein Rechter tut, ist er mit seiner Denke rettungslos in der Vergangenheit verhaftet.

    Dasselbe Mindset, dieselben Vorgangsweisen, dieselbe Heuchelei, dieselben Doppelstandards, dieselben flachwurzelnden Figuren im inzestuös gedüngten Boden wie damals, bloß daß in den 30ern diesen Leuten niemand wirksam die Luft rauslies. Es bleibt zu hoffen: Eine Wiederholung der Geschichte — aber diesmal als Farce.

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