Hollands Wahl, Hollands Wunde

“….Die derzeitige Stimmung in den Niederlanden ist dem Ausland kaum zu erklären, aber ich will es dennoch versuchen. Zum Verständnis des Heute müssen wir auf das Jahr 2002 zurückblicken, als der so beliebte wie umstrit­tene Politiker Pim Fortuyn ermordet wurde.

Pim Fortuyn vereinte vieles in einem Cha­rakter: Er war ein Intellektueller und ein schwuler bunter Vogel, spottlustiger Querkopf und seriöser Soziologe. Am 6. Mai 2002 schoss ihn ein militanter Tierschützer nieder, der als Motiv angab, er habe «verletzliche Gruppen» wie Asylanten und Muslime vor Fortuyn schützen wollen. Der Attentäter ist nach zwölf Jahren Haft inzwischen wieder auf freiem Fuss und kann dank der Leistungen des niederländi­schen Sozialstaats das Leben geniessen, Fortuyn dagegen bleibt für immer stumm.

Das ist die Urwunde, die in der niederländi­schen Seele schwärt.  °(weiterlesen hier)

23 comments

  1. Der Realist

    da erkläre mir einmal einer, unser viel gelobtes Rechtssystem, zwölf Jahre Haft für einen Mord, und diese Tat wurde nicht etwa im Affekt begangen, sondern war geplant. da ist die Höhe verhängter Strafen für andere Delikte wohl nicht nachvollziehbar.

  2. Christian Peter

    @Der Realist

    Das Opfer war doch bloß ein Populist. Bei einem Linkspolitiker als Opfer hätte es mit Sicherheit die Höchststrafe plus Sicherungsverwahrung nach Verbüßung der Strafe gegeben.

  3. Fragolin

    @Der Rest
    Es macht der postfaktischen Justiz eben einen Unterschied, ob das Opfer moralisch höherwertiger oder moralisch minderwertiger war.

  4. aneagle

    *Sozialstaat und Einwanderungsland = nicht vereinbar
    *Freiheit und Gleichheit = nicht vereinbar
    *Demokratie und Islam = nicht vereinbar

    Das alles ist sattsam bekannt, sogar der ORF hat schon irgendwann mal was davon gehört. Allein, unsere abgehobene Politikerkaste gibt vor, diese fundamentalen Gegensätze mühelos überwinden zu können. In stillschweigender Übereinkunft haben sie die Grenzen der Physik und des rationalen Denkens außer Kraft gesetzt, weil sie exclusiv wissen: Die Erde ist ja doch eine Scheibe. Solche gefährlich Selbstgerechten waren auch früher schon unter sich- in vorzugsweise geschlossenen Anstalten. Heute stellen sie parlamentarische Mehrheiten. Und was machen die Wahlbürger? Sie statten diese Menschen mit demokratischer Entscheidungsbefugnis und Steuergeld zur Umsetzung unvereinbarer Ansichten aus.
    Ist selbstzerstörerische Passivität auch schon eine mildere Geisteskrankheit?
    Liegt hier die Antwort auf die Frage, warum die Hochkultur der Mayas sehr schnell zugrunde ging und können wir daraus lernen? Wer nicht lern- und handlungsfähig ist, wird sich in einer Zukunft wiederfinden, in der alle aktuellen Befürchtungen von der Realität übertroffen werden.

  5. Fragolin

    Holland muss nichts befürchten, Wilders schafft es nicht. Die Leute fliegen jetzt Rutte zu, weil er so toll Härte zeigt. Schon vergessen, dass er eigentlich die Türken reden lassen wollte und nur gebeten hatte, damit bis nach der heutigen Wahl zu warten.
    Aber egal, man sieht jetzt was in Wilders im Nacken anrichten kann, wenn er nicht einmal an der Macht ist.
    Ich bin mal gespannt, wie nach der Wahl Rutte die Pirhouette dreht, um “zu deeskalieren” und die NATO-Zusammenarbeit nicht zu gefährden und so weiter blabla…

  6. Gerd

    @Fragolin
    Alle Parteien in Holland haben eine Zusammenarbeit mit Wilders kategorisch abgelehnt. Was dabei am Ende rauskommt wird wohl zum Fürchten sein. Wilders ist der stärkste Oppositionelle den je eine Demokratie hervorgebracht hat.

  7. Christian Peter

    @Gerd

    ‘Wilders ist der stärkste Oppositionelle den je eine Demokratie hervorgebracht hat’

    Nicht wirklich. Die stärkste Oppositionspartei ist Nigel Farages UKIP, welche noch niemals an einer Regierung beteiligt war und dennoch alle politischen Ziele erreichte.

  8. Falke

    @Christian Peter
    Wenn die Voraussetzung ist, dass die Parteien die “Rechtsstaatlichkeit” respektieren müssen, dann hätte man der Merkel-CDU schon vor 18 Monaten die finanziellen Mittel entziehen müssen. Und in der Folge natürlich noch einigen anderen.

  9. mariuslupus

    Gespannt wie die Wahlen ausgehen. Eine Signalwirkung auf die EU werden die Machthaber in Brüssel noch verhindern wissen. Haben sie bis jetzt geschlafen ? Nichts gegen Wilders ? Etwas wird sich schon finden lassen um ihn zu demontieren.
    @Christian Peter
    Erinnert mich an Radio Eriwan: Die Christdemokraten sind nicht Demokraten, sondern Linksdiktaturisten, und sie wollen nicht das Geld entziehen, sondern die Rede- und Meinungsfreiheit beseitigen

  10. Fragolin

    @Christian Peter
    Wer gedacht hat, der Vorstoß gegen die NPD würde nur dazu dienen, den paar Dumpfglatzen aus der norddeutschen Pampa ihre paar Tausender an Parteienförderung zu nehmen, der irrt.

  11. Hanna

    Man muss halt bei allen Wahlen dieser Tage in Betracht ziehen, wie viele AusländerInnen schon wählen. Bei uns heißt’s immer “die WienerInnen” hätten so und so gewählt, tja, aber mindestens die Hälfte sind nicht österreichisch-stämmig. In diesem Zusammenhang etwas sehr Informatives: Man darf “Scheiß Österreicher” sagen, als Türke, aber man darf nicht “Scheiß Türke” als Österreicher sagen. Warum nicht, wird hier erläutert: https://www.wochenblick.at/deutsche-duerfen-ab-sofort-koeterrasse-genannt-werden/

  12. Gerald Steinbach

    Die grünen haben sich in Holland vervierfacht….die Wunden dürften schon verheilt sein

  13. MM

    Das war wohl eher wieder ein Linksruck bei dieser Wahl. Das was die PVV zugelegt hat, hat die VVD doppelt verloren. Denk ich an Europa bei Nacht,…

    Andererseits war es vielleicht auch nicht so klug von Wilders, Rutte für seinen “zu weichen” Umgang mit der Türkei zu kritisieren. Manchmal hilft da ein Lob verbunden mit einer Forderung und einer Kritik an Links-Grün deutlich mehr.

  14. Wanderer

    @Hanna hat recht. Autochthone Linke und der wachsende Migrantenanteil werden in Westeuropa zusammen zukünftig komfortable Mehrheiten haben. Die “rechtspopulistischen Teufel” an der Wand braucht es dazu gar nicht.

  15. Karl

    Propaganda wirkt auch in den Niederlanden.
    …und wir sind es, die die Amerikaner als “dumm” beschimpfen….tja….

  16. astuga

    Gemach!
    Schon seit geraumer Zeit kann man bemerken, wie vor Wahlen von den System-Medien gezielt mit Umfragen und Prognosen Stimmung gemacht wird.
    Wir kennen das doch von den Wahlen in Wien.
    Zuerst schreibt man den polit. Gegner künstlich hoch, um ihn nach der Wahl niederzuschreiben – oder den geringen Erfolg der eigenen polit. Neigungsgruppe hochzustilisieren.
    Die politische Landschaft der Niederlande ist nun mal so wie sie ist.
    Sie besteht aus vielen Parteien.
    Nennenswerte Wählerwanderungen sind vor allem innerhalb eines Lagers zu erwarten.
    Die Sozialisten in der Regierung haben ordentlich verloren, und natürlich sind diese Wähler zu anderen linken Parteien abgewandert.
    Auch Rutte hat etwas verloren, Wilders ein wenig dazugewonnen.
    Also alles wie gehabt.

    Solange keine der großen Parteien einen schweren Politskandal erleidet oder sich auflöst, wird sich an der Politlandschaft wenig ändern (anders die Ausgangslage in Frankreich).
    Und Rutte vertritt bereits durchaus eine harte Linie – zumindest in der Theorie.
    Wilders kann ihn also weiter vor sich hertreiben, und die Probleme an denen die etablierten Parteien scheitern werden auch nicht weniger oder geringer.

  17. Dr.Fischer

    Sehe die Situation auch hoffnungsvoll – da sich die Situation eher verschlechtern wird, kann Wilders zunehmend punkten bezw fallen ihm die Punkte in den Schoß.

    Abwarten.

  18. Fragolin

    Gestern abend in den ersten “Analysen” der Jubel, dass Rutte noch einmal massiv anm Stimmen gewinnen konnte während es für “die Rechtspopulisten auch nach der Niederlage des FPÖ-Kandidaten in Österreich nun eindeutig eine Kehrtwende” gibt.
    Rutte hat ein Viertel seiner Stimmen verloren und Hofer genauso wie Wilders haben Wahlergebnisse weit über dem erreicht, was sie jemals vorher hatten. Ich liebe diese Umdeutungen.
    Ich stelle mir vor, wie sie bei einem Wahlsieg Hofers berichtet hätten: Der Grüne errang einen fulminanten zweiten Platz während der Rechtspopulist nur den vorletzten Platz erreichte. Kennen wir von Radio Eriwan.

  19. Gerd

    Rutte der Rechtsliberale und Wilders der Rechtspopulist. Die Leute wählen rechts! Wäre das nicht mal eine Schlagzeile wert? Rutte kann nicht mehr hinter die Türkei zurück und Wilders bietet Zusammenarbeit an. Ein paar Terroranschläge weiter wird sich die Spreu vom Weizen trennen. Spätestens wenn alle niederländischen Kühe aus den Musellanden wieder in der Heimat sind.

  20. mariuslupus

    Jubel der Medien darüber dass der bisherige Amtsinhaber und Parteichef 25% der Stimmen verloren hat. Wie weit kann noch die eigene Verblödung der Medienleute und der Versuch die, noch, Konsumenten dieser Medien auch noch zu verblöden.

Kommentar verfassen

Du kannst die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .