Hurra, jetzt sind wir alle Keynesianer

(ANDREAS TÖGEL) 1971, im selben Jahr, als der damalige US-Präsident Nixon die Bindung des Dollars an das Gold aufkündigte und damit de facto die größte Enteignungsaktion der Weltgeschichte inszenierte (ein Coup, der interessanterweise bis heute keine entsprechende Würdigung erfahren hat!), bekannte er freimütig, „jetzt ein Keynesianer“ zu sein. In der Tat setzte „Tricky Dick“ auf die von John Maynard Keynes, dem bis in unsere Tage wirkungsmächtigsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts, propagierte Politik hoher Steuern und schuldenfinanzierter Staatsausgaben. Diese Theorie besagt, daß der Staat – zum Ausgleich der für private Wirtschaftsakteure typischen Irrationalität und in Zeiten des Nachlassens deren Investitionstätigkeit – alles tun muß, um einer deflationären Entwicklung entgegenzuwirken.

Zu diesem Zweck ist hemmungslos und unter allen Umständen Geld unter die Leute zu bringen – indem etwa das Graben und wieder Zuschaufeln von Löchern staatlich finanziert wird. Vollbeschäftigung ist in jedem Fall sicherzustellen. Genau deshalb sei eine deflationistische Politik schlicht des Teufels. Zum ebenso leidenschaftlich wie faktenwidrig ins Treffen geführten historischen „Beweis“ dafür wird behauptet, daß der deutsche Reichskanzler Heinrich Brüning, der von 1930 – 1932 eine Deflation zugelassen hatte, damit schließlich dem Nationalsozialismus den Weg bereitet habe. Diese von keinerlei Seriosität belastete Kritik übersieht völlig, daß die Politik Brünings bereits auf dem besten Wege war, die Wirtschaft Deutschlands wieder auf eine gesunde Basis zu stellen. Zudem ging der Stimmenanteil der Nationalsozialisten während der Zeit seiner Regierung von 37 auf 33 Prozent zurück. Die tatsächlichen Wegbereiter des NS-Regimes hörten auf alle möglichen Namen. Der des „Deflationskanzlers“ Brüning war mit Sicherheit nicht darunter…

Daß bis heute jeder empirische Nachweis für die angeblichen Segnungen einer inflationistischen Politik fehlt, an deren Ende ja niemals Prosperität und Vollbeschäftigung, immer aber ein gewaltiger Schuldenberg steht, ficht keinen der politischen Akteure an. Sie setzen weiterhin unbeirrt auf Keynes´ Voodoo-Ökonomie.

Anders als in den USA, traten auf der europäischen Seite des Atlantiks einst nur linke Parteien für eine Konjunkturbelebung mittels Schuldenwirtschaft ein. Heutzutage gilt das längst nicht mehr. „Wir sind alle Keynesianer“ – in diesen Chor stimmen heute so gut wie alle politischen Parteien zwischen Helsinki und Valetta, Portugal und Polen ein – inklusive derer, die über die beeindruckende Chuzpe verfügen, sich zu allem Überfluß auch noch „liberal“ zu nennen (wie etwa die FDP). Wir haben es gegenwärtig mit einem späten, dafür aber weltweit vollständigen Triumph des 1946 verstorbenen britischen Magiers zu tun.

Es versteht sich von selbst, daß die zu 99 Prozent aus geschützten Werkstätten in Regierungsämter gestolperten, wirtschaftspolitischen Leichtmatrosen in den Staatskanzleien, keine Alternativen zum „deficit spending“ kennen – schon gar nicht, wenn Wahlen heraufziehen und spießige Sparsamkeit im Arsenal der politischen Parteien nichts verloren hat. Da ist vielmehr das großzügige Ausschütten von Wohltaten angesagt, was, angesichts der bekannten Unbedarftheit einer soliden Wählermehrheit in Wirtschaftsfragen, gute Aussichten auf einen weiteren Verbleib am steuerfinanzierten Futtertrog eröffnet.

Da die Regierenden, mangels attraktiver Alternativen, also wild entschlossen sind, ihr segensreiches Wirken nach den Wahlen fortzusetzen, buttern sie davor gerne erhebliche Mittel in sogenannte „Konjunkturpakete“. Sie versuchen damit die Illusion zu erwecken, einer dräuenden Rezession tatsächlich ein Schnippchen schlagen zu können. 1,6 Milliarden Euro sind es, die jetzt nach dem Willen der rotschwarzen Regierungsparteien in Österreich in „konjunkturbelebende Maßnahmen“ fließen sollen. Darunter ist – wie könnte es anders sein – nichts weiter als die Konservierung von Überkapazitäten in der Bauwirtschaft zu verstehen, was keinerlei Effekte für die Wohlstandsentwicklung im Lande erwarten lässt – zumindest keine positiven! Die phantastische Wirkung exzessiver – schuldenfinanzierter – Bautätigkeit kann man beispielsweise in Japan bewundern, wo seit mehr als 20 Jahren die letzten Quadratmeter unbebauter Fläche zugepflastert werden. Fazit: Keine Konjunktur – dafür aber Staatsschulden jenseits der 200-Prozent-Marke. Q.E.D. Der unerschütterliche Glaube, daß durch das Zubetonieren von Landschaften oder durch „Investitionen“ in die Bahninfrastruktur (z. B. in ebenso scheußlich anzuschauende wie funktional mangelhafte Monstrositäten wie den Wiener Zentralbahnhof) Impulse für eine Aufwertung des Standortes und die Schaffung von (selbsttragenden, nicht steuersubventionierten!) Arbeitsplätzen gelingen könnte, stirbt nie. Es handelt sich dabei inzwischen um eine „wissenschaftlich fundierte Tatsache“, die von listigen Etatisten erfolgreich in die Hirne gläubiger Demokraten implantiert wurde…

Daß staatliche Projekte, sofern sie mit tatsächlich vorhandenem Geld finanziert werden, zu einer Verdrängung privater Investitionen führen, ist allein schon schlimm genug. Denn, auch wenn viele das nicht glauben können: Das vorhandene Geld kann nur einmal ausgegeben werden. Entweder Privatpersonen investieren es – auf Grund ihrer freien Entscheidung in für von ihnen bevorzugte Projekte, oder Politbonzen finanzieren damit, ohne sich damit aufzuhalten, die Zustimmung der Eigentümer der Kohle einzuholen – die Mehrung ihres Ruhmes. Entsprechend sehen die Entscheidungen aus: Butter oder Kanonen.

Noch weit schlimmer wird es, wenn für staatliche Brot-und-Spiele-Lustbarkeiten Gelder verbraten werden, die – noch dazu bei einer bereits bestehenden Überschuldung – über Kredite bereitgestellt werden. Denn damit ist, zusätzlich zum genannten, unheilvollen Verdrängungseffekt, eine materielle Umverteilung verbunden, die weit in die Zukunft reicht. Für die Regierenden fällt der Nutzen infolge des Stimmenkaufs augenblicklich an. Für die Schulden indessen muß jemand anderer geradestehen. Wer sollte das sein, wenn nicht die kommende(n) Generation(en)?

Im eben erschienen Buch „Krise der Inflationskultur“ richtet der deutsche Ökonom Guido Hülsmann seinen Scheinwerfer auf die zahlreichen, der keynesianischen Konjunkturtheorie inhärenten Fehler. Deren schwerster dürfte wohl darin bestehen, daß Ausgaben, die getätigt werden, ohne dafür auf eine entsprechende Ersparnisbildung zurückgreifen zu können, stets negative Konsequenzen nach sich ziehen. Es bleibt – anders als uns Politik und Hauptstromökonomie weismachen wollen – niemals ohne nachhaltig schädliche Konsequenzen, wenn Geld aus dem Nichts geschaffen und etwa für „Konjunkturpakete“ verpulvert wird…

Tagebuch

20 comments

  1. Thomas Holzer

    Schade, Herr Tögel, daß “unsere” Regierungskapazunder Ihre Artikel nicht lesen! Sollten diese Herrschaften aus Versehen über einen Ihrer Artikel stolpern, werden sie ihn nicht verstehen.

    Und: sagenhaft, wie sich Herr Spindelegger von max. 100 Millionen auf 1,6 Milliarden hochlizitieren ließ. Ganz getreu seinem neuen Motto folgend, der Entfesselung 😉

  2. rider650

    Dem ist nichts mehr hinzuzufügen, 100% Zustimmung zu dem Artikel. Nicht genug betont werden kann, dass die Tendenz, den eigenen Apparat aufzublähen, immer mehr Ressourcen an sich zu reissen, Schulden zu machen etc. jeder Partei und JEDEM STAAT innewohnt! Wer wieder mehr Kontrolle über sein Eigentum gewinnen will, muss den Staat generell zurückdrängen. Dies geht am besten durch Nichtkooperation mit Staatsschergen jeglicher Couleur, durch Nichtwählen oder Ungültigwählen, und durch Vermeidung von Geldtransfers hin zum Staat mit jeglichen Mitteln. “Let them march all they want, as long as they continue to pay their taxes”, sprach Alexander Haig, und recht hatte er. Demos, das Wählen von alternativen Parteien etc. – da lacht der eingefleischte Etatist drüber. Wer den Gierstaat treffen will, muss ihn am Geldbeutel treffen!

  3. Christian Peter

    Die Wurzel des Übels liegt im Geldsystem, nämlich im Teilreservesystem : Ein
    System, in dem Banken Sichteinlagen (mehrfach) für Darlehen, Investitionen
    und Spekulation verwenden, führt unweigerlich zu Konjunkturzyklen, Finanz-
    krisen und den Großteil der Bevölkerung letztendlich in die Verarmung (Canti-
    llon – Effekt) : Nur mit einem (Voll-) Geldsystem, in dem Kredite zu 100 %
    durch Ersparnisse gedeckt sind, kann auf Dauer Wohlstand für alle geschaffen
    werden.

  4. rider650

    @Christian Peter
    Das Grundproblem besteht darin, dass den Menschen mit (Staats-)Gewalt ein “System” aufgezwungen wird. Streich alle Gesetze, die nur irgendwie Geld betreffen, und wir werden sehen, was sich am Markt durchsetzen wird. Banken könnten versuchen, Kreditinflation zu betreiben. Sie könnten auch versuchen, Inflationierungskartelle zu bilden wie die jetzigen Zentralbanken. Aber sie ständen in Konkurrenz zu Vollreservebanken, die knallharte Banknoten herausgäben. Dies würde ziemlich schnell zu den von dir beschriebenen Vollreservezuständen führen, ist bis jetzt in der Geschichte zumindest immer so gewesen. Allein die Existenz des staatlichen Gewaltapparates führt alle Banken in Versuchung, denselben mittels Lobbying für sich zu mobilisieren – und dies immer sehr erfolgreich und zum großen Schaden aller (außer den Profiteuren: Staate und Banken). Darum ist die Wurzel des Übels die Existenz des Gewaltapparates, und nicht des Teilreservesystems. Wenn wir ein Vollreservesystem einführen würden, könnte und würde Lobbyarbeit der Banken dazu führen, dass wird ruck zuck wieder fraktionelle Reserve hätten. Die zum gegenwärtigen Zeitpunkt in der EU 1:100 (!!) beträgt.

  5. gms

    “Zum ebenso leidenschaftlich wie faktenwidrig ins Treffen geführten historischen „Beweis“ dafür wird behauptet, daß der deutsche Reichskanzler Heinrich Brüning, der von 1930 – 1932 eine Deflation zugelassen hatte, damit schließlich dem Nationalsozialismus den Weg bereitet habe.”

    Die Absurdität des linken Brüning-Bashings erschließt sich jedem Dreijährigen bei Betrachtung des Kontextes: In den 20er-Jahren standen Reparationszahlungen nach dem 1.WK von (auf heutige Kaufkraft umgerechnet) knapp einer Billion Euro im Raum, die in Jahresraten bis in die 60er hätten beglichen werden sollen. 1929 wurden die Raten bis in die 80er Jahre gestreckt. Geldmengenausweitung über die Druckerpresse war untersagt, die Anbindung der Reichsmark an den Goldstandard war unter Androhung der Besetzung des Ruhrgebietes durch die Siegermächte erzwungen worden.

    Bei Tageslicht betrachtet werfen Sozialisten jeglicher Couleur Brünig vor, daß er versuchte, die Schulden glaubwürdig abzutragen, indem er in seiner kurzen Amtszeit mittelbar die Exporte und damit die Deviseinnahmen Deutschlands durch mehr Wettbewerbsfähigkeit steigerte, wogegen sich das Ausland wiederum mit höheren Zöllen wehrte.
    Die erbittertsten Feinde Brünigs im Reichstag waren in trauter Einigkeit die Kommunisten und Nationalsozialisten. Die Sozialdemokraten hätten mit ihren Stimmen die Verordnungen Brünings kippen können. Das taten sie aber nicht, was das heutige neurotische Mienenspiel eines Helmut Schmidts erklärt, wenn er mit hängenden Mundwinkeln “Brrrüning” hervorwürgt.

    Während die USA Deutschland gegenüber in den 20ern und 30ern zumeist entgegenkommend waren, verzögerte insbesondere Frankreich Verhandlungen über Moratorien und Schuldenschnitte. Erst Brünings Nachfolger, von Papen, fuhr 1932 die Ernte ein, nachdem zweifelsfrei feststand, Deutschland könne die exorbitante Last niemals stemmen. Übrig blieb eine in Relation mehr oder minder symbolische Summe.

    Geht es aber nach den Roten, dann war vor Brünig, der handgezählte zwei Jahre und drei Monate Kanzler war, geschichtlich alles irgendwie eitel Wonne und Waschtrog, es gab weder Versaille noch die Weltwirtschaftskrise, doch dann knebelte Brünig das Volk, dessen Zorn direttissima ins Dritte Reich führte.

  6. Christian Peter

    @rider650

    Durch Wettbewerb und Deregulierung lassen sich die Mängel des heutigen
    Geldsystems nicht heilen, denn die Kreditschöpfung im Teilreservesystem
    erzeugt eine elastische Geldmenge : Die Geldmenge vergrößert und verklei-
    nert sich, dadurch entstehen Konjunkturzyklen mit einem Wechsel zwischen
    Boom und Depression. Auch Bankenzusammenbrüche sind unvermeidbar,
    solange Banken mehr Geld verleihen, als Einlagen vorhanden. Zentralbanken
    werden erforderlich, denn wer sonst sollte Banken als Kreditgeber letzter
    Instanz vor Liquiditätskrisen, Bank Runs und Pleiten bewahren ?

    Erst die Beseitigung des Privilegs der Teilreservehaltung durch Geschäfts –
    banken wird die Mängel des heutigen Geldsystems heilen.

  7. rider650

    @Christian Peter

    Wenn, wie ich fordere, sämtliche Gesetze bezüglich Geld wegfallen, hören natürlich auch unsere jetzigen Zentralbanken auf zu existieren, da nur gesetzlicher Zwang sie am Leben hält. Der Euro würde ebenfalls aufhören zu existieren, da er sich am freien Markt gegen echtes Geld natürlich nicht behaupten kann. Banken wären auf sich gestellt, wenn sie auf ihre (vermutlich Gold)Einlagen eine inflationäre Banknotenpyramide aufbauen wollten, würde ihnen im Pleitefall niemand beistehen. Das würde die schwarzen Schafe schnell vom Markt fegen, nach 1 – 2 Bankruns würden sich die Leute 5x überlegen, wem sie ihr Geld anvertrauen. Das ist das klassische Freibankensystem, wie es z.B. in Schottland zwischen 1716 und 1844 geherrscht hat, bei gleichzeitigem freiem Marktgeld. Das Ergebnis sind stockkonservative Banken und hartes Metallgeld. “Elastisches” Geld würde sich in dieser Umgebung niemand andrehen lassen – sobald der Zwang durch Gesetze wegfällt, wird das Zeug schneller an Wert verlieren, als man “Europäische Zentralbank” sagen kann 😉

  8. Andreas Tögel

    Letzte Woche war der deutsche Ökonom Christoph Braunschweig, Autor des Buches “Die Demokratische Krankheit” (http://www.amazon.de/dp/3789283436) im Wiener Institut für Wertewirtschaft zu Gast. Es ist sicher kein Zufall, daß der Mann als wesentlichste Ursache der krisenhaften Entwicklung der westlichen Demokratien, die Existenz des staatlichen Geldmonopols (und damit implizit auch das Vorhandensein von Zentralbanken) nannte…

  9. Smarti

    @Christian Peter

    @rider650

    rider650 hat Recht. Das Erpressungpotential der Teilreserve-Banken kann ja erst dadurch aufgebaut werden, dass sie eine gewisse Zeit durch den Staat besschützt werden. Fehlt diese staatliche Flankierung von Anfang an, kommen Teilreserve-Banken erst gar nicht zu dem Punkt, dass ihr Ableben einen merklichen Einfluss auf Geldmenge und Konjunktur hätte und dementsprechend gerettet werden müssten.
    Teilreserve-Banken können tatsächlich starke Inflation betreiben, WENN alle Banken gleichmäßig inflationeren (weil sich dann die jeweiligen Zu- und Abflüsse von Basisgeld durch den Kundenzahlungsverkehr zwischen den einzelnen Banken ausgleichen). Der Punkt ist aber, dass eine einzige genügend große Vollreserven-Bank das ganze restliche Bankensystem zum Einsturz bringen kann, wenn sie konsequent Zahlung von Basisgeld für jede einkommende Überweisung einer Teilreservenbank verlangt. D.h. die Teilreserve-Banken brauchen das besagte Inflationierungskartell in Form einer staatlichen Zentralbank, damit Vollreserven-Banken nicht die Teilreserven-Banken vom Inflationieren abhalten können. Sollte nämlich eine Teilreserve-Bank illiquide werden, bekommt sie von der Zentralbank neues Basisgeld mit dem Hinweis, die Bank sei lediglich “illiquide” und nicht insolvent. Die logische Folge aus so einem System ist ein Race-to-the-Bottom, bei dem einfach alle Banken versuchen größtmöglich zu inflationieren. Hier setzt dann die Bankregulierung an, die versucht die Banken dazu zu bringen, dass sie wenigstens minimale Reserven halten, was am Ende niemals funktioniert.
    Wer jetzt immer noch nicht begriffen hat, das Zentralbanken Ursache anstatt Wirkung sind, wird bei jedem “Geldreformversuch”, der an einer staatlichen Zentralbank festhält, bitter enttäuscht werden.

  10. Christian Peter

    @Smarti

    Das Erpressungspotential der Teilreserve-Banken entsteht, indem der
    Staat den Geschäftsbanken das Privileg der Teilreservedeckung verleiht.
    Letztlich ist es unerheblich, ob Zentralbanken oder Geschäftsbanken
    Geld aus dem Nichts schöpfen, der (schädliche) Erfolg ist stets derselbe.

    Möchte nicht an Zentralbanken festhalten, ganz im Gegenteil, durch
    ein Verbot des Teilreservesystems werden Zentralbanken überflüssig.

  11. gms

    Christian Peter :
    .. durch ein Verbot des Teilreservesystems werden Zentralbanken überflüssig.

    Außer Verboten haben Sie definitiv nichts zu bieten. Wollen Sie vielleicht noch irgendwo eine Verteuerung fordern oder einen Radweg?

    Was Sie nämlich offenkundig auch im 97. Durchgang noch nicht kapiert haben und selbst im 98. wie ein trotziges Kleinkind in Abrede stellen werden: In einem freien Geldwesen bestimmt über die Überflüssigkeit des Hintertupfinger Luft-Talers der Markt, nicht der Gesetzgeber. In einem liberalen Universum dürfen daher freie Menschen aus freien Stücken jene Währung verwenden, die sie selbst als geeignet erachten, auch wenn diese Währung bei Tageslicht für die meisten Aufgaben einer Währung so untauglich ist, wie Seifenblasen zum Grillen. Klingt komisch, ist aber so.

  12. Christian Peter

    @rider650

    Wozu eine wettbewerbliche Geldordung, wenn von Vornhinein klar ist,
    dass es keinen Wettbewerb geben wird, weil sich edelmetall – bzw.
    rohstoffgedeckte Währungen durchsetzen ?

  13. gms

    Christian Peter :
    Wozu eine wettbewerbliche Geldordung []

    Damit es speziell für Sie beispielhaft triaval bleibt: Um auszutesten, ob eine durch Kupfer gedeckte Währung auch als Teilreseverve funktionieren kann, weil etwa 10%, 20% oder eine sonstige Prozentzahl der Gesamtgeldmenge durch Kupfer-Futures gedeckt ist.

    Unterschiedliche Assets bergen auf den Terminmärkten unterschiedliche Risiken. Welche davon als Währung taugt und was davon zu welchen Zeitpunkten zum Abholen per LKW auf Lager liegen oder bloß als Kontrakt existieren muß, kann erst der Markt zeigen. Wenn unterschiedliche Anbieter für idente Assets, egal ob Seifenblasen oder Gold, unterschiedliche Politiken fahren, trennen sich langfristig die besseren Strategien von den schlechteren, bestimmte Währungen werden dabei im Wert zu anderern steigen – sogar beim selben prinzipiellen Underlying.

  14. PP

    Stand nicht einmal auf den bunten Zetteln, dass sie durch Gold, die Krone oder was auch immer gedeckt sind? Warum steht heute nichts dergleichen mehr drauf? Weil der Zettel nur Wert hat, wenn alle daran glauben. Ob sie nun solche Zettel austeilen oder annehmen, sie sind ein Gläubiger. Es gibt kein Geld mehr, sondern nur noch Schulden.

  15. begges

    Was war der Grund für die Enstehung des Bankwesens?

    Grund war die Vereinfachung von Transaktionen, durch bloße Buchungsvorgänge können die an einer definierten Stelle aufbewahrten Mittel den Eigentümer wechseln. Die Aufbewahrung ist in Form einer Sichteinlage eine Vertragsvereinbarung. Wird eine Sichteinlage zu einer Termineinlage, ändert sich das Vertragsverhältnis.

    Einem Geldmittel-Aufbewahrer nun unterschiedliche Politiken im Verhältnis zu den Geldmitteln zuzugestehen und dem Markt diese Politiken bewerten zu lassen, macht ebensoviel Sinn wie einem Parkgaragenbetreiber unterschiedliche Politiken im Verhältnis zu den untergebrachten Fahrzeugen zuzubilligen(Leihhandel, Testfahrten..). Die Bedeutung der Begriffe “Aufbewahrung” bzw. “Parkgarage” wird pervertiert.

    Dass das eingebrachte Eigentum für den Aufbewahrer -unantastbar- ist, geht also schon aus der Begrifflichkeit hervor. Zusätzlich: Die Anerkennung des Eigentumsrechts ist Voraussetzung, um überhaupt ein Vertragsverhältnis beschreiben zu können. Die Bestimmung des Eigentumverhältnisses erlaubt erst, den Gegenstand des Vertrages klar zu definieren – und nur dann lässt sich ausdrücken, was erlaubt ist oder nicht. Eine Politik der Teilreserve kann ein Einlagenhalter nicht wollen, wenn er nicht gänzlich irrational ist.

    Ein Verbot der Teilreservehaltung ist also keine Regulierung oder eine unzulässige Einschränkung der Vertragsfreiheit – es ist Achtung vor dem Eigentumsrecht des Einlagenhalters!

  16. S.M.

    Wer das Teilreservesystem nicht verbieten will, der hat es nicht verstanden. Wie begges richtig ausführt, ist das Vertragsverhältnis nämlich für den Bankkunden ein Verwahrungsvertrag, für den der Kunde ursprünglich ja auch ein Entgelt leisten musste. Wollen Banken die Einlagen verwenden, so muss mit dem Kunden ein Kreditvertrag abgeschlossen werden, was dem Kunden klar macht, dass er keine Garantie dafür hat, dass er sein Geld wiedersieht.

    Und selbst wenn es ein Kreditvertrag ist, so dürften die Banken diesen Kredit nicht zig mal weiterverleihen sondern nur einmal! Das ist rule of law, das ist Marktwirtschaft.

    Oder meinen die Herren, dass es Marktwirtschaft sei, wenn Sie mir 100.000 € kreditieren und ich diese 100.000 € zehnmal weiterverleihen darf (was für einen Normalverbraucher ja gar nicht möglich ist, denn das Geld hat man nur einmal und wenn man es kreditiert, ist es weg)?

    Sie werden mir zustimmen, dass Banken gerade in einem freien Markt niemals mehr hergeben dürfen, als sie selbst kreditiert bekommen haben, alles andere wäre eine Durchbrechung des Eigentumsrechts.

  17. FDominicus

    S.M. :
    Wer das Teilreservesystem nicht verbieten will, der hat es nicht verstanden.

    Dieser Satz fasst alles zusammen was man dazu zu schreiben und zu sagen hat. Danke ich werde das als Zitat auf meinen Seiten verlinken.

  18. FDominicus

    Kleine Ergänzun, man muß es nicht verbieten wollen aber auch die Kunden und die Banken müssten entscheiden können ob Sie mit Teilreserve leben wollen oder nicht. Das ist illusorisch. Alle Banken müssen sich den Zentralbanken beugen und wer’s nicht tut bekommt gleich mal Ärger mit dem Gewaltmonopol.

  19. Christian Peter

    @begges

    Das rechtsbeugende Privileg zur Teireservedeckung erhielten Banken von
    den Regierenden, als sich diese von Banken mit billigem Kredit versorgen
    ließen, während ehemals unehrliche Banker bei Missachtung der Verfü –
    gungsrechte über Sichteinlagen mitunter zum Tode verurteilt wurden.

    Zum Teilreservesystem meinte Wilhelm Röpke :

    “Die Bank ist eine Institution, die regelmäßig weniger zu halten braucht,
    als sie verspricht, und daher davon lebt, dass sie gleichzeitig mehr ver –
    spricht, als sie im Ernstfall halten kann.”

  20. gms

    begges :
    Eine Politik der Teilreserve kann ein Einlagenhalter nicht wollen ..

    Ja, und? Dann soll er halt nur Einlagen halten.

    Die notwendigen Kriterien von Geld sind Marktgängigkeit, lineare Aggregier- und Teilbarkeit, Wertbeständigkeit sowie Fälschungssicherheit.

    Eine Goldwährung, deren Deckung zu x% aus den Golderträgen von y Minen für die kommenden z Jahren besteht, ist defintiv eine Teilreserve-Währung, doch man muß schon aus besonders morschem Holz geschnitzt sein, um so etwas verbieten und gleichzeitig unter liberaler Flagge segeln zu wollen.

    Mich beschleicht der Verdacht, viele hier würden sich bloß von bestimmten Worten getriggert einem Reflex hingeben, anstatt die Thematik ernsthaft zur durchdenken. Die Defizite einer Teilreserve sind mir wohl bekannt, insbesonders dann, wenn das Geld kein Mascherln hat und der Währungsnutzer darauf keine gezielte Wahl treffen kann.

    In einer freien Welt können auch Kontrakte eine Währung begründen. Ob und wie diese Währung angenommen wird, kann einzig eine Frage für den Markt sein, niemals aber eine des Gesetzgebers.

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