Hypo. Aus. Amen. Alternativenlos.

(ANDREAS UNTERBERGER) Deutlicher als mit dem Rücktritt des Hypo-Alpe-Adria-Vorstandschefs Gottwald Kranebitter kann es gar nicht mehr dargelegt werden: Der Staatsinterventionismus ist zwangsläufig gescheitert. Und das gilt erst recht für die vielgliedrigen Kompetenz-Schichtungen Land-Bund-EU (die ja meist Verantwortung-auf-die-jeweils-anderen-Ebenen-abschiebende-Schichtungen sind). Jeder der vielen Akteure hat letztlich ganz andere Vorstellungen und Ziele. Fast immer sind es fatalerweise primär politische. Und das hat letztlich noch jede Bank und jedes Unternehmen umgebracht.

Die Hauptschuld trifft das blau-orange System Jörg Haider. Zur Finanzierung von Haiders politischer, regionaler und persönlicher Großmannssucht hat das Land Kärnten Haftungen für gigantische 20 Milliarden Euro akkumuliert. Und zwar ohne dass es die Öffentlichkeit erfuhr. Dagegen ist alles, was die Herren Elsner, Verzetnitsch & Co bei der Bawag angestellt haben, ein Kavaliersdelikt.

Dazu kam der absurde Traum Bayerns, durch den Kauf der Hypo zu einem großen Player auf dem Balkan zu werden.

Und das alles wurde noch durch den schweren politischen Fehler des Duos Faymann-Pröll getoppt. Diese haben sich – Nein: nicht sich, sondern dem übertölpelten bundesweiten Steuerzahler – binnen weniger Stunden die gesamte Last für die Hypo anhängen lassen. Und sie haben beklemmenderweise Bayern wie Kärnten weitgehend aus der Verantwortung entlassen. Aus vier letztlich durchwegs kurzsichtigen Gründen:

Aus lauter Angst vor einem Bankenkrach und seinen Folgen.
Aus der idiotischen Haltung jeder Politik, die immer den Eindruck erwecken möchte, alles lösen zu können.
Aus – nicht einmal politisch nachvollziehbarer – Rücksicht auf Kärnten, dessen jährliches Landesbudget bloße zwei Milliarden ausmachte; das also in Konkurs gehen hätte müssen (traurig, aber jeder Konkurs ist besser als jahrelange Konkursverschleppung).
Und unter Druck der EU, die sich damals enorm um die Auswirkungen einer Hypo-Pleite auf den Balkan sorgte (obwohl es primär die dortigen Gaunereien und Fehlinvestitionen waren, welche die Hypo umgebracht haben).
Dazu kamen dann nach 2009 wie bei jedem Staatsunternehmen die ständigen verheerenden Agitationen und Stänkereien fast aller politischen Parteien (an der Spitze – ausgerechnet! – Haiders „Lebensmensch“). Dazu kamen die vielen anlaufenden Prozesse, die ebenfalls jedes Mal die Hypo in ein noch schlechteres Licht rückten. Dazu kam die EU, die plötzlich nicht mehr an die Balkanrettung dachte, sondern an die Wettbewerbspolitik, wodurch sie jeden Sanierungsversuch unmöglich machte. Dazu kamen die leeren Staatskassen. Dazu kam die Tatsache, dass die Wirtschaftskrise als Folge der gigantischen Schulden und der europaweit viel zu zaghaften Strukturreformen auch im fünften Jahr nicht behoben war, obwohl die – am Schuldenstand selbst hauptschuldige! – Politik ständig an ein rasches Ende der Krise geglaubt hatte.

Es war absolut illusorisch, unter solchen Begleitumständen eine Bank retten zu wollen. Und wenn jetzt einer nach dem anderen das sinkende Schiff verlässt, mögen das manche in ihren Reaktionen halt personalisieren. Aber die Tatsachen sind andere:

Die Parteien denken nur an die Wahlen und nicht den Steuerzahler.
Kein vernünftiger Mensch legt über die Einlagensicherung hinaus sein Geld auf eine Wackelbank oder nimmt sie als langfristigen Partner.
Und auch in zwei Jahren (das ist offenbar die jüngste von der EU gesetzte Wackelfrist) wird niemand einen nennenswerten Preis für die teuer weitergeführte Bank zahlen, mit dem man die inzwischen angelaufenen Überbrückungskosten finanzieren könnte.
Das Schiff sinkt daher unrettbar.
Aus all dem ist völlig klar: Nur eine einzige Strategie wäre sinnvoll, die der Schadensminderung, unabhängig von Wahltagen und politischen Eitelkeiten.
Das hieße: Personal radikal herunterfahren, Eigentum verwerten, keine neuen Kredite vergeben, und Außenstände eintreiben. Aus. Punkt. Alles andere sind nur weitere Luftburgen, an deren Errichtung bloß wieder Berater und Manager verdienen. (Tagebuch)

3 comments

  1. FDominicus

    Schauen Sie in die Geschichte und Sie werden sehen so geht es nicht. Alles was staatlich ist muß gründlichst an einer Wand zerstört werden. Schauen Sie sich die Hyperinflationszeiten an und was “vorher” war. Schauen Sie sich an wie die Sozialisten auch damals Geld druckten. Geschichte wiederholt sich vielleicht in diesem Bereich eher doch.

    Schauen Sie sich die Interventionsspiralen an. Es passiert äußerst selten, daß sie aktiv von den Politikern gestoppt werden. Es wird solange weitergemacht bis der Zusammenbruch kommt. Das ist zwingende politisiche Logik….

  2. Klaus Kastner

    Ich hoffe, nicht als posthumer ‘Haider-Verehrer’ wahrgenommen zu werden, aber als ehemaliger – mit der HAA-Szene vertrauter – Banker muss ich eine alternative Sicht darstellen.

    „Zur Finanzierung von Haiders politischer, regionaler und persönlicher Großmannssucht hat das Land Kärnten Haftungen für gigantische 20 Milliarden Euro akkumuliert“ – das ist so nicht richtig! Wäre der einzige Schaden für die HAA das, was Haider für Kärnten und seine politischen Zwecke ‚abgezweigt‘ hat, dann wäre die HAA heute noch eine florierende Bank. Das waren Peanuts im Vergleich zum Rest des Problems.

    Das Problem war Kulturer, ein Mann, dessen unternehmerische Fähigkeiten durchaus eindrucksvoll waren. Bei der RLB-Kärnten fühlte sich der ehrgeizige, junge Kulterer unterfordert und eingeschränkt. Haider holte ihn zur HAA und gab ihm dort die Bühne, um ein Imperium aufzubauen. Sicherlich war es auch im Sinne von Haiders Größenwahn, ein Imperium aufzubauen, aber ohne Kulterer wäre dies nicht möglich gewesen.

    Schon in den 1990er Jahren (als da und dort noch gekämpft wurde), begann Kulturer in Slowenien und Kroatien auf Teufel komm raus zu investieren. In der Branche wurden da nur die Köpfe geschüttelt, wie das ausgehen würde. Die Leasing-Kollegen bei meiner Bank erzählten mir Horrorgeschichten. Parallel dazu wurde auch strukturell ein Imperium aufgebaut. Schließlich sollte die HAA in der Lage sein, all das zu machen, was beispielsweise eine Bank Austria machen konnte (und mehr!). Und zu guter Letzt ließ man sich oft mit zweifelhaften Geschäftspartnern auf zweifelhafte Geschäfte ein.

    Anfang der 2000er Jahre hätte ich – aufgrund der internen Informationen – gewettet, dass es die HAA einmal groß ‚aufstellen‘ würde. Auch Haider und Kulterer müssen damals erkannt haben, was ihnen bevorstand.

    Der Deal mit den Bayern war ein Geniestreich! Man stelle sich vor: man will eine marode Bank verkaufen; hat nur einen Interessenten; und trotzdem gelingt es, diesen Interessenten in Zugzwang zu bringen und einen Wahnsinnspreis zu zahlen (noch dazu mit einem Vertrag, den kein denkender Jurist bewilligt hätte).

    Ich war zu dieser Zeit Geschäftsleiter der Münchner Niederlassung meiner Bank und hatte mit den Vorständen der BLB guten Kontakt. Ich erlebte, wie sie schockiert waren, als die BAWAG an ihnen vorbei ging. Die Politik machte sich lustig über den Vorstand, dass ihm keine Strategie gelingen würde. In dieser Situation kam der Anruf von Kulturer „Ich hätte da eine Bank, die noch viel besser für Euch wäre als die BAWAG“.

    Wenn die HAA vor den Bayern an ihre Grenzen gestoßen war, dann konnte mit den Bayern plötzlich richtig Vollgas gegeben werden, und das geschah auch so. Die Bayern entweder trauten sich nicht oder hatten kein Interesse oder hatten totales Vertrauen – jedenfalls mischten sie sich in das Management der HAA überhaupt nicht ein. Außerdem darf man nicht vergessen, dass in dieser Zeit die HAA von gutgläubigen Analysten zur besten Bank Österreichs gekürt wurde.

    Jetzt stelle ich mir vor, wie die Sache ausgegangen wäre, wenn Haider anstelle von Pröll mit den Bayern verhandelt hätte. Ich kann mich irren, aber ich meine, Haider hätte seinen bayerischen ‚Freunden‘ auf seine Weise erklärt: „Freunde, das ist Eure Bank. Kärnten hat gar kein Geld, sich an der Sanierung zu beteiligen. Bevor Ihr die Bank pleitegehen lasst, überlegt Euch gut, wie sich das auf Eure Bonität und auf Euren Ruf auswirkt. Wollt Ihr wirklich in dieser sensiblen Zweit der Weltfinanz eine große Krise herbeiführen und verantworten?“

    Der BLB stand damals das Wasser bis zum Hals. Pech für Österreich war, dass auf Österreichs Seite nicht Haider, sondern Pröll verhandelte und dass auf der bayerischen Seite Finanzminister Fahrenschon ein Verhandlungsgeschickt an den Tag legte, das selbst für Haider eine Herausforderung gewesen wäre.

    In der ersten Runde hatte Haider die Bayern über den Tisch gezogen. In der zweiten Runde revanchierten sich die Bayern und zogen die Österreicher über den Tisch. Leider war die zweite Runde wichtiger als die erste.

  3. rubens

    @Klaus Kastner
    Ja, Herr Kastner, so war es wohl. Größenwahn und Managementversagen auf breiter Flur. Gar nicht zu sprechen vom Versagen der poltisiche Größen in Österreich und Europa. Auf Tote prügelt sich es eben leicht.

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