Hypo: Der stereogefickte Steuerzahler

(LUKE LAMETTA) “Einem Hedgefonds, der rechtzeitig Hypo-Anleihen zugekauft hat, dem legt der Steuerzahler demnächst das Drei- bis Fünffache seines Einsatzes drauf, ” analysiert Josef Urschitz heute in der “Presse” (siehe auch unten). Es wird freilich noch strenger kommen . Für mit Steuernettozahler-Haftung versehene Anleihen und Medium Term Notes, wie zB. jene der Hypo Alpe Adria, muss nämlich nur ein Bruchteil der Kaufpreise mit Eigenkapital hinterlegt werden. Der Rest wird finanziert. Dank intrinsisch betrügerischer Zentralbank-Politik schon gesehen um günstige 0,5%  bis 0,7% Zinsen. Die staatsferne Klasse wird also stereogefickt, “crushed and grinded between the millstones of taxation and inflation“, wie das ein gewisser Wladimir Iljitsch Uljanow vor über 100 Jahren zur Auslöschung der bürgerlich-liberalen Ordnung bereits empfahl.

Es handelt sich deshalb auch nicht um eine “Verdrei- bis Verfünffachung”, sondern eher um etwas im Bereich Verzehn- bis Verfünzigfachung des Einsatzes. Auf Kosten der, wie immer, völlig wehrlosen, staatsfernen Steuernettozahlerklasse – die sich originellerweise Mal um Mal mit “politischer Verantwortung” (danke Walter Gröbchen, http://goo.gl/4HD1s2) und dem Malen von Kreuzchen “woanders” genügsam trösten lässt, bevor sie dann brav ihre Steuerbescheide begleicht. Und wer das “den Hedgefonds” oder “den Banken” in seinem antikapitalistischen Furor zum Vorwurf macht, hat leider am allerwenigsten verstanden.

Vielleicht macht der schwarze Block aus all den falschen Gründen alles richtig. Vielleicht darf man sich nicht wundern, wenn recht aufgeräumte Menschen nach und nach Sympathien für eine “Steuernettozahler Armee Fraktion” entwickeln. Wie es bei André Breton so schön heisst:”Die einfachste surrealistische Tat besteht darin, mit Revolvern in den Fäusten auf die Straße zu gehen und blindlings, solange man kann, in die Menge zu schießen. Wer nicht wenigstens einmal im Leben Lust gehabt hat, auf diese Weise mit dem derzeit bestehenden elenden Prinzip der Erniedrigung und Verdummung aufzuräumen – der gehört eindeutig selbst in diese Menge und hat den Wanst ständig in Schußhöhe.

 

9 comments

  1. Rennziege

    @Luke Lametta:
    Harte Worte. Aber wahr. Doch darf man so was heute noch öffentlich zu Protokoll geben oder auch nur (wie Sie) zitieren, ohne in Handschellen abgeführt zu werden? Mir schlottern bereits die Knie. 🙂

  2. menschmaschine

    in summe guter kommentar.
    die im letzten absatz durchschimmernde sympathie für den schwarzen block ist auf den ersten blick nachvollziehbar, auf den zweiten aber unangebracht. der linksextreme schwarze block haßt vor allem alles, was privat und kapitalistisch ist, also auch banken und konzerne. nun ist es richtig, daß sich vor allem banken mit der hypo-sache wenig beliebt machen, vor allem beim steuerzahler.
    trotzdem ist die schuld bei jenen zu suchen, die den banken und fonds die im kommentar beschriebenen gewinne ermöglicht haben. jene, die die zinsen künstlich niedrig halten, jene, die sich die banken für weiteres schuldenmachen via anleihen warmhalten wollen: die politik. in österreich die großteils linke politik.
    daß banken “gfraster” sind, ist lange bekannt. die machen alles, wo ein geschäft herausschaut. ihnen das nun vorzuwerfen, ist als erklärung für das hypo-desaster lächerlich. es ist, als würde man dem hund, der die wurst vom tisch gefressen hat einen vorwurf machen und nicht seinem halter.

  3. PP

    gsd nur surrealistisch nach André Breton, weil sonst:

    § 282a StGB Aufforderung zu terroristischen Straftaten und Gutheißung terroristischer Straftaten
    (1) Wer in einem Druckwerk, im Rundfunk oder in einem anderen Medium oder sonst öffentlich auf eine Weise, dass es vielen Menschen zugänglich wird, zur Begehung einer terroristischen Straftat (§ 278c Abs. 1 Z 1 bis 9 oder 10) auffordert, ist, wenn er nicht als an dieser Handlung Beteiligter (§ 12) mit strengerer Strafe bedroht ist, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren zu bestrafen.

    (2) Ebenso ist zu bestrafen, wer auf die im Abs. 1 bezeichnete Weise eine terroristische Straftat (§ 278c Abs. 1 Z 1 bis 9 oder 10) in einer Art gutheißt, die geeignet ist, die Gefahr der Begehung einer oder mehrerer solcher Straftaten herbeizuführen.

  4. Milton

    @menschenmaschine
    das sollte keine symphatie für den schwarzen block gewesen sein, sondern ein hinweiß das bei allem unverständnis für den sachveralt und die im hintergrund wirkenden illiberalen kräfte, der mensch irgendwann mal die nase voll hat und versucht der ungerechtigkeit mit dem brecheisen zuvorzukommen.

  5. menschmaschine

    @ milton
    @ luke lametta

    ich gebe zu, sympathie war vielleicht in der hast übertrieben formuliert, sagen wir “ein gewisses verständnis”.
    ich glaube, ich weiß schon, was der autor meint, aber selbst dieses “gewisse verständnis” scheint mir nicht wirklich angebracht. schon gar nicht vor dem hintergrund der ausführungen zu den politisch gewollten niedrigen zinsen.

    böswillig bin ich hier übrigens nie, dafür gibts ja zb. den standard. 🙂

  6. sybille Stoa

    Der schwarze Block ist ein Instrument von Grün-Linken, wenn gleich sie auch in letzter Zeit etwas eigenartige Dynamik bekommen, genauso wie die Burschenschaftler doch alle sehr staatanah sind.
    Ich sehe bei vielen bürgerlichen Kapitalisten den folgemden Fehler:
    Wenn man Geld verzockt, verloren, verspielt hat oder betrogen wurde, dann muss man es anschreiben können. Ich habe in meinem Leben schon mehrmals par 100.000 verloren und ich habe das abgeschrieben.
    Die Hypo ist vor Jahren pleite gewesen und man hätte sich damit abfinden müssen. Aber nein, die Oberschlauen mussten das Geld zurückgewinnen versuchen und baten das Land Haftungen zu übernehmen, damit ihnen wer neues Spielgeld borgt, um den vorherigen Schaden wieder gutzumachen.
    if you are in trouble, double. Machte ich auch schon.
    nachdem das auch verloren war, erhöhten sie die Haftungen und hier wird es jetzt kriminell. Ich bin beim rückgewinn versuch auch schon eingefahren, hatte aber immer noch genug werthaltiges um danm abzuschließen.
    aber die trieben dieses Spiel immer weiter und das ist das Verhalten eines klassisch Spielsüchtigen.
    ich kannte einen spielsüchtigen Kleinmafiosi, der war so dominant durch seine Spielsucht, dass auch 50 Leute für ihn hafteten.
    Und nichts anders ist die Geschichte der HGAA.

  7. sybille Stoa

    Der Unterschied zwischen einem Zocker und einem Spielsüchtigen ist, dass der Zocker berechnet und irgendwann aussteigen und verlieren kann, zugeben kann, dass er einen Fehler gemacht hat, diese Sache abschließen und dafür gerade steht.
    Der Spielsüchtige kann nicht verlieren, der wird immer weiter und weiter machen und in ihm wird ein Dämon entstehen, der ihn antreibt, der ihn Leute manipulieren lässt, weil er inbedingt alles zurückgewinnen muss und das endet dann immer in einer Katastrophe!

  8. jhaslauer

    @sybille: und das grundproblem ist, dass es in diesem bereich eigentlich keinen „spielsüchtigen“, vermutlich auch keinen „zocker“ geben darf. dafür sollten ja diese geschichten mit #kontrolle und #verantwortung stehen. aber irgendwie ist das irgendwem abhanden gekommen (oder war vielleicht sogar niemals da). wem und warum, weiß man halt wieder einmal nicht so genau. was aber auch egal zu sein scheint, weil es mögliche verantwortliche ohnehin nicht treffen würde (wird).

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