Hypo-Skandal: Schonung für alle, nur nicht die Steuerzahler

“……Bei aller Vielschichtigkeit und Komplexität des Hypo-Alpe-Adria-Skandals ist nicht nachzuvollziehen, wieso im Rahmen der vorgeschlagenen Lösung alle direkten und indirekten Beteiligten und Interessenten geschützt werden sollen – nur nicht der Steuerzahler, der das Desaster am allerwenigsten verursacht hat….” (Hannes Androsch, hier)

5 comments

  1. Reinhard

    Doch, es ist nachzuvollziehen.
    Weil alle direkten und indirekten Beteiligten im gleichen Kral hausen wir die Entscheidungsträger und sich die Krähen gegenseitig kein Auge aushacken.
    Derweil “die Steuerzahler” eine graue unscheinbare Masse sind, ein summender Haufen Arbeitsbienen, denen der Stachel schon längst gezoen wurde. Wenn jemand die Wahl hat, seine Familie und Freunderl zu schonen und dafür eine anonyme Masse abzuzocken – na, was wird der wohl tun, Herr Androsch? Sie waren doch selbst lange genug Teil des Systems, um es zu verstehen!
    Politik und Banken sind eins, sie bilden einen Klumpen; das muss man einem ehemaligen hochrangigen Parteifunktionär, der ebenso Finanzminister wie Bankvorstand war, wohl nicht mehr erzählen.
    Es wird nur propaqgandistisch alles getan, um diesen Umstand zu verschleiern.
    Aber langsam kapiert die Plebs, dass “die da oben” sie verschaukeln und in Wirklichkeit vor laufenden Kameras Worthülsen absondern, während sie hinter verschlossenen Türen einen Schampus auf die verarschten Blödmänner am unteren Ende der Bezahlkette aufkorken.

  2. Thomas Braun

    Ich weiß, es ist unpopulär. Aber sollten wir geschlossene Verträge nicht doch einhalten?

    Wenn ich das richtig sehe, hat sich die Hypo seinerzeit jede Menge Kohle geborgt (von den bösen Gläubigern), weil SIE, die Hypo, das so wollte. Und diese Kohle hat die Hypo nur deshalb bekommen, weil das Land (und damit die Republik) dafür gebürgt hat. Und diese Bürgschaft haben österreichische Politiker, die von österreichischen Steuerzahlern Jahr aus Jahr ein immer wieder gewählt werden, mit der österreichischen Hypo vereinbart. Und diese Bürgschaft wird jetzt schlagend. Wieso sind jetzt die Gläubiger böse und die Österreicher die ach so Armen?

    Wer Schuldenmacher wählt, wird Schulden ernten.

  3. sybille Stoa

    Ich sehe das so im Neoliberalismus:
    Der Staat hat sich nicht in die Wirtschaft einzumischen, außer vielleicht in einer globalen Krise und selbst da nur sehr begrenzt temporär bis zu einer festgelegten Maximalhöhe (die schon am BIP dynamisch gemessen werden kann, aber die Fässer ohne Boden verhindern soll).

    Auch die einzelnen Systeme im Staat sollten auf dieser Basis so weit voneinander entkoppelt sein.
    In Österreich ist das Gegenteil der Fall:
    Länder haften freiwillig für Banken, der Bund haftet freiwillig für Länder, für die Haftung besteuern wir Sekt und Tabak und schaden den Schaumweinproduzenten und Tabakwarenimporteuren, weil das auch eh praktisch gerade ist, da wir aufgrund des schwerer finanzierbaren Pensionssystems SOLL Vorgaben an die Volksgesundheit stellen, um das Erwartungsloch im Pensionssystem durch Mittel aus dem Gesundheitssystem temporär zu stopfen, weil Pensionsrechte wohlerworben sind.

    Ich meinte: Probleme einer Bank haben Gläubiger, Inhaber und Bürgen zunächst untereinander zu lösen; Probleme im Pensionssystems müssen innerhalb des Pensionssystems und den Einzahlern, Empfängern diskutiert und Maßnahmen gemeinsam ausverhandelt werden um Finanzierbarkeitsprobleme zu lösen

  4. Thomas Holzer

    @Thomas Braun
    Prinzipiell sind natürlich Verträge einzuhalten; aber: ich kenne kein Gesetz, welches besagt, daß der Bund für die Schulden der Länder haftet.
    Ich kenne jedoch ein Gesetz, Finanzausgleich genannt, welches Bundessteuergeld den Ländern nachwirft 😉
    Außerdem besagt ein altes Sprichwort: “Wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren” wenn ich mich recht entsinne.

  5. Rennziege

    Der kluge und erfahtene Klaus Kastner hat an anderer Stelle dieses Blogs angemerkt:
    „Risk takers must remain risk carriers.“
    Das war über Jahrhunderte die Maxime jeder Art von Wirtschaft, vom Bauern bis zum Banker.
    In Thomas Manns berühmtem Erstling “Die Buddenbrooks” (1901) schlittert eine alteingesessene hanseatische Patrizierfamilie in den Ruin, weil Vater eine wie gewohnt eine Ernte “auf dem Halm” gekauft hat; heute heißt das Futures. Ein Bauer verkauft im Frühling seine Ernte, die er erst im Herbst einfahren wird, unter dem aktuellen Marktpreis an einen Großhändler, der sofort dafür bezahlt. Was den Bauern vom Risiko einer Missernte befreit, dem Käufer aber einen beträchtlichen Gewinn verheißt, wenn das Risiko nicht schlagend wird. (Thomas Mann erzählt eine authentische Geschichte aus dem alten Lübeck.)

    Meine Naivität fragt sich, warum diese uralten kaufmännischen Regeln nicht auch heute gelten sollten: Wer spekuliert, kann gewinnen, aber auch verlieren. Es ist seine Chance, aber auch sein Risiko. Dass letzteres nun, sogar mit staatlicher Rückendeckung, von unbeteiligten Steuerzahlern getragen werden soll, ist eine himmelschreiende Perversion.

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