“Illusionäre Verkennung ökonomischer Gesetze”

Von | 19. März 2013

“….Selbst wenn durch künstliche Manipulationen an einem bestimmten Stichtag gleiche Startbedingungen gesetzt werden könnten, würden am Tage danach schon wieder Veränderungen Platz greifen, weil die Vorstellungen und das Verhalten der Menschen und auch der Völker hinsichtlich ihres Sparen-und-Verbrauchen-Wollens, des Leistungsstrebens, ihres Fleißes u. ä. m. auch in einem gemeinsamen Markt niemals auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden können. Jene Forderung beruht also auf einer völlig illusionären Verkennung ökonomischer Gesetze und Tatbestände, aber sie charakterisiert zugleich eine geistige Haltung, die sich in einem integrierten Europa unter keinen Umständen durchsetzen darf, wenn nicht menschliche Initiative und schöpferische Kraft, ja das Leben selbst, erstickt werden sollen. Es ist also eine Illusion, die hinter diesen Vorstellungen steht, der Wahn, zu glauben, man könnte die natürlichen Gegebenheiten korrigieren und die strukturellen Bedingungen von Land zu Land mit künstlichen Mitteln so weit ausgleichen, dass jedes Land in jedem Bereich mit gleichen Kosten arbeitet.“ (Ludwig Erhard, ehemaliger deutscher Bundeskanzler)

11 Gedanken zu „“Illusionäre Verkennung ökonomischer Gesetze”

  1. rubens

    Der ist leider schon lang tot, der Erhard und die Nachfolger sind abgesägt.

  2. Samtpfote

    Heute wäre er der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

    Damals war er zur fast richtigen Zeit der fast richtige Mann am fast richtigen Ort….

  3. Rennziege

    @Samtpfote
    Sehe ich nicht so, Chef. (Ich hab’ mich vor ein paar Jahren gründlich eingelesen.) Ludwig Erhard war zur genau richtigen Zeit der genau richtige Mann am genau richtigen Ort. Ohne ihn hätten der Wiederaufbau Deutschlands und das Wirtschaftwunder nur in Zeitlupe stattgefunden. Dass er, der kühle Rechner und Pulsfühler der Erfordernisse jener Zeit, später als Kanzler scheiterte, tut seinem Wirken keinen Abbruch: Da war die Knochenarbeit längst getan.

  4. nometa

    @rubens
    Was denn, was denn! Wagenknecht vergessen? 😉

    @Rennziege
    Sehe ich auch so. Der Marshall-Plan hat sicher nur eine geringfügige Rolle beim Wiederaufbau gespielt – Großbritannien, etwa, hat viel mehr bekommen und deutlich länger für die Erholung gebraucht. Dass Erhard als Kanzler scheiterte, spricht nicht gegen ihn, finde ich. Er war eben eindeutig kein Machtmensch. Das finde ich sympathisch an ihm, außerdem passt es zu einem Liberalen.

  5. Samtpfote

    @Rennziege
    @ nometa
    Ein kleiner Schwank aus meinem Leben: 🙂
    Als ich mich in Hamburg Mitte/Ende der 70er-Jahre dem Studium des Bankwesens und dort der VWL hingab, zerlegte unsere VWL-Professor Karl Marx auf Zahnstocher für Legofiguren. Als Ausgleich – und dafür bin ich ihm bis heute dankbar – pries er die Vorzüge und die Praktikabilität des Erhard’schen Liberalismus.
    Wie wir heute sehen können, lag er damit vollkommen richtig.
    .. was er allerdings mit den gefühlten 30 t Zahnstocher anfing, entzieht sich leider meiner Kenntnis.. 🙂

  6. Rennziege

    @nometa
    @Samtpfote
    Danke! Ich mag Ihre Smileys, Gentlemen. Nicht minder Ihre unaufgeregte Art, die Dinge des Lebens mit einem Körnchen Salz zu betrachten. Wenn wir uns von den politischen und medialen Gauklern unserer Zeit auch noch die gute Laune stehlen lassen, haben sie endgültig die griesgrämige Oberhand gewonnen. (Fern jeder Anbiederung: Nicht anders ticke ich.)

    @Nometa: GB brauchte wirklich länger. Mein Vater besuchte in den späten Fünfzigern zwei Jahre lang eine Volksschule in Colchester, Essex. In England gab’s damals noch Lebensmittelmarken für Butter, Milch und Fleisch. Als mein alter Herr aus den österreichischen Sommerferien zurückkam und erzählte, dass es dort alle Nahrungsmittel frei zu kaufen gibt, wurde er auf dem Pausenhof abgewatscht. (Schulbuben-Rangeleien, harmlos im Vergleich mit heutigen Zuständen, lustige Erinnerungen.)

    @Samtpfote: Die Zahnstocher-Legofiguren-Parabel interessiert mich brennend, aber ich verstehe die professorale Dramaturgie nicht ganz. Eine nähere Beschreibung für einfache Gemüter wie mich wäre abendfüllend und erhellend. — Vielleicht sogar für die neuerdings seltsam schmähstaden Kummerln, die uns hier so erfreuen. 🙂

  7. Samtpfote

    @Rennziege
    Die Zahnstocher stehen für:
    Etwas zu Kleinholz verarbeiten (waren übrigens die Originalworte damals, als wird das KAPITAL zerpflückten)

  8. Thomas Holzer

    off topic!
    und die HSH-Nordbank bekommt zusätzlich zu den bisherigen Garantien EUR 10 Milliarden Staatsgarantien………

    Wenn die Deutschen so weiter machen, werden sie bald Zypern sein; Österreich natürlich auch

  9. KClemens

    Samtpfote :
    Heute wäre er der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

    Damals war er zur fast richtigen Zeit der fast richtige Mann am fast richtigen Ort….

    Nö. Der Mann war nicht nur bekennender Raucher, der war auch sonst den vereinigten Lobbykreisen nicht gut, bzw. gar nicht gewogen.

    So einer käme heute noch nicht mal mehr auf die Hinterbank.

  10. KClemens

    Thomas Holzer :
    off topic!
    und die HSH-Nordbank bekommt zusätzlich zu den bisherigen Garantien EUR 10 Milliarden Staatsgarantien………
    Wenn die Deutschen so weiter machen, werden sie bald Zypern sein; Österreich natürlich auch

    Also insgesamt 20 Milliarden??? Fassunglos in die Küche zur selbstgemachten Hühnersuppe abgehend 🙂

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