Im Herbst explodieren die Staatschulden

“Warum die Staatsschuld im kommenden September um mehr als 30 Milliarden Euro oder sagenhafte zehn BIP-Prozentpunkte hochspringt  –  und wie Drogenhandel, Zigarettenschmuggel und Prostitution die Staatsschuldenquote senken.” (hier)

15 comments

  1. Heinrich Elsigan

    Im Moment sehe ich das bad case Szenario so:
    Wir haben in Branchen, wo hauptsächlich reine Personalkosten am ausschlaggebendsten sind, die Wettbewerbsfähigkeit voll verloren. Ich komme aus der IT und merke deutlich, dass kaum noch Projekte nach Österreich vergeben werden.
    Grund: Mit dem gleichen Projektbudget von 1 Mio. € kann ich in Irland oder der Schweiz 18 Leute / Jahr mit dem gleichen Netto-Lohn anstellen und hier nur 12 Maxerln im Jahr. (Irre Lohnsteuern, SV-Beiträge, Dienstgeberanteil)
    12 sind aber selten bei gleichen Gesamtkosten gegen 18 erfolgreich
    In Banken und Unternehmen schlummern auch noch diverse Risiken.
    Die qualifizierten Akademiker sind zwar nicht arbeitslos, gurken aber oft auch zu Hilfsarbeiter-KV äquivalenten Dienstverhältnissen außerhalb ihres primären Bereichs oder als gerade noch existenzfähige EPUs herum.

    Die dauernden Steuererhöhungen, der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit, der Verlust der Kaufkraft, steigende Arbeitslosigkeit, fehlende Anreize sich was schaffen zu können, fehlende Investitionen, die Risiken in Banken und Unternehmen, sowie die negative Alterspyramide ohne hinreichende Pensionsreformen potentieren unheimlich das Risiko eines plötzlich auftetenden raschen Abwärtstrends.

    Das kann sehr schnell gehen und es drohen in Folge zu geringe Staatseinnahmen aufgrund mangelnder Steuereinnahmen, plötzlich ein stärkerer Anstieg der Arbeitslosigkeit, eventuell sogar erneute Probleme im Bankensektor, aber jetzt kann aber keine Steuerschraube mehr weiter aufgedreht werden.
    Und genau dann wird sicher ein Downrating der Ratingagenturen kommen 🙂

    Ideen des ÖGBs mit der 6. Urlaubswoche ab dem 43. Lebensjahr sind extrem kontraproduktiv: http://www.ots.at/touch/presseaussendung/OTS_20140325_OTS0190
    Wenn schon junge in manchen Branchen zu wenig wettbewerbsfähig sind, dann sind teurere ältere mit mehr Urlaubsansprüchen sicher noch weniger wettbewerbsfähig. Da nützen auch gesetzliche Regelungen nichts, die werden höchstens im worst case par KMUs in die Insolvenz treiben.

  2. Heinrich Elsigan

    Herr Ortner, liebe blog-Leser,

    ich hätte eine Frage an den Blog Autor und die Leserschaft:
    Wissen Sie warum die Regierung/AK/ÖGB nicht sinnvollere Maßnahmen, wie flachere Gehaltskurve anstatt 6 Urlaubswochen oder sinnvolle Reformen anstatt Kosmetik umsetzt?

    Ich meine, so hart austeritär wären jetzt Maßnahmen wirklich nicht, aber weiteres Zuwarten erhöht das Abwärtsrisiko und später ginge es nicht mehr mit kleinen, sondern nur unter großen Schmerzen.

  3. Thomas Holzer

    Wozu die Aufregung; das hat doch Methode:
    Wurde nicht Ende vergangenen Jahres ein nicht vorhandenes Budgetloch von ca. 40 Milliarden auf ca. 8 Milliarden von den vereinigten Experten und Politikern “heruntergerechnet”?!
    Die Politik mit Rückendeckung durch Pseudowirtschaftswissenschafter, welche natürlich am Finanztopf der Politik hängen, rechnet sich jede gewünschte Zahl schon.
    Daß EUROSTAT mit derlei kreativen Berechnungsmethoden nicht zurückstehen darf, ist ja offensichtlich 😉 Ein Schelm, wer Böses denkt

  4. Thomas Holzer

    @Heinrich Elsigan
    Ganz einfach, weil sinnvolle Reformen langfristig die EInflußmöglichkeiten durch Regierung/WK/AK/ÖGB und alle anderen Kammern und Parteien in das Privatleben jedes Einzelnen zumindest ein klein wenig reduzieren würden 🙂

  5. sybille Stoa

    @Thomas Holzer Wann rebellieren ältere Arbeitslose, die theoretisch den Anspruch auf eine 6. Urlaubswoche hätten und praktisch 6 Wochen Urlaub vom AMS bekommen ohne aber genügend Geld um auf Urlaub zu fahren?

    Flachere Gehaltskurve und niedrigere Dienstgeberbeiträge für ältere würden Wunder bewirken. Das widerspricht aber dem Geist der AK, des ÖGBs.
    Die strafen immer lieber Firmen ab, anstatt positive Anreize zu setzen.

  6. Thomas Holzer

    @Sybille Stoa
    Zitat: “Obwohl die Zahl der Arbeitsplätze steigt, haben immer weniger Menschen einen Job” (AMS-Chef Herbert Buchinger)
    ÖGB-Chef Erich Foglar will dieses Problem lösen, indem mehr Ältere beschäftigt werden.

    Soviel zum (Un)Vermögen dieser Proponenten, auf (fast) höchster Ebene in diesem Lande, logisch zu denken. Und diese “Personen” sind in die wichtigsten Entscheidungen für die Bevölkerung dieses Landes eingebunden, wenn nicht sogar wesentlich mitverantwortlich.

    Kein Wunder, daß wir mittlerweile schon rückwärts gehen, und nicht mehr stagnieren…

  7. sybille Stoa

    Jeder normale Mensch weiß:
    Grund für mehr Jobs ist
    1.) Zuwanderung
    2.) mehr Halbtagsjobs, weil da die irren Steuern und Lohnnebenkosten hier wenigstens ein bisserl geringer ausfallen
    3.) Mehr geringfügige Jobs, der geisteswissenschaftliche Akademiker hat 2 10 Stunden Jobs. (Hey toll, wenn einer mehre Nebenjobs hat, dann steigt die Zahl der Arbeitsverhältnisse)

  8. Heinrich Elsigan

    @Sybille Stoa
    Du hast die geringfügigen Jobs der ganzen älteren Pensionistinnen mit kleiner Rente noch vergessen. Schau dir mal an, wie viele Frauen in Pension noch geringfügig bisserl dazu verdienen. Das sind auch etliche.

  9. Erich Bauer

    @ “…warum die Regierung/AK/ÖGB nicht sinnvollere Maßnahmen…”

    Da die Bildung riesiger Wirtsdchaftsblöcke von Marxisten und (Erz-/Krypto-)Liberalen gleichermaßen präferiert wird, MUSS es – folgerichtig und folgenschwer – zu Steuerungen und Regelungen (für was?) kommen. In dieser Phase hebt dann halt – angeblich – der NEOLiberalsimus (was immer dieser Begriff in realita bedeuten soll) sein Haupt. Den Marxismus muss man in diesem Zusammenhang nicht erwähnen, denn diese ” Entfaltung ” ist erklärtes Programm. Der LIBERALISMUS stolpert halt mit der Zeit in diese “Ordnung”. Er braucht halt ein bisschen länger…

    Die Bankenunion ist daher bereits gegessen:

    http://www.handelsblatt.com/politik/international/pleitebanken-die-bankenunion-steht/9642170.html

    Eine schwache Binnenwährung, als EU-Transferrubel, ist schon ausgemachte Sache. Die Arbeiter müssen sich mit dieser „Planspeisekartoffel“ begnügen und auf diese Weise die Exporte ankurbeln (???), aber den inneren Wohlstand schwächen (das in jedem Fall)…

    Es heißt, dass Marxismus UND Liberalismus, angelangt am Mount Everest-“Ideologiegipfel”… beide sich die Hand reichen, wie Brothers in Arms…

    Dass der westliche, „liberale“ Kapitalismus die Idee einer globalen Wirtschaft, mit globaler Arbeitsteilung, nicht nur aufgreift, sondern sogar mit der Sturheit eines doppelhäutigen Rhinozeros mit aller Gewalt durch- und umsetzen will… hätte Karl Marx sicher nicht erwartet.

  10. Thomas Holzer

    @Erich Bauer
    eine kleine Korrektur sei mir gestattet 🙂
    Ich kann mich nicht entsinnen, daß die vielzitierte “unsichtbare Hand des Marktes” nach Bankenunion, GATT, TTIP, Basel I, II, III, et al. gerufen hat oder noch immer ruft und diesem Ruf Folge leistet!
    Für all diese den Markt verzerrenden Abkommen ist einzig und alleine die Politik verantwortlich; keinem Politiker wurde eine Pistole an die Brust gesetzt, geschweige denn mit dem Einsatz einer Kalaschnikow gedroht. um derlei Verträge zu unterschreiben 😉

  11. Erich Bauer

    @Thomas Holzer,

    Naja… die “unsichtbare Hand” 🙂 Adam Smith selbst kam zu der Erkenntnis, dass es diese “Hand” – im Markt – leider nicht gibt… Und natürlich… Es ist der Politiker und nicht der Ideologe. 🙂 Das “worst-case”-Szenario erscheint, wenn Politiker und Ideologe in einer Person auftritt.

  12. Thomas Holzer

    @Erich Bauer
    Na, dann haben wir ja noch Glück; einer Ideologie anzuhängen, kann man “unseren” Politikerdarstellern wahrlich nicht vorwerfen 😉
    Gott lob gibt es diese “unsichtbare Hand” nicht, auch wenn diese allerorts und immerdar von der Politik beschworen wird 🙂

  13. Mourawetz

    Dass die Schattenwirtschaft, deren Alleinstellungsmerkmal nun einmal ist, dass sie eben keine Steuern zahlt, von der Staatsschulden zurückgezahlt werden könnten, nun in die Berechnungsmethode für die Staatsschuldenquote einfließt, ist der Witz des Jahres. Man meint also genau jene, die sich dem Zugriff des Staates bisher erfolgreich entwunden haben, in die Verantwortung nehmen zu können.

    Oder auch nicht., denn: Wenn das BIP nun die Schattenwirtschaft miteinrechnet, bedeutet das auch, dass die Steuerquote, also der Prozentsatz vom BIP, der an den Staat als Steuer abgeliefert wird, sinkt. Durch diese Zahlenspielerei erscheint es so, als ob weniger Steuern gezahlt werden als bisher, was natürlich Humbug ist. Das wird Sozialisten auf den Plan rufen, die Steuerschrauben weiter zuzudrehen.

    Nun, die Schattenwirtschaft wird es wenigstens freuen: Sie zahlen zwar keine Steuern, können aber nun mit Fug und Recht behaupten, dass auch sie vom Staat geschätzt (!) werden und zum BIP förderlich beitragen. Gut fürs Gewissen, steigert doch solch unerwartete Anerkennung die Gaunerehre, man ist ja doch wer.

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