Im Jammertal der Qualität

Von | 12. März 2016

“…….Verehrte Qualitätsjournalisten! Lassen Sie mich eingangs sagen, dass ich diesen Begriff, den Sie für sich ausgewählt haben, um sich von irgendeinem verachteten Untergrund zu differenzieren (wenn er nicht dabei ist), ausgesprochen albern finde. Es ist daher wahrscheinlich, dass er mir etwas ironisch herausrutscht. Kein Richter, Rechtsanwalt, Schriftsteller oder Musiker würde auf die Idee kommen, sich öffentlich als “Qualitätsjurist, -musiker usw.” zu bezeichnen, um sich damit von einer imaginären Bande von Nichtskönnern abzuheben, die immer aus denen besteht, die gerade nicht mit am Tisch sitzen. Schon das (ganz ernsthafte!) Hervorheben des Begriffs des “Qualitätsjournalismus” und der Vorwurf an den Kolumnisten, er verwende dieses Wort “ironisch” (wohl wahr!), offenbart das Jammertal eines Berufsstands, der sich als solcher ständig in einer Selbstbehauptungs- und Verteidigungsposition wähnt….” (hier)

6 Gedanken zu „Im Jammertal der Qualität

  1. Fragolin

    Was macht die Qualität eines Journalisten aus?
    1. Recherche
    2. Objektivität
    3. Verzicht auf Attribute
    In allen 3 Punkten versagen unsere Medien fulminant. Unhinterfragtes Abtippen von Pressetexten aus Parteibüros oder von Agenturmeldungen; Einmischen des eigenen Senfes und Attributierung zwecks Meinungsmanipulation des Konsumenten, Tatsachenverdrehte Schlagzeilen zur Realitätsmodifizierung… die Liste ist lang.
    Das Wort “Qualität” scheint in den Redaktionsstuben eine andere Bedeutung zu haben als bei den (nicht umsonst davonlaufenden) Konsumenten. So bleibt nur die wahrgenommene Gleichung “Qualitätsjournalismus” ist ein Synonym für “Propaganda”.

  2. sokrates9

    Qualitätsjournalismus heißt dass man Buchstabengenau die vorgegebenen Pressetexte kommentarlos abdruckt!

  3. Falke

    Das geht ja ursprünglich von den Zeitungen selbst aus, die sich selbst in “Qualitätszeitungen” (Presse, Standard, Kurier, Kleine Zeitung…) und “Boulevardblätter” (Krone, Österreich…) unterteilen. Irgendwie wurde das unkritisch von der Allgemeinheit zur Kenntnis genommen und als Tatsache betrachtet. Allerdings müssen sich die sogenannten “Qualitätszeitungen” (und ganz besonders diese) nunmehr gefallen lassen, dass sie in Zuge der Berichterstattung über die Flüchtlingsproblematik als “Lügenpresse” bezeichnet werden. Unter “Qualität” verstehen die Journalisten dieser Blätter nämlich vor allem, “politisch korrekt” zu berichten, was derzeit nicht so gut ankommt.

  4. Plan B

    Aus Marketingsicht: Ein Relaunch ist vonnöten.

    Vorschlag: Premium-Journalismus.
    Beispiel: Springer Grand Cru
    Slogan: Abgefüllt schwindelt es sich besser

  5. gms

    Der Erfahrung nach betreiben grundfalsche oder auch von einem brauchbar hohen Niveau absteigende Systeme intensivierter Selbst-Vergewisserung und -Behauptung von innen. Demokratisch war an der DDR den Buchstaben folgend allein der erste Namensteil; dasselbe läßt sich an anderen Orten beobachten, so mit auffälliger Intensität von ‘Demokratie’, ‘Freiheit’ und ‘Menschenrechten’ die Rede ist.

    Je dünner der Lack der schreibenden Zunft, desto vehementer müssen deren offen grün oder rot wählenden Protagonisten mit behaupteter Qualität die Distanz zum gemeinen Fußvolk vorspiegeln, ein vorgeblicher Souverän, der zugleich zunehmend wider die Obertanen opponiert.

    Apropos Elite: [1] 11.02.2013, Uwe Krüger, Journalismusforschung: “Ganz auf Linie mit den Eliten”

    „Bitcoins gehören verboten.“ — Das schreibt jemand, der über den ‘Marshall Plan Chair for Austrian Studies’ in New-Orleans sein Doktorat machte und Gastprofessor wurde, für den “Economist” und die “Financial-Times” schrieb und der danach als Außenressort-Leiter eines lokalen rosa Blattes in einer Talkshow sitzend dem Puplikum mit aller zur Gebote stehenden Inbrunst verklickern wollte, die USA hätten in der Ukraine nicht die geringsten Absichten.

    Dasselbe Muster zeigt sich bei anderen Schreibern, denen man grosso modo Verstandesgröße attestieren kann, die zugleich bei ganz bestimmten Themen ostentativ und gleich einer Parodie an ihren Zwangsjacken zerren.

    “Germany made in USA” [2] wurde sogar im Öffentlich-Rechtlichen der BRD ausgestrahlt. Das Gezeigte allein sollte jedem die Augen öffnen, ganz zu schweigen von dem was zu Tage kommt, gräbt man bei den genannten Protagonisten und Sachverhalten bloß wenige Zentimeter tiefer.

    [1] heise.de/tp/artikel/38/38515/1.html
    [2] youtube.com/watch?v=tfXLOtlYC7E

  6. gms

    Nebenan zum Thema Blockparteien, Merkels Plan mit der Türkei und dem kommenden Schicksal Griechenlands: “Entscheidend ist, wonach der bereits jetzt begonnene Bau von Camps in Griechenland fortgesetzt wird. Sobald dort genügend Leute versammelt sind und Griechenland in wenigen Monaten erneut der Umschuldung bedarf, hat man den perfekten Vorwand zum Ausschluß des Landes aus Schengen und der Eurozone.”

    Damit die griechischen Finanzen nicht aus der Aufmerksamkeit geraten, bedarf es seitens der Globalisten gelegentlich dezenter Hinweise [0][1]. Was es mit dem “Economist” [4] aufsich hat, verrät einmal mehr dessen deutsches Schwesternblatt “Zeit” [2].

    Progressiv grün bis zum Gallenplatzen, femi-gender-fiatmoney-affin ins letzte Komma hinein, die Clintons hofierend und Blair vergötzend, Bellizismus und Islam bejubelnd, anti Bargeld, pro Zuwanderung und furorischer gegen Rräächts als alles, was jemals in der sozialistischen Antifa fleuchte — das sind die Presstituierten der Oligarchen. Wer des Lesens überdrüssig ist, findet’s als Kabarett auf [3].

    p.s.: Bemerkenswert ist, wonach der “Economist” einerseits das wirtschaftliche Erstarken der BRD unter Schröders Reformen begrüßte, sich zugleich 2005 aber für einen Machtwechsel in Deutschland aussprach, der kurz darauf sogar knapp gelang [5]. Damals schon bevorzugten die Globalisten eine große Koalition in Deutschland [6] unter CDU-Führung.
    Als Merkels allfällige Nachfolge nennt das Blatt heute von der Layen, ihr dortiger Spitzname lautet ‘Ursula major’.

    [0] zeit.de/politik/2016-03/fluechtlinge-griechenland-idomeni-athen-tuerkei
    Sie fangen an, Griechisch zu lernen. In Athen kommen immer noch täglich Tausende Flüchtlinge an, das Militär errichtet Notunterkünfte. Allmählich wird den Griechen klar: Diese Menschen werden länger bleiben. [..] Die Arbeitslosenquote liegt bei 24 Prozent, die Regierung verhandelt gerade mit den internationalen Geldgebern über neue Sparmaßnahmen.
    [1] twitter.com/TheEconomist/status/708724499039035392
    Greek banks, On the front line, Greece’s biggest banks may appear to be out of danger, but they are not
    Mar 10th 2016, 16:02 | From the print edition. On the face of things, Greece’s four big banks are in their best shape in years. In November they received their third bail-out in as many years.
    [2] zeit.de/2015/19/economist-neue-chefredakteurin-zanny-minton-beddoes/komplettansicht
    [3] youtube.com/watch?v=JFvQuZBxh-Q (‘Die Anstalt’, 29 April 2014)
    [4] economist.com
    [5] zeit.de/2005/37/_THE_ECONOMIST_/komplettansicht
    [6] economist.com/node/4229328
    The seductive idea that sensible politicians from both sides should come together for the greater good is a hardy perennial in Germany.
    [7] economist.com/node/4010748
    Merkel’s rise. An iron-curtain lady. Skill as well as luck have propelled a meteoric career
    May 26th 2005, 12:22 | From the print edition. Not always Kohl’s girl to anglophones, German first names can often be false friends. They look easy to pronounce, but are hard to get just right. So world leaders should start practising now.

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