Immer diese Deutschen…

Von | 16. November 2013

(ANDREAS TÖGEL) 1870/71 führen die ruchlosen Teutonen Krieg gegen Frankreich, das von einem (20 Jahre zuvor an die Macht geputschten) Friedensengel regiert wird; 1900 tönt der Kaiser anlässlich der Verabschiedung des Expeditionskorps zur Niederschlagung des Boxeraufstands in China: „Pardon wird nicht gegeben! Gefangene werden nicht gemacht!“ Hunnen! 1914 stürzen die Deutschen – wie immer ohne jeden Anlass – die Alte Welt in eine katastrophale zweite Auflage des Dreißigjährigen Krieges. Kaum sind sie dafür mit Gebietsverlusten, Massenvertreibungen und Plünderungen gebührend bestraft, düpieren sie die Welt mit ihrem „Wirtschaftswunder“ (das mit den bescheidenen Marshall-Plan-Krediten übrigens wenig bis nichts zu tun hat).

 

Anno 2013 sind sie, zum größten Verdruß ihrer europäischen „Partner“ und ihrer transatlantischen „Freunde“, Exportweltmeister und brechen, den krausen Vorstellungen deren Spitzenbürokraten zur Folge, schon wieder einen Krieg vom Zaun. Diesmal nicht mit MG42, Stukas und Sturmgeschützen, sondern mit wirtschaftlichen Mitteln. Alleinige Ursache des verheerenden Zustands, in dem sich Staatsfinanzen und Beschäftigungssituation der „Südstaaten“ befinden, ist demnach – wieder einmal – der „Deutsche Sonderweg“ (der darin besteht, zu arbeiten anstatt zu streiken). Das Säbelrasseln gehört eben einfach zur deutschen Natur…

 

Stand für die seriöseren unter den europäische Staatsmännern einst die Idee von Markt und Freihandel als zukunftsträchtiges europäisches Friedensprojekt im Mittelpunkt, hat der Wind längst um 180° gedreht: Für die Neobolschewiken der EU-Kommission ist Planwirtschaft Trumpf. Ganz im Sinne dieser Logik droht Olli Rehn, seines Zeichens Wirtschaftskommissar der EU, den Deutschen ein Verfahren an und will sie bestraft sehen – und zwar wegen seit Jahren zelebrierter „Exportexzesse“. Nicht etwa kollektiver mediterraner Schlendrian, Ineffizienz und Korruption stehen in der Kritik, sondern die als aufreizend empfundene (deutsche) Tüchtigkeit. Dafür könnte es am Ende sogar empfindliche Strafen setzen. Bastelstunde im Irrenhaus. Wer nach den Gründen für wachsende Politikverdrossenheit und EU-Skepsis sucht – hier wird er fündig!

 

Nun muß man allerdings wissen, daß Herr Rehn nicht nur Kommissar ist (was allein schon einiges darüber verrät, wes´ Geistes Kind er ist, denn anständige Menschen zieht es nun einmal nicht in die Brüsseler Niederungen!), sondern auch Ökonom. Eine brandgefährliche Synthese! Bekanntlich wimmelte es ja auch in der selig entschlafenen UdSSR von an maßgeblichen Positionen tätigen Volkswirten. Die lichtvollen Höhen, zu denen diese die Wirtschaft ihres Landes führten, sind noch in lebhafter Erinnerung. Je mehr beamtete Ökonomen, desto mieser die Wirtschaftslage. Ein ehernes Gesetz. Euroland bildet da keine Ausnahme.

 

Herr Rehn stößt sich also daran, daß in der Mitte Europas tüchtig gearbeitet wird und alle Welt demzufolge auf Produkte „Made in Germany“ scharf ist. Das darf nach seiner, leider durchaus maßgeblichen, Meinung nicht sein. In der Tat exportiert die deutsche Volkswirtschaft deutlich mehr als sie importiert. Logische Folge ist ein beachtlicher Leistungsbilanzüberhang.

 

In einer freien Wirtschaft läuft es so: Wenn Betrieb A stärker begehrte Produkte herstellt als der mit ihm konkurrierende Betrieb B, wird letzterer Maßnahmen ergreifen (müssen), um seine Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Andernfalls verliert er Kunden und läuft am Ende Gefahr, Pleite zu machen. In der europäischen Union herrschen – nach den Vorstellungen der Zentralbürokratie – völlig andere Regeln. Hier sinnt man daher auf Mittel und Wege, dem leistungsfähigeren Wettbewerber möglichst viele Prügel vor die Füße zu werfen, um ihn wirkungsvoll daran zu hindern, zum Nutzen seiner Kunden tätig zu werden. Genau darauf laufen die Pläne des Kommissars hinaus. Deutsche Unternehmen sollen schlechter, unwirtschaftlicher und teurer arbeiten, nicht etwa alle anderen besser und kostengünstiger. Man sollte so viel Torheit nicht für möglich halten!

 

Der Vorwurf Herrn Rehns an deutsche Adressaten basiert offensichtlich auf einem tief verinnerlichten, planwirtschaftlichen Denken: Denn selbstverständlich sind die deutschen Exportüberschüsse keineswegs das Ergebnis einer von langer Hand geplanten Verschwörung ebenso bösartiger wie kriegslüsterner Krauts, sondern die Folge der Summe freier Entscheidungen aller Konsumenten auf den internationalen Märkten. Sowohl innerhalb als auch außerhalb des Binnenmarktes geben viele von ihnen deutschen Produkten einfach den Vorzug vor allen anderen. Daran ist nichts verkehrt. Ende der Durchsage. Auf welche Weise und zu welchen Kosten von deutschen Betrieben produziert wird, geht (neben Eigentümer und Mitarbeiter) allein die Käufer deren Waren etwas an. Brüsseler Geistesathleten vom Schlage Olli Rehns ganz sicher aber nicht!

 

Um zu begreifen, inwiefern etwa der griechischen Tsatsiki-Industrie oder französischen Froschzüchtern damit gedient wäre, wenn man deutsche Auto- oder Maschinenbauer von Brüssel dazu zwänge, ab sofort miese Produkte zu überhöhten Preisen anzubieten, muß man schon Kommissar sein. Ohne einen ausgedehnten Aufenthalt im sozialistisch verstrahlten Brüssel, würde keiner auf die außerirdisch blödsinnige Idee verfallen, die strukturellen Probleme des „Club Méditerranée“ (inklusive Frankreichs) ausgerechnet dadurch lösen zu wollen, daß man die Leistungsfähigkeit der deutschen Industrie reduziert.

 

Daß die deutschen Bürger (namentlich die Sparer und Nettosteuerzahler unter ihnen) ihre Exporterfolge innerhalb der Eurozone letztlich aus der eigenen Tasche bezahlen, da die Rechnungen für ihre Lieferungen – etwa nach Griechenland – zu einem guten Teil nicht prompt beglichen, sondern langfristig, und zwar mutmaßlich uneinbringlich, kreditiert werden, ist wieder eine andere Geschichte – Stichwort „Targetfalle“.

 

Tatsache ist, daß die deutschen Verkäufe nach Übersee ein deutlich stärkeres Wachstum aufweisen als jene in Euroland. Wer sich also anschickt, die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Betriebe zu reduzieren, schädigt damit am Ende ganz Europa. Durch Bummelei bei der Arbeit, Frühpensionierungen, Streiks, „soziale Umverteilung“ und mittels als „öffentliche Investitionen“ getarnte, staatliche Geldverbrennungsaktionen, wird die EU nicht weiterkommen. Davon, dadurch zum „dynamischsten Wirtschaftsraum der Welt“ zu werden, wie anno 2000 in Lissabon vollmundig angekündigt, ganz zu schweigen. Planwirtschaft funktioniert eben nicht. Weder in der UdSSR, noch in ihrem Nachfolgemodell namens EU. Herr Rehn wäre daher gut beraten, wirtschaftsfeindliche linke Regierungen, wie jene Frankreichs, oder Griechenlands beamtete Kleptokraten ins Visier zu nehmen, anstatt die vorbildlich arbeitenden deutschen Betriebe und deren Mitarbeiter…

Tagebuch

10 Gedanken zu „Immer diese Deutschen…

  1. herbert manninger

    Europa ist fertig, Schluss, aus, wir sind beim Kommunismus angekommen.
    Wer jung ist, sollte auswandern, wer sehr alt ist, kann noch hoffen, dass er von diesen verlogenen Bürokraten bis zum Eintreten der Demenz, der Gnade des Vergessens, ein paar Jährchen mit Hilfe der Geldvermehrung durchgefüttert wird.
    Die 50- 65Jährigen hingegen haben die A-Karte.

  2. Thomas Holzer

    Mit dem EEG und der bescheuerten „Energiewende“ schaffen sich die Deutschen als „Wirtschaftslokomotive“ eh selbst ab; Herr Rehn und alle anderen Kommissare sollen Deutschland halt a bisserl mehr Zeit geben; auf 4,5 Jahre kommt’s auch nicht mehr an.

    Dann sind wir schlußendlich im anderen, „besseren“ realen Sozialismus angekommen, und wir alle werden „glücklich“, aber dafür ganz egalitär und demokratisch gleich arm sein 😉

  3. world-citizen

    Eigentlich ist es ja nichts anderes als die Aufforderung an deutsche Unternehmen, das zu tun, was verantwortungsbewusste Unternehmen ohnehin tun – einen Teil ihrer Gueterproduktion in andere Laender auszulagern. Daraus entsteht eine win win Situation fuer alle Beteiligten.
    Wenn VW in Bratislava produziert werden koennen, warum sollte das dann bei BMW und Mercedes nicht moeglich sein?

  4. Thomas Holzer

    @world-citizen
    Noch (sic!) sollte es jedem Unternehmen frei stehen, ob, was, wie, wo produziert wird.

    Aber mir ist schon klar, daß in Ihrer Weltregierung die Entscheidungen natürlich von den Weltkommissaren getrofffen werden, und nicht von Unternehmen.

  5. Rennziege

    16. November 2013 – 13:06 — world-citizen
    Mit Verlaub: Sie haben keine Ahnung, wie weltweit deutsche Konzerne (aber auch ein paar österreichische) mittlerweile produzieren — (a) um näher an ihren Kunden zu sein, (b) um Importzölle zu vermeiden, (c) zur Emigration gezwungen durch ökofaschistische Weltverbesserer und die EU, deren Schildbürgerstreiche sowohl Industrie als auch Arbeitsplätze systematisch vernichten.
    Machen Sie sich klug! Sie werden staunen, wie sehr nicht nur die von Ihnen zitierten Autokonzerne sich aufgefächert und verabschiedet haben. A wengerl www-Recherche wird ja noch drin sein, Genosse.

  6. Titus Feuerfuchs

    Danke, Herr Tögel, dem ist nichts hinzuzufügen.!

  7. world-citizen

    Dass die europäischen Partner Deutschland misstrauen, mag schon sein. Die Konsequenz daraus muss wohl sein, den Grund dafür festzustellen und nach bester Möglichkeit alles zu unterlassen, was Misstrauen erregen könnte. Ob das nun gerecht ist oder nicht, ist nicht relevant, weil es nun mal eine unabänderliche Tatsache ist.
    Und den europäischen Frieden gefährden will ja hoffentlich niemand.

  8. PP

    @world-citizen
    Da haben Sie verdammt recht, diese ewige Schuld ist so unabänderlich wie die Erbsünde!
    😉

  9. Reinhard

    Wann gibt es endlich eine europäische Richtlinie, dass es diesen elenden, verhassten Strebern in der Schule bei Höchststrafe untersagt, ständig Einser zu schreiben, damit die menschenverachtende Diskriminierung der Versager endlich ein Ende findet? Herr Rehn, handeln Sie schnell!

  10. world-citizen

    >>>>>>>>>>>>>>>>> Da haben Sie verdammt recht, diese ewige Schuld ist so unabänderlich wie die Erbsünde! <<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<

    Ich würde mir wünschen, wenn jemand konkrete Vorschläge präsentieren könnte, wie man eine "Erbsünde" los werden kann.
    Persönlich würde ich in einem solchen Fall eine Namensänderung in Erwägung ziehen. So bald ich nicht mehr mit einer bestimmten Familie in Verbindung gebracht werden kann, wird wohl auch kein Zusammenhang zwischen mir und deren Sünden herzustellen sein 😉

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