In Schweden werden jetzt Menschen “gechippt”

(MARCUS FRANZ)  Jetzt ist es Realität: in Schweden pflanzt eine Firma RFID-Chips ihren Mitarbeitern unter die Haut. Etwa 700 Menschen sollen den Chip, der schmerzlos im Bereich des Handrückens implantiert wird, damit ständig bei sich tragen. Arbeitszeit berechnen, Kopierer bedienen, Kantine bezahlen, all das wird damit unkompliziert möglich. Der Chef der Firma, Hannes Sjoblad, argumentiert, dass es auch aus seiner Sicht ein Experiment ist und er sich das mit seinen Mitarbeitern genau anschauen möchte. Hannes Sjoblad sagt dem “Chippen” eine große Zukunft voraus, wiewohl er auch auf die Gefahren hinweist: Der Gläserene Mensch ist keine Utopie mehr.

Aus Sjoblads Sicht ist es aber an der Zeit, sich mit dem Phänomen “implantable chip” intensiv zu beschäftigen. Er begründet seine Ansicht damit, dass er kritsiche Fragen aufwerfen und sich frühzeitig mit den Vor- und Nachteilen der neuen Technologie beschäftigen möchte. Für ihn überwiegen die Vorteile: Handy entriegeln, bargeldlos Zahlen, Zugangsberechtigungen usw., all das wird mit dem Chip möglich und total vereinfacht.

Der Autor dieser Zeilen hat im Sommer 2014 dem Chippen eine große Zukunft vor allem im Gesundheitswesen vorausgesagt und wurde dafür von allen Seiten medial und politisch geprügelt.

Im provinziellen Österreich hat wohl keiner damit gerechnet, das das Implantieren von Chips so schnell Wirklichkeit wird. Das schwedische Experiment ist meiner Meinung nach absolut zu begrüßen, denn dadurch wird das Chippen einer größeren Öffentlichkeit bewusst gemacht – was gut ist, denn auf diese Weise wird ein breiter Diskurs entstehen.

Als Arzt stehe ich  nach wie vor dazu: Gerade in der Medizin wird uns der Chip  eines Tages sehr viel helfen. Schon jetzt tragen ca 70.000 Österreicher implantierte Chips: jeder Herzschrittmacher beinhaltet einen solchen.

Wenn es gelingt, die Datensicherheit zu gewährleisten und eine allgemeine Akzeptanz zu erzielen, dann könnte der Chip tausende Menschen retten und uns allen zu einem gesünderen und besseren Leben verhelfen. Medizinische Informationen am Chip bei bzw. in sich zu tragen ist ein essenzieller Vorteil, nicht nur im Notfall. Schon jetzt haben wir ja jede Menge medizinischer Information in uns: Eine Blutabnahme zB ist auch nichts anderes als ein Info-Transfer für medizinische Zwecke.

Durch medizinische Chips wird dieser Info-Raum noch wesentlich verbessert und vergrößert. Blutgruppe, Krankenakte, Allergien, Patientenverfügungen, Willenserklärungen etc., alles ist am Chip speicher- und von ihm abrufbar.

Und: Der persönliche Chip ist jeder zentralen Daten-Speicherung (wie ELGA) haushoch überlegen, weil die Patienten selber über ihn bestimmen und nicht irgendwelche Institutionen das Datenmanagement übernehmen. Die Missbrauchsgefahr durch und in Institutionen ist bekanntermaßen viel größer als jene durch Einzelpersonen, das beweisen die täglichen Hacker-Meldungen.

Jedenfalls muss gelten, dass die Freiwilligkeit oberste Priorität genießt und jedenfalls muss sich der Gesetzgeber nun auch in Österreich mit der Frage des Chippens so bald wie möglich beschäftigen.

25 comments

  1. Christian Peter

    Klingt interessant, doch gibt es keine schlagenden Gründe, warum man einen Chip im Körper tragen sollte. Wer lässt sich freiwillig einen Chip implantieren, wenn man diesen ebenso in einer Chipkarte oder im Mobiltelefon mit sich führen kann ?

  2. Thomas Holzer

    “Jedenfalls muss gelten, dass die Freiwilligkeit oberste Priorität genießt”

    Und nur diese sollte zählen!
    Aber “unsere” Politikerdarsteller werden diesen Chip als Verpflichtung für alle einführen – leider

  3. Selbstdenker

    Lauter Vorteile:
    – Blutdruck- und Blutzuckerwerte für die Versicherung (damit schlechte Risiken abgelehnt werden können)
    – Totale Überwachung
    – In Zukunft vielleicht auch mit automatischen Stomschlägen bei falschen Gedanken kombinierbar
    – Besseres Profiling für politische und religiöse Extremisten (elektronischer Ersatz für den Judenstern)
    – Einbrecher können über RFID-Ortung besser feststellen, ob sich wer im Haus aufhält
    – Flächendeckende Section Control durch sektorenweises Abscannen der RFIC-Chips
    – Misstrauische Partner können sich an die kurze elektronische Hundeleine nehmen
    – Sofortalarm in der Gewerkschaftszentrale, wenn ein Mitarbeiter (z.B. ein Arzt) 5 Minuten Überstunden macht
    – Automatisierte Zusendung von Werbesendungen, wenn man ein Plakt flüchtig betrachtet
    – Etc.

    Bleibt nur eine Frage offen: wer möchte sich wie ein Haustier halten lassen?

    Kaum zu fassen, dass ich mit Christian Peter einer Meinung bin und den Vorschlag von Marcus Franz entschieden ablehne.

    PS: Zum Thema Missbrauch: glauben Sie nicht, dass man einen RFID auch auslesen kann?

  4. Selbstdenker

    @Thomas Holzer:
    Na klar wird das alles ganz auf “freiwilliger” Basis passieren:
    – Leute, die sich nicht chippen lassen, zahlen höhere SV-Beiträge
    – Leute, die sich nicht chippen lassen, gelten automatisch als Verdächtige
    – Leute, die sich nicht chippen lassen sind “rechts” (was denn sonst?)
    – Etc.

    So sieht also die Menschenwürde im Jahr 2015 aus.

  5. Selbstdenker

    @FDominicus
    Lassen Sie mich raten: haben Sie beruflich mit den Segnungen der IT zu tun?

  6. Thomas Holzer

    @Selbstdenker
    So wird argumentiert werden, wenn dann noch argumentiert werden darf 😉

  7. michelle

    ich würde die ISIIS-idioten damit ausrüsten: ein anständiges ferngesteuertes Stromschlagerl genügt für ewige Ablenkung von den Träumen eines Märtyrers!

  8. cmh

    Das Chippen gehört zu einer guten Anstellung genauso wie der Islam zu Deutschland gehört.

  9. FDominicus

    @Selbstdenker. Was verstehen Sie unter Segnungen? Beruflich entwickele ich Software. Ist das ein Segen? Bin ich jetzt der gute Geist?

    Verstehen Sie unter Segnungen das man jeden mit Mobiltelefon finden kann wo auch immer er sich gerade rumtreibt. Finden Sie Gesichtsbuch gut? Finden Sie die Mautpläne der Deutschen gut?

    Wo bleibt da der “Segen”. Ich sehe da nur massiven Missbrauch.

  10. Marianne

    Absoluter Wahnsinn und daher abzulehnen. V.a. weil Datensicherheit nicht existiert und Mißbrauch daher vorprogrammiert ist. Nicht verwunderlich, daß das erstmals in Schweden realisiert wird. Die arbeiten von allen Europäern am intensivsten am eigenen Untergang, siehe Abschaffung Bargeld, Einwanderungspolitik.

  11. Thomas Holzer

    @FDominicus
    der alleinige Grund, warum all dies eingeführt wird -vom automatischen Datenaustausch, über die “Kilometerabhängige Maut” bis zum subkutanen Chip- ist die möglichst lückenlose Überwachung eines jeden Einzelnen.
    Und das wahrlich dumme Volk nimmt all dies kritiklos hin……………

  12. Manfred Moschner

    Krank, krank und nochmals krank.
    Jetzt wird es endgültig Zeit, aus Europa auszuwandern.

  13. FDominicus

    @Thomas Holzer: “Und das wahrlich dumme Volk nimmt all dies kritiklos hin……………”
    Und die nicht wollen werden mitgehangen….

  14. Selbstdenker

    @FDominicus:
    Es ist ein wenig sarkastisch gemeint. Ob eine Entwicklung Segen oder Fluch bedeutet, hängt halt davon ab, wer diese für welche Zwecke einsetzt. Nachdem der Grundsatz “was sich missbrauchen lässt, wird auch missbraucht werden” gilt, habe ich ein enormes Misstrauen, wenn sich die Politik wieder einmal an der Technik abmüht.

    Meines Erachtens besteht keine Notwendigkeit immer der erste, zweite oder dritte Lemming zu sein, der auf einen Trend aufspringt. Viele Fragestellungen müssen erst in längeren ökonomischen, rechtlichen und kulturellen Prozessen ausgehandelt werden. (Ist es In Ordnung das Tagebuch von jemanden ohne Zustimmung zu lesen? Ist es in Ordnung jemanden auf Schritt und Tritt nachzustellen? Was ist von einem Partner/einer Partnerin zu halten, die einem zwanghaft überwacht? Ist ein solches zwanghaftes Verhalten entschuldbar, wenn es von Politikern ausgeht? Was wäre zur NS-Zeit passiert, wenn man die heutigen technischen Mittel gehabt hätte? etc.)

    Facebook und Twitter können mir gestohlen bleiben. Ich habe mich da nie registriert und werde es auch nie tun. Es war absehbar, dass diese “sozialen” Netzwerke, deren Geschäftsmodell mit Werbekeilerei, Aufmerksamkeitsprostitution und Befindlichkeitspornografie begann, immer mehr zur allumfassenden Überwachungsmatrix werden.

    Mit dem Mautsystem in Deutschland werden folgende Ziele verfolgt: (1) indirekte Förderung von Unternehmen, die komplexe Überwachungssysteme entwickeln, (2) die zur Marktreife gebrachten Entwicklungen werden nach Saudi Arabien, China, Iran, Nordkorea, Russland, etc. verkauft und – last but not least – (3) der Staat kann dank umfassender Überwachungsaktivitäten immer mehr in das Privatleben der Menschein eindringen.

    Eines ist das Mautsystem der Deutschen bestimmt nicht: ein Mautsystem, mit dem die Kosten für Straßenbau und -erhaltung abgerechnet werden sollen. Um das Vielfahren mit Spritfressern zu verteuern, hätte die Anhebung der Mineralölsteuer völlig ausgereicht (man hätte sich den ganzen technischen Kram sparen können).

    Die Vorratsdatenspeicherung ist ein ähnlicher Fall. Auch sie ist alles andere als ein taugliches Mittel zur Bekämpfung schwerer Kriminalität.

  15. Selbstdenker

    @Manfred Moschner
    Dieser Gedanke ist mir beim Durchlesen auch gekommen.
    Die abgelegensten und technisch unterentwickelsten Regionen der Welt gewinnen immer mehr an Attraktivität.

  16. Rennziege

    9. Februar 2015 – 15:09 Selbstdenker
    Die abgelegensten und technisch unterentwickeltsten Regionen der Welt gewinnen immer mehr an Attraktivität.
    Da samma doch in Österreich bestens aufg’hoben, oddärr? 🙂

  17. Fettfried Oscher

    Passt wie die Faust aufs Auge zur Vorreiterrolle der Schweden bei der Abschaffung des Bargeld. Wer muckt, dem wird lässig das Konto ausgeknipst.

  18. Fragolin

    Praktisch, so ein implantiertes kybernetisches Spielzeug.
    Da kann man gleich alle Chips der Pegida-Demo mit einem Polizeiscanner auslesen und die erfassten Personen der Nazi-Datenbank zubuchen. Was das an Ermittlungskosten spart!
    Widerstand ist zwecklos, Sie werden in das Kollektiv assimiliert!
    Kleiner Scherz am Rande für jene, die mit diesem Zitat etwas anfangen könnnen: In “Star Trek VIII – First Contact” sagt Lily Sloane, eine junge Frau des 21. Jahrhunderts, als sie mit den kybernetsichen “Borg” konfrontiert wird: “Borg? Klingt irgendwie schwedisch.”

  19. rider650

    Dass solche Techniken von allen, die ein Interesse am Sammeln von Daten haben, bejubelt werden, ist klar. Chefs haben ein Interesse am Sammeln von Daten über ihre Angestellten, Staaten ein Interesse am Sammeln von Daten über ihre Untertanen. Bei einer Firma kann ich allerdings kündigen, beim Staat leider nicht.
    Dass mit solchen Systemen, wenn sie einmal vorhanden sind, alles, was technisch möglich ist, auch gemacht wird, ist auch klar. Staaten werden diese Chips fernauslesen können, alle mit genug Wissen und/ oder Geld werden es auch können. All die Überwachung, der heute Handybenutzer ausgesetzt sind, werden in Zukunft auch Chipträger ausgesetzt sein – nur dass man die Chips nicht wird ausschalten können.

    Der übernächste Schritt wird sein, über die Chips ferngesteuert in die Körper der Träger einzugreifen – so wie es heute schon bei Autos möglich ist: http://jalopnik.com/darpa-hacks-gms-onstar-to-remote-control-a-chevrolet-i-1684593523/all

  20. Enpi

    Ne Menge Ludditen hier. Natürlich ist die Verchippung anfänglich gewöhnungsbedürftig, auf Dauer für Unternehmen aber gewinnbringend, und daher alternativlos, wenn man dann im Jahr 2025 einen lukrativen Arbeitsplatz anstrebt und nicht nur von den paar Euros Grundeinkommen leben will. Alles frei nach dem Motto: Entweder ihr geht mit der Zeit, oder ihr geht mit der Zeit.

  21. H.Trickler

    Wenn Marcus Franz das “Chippen” propagiert, ohne die voraussehbaren Nachteile ernsthaft abzuwägen, befindet er sich nicht nur im “provinziellen” Österreich in bester Gesellschaft. Der biometrische Pass ist Tatsache geworden. Es ist eine reine Frage der Zeit, bis unsere Obrigkeit einen Rfid Chip vorschreibt, welcher aus mindestens 10m Distanz ausgelesen werden kann. Wer ihn mit Alufolie am Körper abschirmt wird an den Kontrollstationen durch vollautomatische Laserkanonen ausser Gefecht gesetzt, denn nur Verbrecher wollen sich noch tarnen!

    Schöne neue und vor allem sichere Welt :O

  22. Selbstdenker

    Interessant, dass die AK nichts dazu zu sagen hat. Eigentlich müsste sie den Wunsch der Mehrzahl an Arbeitnehmern Rechnung tragen und solchen Praktiken einen Riegel vorschieben…

  23. Thomas F.

    @Selbstdenker
    Es mag vielleicht der Eindruck der Bevölkerung ein solcher sein, weil sie sich entsprechend gebärdet, aber die Arbeiterkammer ist weder gesetzgebendes Organ noch Behörde und kann somit – zum Glück noch – keine “Riegel vorschieben”.

  24. Selbstdenker

    @Holzer:
    Das ist mir schon klar (auch wenn man bedenken sollte, dass die Sozialpartner sehr wohl in den Gesetzesentstehungsprozess eingebunden sind).

    Mir geht es um die Prioritäten:
    – Einführung von Vermögenssteuern: AK-Thema
    – De facto Einführung der Schuldknechtschaft über die Staatsverschuldung: kein AK-Thema
    – Einführung der elekronischen Leibeigenschaft für Untertanen: kein AK-Thema

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