Inflation nutzt nie dem Mann von der Straße

Von | 12. Dezember 2021

(ANDREAS TÖGEL/ “EXXPRESS”) Häuslebauer und Konsumenten klagen seit geraumer Zeit darüber; Mittlerweile hat es auch der Medienmainstream gemerkt: Die Geldentwertung nimmt Fahrt auf. Während ein Teil der aktuellen Preissteigerungen mit Lieferengpässen erklärt werden kann, die eine Konsequenz der pandemiebedingten Politik darstellen, gibt es einen Preistreiber, der meist ungenannt bleibt: Die ultralockere Geldpolitik der Zentralbanken. In der Eurozone wuchs die Geldmenge allein im Jahr 2020 um 12 Prozent auf 14,5 Billionen Euro.

In den USA hat der Konsumentenpreisindex im Oktober die sechs-Prozent-Marke überschritten. In Österreich liegt der Auftrieb des Preisindex´ aktuell bei knapp viereinhalb Prozent und damit auf dem höchsten Niveau seit 1992. Lohnabschlüsse können gegenwärtig gar nicht hoch genug sein, um nicht durch die Geldentwertung umgehend zunichtegemacht zu werden.

Politiker und Zentralbanker singen indessen weiter das Hohelied der Deflationsbekämpfung. Denn eine Deflation, so die Behauptung, sei des Teufels, da fallende Preise die Konsumlust der Menschen bremsten, Debitoren in Probleme stürzten und eine ökonomische Abwärtsspirale auslösen würden. Als Beleg für diese These wird auf die „Große Depression“ in den USA während der 1930er – Jahre verwiesen. Damals ging der Preisindex um bis zu 10,7 Prozent zurück, während die Industrieproduktion im Jahr 1932 kurzfristig sogar um 32 Prozent einbrach. Dass der „Great Depression“ die „Roaring Twenties“ vorangingen, in denen die Geldmenge durch die FED massiv ausgeweitet und damit ein künstlicher Boom angestoßen wurde, der mit einem Crash endete, wird in diesen Analysen geflissentlich ausgeblendet. Merke: Jedem Crash geht ein mit Schulden befeuerter Boom voraus – das war schon beim Wiener Börsenkrach des Jahres 1873er nicht anders (der übrigens in Johann Strauss´ 1874 uraufgeführter „Fledermaus“ besungen wird: „Glücklich ist, wer vergisst…“).        

 Vor etwas mehr als einem Monat trat der Chef der deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, von seinem Amt zurück, ein währungspolitischer Hardliner, Exponent einer konservativen Geldpolitik. Sein Abgang ist ein Alarmsignal. Denn im EZB-Rat verfügen die Befürworter einer Fortsetzung der ultralockeren Geldpolitik ohnehin über die Mehrheit. Ums Geld der deutschen, österreichischen und holländischen Sparer ist ihnen nichts zu teuer. Erinnert sei an Mario Draghis im Juli 2012 ausgestoßene Drohung „Whatever it takes“, die inzwischen wahr gemacht wurde.

Zum vom Mainstream dämonisierten Begriff Deflation: Ein allgemeiner Rückgang der Preise ist in einer immer rationeller produzierenden Ökonomie – unter sonst gleichen Bedingungen – der Normalzustand. Das gesamte 19. Jahrhundert, mit seiner bedingt durch den technischen Fortschritt rasant wachsenden Industrieproduktion, stand im Zeichen sinkender Preise. Die Geldmenge spielte dabei keine Rolle. Denn mit der FED oder der EZB vergleichbare, als Zentralbanken getarnte Inflationierungsbehörden, gab es damals noch nicht. Da Industriewaren zu fallenden Preisen hergestellt werden konnten, die damit zunehmend auch für einkommensschwache Schichten erschwinglich wurden, nahm der Wohlstand der werktätigen Massen infolge der deflationsbedingten Kaufkraftsteigerung zu. Die marxistische Verelendungsthese war damit nicht mehr nur theoretisch, sondern auch durch die Realität der Marktwirtschaft widerlegt.

Wenn aber Preisdeflation eine Kaufkrafterhöhung pro Geldeinheit und somit eine Wohlstandssteigerung bedeutet, so führt ihr Gegenteil – Preisinflation – zu einem Rückgang der Kaufkraft und damit zu einer Senkung des Lebensstandards.

Der US-Ökonom Murray Rothbard, der sich intensiv mit der Großen Depression auseinandersetzte, wies auf diesen Umstand in einem 1963 erschienen Buch mit dem Titel What Has Government Done To Our Money? hin: „Eine gesteigerte Produktivität führt zur Preis- und Kostensenkung, verteilt damit die Früchte der freien Marktwirtschaft an die Öffentlichkeit und steigert den Lebensstandard für alle Konsumenten. Eine gewaltsame Stützung des Preisniveaus verhindert diese Verbreitung höherer Lebensstandards.“   

Fazit: Inflation nutzt nie dem Mann von der Straße, sondern stets den herrschenden Eliten. Sie führt zu einer Umverteilung von unten nach oben. Wenn Politiker und Zentralbanker eine Lanze für die Inflation brechen, dann tun sie das mit Sicherheit nicht im Interesse der Mehrheit der Bürger.

2 Gedanken zu „Inflation nutzt nie dem Mann von der Straße

  1. Cora

    Trotz Offensichtlichkeit, dass Preise rauf nicht gut ist, Schnäppchenjäger wissen das und deshalb gibt es ja soviele Diskonter, den Hofer, den Lidl, den 1€ Shop, geht niemand gegen Inflation auf die Straße, steht niemand vor der Zentralbank und demonstriert, wie vor den Krankenhäusern. Verkehrte Welt. Gegen diese Zwangsbeglückung hat niemand was.

  2. Falke

    Die Regierung könnte ja etwas tun, damit die Bevölkerung von der Inflation/Geldentwertung etwas weniger stark betroffen wäre: nämlich die Abschaffung der “kalten Progression”. Aber so weit geht ihr die Sorge um das Wohlergehen des Volkes nun wohl doch nicht, trotz aller gegenteiligen Beteuerungen.

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