Interessanter Vorschlag : Unternehmenssteuern abschaffen!

(ANDREAS TÖGEL)  Die ganze Welt steht unter dem Eindruck der Konsequenzen staatlicher Zwangsmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Seuche. Ganze Volkswirtschaften herunterzufahren und internationale Lieferketten zu unterbrechen, war mutmaßlich nicht die beste aller Ideen und konnte nicht ohne negative Auswirkungen auf die Wirtschaftsleistung und die Beschäftigungssituation bleiben. Es steht zu hoffen, dass die Regierungen aus ihren zu Beginn des Jahres gemachten Fehlern ihre Lehren ziehen und auf eine allfällige „zweite Welle“ nicht wieder völlig planlos und panikgetrieben reagieren werden.
Gegenwärtig entfaltet die politische Klasse bekanntlich heftigste Betriebsamkeit in Sachen „Wiederaufbau“. Ein Wiederaufbau, der ohne ihr zuvor vollbrachtes Zerstörungswerk gar nicht notwendig wäre. An erster Stelle des genialen Programms steht, wie immer seitdem die internationalen Geldalchemisten die Finanz- und Wirtschaftspolitik dominieren, die Produktion ungeheurer Geldmengen. Mehr Geld, mehr Prosperität, so die ebenso schlichte wie fehlerhafte Formel. Wirtschaftliche Verzerrungen, die Ausschaltung der Funktion des Geldes als zuverlässiger Signalgeber für die Unternehmen und erhebliche Fehlallokationen sind damit garantiert. Durch das Entfachen von konsumgetrieben Strohfeuern ist ein durch die Schädigung vieler Wirtschaftszweige verschärftes, längst aber bereits bestehendes Strukturproblem nämlich bestimmt nicht zu beheben. Auf die Idee, weniger Regierungsaktionismus könnte mehr nutzen als schaden, kommt offenbar keiner der Verantwortlichen.
Der Direktor des Schweizer Liberalen Instituts, Olivier Kessler, präsentiert im Zusammenhang mit dem „Neustart“ eine unkonventionelle Idee: Er schlägt auf der Website des Instituts vor, die Unternehmenssteuern abzuschaffen (https://www.libinst.ch/).
Das klingt in den Ohren der im Wohlfahrtsstaat sozialisierten und auf die unentwegte Entgegennahme gegenleistungsfreier Wohltaten konditionierten Untertanen, naturgemäß wie Blasphemie. Soll die Ausbeuterklasse sich tatsächlich auf Kosten der unter schwersten Arbeitslasten ächzenden Lohnsklaven noch unverschämter bereichern als schon bisher?
Kessler argumentiert, dass die Unternehmen in Wahrheit ohnehin keine Steuern bezahlen, sondern deren Mitarbeiter und Kunden: „Bei den wahren Trägern der Unternehmenssteuer-Last handelt es sich unter anderem um Arbeitnehmer, die aufgrund der erhobenen «Unternehmenssteuern» weniger Lohn erhalten, als sie ohne solche Steuern bekommen hätten. Auch sind es die Kunden eines Unternehmens, die einen höheren Preis für die gekauften Produkte bezahlen müssen, denn ohne den Ausgabenposten «Steuern» hätten die Herstellungskosten und damit der im Wettbewerb entstehende Kaufpreis für das Produkt tiefer liegen können.“
Da ist in der Tat was dran. Unternehmenssteuern sind selbstverständlich ein „Durchlaufposten“, der von allen anderen bezahlt wird, nicht aber von den Unternehmen selbst. Klar, dass die Betriebe die ihnen auferlegten Steuerlasten einpreisen und weiterverrechnen. Kessler: „Es stimmt daher nicht, dass Unternehmenssteuern die restlichen Steuerzahler entlasten. Vielmehr halsen Unternehmenssteuern den Individuen heimlich eine zusätzliche Steuerlast auf – und zwar durch die Hintertür und oftmals unbemerkt.“
Im Grunde läuft der Vorstoß auf die von liberaler Seite seit vielen Jahren erhobene Forderung hinaus, der Staat möge sich möglichst jeden Eingriffs in die Wirtschaft enthalten und sich mit seinen Steuerforderungen zurückzuhalten. Mehr Geld für die Bürger und weniger für den Staat erweist sich stets für alle – mit Ausnahme der politischen Klasse und andere von Steuergeldern lebende Damen und Herren – als vorteilhaft.
Kesslers Vorschlag zu Ende gedacht bedeutet, dass Steuern von natürlichen, nicht aber von juristischen Personen zu kassieren sind. Konkret: ja zur Kapitalertragsteuer (auf Ausschüttungen von GmbH und Dividenden von Aktiengesellschaften), aber nein zur Körperschaftsteuer, die auch für nicht entnommene Gewinne fällig wird.
Angesichts der Allmacht der Gewerkschaften und des weit verbreiteten Analphabetentums in Fragen der Ökonomie, wird dieser Vorschlag nicht einmal ignoriert werden. Ein interessanter und diskussionswürdiger Gedanke ist es allemal.

8 comments

  1. Andreas Tögel

    Das wird ja nicht behauptet. Es fällt bei Kapitalgesellschaften nur leichter, die Steuerarten voneinander abzugrenzen: Keine Ausschüttung oder Dividende: keine Steuerschuld. Selbstverständlich sollte für nicht konsumierte Gewinne von Freiberuflern und anderen Einzelunternehmern/Personengesellschaften aus logischen Gründen dasselbe gelten.

  2. dna1

    Wie wäre es mit einer Abschaffung der Lohnsteuer, bei gleichzeitigem Kippen der Mindestlöhne? Denn auch die Lohnsteuer zahlen im Endeffekt die Mitarbeiter und Kunden.
    Diese Idee gefällt mir besser, erhöht sofort das Jobangebot und die arbeitenden Menschen haben was davon, die fehlenden Milliarden könnte man einsparen, bei den nicht arbeitenden Menschen, i.e. u.a. die Hälfte der Politiker und unnötiger Behörden, dem weit überdimensionierten Sozialbereich, bei Subventionen und Unternehmensförderungen.

  3. FDominicus

    Wie wäre es mit generellen Steuersenkungen? Und wie wäre es wenn es mehr staatliche Abgaben (wenn überhaupt) statt mehr Steuern gäbe.

    Man köntne auch die die persönlichne Steuern fallen lassen, die Aufgaben des Staates massiv zusammenstreichen und es nur bei einer MwSt belassen

  4. Herbert Otten

    Es macht Sinn, die Steuern auf Einkommen und Erträge ganz zu streichen, damit die steuerlich gebeutelten Leistungsträger und mittelständischen Unternehmen weiterhin als Rückgrat einer Gesellschaft dienen können und wollen. Allein eine Umsatzsteuer auf den privaten Konsum würde reichen, indem etwaige verbleibende Staatshaushaltsdefizite mit neuen Staatsschulden zu null Kosten finanziert werden. Wer erkennt, dass eine Wirtschaft auf Dauer nicht funktionieren wird, wenn ganz überwiegend nur die kleinen und mittelständischen Leistungsträger zur Kasse gebeten und somit mutlos werden, kann sich der Überlegung eines generell steuerbefreiten Einkommensmodells nicht verschließen.

  5. Sokrates9

    Flat tax wuerde reichen!Wobei die heutigen Politikert sind der Meinung Geld braucht nur gedruckt werden…

  6. CE___

    Sehr guter Artikel.

    Meine Meinung jedoch ist maximal 5% Flattax ist das höchste was der ganzen Politiker,- Apparatschick- und Bürokraten-Bande zustehen MUSS nach DIESER, pardon, Gack-Performance bei dieser Virus-Chose.

    Und wahrscheinlich kann man sogar mit dem Steueraufkommen von 5% Flattax immer noch zuviel Unheil anrichten, sowohl hüben (VR China) als auch drüben (“die Welt”).

    Selber schwimmen diese Typen seit Monaten bei gleichem Bombensalär wie davor wie das Fett in der Suppe obendrauf und machen auf wichtig und klopfen sich gegenseitig auf die Schultern (oder besser, lassen sich von gekauften Medien und willfährigen und hörigen Journos auf die Schultern klopfen).

    Je mehr Schaden angerichtet wurde, umso mehr schnauft man herum wie toll man nicht reagiert hätte.

    Währendessen gleichzeitig die produktiven Bürger weltweit durch Lockdowns und andere faschistische Maßnahmen in ebendiese Suppe hinein zum wirtschaftlichen Ertrinken getaucht wurden und vielerorts noch immer werden.

    Aber solange es die Schafe halt so akzeptieren, solange wird es halt so auch sein.

    Zu anderen Zeiten der Geschichte regnete es faule Eier und Heugabeln.

  7. Thomas F.

    Das gleiche gilt für die Umsatzsteuer. Eine Steuer ist ein Teil, den man, von dem, was man erwirtschaftet hat, abtritt an die Gemeinschaft (um es kollektiv zu konsumieren). Also sollte es nur in dem Moment eingehoben werden, wo es dem Individuum zufließt. Alles andere sind versteckte Abgaben, die natürlich auch nur der produktiv Tätige trägt, die man ihm aber versucht zu verschleiern. Sonst würde es offensichtlich, dass bereits einem mittleren Verdiener in unserem “Wohlfahrtsstaat” 70% von dem, was er produziert, weggenommen werden.

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