Investieren in Österreich, nein danke!

Von | 29. Juni 2013

(ANDREAS UNTERBERGER) Es ist wohl die am stärksten alarmierende Zahl der letzten Jahre, die da soeben (sehr zum Leidwesen der sich noch immer bejubelnden Regierung) von einer internationalen Organisation über Österreich und die EU veröffentlicht worden ist.

Denn die große Wirtschaftsorganisation der UNO (Unctad) hat errechnet: In der EU sind im Vorjahr die ausländischen Direktinvestitionen um nicht weniger als 41 Prozent zurückgegangen. In Österreich beträgt der Rückgang sogar 44 Prozent. Das ist wohlgemerkt binnen eines Jahres passiert! Mit anderen Worten: Nur ein paar Ahnungslose tragen noch Geld in das hemmungslos überregulierte und unter unerträglichen Wohlfahrtslasten ächzende Europa. Oder gar nach Österreich.

Gewiss muss objektiverweise hinzugefügt werden, dass weltweit die Direktinvestitionen insgesamt um 18 Prozent zurückgegangen sind. Das ist ein Beweis des global gewachsenen Misstrauens. Aber wenn China oder Brasilien laut dieser Unctad-Studie nur einen zweiprozentigen Rückgang verzeichnen, dann ist klar, zu welchen Regionen die so dringend benötigten Menschen mit Geld trotz allem Vertrauen haben. Und zu welchen nicht.

Die Gründe hierfür sind im Tagebuch immer wieder aufgelistet worden. Europa und Österreich machen in den letzten Jahren jeden nur erdenklichen Fehler. Und das absurde Konjunkturprogramm der österreichischen Regierung (das trotz anderslautender Beteuerungen natürlich sehr wohl den Schuldenstand weiter erhöht) ist ein weiteres Element der Bemühungen, das Land für dauerhafte Investoren unattraktiv zu machen. Sie alle können ja rechnen, was das bedeuten muss. Manche Unternehmen werden zwar versuchen, einen Teil des Geldsegens einzufangen, aber keiner will mehr dauerhaft hier investieren, weil er die Steuerhöhe kennt und vor allem die rotgrünen Pläne, die Last noch weiter erhöhen.

Den allerwichtigsten Grund für die Flucht des Gelds aus Österreich hat dankenswerterweise (wenn auch unbeabsichtigt) die SPÖ-Politikerin Csörgits in einer Aussendung über die Krisenfolgen formuliert: „Österreich ist EU-weit das einzige Land, das das Sozialsystem ausgebaut hat“.

Wirklich Bravo. Da kann man nur noch sagen: Griechenland hat auch saudumme und populistische Politiker. Aber es hat wenigstens Sonne und Meer.

PS.: Es ist ein bezeichnender Zufall, dass dieser Investorenstreik fast zur gleichen Stunde bekannt wird, da das endgültige Scheitern des von Österreich angeführten Gaspipeline-Projekts „Nabucco“ eingestanden werden muss (auch dieser Kollaps war ja hier mehrfach prophezeit worden). Der Grund ist der gleiche: Ein ausländischer Investor nach dem anderen hat sich zurückgezogen.   (Tagebuch)

4 Gedanken zu „Investieren in Österreich, nein danke!

  1. aneagle

    Man muß, speziell als verantwortlicher Investor, auch kleine Erfolge sehen und anerkennen:

    hat es bisher Polit-Hochkaräter wie z.B. die sattsam bekannte Troika aus dem AK- Direktor W. Mumm und dem Ehepaar TumpelGugerell bedurft, um weite Kreise Österreichs in fassungsloses Köpfeschütteln zu versetzen, reicht heute ein einfaches Statement der einfachen Bundesfrauenvorsitzenden des ÖGB völlig!

    Dass ist eine überdurchschnittliche Effizienzsteigerung, welche, so unerwartet wie freudig, angemerkt werden soll!:-)

  2. gms

    Unterberger: “[Griechenland] hat wenigstens Sonne und Meer.”

    Dafür hat Austriachstan hohe Berge und klare Seen, womit das angestrebte Geschäftsmodell der Linken einer entkarbonisierten und durchgängigen Dienstleistungsgesellschaft eine wohl fundierte Grundlage besitzt: Unsummen zahlender Touristen finanzieren den Staat durch den Besuch unseres an 365 Tagen im Jahr schuhplattelnden und jodelnden Völkchens. Um fremdländische Gäste ins Ränkespiel der ehemaligen Bewohner Schönbrunns einzuweihen, reichen sogar die Bildungsabschlüsse jener Verwahranstalten für Kinder, die man anno dazumals noch “Schulen” nannte.

    Auch ist das Beklagen absurd hoher Steuern unagebracht. Wenn es durch den erfolgreich abgeschlossenen Brain-Drain niemanden mehr gibt, der Steuern bezahlen kann, können die Abgabenlasten für potentiell Enteignete sogar jenseits der 100% liegen. Manche Sorgen erledigen sich von selbst. Zur Not mag man noch dem Großglockner einen Steuerbescheid zukommen lassen oder dem Millstätter See. Daß auch diese daraufhin ins Ausland ausbüxen, ist hochgradig unwahrscheinlich. Don’t worry!

    Last not least verspricht eine völlig neu aufgestellte Vermarktung des Wirtschaftsstandortes zusätzliche Einnahmequellen:

    “Lieber Unternehmer, lieber Investor, lieber Facharbeiter, wir wissen, daß Sie nicht den geringsten Anlaß dazu haben, bei uns in Österreich tätig zu werden. Mehr als das gute Gefühl, den Marsch Richtung Steinzeit unseres Landes um Sekundenbruchteile verlängert zu haben, können wir nicht bieten.
    Gegen den entprechenden Betrag sind wir aber gerne bereit, Ihnen bei jeder Art von Übersiedelung behilflich zu sein. Ob Sie nun von Polen aus nach Korea expandieren oder von Singapur nach Kanada — wir packen in jedem Winkel der Welt sorgsam Ihre Koffer, erledigen gewissenhaft Nachsendeaufträge und sorgen gegen eine kleine Extragebühr für lustige Unterhaltung Ihrer Mitarbeiter während der Reise zu neuen Dienstorten.

    Sollten Sie ergänzenden Bedarf an Humanressourcen für Ihre Unternehmungen haben, so bietet Österreich flankierend ein unerschöpfliches Potential lebender Schaufensterpuppen, Halter von Vermessungsstäben und Umblätterer von Notenbüchern, die erfolgreich unserer Ausbildungsprogramm “Kunst trifft Naturwissenschaft” durchliefen und “Mozart war aus Salzburg” sowie “eins und eins ist zwei” in acht verschiedenen Sprachen sagen können. Falls Sie damit nicht das Auslangen finden sollten, so vermitteln wir gerne Kontakte zu Ex-Österreichern im Land Ihrer Wahl.

    Auch nehmen wir gerne Finanzierungsbeiträge zu unserem aktuell laufenden Forschungs- und Ausbildungsprogramm entgegen, das unsere Republik morgen noch zukunftssicher halten wird. Das innovative Program, an dem Sie sich bis zum 31. Dezember Anteile sichern können, behandelt Aspekte des Feuermachens unter widrigen Umständen wie Wind und Feuchtigkeit, sowie das vollständige Verwerten von Knollengewächsen zweckes nachaltiger Sicherung überlebensnotwendiger Energiequellen für Mensch und Tier.

    Sollten Sie aber einfach nur spenden wollen, weil Sie etwa an der perfektionierten Selbstverzwergung Österreichs Gefallen finden oder bloß Mitleid haben, so wollen wir, die Vertreter Östereichs inform von Regierung, Parlement und Kammern, Sie zu diesem Schritt herzlich ermutigen und Ihnen hierfür bei Zahlungseingang eine Mozartkugel zusichern.”

  3. Rennziege

    @gms

    Seitdem es Gamsbarthüte auch für Frauenzimmer gibt, bin ich in der Lage, einen solchen vor Ihnen zu lupfen, allerdings nur im Geiste, da ich keinen beitze. Aber Sie verdienen etliche gelupfte Hüte für Ihren gefinkelten Werbetext, der dem “Wirtschaftsstandort Austriachstan” zweifellos zahllose g’stopfte Investoren zuführen wird. 🙂

    Übrigens beweisen Sie überzeugend, daß (sic!) die bewährte deutsche Orthographie klarer und lesbarer ist als die sogenannte Reform, die in Wahrheit ein depperter Rückschritt vor die gelungene und bewährte Vereinheitlichung von Orthographie und Zeichensetzung ist, die anno 1903 stattfand. Ich tät’ ja auch gern bei letzterer bleiben, aber im Beruf eckt man damit an — obwohl die idiotischen Neuerungen eine Blutspur durch Schulklassen, die wenigen überlebenden Lektorate und Zeitungsredaktionen ziehen.
    Herzliche Grüße!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.