Ist das Land erst mal ruiniert, lebt`s sich völlig ungeniert

Von | 15. November 2013

(C.O.) Wer noch psychisch (drohende Depression) und physisch (drohende Übelkeit) imstand ist, sich die innenpolitischen Geschehnisse dieser Tage im Detail zu Gemüte zu führen, der wird dafür wenigstens mit einer nur sehr selten so dramatisch zu beobachtenden Inszenierung belohnt: dem Versinken der politischen Klasse eines Landes in einem Sumpf von politischem Betrug, garniert mit persönlicher Raffgier und dreister Schamlosigkeit. Fast könnte man meinen, SPÖ und ÖVP sowie das sie umgebende bisherige politische System Österreichs wären ihres politischen Lebens müde und hätten beschlossen, unter Mitnahme von möglichst vielen Wertgegenständen die Bühne zu verlassen.

Nicht anders ist zu erklären, dass die bisherigen und wohl auch künftigen Koalitionspartner ihre Wähler in einem der größten politischen Betrugsmanöver der Zweiten Republik über den deplorablen Zustand der Staatsfinanzen dermaßen dreist getäuscht und in die Irre geführt haben. Mit dem einzigen erkennbaren Ziel, noch ein paar Jahre an den Futtertrögen bleiben zu dürfen.

Wie es Hütchenspielern um das Bare der Passanten geht, geht es den Regierenden um den Machterhalt – und um sonst nichts. „Gerechtigkeit“ und „Entfesselung der Wirtschaft“ entpuppen sich als billige Pappen, mit denen den schlichteren Gemütern der Blick auf den Budgetbetrug verstellt werden sollte.

Man muss den beiden Koalitionsparteien, auch wenn wir für diesen Betrug teuer werden bezahlen müssen, in gewisser Weise trotzdem dankbar sein. Denn nun weiß auch der allerletzte Dolm in diesem Land: Wer diesen Leuten noch einmal seine Stimme gibt, der kann genauso gut seine Limousine übers Wochenende vertrauensvoll der östlichen Automafia zur Aufbewahrung überlassen.

Ganz offensichtlich ist bei SPÖ wie ÖVP das Wissen um den nahenden Abgang in die relative Bedeutungslosigkeit bereits so ausgebildet, dass sie sich nicht einmal mehr die Mühe geben zu verbergen, dass es ihnen um nichts anderes mehr geht, als die Jobs, die Macht und die Einkommen möglichst vieler Parteisoldaten abzusichern, so gut es geht, bevor die Koalition endgültig Geschichte geworden ist und die Dritte Republik, wie auch immer sie aussehen wird, anbrechen wird.

Anders ist nicht nur der Budgetbetrug nicht zu erklären, sondern etwa auch der völlig schambefreite Versuch, den ORF wieder endgültig zu einem staatlichen Proporzsender zu machen, über den nur noch die beiden Regierungsparteien disponieren können. Anders ist auch nicht zu erklären, dass etwa die Landeshauptleute von ÖVP und SPÖ nun dreist noch mehr Kohle vom Bund verlangen; oder der neue Linzer Bürgermeister, dessen Vorgänger eine halbe Milliarde verzockt haben dürfte, nun als Erstes auf den Bau einer völlig unnötigen Medizin-Uni in seiner pleitebedrohten Stadt pocht.

Ganz offensichtlich befreit das Wissen um das bevorstehende Ende einer politischen Epoche die Protagonisten dieser Epoche von jeglichen allenfalls noch in Resten vorhandenen Schamgefühlen. Ist das Land erst mal ruiniert, lebt sich’s völlig ungeniert.

Wer geglaubt hatte, Josef Caps jüngste Einlassung, sein 6000-Euro-Nebenjob im Renner-Institut sei ja „durchaus mit Arbeit verbunden“, stelle die höchstmögliche Verhöhnung arbeitender Menschen dar, wurde bald darauf eines Schlechteren belehrt. Da begründete der Ex-Notenbanker Adolf Wala seine absurde 32.000-Euro-Pension mit dem Hinweis, dass er ja auch „hohe Steuern bezahlt“. Das wird beim Bezieher einer österreichischen Durchschnittspension von 1200 Euro sicher extrem gut angekommen sein.

Österreich wird übrigens 2014 fast eine halbe Million Arbeitslose haben. Für diese Regierung sicher kein Problem: Wer vor Wahlen ein solches Budgetloch zum Verschwinden bringen kann, wird doch imstande sein, nach der Wahl auch eine halbe Million Arbeitslose, Simsalabim, zum Verschwinden zu bringen. Im Milieu der Hütchenspieler geht so was schon. (“Presse“)

 

19 Gedanken zu „Ist das Land erst mal ruiniert, lebt`s sich völlig ungeniert

  1. Helmut Durinkowitz

    Super Beitrag heute in der Presse!
    Endlich beschreibt ein Journalist die Situation in Österreich offen und verständlich.
    Ich freue mich auf weitere Kommentare Herr Ortner.

  2. Thomas F.

    Und wir können jetzt fünf Jahre lang überhaupt nichts dagegen tun. Solange die SPÖVP-Politmafia Einigkeit bewahrt beim Ausplündern der Nation, könnte uns höchstens ein Befreiungsschlag des Bundespräsidenten retten (verfassungstechnisch).

  3. Helmut Durinkowitz

    Wenn wir wollen können wir etwas dagegen tun – Wir sind das Volk!
    Ich habe das schon mal gehört………………
    Warum lassen wir uns das gefallen? Wehren wir uns!

  4. Thomas Braun

    Wer wie ein Automat jedesmal wieder SPÖVP wählt, darf jetzt auch nicht jammern (nicht auf C.O. bezogen – weiß nicht wen er wählt). Und eine Mehrheit hat letztes Mal wieder SPÖVP gewählt, weil die anderen sind nämlich ur-unwählbar und haben kein Personal. Das stimmt natürlich. Derartige Topleute wie die der SPÖVP, bei denen wir wirklich in guten Händen sind, haben die anderen Parteien nicht.

  5. oeconomicus

    Thomas F.: Wir können uns sehr wohl mit allen zu Gebote stehenden (legalen) Mitteln gegen diese Regierung wehren, von passiven Widerstand bis zum Steuerstreik und Volksbegehren. Wir Bürger müssen denen das Leben so schwer machen, dass sie gern gehen!

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  7. Thomas Holzer

    Der große Unterschied: den Hütchenspielern gibt der Passant sein Geld freiwillig; die Politiker haben leider einen “Rechtsanspruch” auf unser Geld, auch Steuer genannt.

    Ich denke, vor dem finalen Abgang dieser “großen” Koalition wird es in einer nächtlichen Nationalratssitzung nochmals einen einstimmigen Beschluß aller Parlamentsparteien zu einer bescheidenen Erhöhung der Parteienförderung kommen, weil Demokratie muß uns ja was Wert sein.

  8. Thomas Holzer

    @oeconomicus
    Ihre Ideen in allen Ehren; aber ein Steuerstreik, in Österreich?
    Sorry, der wird nicht stattfinden, dafür ist das vulgus populus schon viel zu staatshörig.

  9. oeconomicus

    Thomas Holzer: Käme auf einen Versuch an: tausende Einkommensteuerzahler klagen die Regierung wegen Betrug und zahlen gleichzeitig ihre Einkommensteuer auf ein Treuhandkonto. Ich möchte mir anschauen, ob dann die Finanz es wagt, harte Maßnahmen zu setzen.

  10. Thomas Holzer

    @oeconomicus
    bei diesen Gerichten und Staatsanwaltschaften in Österreich; würde es zu gar keiner Klagserhebung kommen 🙁

  11. herbert manninger

    Mein Internist hat mir wegen meines Gallenleidens sämtliche Nachrichten über unsere – wie nenne ich sie bloß, um nicht in eine rüpelhafte Diktion zu verfallen? – Regierungsparteien strengstens verboten. Ganslessen erscheint ihm vergleichsweise eher unbedenklch….

  12. Christian Peter

    Derartige Beiträge hätten man sich v o r den Wahlen in den österreichischen Medien gewünscht – nachdem die kriminellen Altparteien für weitere 5 Jahre im Amt bestätigt wurden, kann man sich von solchen Artikeln nichts mehr kaufen.

  13. Christian Peter

    Nachtrag : Dass ÖVP und SPÖ krimineller sind als die italienische Camorra, weiß man in Österreich schon seit 40 Jahren !

  14. Thomas Holzer

    @Christian Peter
    Und warum haben Sie, als Erleuchteter, nicht v o r den Wahlen einen solchen Beitrag verfasst? 😉

  15. Herr Karl jun.

    Diese politische Kaste ist nicht mehr lernfähig! Wer anderes glaubt wird mit einem weiteren
    gewaltigen “Erwartungsloch” konfrontiert sein. Schon bei der Reform des Lehrerdienstrechtes und der Handhabung der Hypo-Bank Angelegenheit wird sich dies in einigen Monaten abermals zeigen. Nächstes Jahr werden dann eine neue Rekordarbeitslosigkeit, eine Stagnation bzw. sogar ein leichter Rückgang der Wirtschaftsleistung und verdichtete Anzeichen von Kapitalabflüssen zu einer Neuvermessung des “Erwartungsloches” führen, und die Prognosen werden neu prognostiziert werden.
    Wie lange lassen sich die zu Bürgerleins Downgegradeten das noch gefallen?

  16. Christian Peter

    Das Mindeste, was man von Medien in Österreich nach dem systematischen Wahlbetrug erwarten kann : Die Forderung nach Neuwahlen.

  17. Wolf

    Ganz verstehe ich ja Ortner nicht: er müsste ja schon einige Wahlen und Zwischenwahlzeiten erlebt haben, und da sollte ihm aufgefallen sein, dass die Wähler erstens ein äußerst kurzes Gedächtnis haben und viele von ihnen (wohl die meisten) zweitens ständig der Meinung sind, “die anderen sind ja auch nicht besser”. Ergebnis: ganzu egal was die Parteien (Rot-Schwarz) tun und lassen, wie unverschämt sie auch die Wähler belügen und ihnen in die Taschen greifen: sie werden immer wieder gewählt. Manchmal verlieren sie zwar etwas, doch für die (gemeinsame) Mehrheit geht es sich immer noch aus. Ich gehe jede Wette ein, dass es bei der nächsten NR-Wahl (in 5 Jahren oder vielleicht doch früher) ganz genau so sein wird.

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