Ist der Ruf einmal ruiniert….

Von | 12. September 2017

(ANDREAS TÖGEL) Dass die Schamlosigkeit der in öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten tätigen Redakteure ziemlich unübertroffen ist, dürfte jedermann erkannt haben, der ihre politische Berichterstattung und die von ihnen moderierten Diskussionssendungen verfolgt. Eine Grundtugend des guten Journalismus´, nämlich sich keinesfalls mit einer Sache gemein zu machen, auch nicht mit einer vermeintlich guten, sondern vielmehr nach bestem Wissen und Gewissen neutral und objektiv über die Geschehnisse zu berichten, ist völlig verlorengegangen. Die Einseitigkeit der „Berichterstattung“, der totale Siegeszug eines von jedem Berufsethos befreiten Meinungsjournalismus´, ist kaum noch zu ertragen. Die Parteinahme für Regierungs- und/oder Linkspolitiker nimmt mittlerweile inakzeptable Formen an.

Selbstverständlich sind auch Redakteure Menschen aus Fleisch und Blut. Dass sie für die einen Sympathien und für die anderen Ablehnung empfinden, ist ihnen zuzugestehen und sei ihnen auch unbenommen. Aber ihre persönlichen Empfindungen ungebremst auszuleben, indem sie auf unfaire Art und Weise Doppelstandards festlegen, nach denen den die einen (sagen) dürfen, was den anderen verboten ist; indem sie den von ihnen präferierten Protagonisten in Interviews und als Debattenmoderatoren als streichelweiche Kumpels entgegentreten, während sie alle anderen in der Art und Weise behandeln, die an Polizei-Verhöre erinnert, ist untragbar – zumindest dann, wenn ihre Gehälter aus Zwangsgebühren finanziert werden.

Sowohl in Deutschland als auch in Österreich, verstehen sich die Damen und Herren Rundfunkschaffenden offensichtlich entweder als Parteisprecher (in Österreich existiert seit Jahrzehnten eine virtuelle Drehtür zwischen der Parteizentrale der SPÖ und der ORF-Zentrale am Wiener Küniglberg) oder als Erziehungsbeauftragte, die eine bereits im Kindergarten begonnene und in staatlichen Schulen und Universitäten weitergetriebene Gehirnwäsche, zu komplettieren trachten.

Kaum eine Politdiskussionssendung, in der die Moderatoren nicht unentwegt ihnen unliebsamen Teilnehmern ins Wort fallen, oder sich anstatt als neutraler Makler zurückzuhalten, ganz offen auf Seiten ihrer Lieblinge ins Geschehen eingreifen, indem sie sich selbst als Debattenredner gerieren. Vervollständigt wird das an Schauprozesse erinnernde Setting, durch ein handverlesenes Studiopublikum, das exakt an den richtigen Stellen applaudiert oder auch seinen Unmut bekundet. Wer sich in den zurückliegende Wochen einschlägige Formate im ZDF, ORF oder ARD zu Gemüte geführt hat, weiß wie das geht und wie geradezu gespenstisch perfekt es funktioniert. Tritt einmal doch eine Panne ein, und ein „rechter“ Politiker erhält unerwartet Applaus, wird das von der Moderatorin (diesfalls Anne Will) prompt mit dem Hinweis quittiert, die Klatscher wären ja wohl Begleiter der mit Beifall bedachten Dame. Unglaublich.

Um jedem Unfall vorzubeugen und den gewünschten „Erfolg“ hundertprozentig sicherzustellen, wird auch noch dafür gesorgt, dass Teilnehmer, von denen unliebsame Äußerungen zu erwarten sind, sich stets gegenüber der politisch korrekten Medienlieblingen zuverlässig in der Minderzahl befinden. Fairness nach linker Lesart eben.

Allerdings sind nicht ausschließlich die Sympathien der durch die Bank (selbst nach ihrer eigenen Einschätzung) linken Redakteure maßgeblich. Natürlich sind es auch handfeste wirtschaftliche Interessen, die ihren Stil prägen. Wer von öffentlichen Mitteln lebt, tut, was dem Politbüro gefällt. Schließlich will man ja weiterhin an den von der herrschenden Klasse wohlgefüllten Futtertrögen fressen. Unangenehme Fragen an diejenigen zu richten, oder unbotmäßiges Verhalten gegenüber denjenigen zu zeigen, die über die Gelder gebieten, die bislang so großzügig fließen, wäre doch hochgradig ungeschickt. Wes´ Brot ich ess´, des´ Lied ich sing´!

Wer aber jetzt meint, er könnte die rotgrünen Meinungsbildner durch kritische Fragen aus der Reserve locken, irrt. Wer das gegenüber dem österreichischen Rotfunk, der, wie der deutsche, von Zwangsgebühren lebt, versucht, bekommt zur bereits erlittenen Zumutung, auch noch eine kräftige Portion Hohn serviert.

So geschehen, als kürzlich eine von der frechen Art des Umgangs einer ORF-Megäre mit einem bürgerlichen Politiker genervte Seherin, eine kritische E-Mail an dessen Generaldirektion sandte. Die Antwort der Kundendienstabteilung lautete, nach einer inhaltsleeren Einleitung:

 

„Des Weiteren teilen wir Ihnen mit, dass Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk von existenzieller Bedeutung sind. Dem wird im Bundesverfassungsgesetz über die Sicherung der Unabhängigkeit des Rundfunks und im ORF-Gesetz ebenso Rechnung getragen wie mit dem ORF-Redakteursstatut und den ORF-Programmrichtlinien. Darüber hinaus stellt der Verhaltenskodex für journalistische Tätigkeiten, der für sämtliche ORF-Journalistinnen und -Journalisten gilt, auf Basis des ORF-Gesetzes Qualität, Authentizität und Glaubwürdigkeit der ORF-Berichterstattung sicher.“ (Hervorhebungen von mir)

 

Ein Verhaltenskodex, der von Figuren erstellt wird, die dem rotgrünen Meinungsmonopol in gleicher Weise verpflichtet sind, wie die kritisierten Redakteure, wacht also über die von diesen gelieferte „Qualität und Glaubwürdigkeit“. Na dann Prost, Mahlzeit.

Die Tatsache, dass die öffentlich-Rechtlichen laufend an Reichweite verlieren und mehrheitlich ohnehin nur noch von Rentnern konsumiert werden, ist, angesichts dessen, dass auch nichtlinke Zeitgenossen, für den von diesen produzierten geistigen Sondermüll aufzukommen genötigt sind, ein schwacher Trost.

In Österreich besteht immerhin eine, wenn auch minimale, Chance darauf, dass nach der Wahl im Herbst der Wind sich drehen, oder wenigstens ein bisschen abflauen wird. Niemand ist schließlich so rückgratlos und feige wie die Nachrichtenzunft im ORF. Wer sich noch an den nach der Angelobung der schwarzblauen Koalitionsregierung anno 2000, binnen weniger Tage vollzogenen Klimawandel erinnern kann, weiß, was gemeint ist. Plötzlich gab es kritische Fragen an Linkspolitiker und einen einigermaßen zivilisierten Umgang mit den Bürgerlichen. Geht also!

Die Deutschen werden – wieder einmal – deutlich weniger Glück haben. Auch mit einer AfD mit 10%+, werden die degoutanten Merkel-Festspiele wohl dauerhaft auf dem Spielplan bleiben.

24 Gedanken zu „Ist der Ruf einmal ruiniert….

  1. raindancer

    wie wahr 🙂 das ganze kann man auch auf die Zeitungsmedien ummünzen

  2. Rado

    So isses. Die Fortsetzung der Geschichte heißt Presseförderung und Regierungsinserate bzw. Inserate von “staatsnahen” Unternehmungen.

  3. Rado

    PS:
    Und dann ist da natürlich noch die Realsatire aus dem ORF selbst. Glaube, dessen Mitarbeiter spüren sich auch beim besten Willen selber nicht mehr.

  4. Martin Söldner

    Dieses Ausführungen kann ich nur zustimmen!
    Mir wurde auf meine Kritik folgende Belehrung geschickt:
    Ihre Anmerkungen zur Interviewführung von Moderator Tarek Leitner im „ORF-Sommergespräch“ mit Sebastian Kurz haben wir der zuständigen Redaktion zur Kenntnis gebracht.
    Zusätzlich teilen wir Ihnen mit, dass sich ein Polit-Talk nicht immer an den gängigen Verhaltensregeln eines Gesprächs orientieren muss. In einem Interview, das gemäß Definition aus kontroversieller Rede und Gegenrede besteht, ist die Konfrontation unterschiedlicher Standpunkte (die Kontroverse) nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht und damit journalistische Pflicht.
    Scharf ausgeprägte Standpunkte, provokante Stellungnahmen und kritische Fragestellungen sind zulässige journalistische Werkzeuge; die Rolle der Journalistin/des Journalisten darf sich im Interview nicht in der Beisteuerung neutraler Stichworte für Statements der interviewten Person erschöpfen. Auch sind die Grenzen „akzeptabler kritisch-provokanter Fragestellung“ bei politisch tätigen bzw. im öffentlichen Leben stehenden Persönlichkeiten grundsätzlich weiter gezogen.
    Danke, ORF !

  5. sokrates9

    In den 80er Jahren war eine der ersten Vorlesungen in Publizistik ” neutrales Berichten”. Man musste versuchen einen Text so zu formulieren dass der kritische Rezipient ( Professor) nicht erkennen konnte welche Meinung man als Berichterstatter hat! Und das ist verdammt schwierig! Jedes Wort wurde dann analysiert und nach neutralen Alternativen gesucht! Solche Übungen kennt man anscheinend in der NMS nicht!
    Was mich zusätzlich stört ist wie primitiv mit dem Holzhammer heute diverse TV – Journalisten agieren, da gibt es keine “feine Klinge “!

  6. KTMTreiber

    @Rado

    Hahahahaha – you made my day !!!! 🙂 🙂 😉

    PS: Die spüren sich tatsächlich nicht mehr, – Zeit das erste Bier auf zumachen …

  7. Christian Peter

    Was darf man sich in totalen Parteienstaaten wie Österreich und Deutschland ohne nennenswerte Gewaltenteilung und ohne unabhängige Presse erwarten ? Der öffentliche Rundfunk hat einen Marktanteil von über 50 %, der Rest verteilt sich auf ein paar Medienkonzerne wie Bertelsmann, Springer, Burda & Co bzw. Mediaprint und Styria Verlag in Österreich, welche statt unabhängiger Berichterstattung ebenfalls Parteipolitik betreiben.

  8. mariuslupus

    Herr A.U. als Rufer in der Wüste. Was nützt aber jede Wahrheit, wenn sie niemand hören will. Nicht die Adressaten, nicht die Politiker die erfolgreich Journalisten korrumpiert haben und nicht die Konsumenten die auch in der Zukunft nicht kapieren werden dass der ORF ein von oben verordnetes Opium für das Volk ist.
    So lange die Politiker so treue Vasallen haben, brauchen sie sich um ihre Wiederwahl nicht zu sorgen.
    Noch nie, ausser in Diktaturen, haben sich Journalisten freiwillig und jubelnd in den Dienst der
    Herrschenden, gestellt wie in dieser Demokratur. Das nicht Vorhandensein von kritischen Journalismus,
    ist ein untrügliches Zeichen, dass man sich in einer Diktatur befindet.
    Merke, wer in der Demokratie schläft, wacht in einer Diktatur auf. Guten Morgen !

  9. Christian Peter

    @mariuslupus

    Der öffentliche Rundfunk ist nicht das einzige Problem. Ein weit größeres Problem stellen die privaten Medien dar, wo es ebenfalls keine unabhängige Berichterstattung gibt, was noch weit schwerer wiegt, denn dort gehen die Bürger von unabhängiger Berichterstattung aus, während bei den staatlichen Anstalten ohnehin jeder weiß, woher der Wind weht.

  10. mariuslupus

    @Rado
    Wie schaffen es diese Genossinen und Genossen jeden Morgen in den Spiegel zu schauen,
    ohne zu erbrechen ?

  11. KTMTreiber

    @mariuslupus:

    Wie schaffen es diese Genossinen und Genossen jeden Morgen in den Spiegel zu schauen,
    ohne zu erbrechen ?

    Ganz einfach, – ohne Rückgrat und ohne Ehre, dürfte das keine besonders schwierige Aufgabe sein.

  12. Christian Peter

    @mariuslupus
    @KTMTreiber

    Wie schafft man es in Ländern wie Österreich und Deutschland, sich als Wähler in den Spielgel zu schauen, ohne zu erbrechen ?

  13. Falke

    Ich darf daran erinnern (die Jüngeren unter den Lesern haben es vielleicht gar nicht erlebt), dass der Erste (oder einer der Ersten), der seine politische (Rot-)Gesinnung ungeniert in den ORF-Nachrichten ausgelebt hat, Josef Broukal war. Das durfte er solange ungestraft tun, bis unter Schwarz-Blau 2002 Monika Lindner ORF-Generaldirektorin wurde und Broukal in den Orkus geschickt hat. “Orkus” ist natürlich übertrieben, er wurde SPÖ-Nationalrats-Abgeordneter. Es werden wohl aber auch die Jüngeren wissen, wie wild die heutigen Rot-Grünen Monika Lindner und ihren Chefredakteur Werner Mück verdammen: sie haben nämlich versucht, den ORF halbwegs neutral und objektiv zu führen. Unter Gusenbauer/Faymann wurde dann alles wieder ins “rechte” (natürlich linke) Lot gebracht; natürlich mit tätiger Mithilfe der damaligen ÖVP-Führung (Molterer, Pröll).

  14. Christian Peter

    @KTMTreiber

    Ich hätte keine ruhigen Nächte mehr, würde ich ein verkommenes politisches System wie in Österreich und Deutschland durch Abgabe einer Stimme bei Wahlen am Leben erhalten.

  15. Reini

    @Rado 8:46,… dachte an einen Ausschnitt des Villacher Faschings 🙂 ,… die Zwangsgebührenbezahlten vom Kiniglberg meinen es ernst!

  16. Der Realist

    Sehr geehrter Herr Tögel!

    Sympathie für die einen, oder Ablehnung für die anderen zu bekunden, wird ja nicht einmal mehr dem Durchschnittsbürger zugestanden. Längst haben wir die staatlich verordnete Gedankenwelt, auf der einen Seite die politisch Korrekten, diese repräsentieren nach Eigendefinition eben das “andere Österreich”, und auf der anderen Seite jene,, für die sich das “Andere Österreich ” halt so gerne schämt. Dass die Politisch Korrekten selbstverständlich auch das Meinungsmonopol für sich beanspruchen, wird uns ja täglich vorgeführt.. Allein, wogegen die “Guten”, die Obermoralisten oftmals demonstrieren zeigt, mit welchen Überlegenheitswahn sie behaftet sind, da spielt es auch keine Rolle, wenn rechtliche Grenzen überschritten werden. Bei gewalttätigen Ausschreitungen wird stets von “Aktivisten” oder “Autonomen” gesprochen und die strafrechtlichen Tatbestände verharmlost oder sie finden in der Berichterstattung keine Erwähnung..
    Der Meinungsterrorismus hat ja mit dem Aufstieg der FPÖ unter Jörg Haider begonnen. Die freiheitlichen Wähler wurden medial vorgeführt und viele haben nicht den Mut gehabt, sich öffentlich zu deklarieren.. Und im Jahr 2000 haben die “Vorzeigedemokraten” endgültig ihre Maske fallen gelassen, da haben wir gesehen, was sie unter Demokratie verstehen.
    Ich bleibe meiner Linie noch immer treu, nehme für mich das Recht in Anspruch meine Meinung auch kund zutun, habe auch kein Problem, meine tiefe Abneigung gegen gewisse Leute oder Angehörige bestimmter Gruppierungen offen zu zeigen, und ich halte es locker aus, wenn man mich für meine Einstellung in eine bestimmte Ecke stellt. Der Meinungsterror funktioniert ja nur dann, wenn auch die andere Seite mitspielt.

  17. Giovanni B.

    @ Socrates 9 – Ihre Anmerkung bzgl. Publizistik an der Uni unterschreibe ich gerne. Genoss genau das unter Roland Machatschke! Weiss jetzt nicht, ob er ein Roter war, aber genau das ist eben der Punkt.
    @ Der Realist – Danke für Ihre Replik, genau so ist es und Sie sind nicht alleine mit Ihrer Ansicht!

  18. mariuslupus

    @Christian Peter 11.42
    Hochachtung, ihr bester Beitrag !!!

  19. Der Realist

    @Christian Peter 11:42

    ich bin jetzt auch Staatsbürger der Demokratischen Volksrepublik Korea, und als solcher bin ich auch wahlberechtigt, meine Entscheidung steht bereits fest.

  20. raindancer

    ja nNchtwählen ist eine Option, ich glaube aber dass diese noble Art des Abweisens oder auch der Passivität keinen Effekt haben wird.

  21. sokrates9

    Giovanni B. -15:29: Paupie und Hans Benedikt vom ORF waren da noch “alte Schule” 🙂

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