Italien: Eine Krise “epischen Ausmaßes” und Gefahr für ganz Europa

Von | 22. Juli 2016

“Europa ist schwer krank”, sagt David Folkerts-Landau, Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Er denkt dabei an die eigene Branche, vor allem sorgt er sich um Italiens Banken. Ihre Kapitalprobleme bedrohen die Stabilität des ganzen Kontinents. Dass Italiens Banken ein milliardenschweres Kapitalproblem haben, ist inzwischen allseits bekannt. Dass Italiens Banken die Finanzstabilität Europas bedrohen könnten, wird allerdings gern verschwiegen – vor allem in der Politik: Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble beispielsweise sieht “keinen Grund” für Spekulationen über “irgendwelche negativen Entwicklungen”. Und Bundeskanzlerin Angela Merkel versichert: “Ich sehe keine krisenhafte Entwicklung insgesamt.”
Tatsache ist: Gewaltig sind die Summen, um die es geht, gewaltig ist auch das Problem für die gesamte europäische Bankenbranche. Das stellte Folkerts-Landau in einem Interview mit der Tageszeitung “Die Welt” vor Kurzem eindeutig klar. “Es geht derzeit nicht um einzelne Banken, die ganze Branche ist unter Druck”, so der Chefvolkswirt der Deutschen Bank.
Das habe enorme Auswirkungen, denn: “Wenn ein Spieler ausfällt, ist das für die anderen kein Vorteil – stattdessen gerät das gesamte System unter Stress.” Und die italienischen Spieler wanken gefährlich …

Italiens Banken leiden vor allem unter milliardenschweren “faulen” Krediten. Bei Finanzexperten läuten deshalb längst die Alarmglocken, denn mit “faulen” Krediten begann die Finanzkrise 2007. Amerikaner mit einem geringen Einkommen hatten damals Kredite zum Kauf eines Hauses erhalten; im Extremfall hatten sie gar keinen Job und auch sonst keinen Besitz, um den Kredit abzusichern. Schließlich platzte die Blase, irgendwann wurde also klar, dass die Kredite nicht gedeckt waren, dass die Kredite keinen Wert hatten – in der Folge musste unter anderem die Bank Lehman Brothers Insolvenz anmelden.
In den Bilanzen der italienischen Geldinstitute sollen sich Problemdarlehen von insgesamt 360 Milliarden Euro auftürmen, was “eher die Untergrenze” sein dürfte, schätzt Folkerts-Landau. “Im Nullzinsumfeld fällt es leichter, Kredite einfach ohne Tilgung weiterlaufen zu lassen”, so der Experte weiter. Für ihn scheint klar: “Die Banken müssen rekapitalisiert werden.” (weiter hier)

7 Gedanken zu „Italien: Eine Krise “epischen Ausmaßes” und Gefahr für ganz Europa

  1. Christian Peter

    ‘Stattdessen gerät das ganze System in Stress’

    Diese Geschichte glaubt niemand mehr. In Island wurden Banken nicht gerettet, sondern in die wohlverdiente Pleite entlassen und die verantwortlichen Banker zu 76 Jahren Haft verurteilt. Die Wirtschaft Island erholte sich rasch von der Pleite des Finanzsektors und hat heute weit höhere Wachstumsraten als die EU.

  2. Thomas Holzer

    Ökonomen, Wirtschaftstreibende, Vertreter von NGOs et al. haben sich von “unseren” Politikerdarstellern abgekupfert, mit möglichst viel Pathos unbeteiligte Dritte für deren eigenen Fehlentscheidungen in die Pflicht zu nehmen.
    Wenn Aussagen mit Einleitungssätzen wie “Europa ist schwer krank” begonnen werden, sollten die Untertanen mehr als nur hellhörig werden.
    Im besten Fall werden sie “nur” finanziell belastet, im schlechtesten Fall “dürfen” sie mit ihrem Leben für die Fehler anderer bezahlen.

  3. Gerald Steinbach

    Christian Peter@
    Völlig richtig, auch in den usa hat man über 100 Banken über den jordan geschickt, abgesehen von einer Bank in Irland (anglo irish) hat man das faule system in europa koste was es wolle temporär am leben gehalten

    In Griechenland hats bei den Banken in 7 jahren schon 5 Kapitalerhöhungen gegeben
    Ein versagen auf ganzer ebene, italien hat es verabsäumt für seine loan losses eine bad bank zu gründen, bis dato gibt es keine

  4. Lisa

    Kaum jemand hat je verstanden, warum Banken “gerettet” werden müssen – und wenn man es zu erklären versucht, mit “schwarzen Freitagen” und Wirtschaftskollaps und Ähnlichem ist die Reaktion des Mannes auf der Strasse meist genau die: Wenn sie bankrott sind – wozu soll man da was retten?!? Banca rotta= kaputte Bank…

  5. Falke

    Na, wenn die DDR-Physikerin und “Expertin für eh alles”, Merkel, “keine krisemhafte Entwicklung” sieht, können wir uns wohl beruhigt zurücklehnen.

  6. Gerald Steinbach

    Wo hat denn eigentlich die EU nicht versagt

    Viele Jüngere wissen ja gar nicht, dass man früher auch quer durch Europa reisen konnte und auch dort arbeiten konnte

    Wo sind eigentlich für den Bürger noch die Benefits??
    -Ausufernde Staatsverschuldung
    -Friedensprojekt Europa siehe Frankreich
    -Bankenkrise
    -Islamisierung
    – Gewaltzunahme, Terror

  7. Gerald Steinbach

    Der guten Ordnung halber sei erwähnt, dass es auch Profiteure durch die EU gibt
    Den Politiker wurde ein zweites Standbein geschaffen, klappt es innenpolitisch nicht, gibt’s gute Aussichten in Brüssel
    Beamte haben die Möglichkeit einen sehr gut bezahlten Job in Brüssel zu finden
    Zunahme der NGO`s
    Kämpfer gegen rechts, daraus ergeben sich zahlreiche Jobs, wie Beobachter(Internet) und Antirassismusmitarbeiter,..usw

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